Erfolgreich investieren in der Schweiz

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

  

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Schweiz ein?

2018 ist in der Schweiz mit einer Bevölkerung von knapp 8,5 Mio. ein kaufkraftbereinigtes BIP von 62.000 US-Dollar pro Kopf erzielt worden (Deutschland: 52.000/USA: 59.000). Das BIP wuchs 2018 gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent (Euroraum 1,9 Prozent). Dazu trugen praktisch gleichermaßen der Industrie- und der Dienst­leis­tungs­sektor bei. Namhafte Wachstumsbeiträge kamen von der chemisch-pharmazeutischen Branche, von der Uhrenindu­strie und Bijouterie, der Maschinen- und Elektronikindustrie sowie dem Gesundheitswesen.

Besonders positiv zeigte sich der Außenhandel mit Waren, der 2018 wiederum ein Allzeithoch erreichte. Die Zunahme fiel bei den Exporten (um +5,7 Prozent auf 233 Mrd. Schweizer Franken) etwas schwächer aus als bei den Importen (um +8,7 Prozent auf 202 Mrd. Schweizer Franken). Der Handelsbilanzüberschuss erreichte mit 31 Mrd. Schweizer Franken wiederum eine beachtliche Höhe. Wie üblich ist dieser grösstenteils auf die chemischen und pharmazeutischen Erzeugnisse zurückzuführen, bei denen die Schweiz über 55 Mrd. Schweizer Franken Überschuss erzielte – eine Verdoppelung seit 2009. Nach einigen Jahren mit starken Zuwächsen befindet sich der Außenhandel mit Dienstleistungen dagegen in einer Konsolidierungsphase.

Im Einklang mit dem nachlassenden Wachstumstempo in Europa und Asien, dem wenig dynamischen Welt­handel bzw. den Spannungen zwischen China und den USA, die Wirren um den Brexit sowie der realen Aufwertung des Schweizer Frankens in den Sommermonaten 2018 als auch das überraschend tief ausgefallene weltwirtschaftliche Wachstum im 3. Quartal 2018 und die Entwicklung verschiedener Indikatoren veranlassten die Expertengruppe des Bundes, für 2019 ein BIP-Wachstum i.H.v. 1,5 Prozent zu prognostizieren.

Seit Mitte 2016 gehen die Arbeitslosenzahlen wieder zurück – und zwar immer rascher. Ende November 2018 waren auf saison- und zufallsbereinigter Basis noch insgesamt knapp 186.600 Personen zur Stellensuche gemeldet. Die Quote der Stellensuchenden lag damit bei 4,2 und die Arbeitslosenquote bei 2,4 Prozent.

Wie würden Sie das Investitionsklima in der Schweiz beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Gesamtwirtschaftlich ist von einer schwächeren Konjunkturlage für die kommenden Monate auszugehen. Für 2019 ist von einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, das im Bereich von 1,5 Prozent erwartet wird, auszugehen – so sind die Ausblicke aufgrund der Abschwächung des Welthandels etwas vorsichtiger prognostiziert. Insbesondere die negativen Impulse aus dem Verarbeitenden Gewerbe, das stark vom Export abhängig ist, trüben die Stimmung.

Die Schweizer Binnenwirtschaft kann die Schwäche der Außenhandelspartner kaum kompensieren. V.a. bei den Investitionen rechnen die Prognoseinstitute für 2019 nur noch mit einem geringen Plus, zumal die gestiegene Verunsicherung in den Märkten lähmend wirkt. Die besten Zeiten hinter sich haben namentlich die Investi­tionen im Wohnungsbau. Angesichts steigender Leerstände wird hier zurückhaltender agiert. Stützend wirkt immerhin noch der öffentliche Tiefbau. Und auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur wird eine deutlich positive Entwicklung, sowohl bei Investitionen in Straßen und Schienen als auch bei Ausgaben für neue Schienen- und Luftfahrzeuge, erwartet.

Das ressourcenarme Land ist für Herausforderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben, ausgezeichnet positioniert. Das Internet der Dinge ermöglicht neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die zunehmend zum Einsatz kommen werden – eine Chance für den Standort Schweiz, der durch keine unnötigen Regulierungen beeinträchtigt wird. Des Weiteren haben Pharma, Chemie, Gesundheits- und Sozialwesen sowie Ingenieurwesen großes Potenzial, während die Uhrenindustrie und Finanzdienstleistungen weiter zu kämpfen haben werden.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in der Schweiz gegenüber?

Größte Herausforderung bildet die Rekrutierung ausgewiesener Fachkräfte. Außerdem stellen nach dem Volks-Nein zur Unternehmenssteuerreform III bzw. die kommende Abstimmung am 19. Mai 2019 über eine an die Altersvorsorge gekoppelte Unternehmenssteuerreform, die steuerlichen Rahmenbedingungen sowie die schleppend verlaufenden Verhandlungen mit der EU schwierig abzuschätzende Unsicherheiten dar. In Anbetracht der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Stabilität sollten die Hindernisse jedoch nicht von einem Engagement in der Schweiz abhalten.

Aus der Praxis ist zu bemerken, dass Themen im Zusammenhang mit grenzüberschreitenden Tätigkeiten – sowohl mit den sehr restriktiven Meldepflichten und Mindestlohnanforderungen – als auch den umsatz­steuerlichen Unterschieden zwischen der EU und dem Schweizer Zollgebiet (das z.B. auch Liechtenstein beinhaltet) vertieft abgeklärt werden sollten.

Inwiefern ist die Bezeichnung Crypto Valley für die Schweiz gerechtfertigt?

Durch die geographische Lage, wirtschaftsfreundliche Gesetzgebung, einfache Kapitalbeschaffung und insbesondere einen dezentral organisierten Staat, kann sich die Schweiz und insbesondere Zug als attraktiver Standort für Blockchain-Unternehmen hervorheben. Speziell zu erwähnen ist, dass die FINMA im Februar 2018 als weltweit erste Finanzmarktaufsicht eine Wegleitung vorgelegt hat, wie sie ICOs finanzmarktrechtlich behandelt. Nach Ansicht vieler Beteiligter eine sehr technologieaffine Auslegung. Ebenfalls bemüht sich der Kanton und die Stadt Zug aktiv um diesen Geschäftsbereich. So haben sich bis Ende 2018 bereits über 750 Unternehmen in der Schweiz angesiedelt. Die 50 größten Unternehmen haben dabei einen Marktwert von über 20 Mrd. Schweizer Franken. Insbesondere sind die 4 Einhörner (Marktwert über eine Mrd.) Ethereum, Bitmain, Dfinitiy und Cardano hervorzuheben. Somit erscheint die Bezeichnung Crypto Valley, die eine Anspielung auf das Silicon Valley darstellt, durchaus gerechtfertigt.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Schweiz weiterentwickeln?

Die Schweiz wird als Wirtschafts- und Bildungsstandort nach wie vor an Attraktivität gewinnen und ihre Rolle als „Innovationsweltmeister” durch technischen Fortschritt aufrechterhalten. Dadurch sichert sie ihr großes Wachstumspotenzial und stärkt den Schweizer Franken weiterhin nachhaltig als sicheren Hafen. Unterstützt durch wirtschaftsfreundliche Politik bleibt die Schweiz damit ein bevorzugtes Ziel ausländischer Investoren.

 
 

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