Erfolgreich investieren in Großbritannien

zuletzt aktualisiert am 16. Mai 2018

  

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage vor dem Hintergrund des BREXIT ein?

Zwar ist der durch das Brexit-Referendum erwartete massive Wirt­schafts­­einbruch bisher ausgeblieben, jedoch hat sich das Wirtschafts­wachs­tum auf mittlerweile nur noch 1,6 Prozent verlangsamt, weit hinter dem Wachstum der Euro Zone. Das britische Pfund ist weiterhin schwach, sowohl gegenüber dem Dollar als auch dem Euro.

     

Gleichzeitig liegt die Inflation bei rund 2,3 Prozent mit graduell steigender Tendenz. Die Unsicher­heit über das künftige Verhältnis zur EU – dem mit Abstand größten Handelspartner Großbritanniens – führt dazu, dass Investitionsentscheidungen entweder nicht oder nicht zuguns­ten des Landes getroffen werden. Dabei ist wenig hilfreich, dass auch innerhalb der britischen Regierung selbst weiterhin Uneinigkeit darüber herrscht, wie man mit der EU verbun­den bleiben will. Insbesondere ist die Entscheidung, ob man in einer Art Zollunion verbleiben soll oder nicht, weiter völlig offen. Nur bei einer Herauslösung kann das Land mit Drittstaaten eigene, unabhängige Freihandelsabkommen abschließen. Das ist eines der wichtigsten Ziele der Brexit-Hardliner. Gleichzeitig würde Großbritannien damit aber den freien Zugang in das EU-Gebiet aufgeben. Wahrscheinlich ist derzeit, dass der aktuelle Status noch über das offizielle Ausscheidungsdatum am 28. März 2019 und bis mind. Ende 2020 bestehen bleibt und bis dahin eine Lösung gefunden werden soll.

 

Wie würden Sie das Investitionsklima in Großbritannien beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die Effekte der Brexit-Thematik sind dahingehend zu spüren, dass weniger Investitionsent­scheidungen im positiven Sinne – also zugunsten einer Investition im Lande – getroffen werden. Unternehmen betreiben ein „business-as-usual", sodass sich der Wirtschaftskreislauf insgesamt verlangsamt. Auch geben die Verbraucher weniger aus in der Erwartung, dass es eine weitere negative Entwicklung geben könnte.
 

Die Autohersteller haben ihre Investitionszusagen angesichts des geplanten Brexit deutlich heruntergefahren. Allerdings gibt es auch stellenweise positive Signale, z.B. im Hinblick auf die Bestätigung oder Erweiterung von Produktionslinien. Weiterhin  bieten der Ausbau der Elektromobilität sowie Infrastruktur- und Energieprojekte Potenzial. Die Regierung erwägt zudem weitere Steuererleichterungen zur Förderung der Attraktivität des Standortes Großbritannien für Investoren. Konkrete Vorschläge hierzu gibt es aber außer bei der bereits vor längerem beschlossenen Senkung der Körperschaftsteuer noch nicht.

 

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Großbritannien gegenüber?

Die Hauptherausforderung ist die Unsicherheit aufgrund des Austritts Großbritanniens aus der EU. Die genauen Auswirkungen lassen sich erst darstellen, sobald ein Austrittsabkommen verhandelt oder zumindest in seiner Form erkennbar ist.

 

Welchen Einfluss hat Brexit auf die Attraktivität Großbritanniens für qualifizierte Arbeitskräfte?

Die Attraktivität des Standortes Großbritannien für Arbeitskräfte leidet unter der Unsicherheit darüber, wie in Zukunft eine Tätigkeit für EU-Ausländer im Land aussehen kann. Während Großbritannien nach wie vor eine gewisse Attraktivität für qualifizierte Arbeitskräfte hat – schon wegen der Sprache und auch wegen der international annerkannten Bildungseinrichtungen – nimmt diese jedoch ab, weil nicht sichergestellt ist, dass eine dauerhafte Ansiedlung möglich ist. Im Ergebnis nimmt daher die Einwanderung aus europäischen Ländern ab. Unternehmen planen entweder kurzfristiger mit Entsendungen oder denken bereits über Alternativen nach, insbesondere in Hinblick auf Standorte. 

 

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Großbritannien weiterentwickeln?

Großbritannien wird als Macht mit rund 60 Mio. Einwohnern bestehen bleiben. Zudem ergeben sich – ohne die Bindungen an die EU – even­tuell tatsächlich einige neue Handelsperspektiven für das Land. Allerdings handelt es sich hierbei um langfristige Aussichten. Kurz- und mittelfristig ist mit langen Phasen der politischen und damit auch der wirtschaftlichen Unsicherheit und mangelnder Planbarkeit zu rechnen. Das wirkt sich auf eine Volkswirtschaft i.d.R. mind. wachs­tums­hemmend aus. Insofern ist weiterhin mit einer Verlangsamung des bis zum Brexit-Votums positiven Wirtschaftstrends zu rechnen. Zudem ist auf Dauer mit einem Auseinander­driften von Normen und Gesetzgebung zu rechnen, was bedeutet, dass mehr Transferarbeit notwendig ist, um grenzübergreifend arbeiten zu können. Das bedeutet wiederum höhere Kosten.

 
 

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