Steueränderungen in Ungarn 2008

Zum 1. Januar 2008 wurden in Ungarn einige steuerliche Neuregelungen eingeführt, die auch für ausländische Investoren von größerer Bedeutung sind.
 

Körperschaftsteuer

Die Körperschaftsteuer ist weiterhin in einem einstufigen, progressiven Tarif mit den beiden Steuersätzen 10 Prozent und 16 Prozent gestaltet. Die Bemessungsgrundlage des ermäßigten Steuersatzes wurde nunmehr jedoch von 5 Millionen HUF auf 50 Millionen HUF (rund 200.000 Euro) ausgeweitet. 
 
Für die steuerliche Gewinnermittlung von ungarischen Betriebsstätten ausländischer Unternehmen galt bis 2007 die Regelung, dass 12 Prozent der Gesamtaufwendungen als Mindestbemessungsgrundlage anzusetzen waren. Auf Betriebsstätten mit Stammhäusern in Staaten, mit denen Ungarn ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat (beispielsweise Deutschland, Österreich, Schweiz), war diese Regelung ohnehin schon nicht anwendbar, nun wurde sie jedoch vollständig aufgehoben.
 
Die Spekulationsfrist zur Besteuerung von Veräußerungsgewinnen aus sog. angemeldeten Unternehmensbeteiligungen wurde von zwei auf ein Jahr verkürzt. Gewinne aus der Veräußerung von Geschäftsanteilen sind somit bereits nach einer Haltedauer von einem Jahr körperschaft- und sondersteuerfrei. Ferner wurden die Meldeformalitäten für diese begünstigte Beteiligungsveräußerung vereinfacht.
 
Die Abgrenzung der Definition von Controlled Foreign Companies (CFC) wurde vereinfacht. Es gelten nunmehr alle Gesellschaften als CFC, deren Ertragsteuerbelastung die maßgebliche Tarifgrenze von 10,67 Prozent unterschreitet und die ihren Sitz nicht in der EU, einem OECD-Mitgliedesland oder einem Staat haben, mit dem Ungarn ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat. Allerdings wurde die Möglichkeit, die Qualifizierung als CFC durch Nachweis bestimmter aktiver Tätigkeiten zu umgehen, abgeschafft.
 

Einkommensteuer

Gewinne aus der Veräußerung von Wohnimmobilen unterlagen bis 2007 einer gestaffelten Spekulationsfrist von 15 Jahren, die nunmehr auf 5 Jahre verkürzt wurde. Bei Veräußerung des Wohnraums im zweiten Jahr nach der Anschaffung sind somit 90 Prozent des Gewinns steuerpflichtig, und in dem weiteren dritten bis fünften Jahr gestaffelt 60 Prozent, 30 Prozent und 0 Prozent. Der Steuersatz beträgt unverändert 25 Prozent.
 

Schenkungssteuer auch für Forderungserlasse unter Körperschaften

Eine steuersystematisch besonders schwer zu rechtfertigende Neuregelung zum 1. Januar 2008 betrifft die Schenkungssteuer. Während diese Steuer in den meisten Staaten an Schenkungen unter Lebenden anknüpft, wird ihre Anwendung in Ungarn nunmehr auch auf Körperschaften ausgedehnt. Dies gilt generell für alle unentgeltlichen Vermögensübertragungen. Zunächst war strittig, ob hierdurch auch Forderungserlasse unter (verbundenen wie auch nicht verbundenen) Personen- oder Kapitalgesellschaften betroffen sein werden. Forderungserlasse waren in Ungarn bislang ein geeignetes, da nicht zahlungswirksames Instrument, um den restriktiven Kapitalerhaltungsvorschriften begegnen zu können. Dies dürfte sich nun jedoch grundlegend geändert haben, da der Gesetzgeber die Regelung eingeführt hat, dass Forderungserlasse auch unter Körperschaften tatsächlich schenkungssteuerpflichtig sind, wenngleich großzügigerweise doch eine Freigrenze von jährlich 10.000 HUF (rund 40 Euro!) gewährt wird.
 
Vollends ins Straucheln kam der Gesetzgeber jedoch bei dem Versuch, für Körperschaften eine Analogie zu den nach Verwandtschaftsgraden gestaffelten Steuerklassen zu finden. Er begnügte sich schließlich mit der pauschalierenden Regelung, dass Kapitalbeteiligungen zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften von exakt 100 Prozent den Verhältnissen unter Lebenden bei Ehegatten gleichgestellt sind und somit der Steuerklasse 1 mit einem Steuersatz von 21 Prozent zugeordnet werden, während alle abweichenden Beteiligungsverhältnisse (99,99 bis 0 Prozent) einem Steuersatz von bis zu 40 Prozent unterliegen.
 

Umsatzsteuer

Zum 1. Januar 2008 wurde ein vollkommen neues Umsatzsteuergesetz eingeführt, das sich an der EU-Richtlinie 2006/112 orientiert. In diesem Zusammenhang kommt es zu einigen nennenswerten Neuregelungen:
Für ungarische Betriebsstätten ausländischer Unternehmen besteht nunmehr die Möglichkeit, bei verspäteter steuerlicher Anmeldung auch rückwirkend, zum ursprünglichen Tätigkeitsbeginn in Ungarn, eine Steuernummer zu erhalten. Auf diese Weise können im Nachhinein auch Vorsteuererstattungen auf bezogene Leistungen geltend gemacht werden, die vor der steuerlichen Registrierung angefallen sind. 
 
Die wesentlichste Neuerung ist jedoch die generelle Erleichterung der Vorsteuererstattung. War hierfür bislang Voraussetzung, dass Umsatzerlöse von mindestens 4 Millionen HUF realisiert wurden, so sind nunmehr keinerlei Ausgangsumsätze mehr erforderlich. Ausreichend für einen Erstattungsanspruch ist, dass der Vorsteuerüberhang mindestens 1 Million HUF (bei monatlicher Veranlagung) beträgt, beziehungsweise 250.000 HUF bei vierteljährlicher und 50.000 HUF bei jährlicher Veranlagung. Voraussetzung ist allerdings weiterhin, dass die Eingangsrechnungen ausgeglichen wurden.
 
Die wiederkehrende Veräußerung von Grundstücken führt nunmehr zur Qualifizierung als Umsatzsteuersubjekt, sofern seit 1. Januar 2008 innerhalb eines beliebigen Zeitraums von zwei Jahren mindestens vier Veräußerungen getätigt werden. Die vierte Veräußerung ist in diesem Fall bereits umsatzsteuerpflichtig. Die Einstufung als Umsatzsteuersubjekt erlischt wieder, wenn in den auf den letzten Verkauf folgenden drei Jahren keine Grundstücksveräußerungen getätigt werden. 
 
Die Möglichkeit, für die umsatzsteuerliche Organschaft zu optieren, war zuvor auf Finanzdienstleistungsunternehmen beschränkt und wurde nunmehr auf alle inländischen verbundenen Unternehmen ausgeweitet. 
 
Die Umsatzsteuerpflicht von Sacheinlagen wurde abgeschafft, soweit der Empfänger inländisches Umsatzsteuersubjekt ist.
 

Grundsteuer

Nach längeren Debatten ist beschlossen worden, dass im kommenden Jahr ab 1. Januar 2009 eine ertragstarke, wertbasierende Besteuerung von Grundstücken und Bauten erfolgen soll. Die bislang geltende Grundsteuer mit einem Festbetragstarif von maximal 900 HUF/qm (rd. 3,60 Euro/qm) wird somit abgeschafft. Die neue Bemessungsgrundlage wird nach Gebietskörperschaften gestaffelte, gesetzliche Vorgaben für Quadratmetereinheitswerte in Form von Bandbreiten enthalten, innerhalb derer die jeweilige Gemeinde eine den lokalen Verhältnissen angepasste Festsetzung treffen kann. Der Steuersatz wird von den Gemeinden festgelegt werden können, jedoch generell 1,5 Prozent und für Wohnraum 0,5 Prozent nicht übersteigen dürfen. Die Obergrenze der Einheitswerte wird bspw. für die Stadt Budapest bei etwa 700.000 HUF/qm liegen, was bei Bürobauten eine Steuerbelastung von bis zu 10.500 HUF/qm (rd. 42 Euro/qm) und somit eine mehr als Verzehnfachung gegenüber den bisherigen Grundsteuerlasten bedeuten kann.

 Aus dem Newsletter

 Kontakt

Dr. Roland Felkai

Diplom-Volkswirt, M.A. (London), Tax Consultant (Ungarn)

Partner

+36 1 8149 800

Anfrage senden

 Weitere Informationen

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu