Erfolgreich investieren in Finnland

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Finnland ein?

Finnland hat die Folgen der internationalen Finanzkrise hinter sich gelassen. Gleichzeitig hat die Konjunktur auch ihren Wachstumszenit erreicht. Inzwischen hat der Beschäftigungs­grad in Finnland sich bedeutend ver­bessert. Das Wettbewerbsabkommen hat die finnische Wett­bewerbs­fähigkeit in den internationalen Märkten und der globalen Konkurrenz verstärkt, wegen des geringeren Kostenanstiegs der Arbeitskraftkosten.

Die Voraussetzungen für weiteres Wachstum existieren noch, aber der unklare Brexit-Modus, die steigenden Zinsen und der sich verschärfende Handelskonflikt zwischen USA, Europa und China verunsichern die Zukunftsaussichten der finnischen Unternehmen. Das kann die positive Inves­titionsentwicklung und den Export Finnlands beeinflussen. Die kommenden Parlaments­wahlen bringen Aufregung in der Innenpolitik. Der finnische Export floriert und die neue Schiffsbestellung bei der Meyer Werft trägt zu den guten Exportzahlen bei.

Wie würden Sie das Investitionsklima in Finnland beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die finnische Wirtschaftsgeschichte ist beispielhaft für die Errungenschaften der Globalisierung, eine wachsende Offenheit und florierende Marktwirtschaft. Fundament dafür ist das vorbildliche Bildungs­system, das bereits ein hohes Niveau vorweist. Wachstumstreiber der finnischen Wirtschaft sind die starken Bruttoanlageinvestitionen.

Die Nachfrage nach finnischen Exportprodukten ist auf den internationalen Märkten hoch und die in Finnland produzierten Waren und Dienstleistungen konkurrieren immer besser mit den in anderen Ländern produzierten Produkten. Trumpfkarten Finnlands sind insbesondere die hohe Qualität und der ausgezeichnete Ruf.

Die Bereiche, die die größten Auslandsinvestitionen anziehen, sind mit technologischen Innova­tionen wie Cleantech und Biotechnologie sowie Softwareentwicklung und Rechenzentren verbunden. Die Servicebranchen – insbesondere die Tourismus- und IT-Branche – prosperieren. Nokia hat einen neuen Aufschwung erlebt und in der Forstindustrie werden neue Produkte von Zellulose und anderen Nebenprodukten fortlaufend entwickelt. Die Start-up-Szene in Finnland scheint fortwährend dynamisch und vital zu sein. Aufstrebende Branchen sind z.B. Virtual Reality (VR), Servicedesign, künstliche Intelligenz und ökologisch produzierte Baumaterialien.

Renovierungsbauprojekte und Immobilieninvestitionsmärkte sind zahlreich.

Darüber hinaus verfügt Finnland über ein solides und umfassendes Verkehrsnetz sowie die dazu­gehörige Infrastruktur, wodurch es zum idealen Business Gateway sowohl für den russischen Markt im Osten als auch für die nordeuropäischen Märkte im Westen wurde.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Finnland gegenüber?

Die finnischen Anforderungen für die Erteilung von Lizenzen und Zertifizierungen unterscheiden sich von denen in anderen europäischen Ländern. Aus dem Grund ist es sinnvoll, Beratungs-leistungen zur Erfüllung inländischer, rechtlicher und regulatorischer Anforderungen vor Ort in Anspruch zu nehmen. Das ermöglicht einen reibungslosen Eintritt in den finnischen Markt. Für viele könnte auch die finnische Sprache eine echte Herausforderung darstellen. Jedoch ist Finnland ein sehr inter­nationales Land, in dem man sich auch mit Englisch, Schwedisch oder sogar Deutsch und Russisch weiterhelfen kann.

Ende 2018 ging in Finnland das Experiment zum Grundeinkommen zu Ende. Welches Fazit lässt sich daraus ziehen?

Die finnische Regierung hat ein Grundeinkommensexperiment in den Jahren 2017 - 2018 durch­geführt. Mithilfe des Versuchs sollte eine soziale Absicherung entwickelt werden, die den heutigen beschäftigungspolitischen Erfordernissen besser entspricht. Der Versuch hat es ermöglicht auch kurzfristige Arbeit flexibler ent­gegen­zunehmen, ohne dass der Arbeitslose den Anspruch auf Sozialhilfe teilweise oder sogar ganz verliere. Aus demselben Grund sollte es leichter sein, ein Unternehmen in Finnland zu gründen. Für das Experiment wurden 2.000 Arbeitslose im Alter zwischen 25 und 58 Jahren zufällig ausgewählt. Sie haben monatlich 560 Euro steuerfrei ohne Bedingungen bekommen.

Befürworter des Grundeinkommens haben darin eine Chance für die Empfänger gesehen sich bspw. ohne Angst vor finanziellen Schwierigkeiten selbstständig machen zu können. Kritiker beklagen, dass mit dem Grund­einkommen die Motivation, einen Job zu finden, wegfalle. Der vorläufige Bericht über das zweijährige Grund­einkommens­experiment ist im Februar 2019 veröffentlicht worden.

Das bedingungslose Grundeinkommen schien die Teilnehmer weniger gestresst, gesünder und selbstbewusster in die Zukunft schauen zu lassen, als eine Kontrollgruppe von 5.000 Teilneh­mern, die Sozialhilfe erhielten. Kaum jemand von den Teilnehmern in dem Grundeinkommens­experiment hat einen festen Job nach dem Experiment gehabt. Der Wohlfühleffekt wurde bestätigt, aber ein Beschäftigungseffekt war kaum messbar. Die Anzahl der schließlich doch gearbeiteten Tage sei in den beiden Gruppen trotz allem etwa gleich gewesen. Das Grundeinkommen könnte eine positive Wirkung auf das Wohlbefinden des Empfängers haben, obwohl es kurzzeitig nicht die Aussichten auf Arbeit zu verbessern scheint. Der 2. Teil des Berichts über die Wirkungen wird im Jahr 2020 ver­öffentlicht, wenn die Ergebnisse für das Experimentjahr 2018 vorliegen.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Finnland weiterentwickeln?

Die Wirkungen der Handelskonflikte und die Risiken (den Welthandel betreffend) können den Außen­handel Finnlands verringern. Die Wachstumsaussichten für Finnland sind aber immer noch positiv zu beurteilen. Das Finanzierungsklima – sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor – bleibt gut, was Konsumption und Investitionen antreiben. Die Finanzierungskosten beginnen sich allmählich zu erhöhen, wenn die Zinsen steigen.

 

 Kontakt

Contact Person Picture

Timo Huhtala

Attorney at Law (Finnland)

+358 9 6962 2251
+358 9 6962 2222

Anfrage senden

Contact Person Picture

Jens-Christian Pastille

Rechtsanwalt

Partner

+371 67 3381 25
+371 67 3381 26

Anfrage senden

 

Verpassen Sie kein Themenspecial mit unserem Unternehmerbriefing!

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu