Erfolgreich investieren in der Russischen Föderation

zuletzt aktualisiert am 16. Mai 2018

  

​​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Russland ein?

Das vergangene Jahr markierte eine Trendwende hin zum Positiven, nicht zuletzt aufgrund des wieder gestiegenen Ölpreises und der stabilisierten Währung. Die russische Wirtschaft wuchs leicht – ein Trend, der sich 2018 fortsetzt. Die Prognosen gehen dabei von 1,5 bis 2 Prozent bis zum Jahresende aus (Zentralbank der Russischen Föderation). Die Inflationsrate fiel mit 3,7 Prozent im Jahr 2017 nur etwa halb so hoch aus wie 2016 mit 7,1 Prozent. Indes erholt sich der Konsum aufgrund der niedrigen Kaufkraft der einheimischen Bevölkerung weiterhin nur langsam. Von einem endgültigen Überwinden der Konjunktur-Talsohle kann noch nicht gesprochen werden. Die grundlegenden Probleme der russischen Wirt­schaft – die starke Abhängigkeit vom Ölexport und das Ausbleiben von Strukturreformen – wurden noch nicht gelöst. Auch verlor der Rubel aufgrund der Sanktionsankündigungen der USA zuletzt wieder deutlich an Wert.
  

Wie würden Sie das Investitionsklima in Russland beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Durch die stetige Verbesserung der Investitionsbedingungen werden Anreize geboten. Ausländische Investoren sind in Russland sehr willkommen, unterliegen seit der Einführung der Lokalisierungspolitik aber je nach Branche gewissen Anforderungen. Das schwächt aber nicht das große Potenzial des Marktes. Chancen für deutsche Unternehmen aus dem Mittelstand bieten sich in den aktuellen Wachstumsbranchen:
  • Automobilindustrie
  • Maschinenbauindustrie
  • Energiewirtschaft
  • Chemieindustrie
  • Textilindustrie
  • Lebensmittelindustrie           

Die fortwährend bestehenden geopolitischen Spannungen und Sanktionen – v.a. aus den USA – sorgen jedoch für Unsicherheit und schrecken potenzielle Investoren und Marktteilnehmer ab.
 

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Russland gegenüber?

Russland leidet unter den Sanktionen und „hausgemachten” strukturellen Problemen. Herausforderungen bestehen nach wie vor in Bezug auf Bürokratie und Korruption. Hinzu kommen eine schwach ausgebildete Zulieferindustrie und Fachkräftemangel. Deutsche Unternehmer müssen auf eine sanktionskonforme Unternehmensführung achten, wenn sie in Russland tätig sind oder Waren grenzüberschreitend anbieten. Betroffen sind Rüstungs- und Dual-Use-Güter, Güter für die Erdölförderung und damit verbundene Dienst­leistungen. Auch die neuen US-Sanktionen gegen russische Personen und Unternehmen können Einfluss auf Geschäfte deutscher Betriebe haben. Dazu erschweren marktschützende Maßnahmen Russlands den Handel mit Lebensmitteln und die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen.
 

Wie können deutsche und russische Unternehmen bei der Digitalisierung zusammen­arbeiten?

Derzeit befindet sich die russische produzierende Wirtschaft im Bereich der Industrie-Digitalisierung 5 Jahre hinter Ländern wie Deutschland und den USA. Künftig werden Deutschland und Russland gemeinsam daran arbeiten, die russische Wirtschaft zu digitalisieren. Hierfür haben sich Wirtschaftsverbände und Großunter­nehmen zusammengeschlossen, um die Digitalisierung der russischen Wirtschaft einheitlich voranzutreiben. Die Zusammenarbeit wird unter dem Namen „German Russian Initiative for Digitalization” stattfinden. Durch eine Steigerung der Produktivität der russischen Wirtschaft sollen wettbewerbsfähige Produkte für den globalen Markt produziert werden.

Positiver Anreiz für einen Erfolg ist auch der stark wachsende Markt des E-Commerce in der Russischen Föderation. V.a. soll eine Zusammenarbeit in den Bereichen Digital Enterprise, Smart Manufacturing, Blockchain-Technologien und Industrie 4.0 stattfinden. Um die Leistungsfähigkeit deutscher und russischer Unternehmen auf dem Gebiet der Digitalisierung zu demonstrieren, ist ein Showroom in Moskau geplant.
 

Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Russische Föderation weiterentwickeln?

Die russische Marktwirtschaft hat die Rezession überstanden, jedoch wächst die Wirtschaft nur langsam. Um die Potenziale des Marktes richtig erschließen zu können, müssen die geplanten Wirtschaftsreformen erfolg­reich umgesetzt werden. Entscheidend ist dabei auch, in welchem Umfang die Maßnahmen durchgeführt werden. Dazu bleibt abzuwarten, ob die geopolitischen Konflikte in absehbarer Zukunft gelöst werden können.
 

 Kulturelle Besonderheiten in der Russischen Föderation

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 Kontakt

Dr. Andreas Knaul, LL.M., d.i.a.p. (E.N.A.)

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