Portugal: Aufschwung im Land der Korkeichen

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veröffentlicht am 23. April 2018
 

Dass sich die Wirtschaft Portugals wieder positiv entwickelt hat, zeigt sich an der erfreulichen Wirtschaftswachstumsrate von 2,7 Prozent im Jahr 2017. Das Land liegt damit bereits über dem Durchschnitt der europäischen Union. Dieser Boom übersteigt die vorhergesagten Prognosen der EU und des Internationalen Währungsfonds. Demzufolge wurde im Dezember 2017 Portugals Länder­rating durch eine der 3 größten Ratingagenturen –Standard & Poor‘s – von „BB+” auf „BBB-” angehoben.
 

 

 
Das Wachstum hat sich u.a. auch auf den portugiesischen Arbeitsmarkt positiv ausgewirkt. Die Niederlassungen ausländischer Investoren, die zusätzlich Arbeitskräfte nachfragen, haben zudem zu einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote geführt. Gefragt sind hierbei insbesondere Arbeitskräfte in den Bereichen Marketing, Vertrieb, Ingenieurwesen, Industrie, Logistik sowie Finanzierung. Die Erweiterung des Dienstleistungssektors spielt ebenso eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus entstehen weitere Branchen, bspw. im Maschinen- und Formenbau, der Automobilherstellung, der IT und Software sowie im Energiebereich.
 

Die Entwicklung könnte dazu führen, dass – neben den inländischen Unternehmern, die im Land investieren – weitere ausländische Unternehmer Portugal als Produktionsstandort wählen, wie bspw. deutsche Kfz-Zulieferer, die einen Markteintritt in das Land planen.
 

Die Bedeutung des Tourismus ist ebenso hervorzuheben, denn jedes Jahr strömen zahlreiche Touristen nach Portugal. Aufgrund des Tourismusbooms sowie der ausländischen Nachfrage nach Waren (Industrie) und Dienstleistungen haben sich bspw. Start-ups und deutsche mittelständische Unternehmen bereits im Land etabliert.
 

Portugals Förderung von Investitionen

Da für die nationale Wirtschaft Investitionen extrem bedeutend sind, hatte die Regierung Portugals im Oktober 2014 ein neues Investitionssteuergesetz verabschiedet, mit dem Ziel, nachhaltiges Wachstum zu fördern, mehr Investoren in das Land zu holen, mehr Arbeitsplätze zu schaffen sowie benachteiligte Regionen im Land zu entwickeln. Mit dem nationalen Reformprogramm der portugiesischen Regierung vom April 2017 sollen außer­dem Investitionen, bspw. durch Steuervergünstigungen für neue Investitionsprojekte, gefördert werden. Diese Entwicklung, begünstigt durch fiskalische Vorteile für Investoren, wird vermutlich noch weitere dynamische Investoren aus dem Ausland – v.a. aus Deutschland – nach Portugal ziehen.
 
In Portugal existieren bereits diverse Unternehmensprojekte durch die Gewährung von Steuervorteilen (basierend auf der Einhaltung der staatlichen Ziele des Reformprogramms „Portugal 2020”). Das reicht von der Installation neuer Produktionseinheiten für Medizintechnik über die Herstellung von Kfz-Teilen bis hin zur Diversifizierung in der Flugzeugindustrie. Bei Vorlage bestimmter Voraussetzungen hängt die Vergabe von Steuervergünstigungen – bspw. bei der Körperschaftsteuer – von der Höhe und Art der Investition, dem Standort, der Branche und der Anzahl der neuen Arbeitsplätze ab.
 

Ein weiterer Investitionsantreiber ist die Vergabe von Fördermitteln. So könnten Unternehmer, die in innovative Technologien oder in die Qualifizierung der Berufsausbildung investieren, bei Vorliegen bestimmter Voraus­setzungen von Förderhilfen profitieren. Dabei richtet sich die Höhe der Zuschüsse nach nationalen und EU-Höchstgrenzen.
 

Mit der Einführung des sog. „goldenen Visums” (in Portugal als ARI bezeichnet: AUTORIZAÇÃO DE RESIDÊNCIA PARA ATIVIDADE DE INVESTIMENTO) im Jahr 2012 durch die portugiesische Regierung, um ausländische Investitionen nach Portugal zu ziehen, können Staatsangehörige aus Nicht-EU-Ländern bei Vorliegen be­stimmter Voraussetzungen ein Visum für eine abgestufte Reise- und Aufenthaltsgenehmigung im Schengener-Raum erhalten.
 

Vermögende Privatpersonen aus dem Ausland, die ihren Wohnsitz nach Portugal verlegen, könnten bei Vorliegen bestimmter Kriterien ebenso in den Genuss von Steuervorteilen, die als „Non-Habitual Resident” bezeichnet werden, kommen.
 

Damit ist Portugal zu einem attraktiven Investitionsziel – insbesondere für deutsche mittelständische Unternehmen sowie Start-ups – geworden. Die stark gestiegene Nachfrage nach Immobilien für Büros und Gewerbe macht diese Entwicklung deutlich.
 

Zu den größten Investoren in Portugal zählt Deutschland. Ein Beispiel dafür ist, dass der deutsche Auto­mobil­hersteller Mercedes-Benz im Mai 2017 ein neues Zentrum für digitalen Service und Software-Lösungen, den ersten globalen „Digital Delivery Hub”, in der Hauptstadt eröffnet hat. Lissabon hat sich immer stärker als neuer Hub der digitalen Welt etabliert und ist zudem seit 2016 Standort der größten und jährlich stattfindenden Internet-Technologie-Konferenz der Welt, der „Web Summit”.
 

Darüber hinaus gewinnt der Norden des Landes immer mehr an Bedeutung für Investoren. Ein Beispiel ist die Investition des deutschen Reifenherstellers Continental in das Werk für Landwirtschaftsreifen mit einem weiteren Testzentrum im September 2017 am Standort des portugiesischen Lousado. Mit der geplanten Aufstockung der Produktion von PKW-Reifen könnten zudem weitere Arbeitsplätze geschaffen werden.
 

Die Wettbewerbsfähigkeit Portugals zeigt sich bereits an den verhältnismäßig geringen Kosten sowie der Qualität der Ingenieurs- und Forschungskompetenz.
 

Weiterer Qualifizierungsbedarf der Arbeitskräfte

Andererseits besteht noch Entwicklungsbedarf in Hinblick auf eine anspruchsvollere Ausbildung sowie Qualifizierung der auf dem Arbeitsmarkt vorhandenen Arbeitskräfte, um die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit zu stärken. Laut Meldungen aus der Wirtschaft sollen mehr Leistungen für Bildung aufgebracht werden und das Bildungsangebot weiter verbessert werden. Damit könnte der Fachkräftemangel verringert und es könnten bessere Lebensbedingungen für die Menschen geschaffen werden.
 

Portugal ist – nicht nur im unternehmerischen Interesse – stets eine Reise wert: „Quem nao viu Lisboa nao viu coisa boa”.
 

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