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Wertberichtigungen von Forderungen in der russischen Handels- und Steuerbilanz

PrintMailRate-it
von Jens Wergin
 
Zum 1. Juni 2015 ist das Gesetz № 42-FZ in Kraft getreten, das den Paragraphen 314 des russischen Zivilgesetzbuchs anpasst, welcher die Zahlungspflicht eines Schuldners im Fall sonstiger Verträge (außer Lieferverträgen) regelt. Wurde bisher eine Schuld z.B. nach Abschluss einer Dienstleistung bei Fehlen vertraglicher oder anderer gesetzlicher Vereinbarungen nach einer „angemessenen Zeit” fällig, ist nun ein Zeitraum von 7 Tagen nach Einforderung durch den Gläubiger bestimmt. Diese Klarstellung hat auch Einfluss auf die Bildung von Wertberichtigungen auf zweifelhafte Forderungen.
 
Laut russischem Steuergesetzbuch kann eine Forderung als zweifelhaft anerkannt werden, sofern
  • die ihr zu Grunde liegende Leistung erbracht ist,
  • die Forderung überfällig ist und
  • sie nicht besichert wurde (durch Pfändung, Garantie u.ä).


Für diese Forderungen kann der Steuerpflichtige in seine Buchhaltungspolitik die Bildung von Wertberichtigungen aufnehmen. In der russischen Handelsbilanz hingegen ist die Bildung von Wertberichtigungen auf zweifelhafte Forderungen Pflicht. Steuerlich nicht in Betracht gezogen werden Forderungen aus geleisteten Anzahlungen, Zahlungen für Vermögensrechte und Vertragsstrafen, sowie Forderungen aus Kreditverträgen (außer für Banken).

 
Die Höhe der steuerlich anerkannten Wertberichtigung hängt von der Dauer der Überfälligkeit ab und ist an starre Fristen gebunden. Bis zu 45 Tage Überfälligkeit darf keine Wertberichtigung gebildet werden. Ab 45 Tagen bis zu 90 Tagen Überfälligkeit sind 50 Prozent im Wert zu berichtigen und alle Forderungen über 90 Tagen werden zu 100 Prozent korrigiert. Hierbei ist zum Ende jeder Steuerperiode jede Forderung einzeln zu bewerten. Pauschale Wertberichtigungen sind unzulässig. Eine weitere Besonderheit in Abweichung zu Vorschriften aus anderen Ländern ist, dass auch die Umsatzsteuer in die Wertberichtigung einzuschließen ist, da diese im Falle des Totalausfalls der Forderung nicht vom Finanzamt erstattet wird, sondern aufwandwirksam auszubuchen ist. In der absoluten Höhe ist die Summe aller Wertberichtigungen nach oben hin begrenzt auf maximal 10 Prozent der Nettoumsatzerlöse für die jeweilige Steuerperiode.

 
In der Handelsbilanz erfolgt die Wertberichtigung in Höhe des wahrscheinlich ausfallenden Betrags; in der Praxis wird sie jedoch mehrheitlich analog zu der steuerlichen Vorschrift gebildet.

 
Die endgültige Ausbuchung einer Forderung wird (unabhängig davon, ob diese vorher wertberichtigt wurde oder nicht) vorgenommen, wenn die Wahrscheinlichkeit ihres Eingangs nach Einschätzung der Gesellschaft unrealistisch erscheint. Für die steuerliche Anerkennung einer Ausbuchung bedarf es jedoch der Erfüllung einer der zwei nachfolgenden Kriterien: Die Forderung ist verjährt oder der Eingang ist aufgrund Feststellung einer staatlichen Stelle oder der Liquidation des Geschäftspartners unmöglich geworden. Die Verjährungsfrist beträgt in der Regel 3 Jahre und beginnt an dem Tag, an dem die bilanzierende Gesellschaft von der Rechtsverletzung erfährt (z.B. Tag des erwarteten Zahlungseingangs). Sie wird allerdings unterbrochen durch Klageerhebung und Anerkennung der Schuld, bspw. im Rahmen einer Saldenbestätigung.

 
Auch nach der Ausbuchung ist die Forderung noch 5 Jahre auf einem außerbilanziellen Konto fortzuführen, für den Fall, dass doch noch ein Geldeingang stattfinden sollte.

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