VIP-Logen: „Der Fiskus ist dabei”

zuletzt aktualisiert am 13. Juni 2019 | Lesedauer ca. 5 Minuten

von Melanie Erhard


Wird eine (Sport-)Veranstaltung gesponsert (siehe auch „Sponsoring”), erhält der Zuwendende neben der üblichen Werbeleistung (z.B. Laut­spre­cher­durch­sagen, Werbung auf Videowänden, auf Plakaten, Trikots und Banden) oft Eintrittskarten für VIP-Logen inklusive der Möglichkeit der Bewirtung von Geschäftsfreunden oder Arbeitnehmern während der Veranstaltungen. Der Besuch eines sportlichen Ereignisses oder einer kulturellen Veranstaltung mit entsprechendem Catering in der VIP-Loge des einladenden Unternehmers stellt eine effektive Marketing-Maßnahme dar und bietet das perfekte Umfeld zur Produkt- und Eigendarstellung des Sponsors.

Wird dem Sponsor vom Veranstalter ein Gesamtpaket in Rechnung gestellt, das ein Bündel an Einzelleistungen enthält, müssen sie für steuerliche Zwecke separat betrachtet und bewertet werden. Angesichts der Fußball-WM, die 2006 in Deutschland stattfand, hat das BMF die steuerliche Behandlung der Aufwendungen im Zusammenhang mit sog. VIP-Logen in und außerhalb von Sportstätten ausführlich geregelt.



Sportliche Veranstaltungen

Die vertraglich abgeschlossenen Gesamtpakete aus Werbung, Eintrittskarten und Bewirtung während einer Veran­staltung sind grundsätzlich als Betriebsausgaben abziehbar. Allerdings muss gewährleistet sein, dass die privaten Interessen oder Hobbys des Unternehmers nicht im Vordergrund stehen und die Aufwendungen generell angemessen sind.

So handelt es sich bei den Aufwendungen um Betriebsausgaben, wenn (potenzielle) Geschäftspartner oder deren Angestellte und/oder eigene Arbeitnehmer eingeladen werden. Besucht der Unternehmer die Veranstaltungen mit Freunden und Bekannten, sind die Aufwendungen für diese VIP-Maßnahmen als Kosten der privaten Lebensführung steuerlich irrelevant.


Pauschale Aufteilung der Aufwendungen

Die angebotenen Gesamtpakete enthalten nicht nur die Werbung für den Sponsor, sondern auch Eintritts­berechtigungen, Logensitzplätze und Catering während sportlicher Veranstaltungen. Soweit das Entgelt für die einzelnen Leistungen nicht erkennbar ist, wird es von der Finanzverwaltung nicht beanstandet, wenn die Aufwendungen für das Gesamtarrangement bei betrieblicher Veranlassung wie folgt aufgeteilt werden:
  • Anteil für Werbung: 40 Prozent
  • Anteil für Bewirtung: 30 Prozent
  • Anteil für Geschenke: 30 Prozent


Wird keine andere Zuordnung nachgewiesen, soll laut BMF davon ausgegangen werden, dass die Aufwendungen für Geschenke jeweils zur Hälfte auf Geschäftsfreunde und eigene Arbeitnehmer entfallen. Können ausreichend Nachweise für die Höhe der einzelnen Leistungskomponenten vorgelegt werden, darf ein anderer, für den Unternehmer günstigerer Aufteilungsmaßstab gewählt werden.

Soweit Catering separat in Rechnung gestellt wird, ist die vereinfachende Pauschalierung nicht zulässig. Die steuerliche Behandlung des Bewirtungsaufwandes erfolgt nach den allgemeinen Grundsätzen. Für den Werbe- und den Ticketanteil ist dann ein anderer geeigneter Aufteilungsmaßstab zu finden.


Steuerliche Behandlung der VIP-Maßnahmen

Der im Gesamtpaket enthaltene Werbeaufwand ist in voller Höhe als Betriebsausgabe zu berücksichtigen. Es ergeben sich keine Besonderheiten.

Bezüglich der anteiligen Kosten für Bewirtung und Geschenke (Eintrittsberechtigung, bevorzugter Sitzplatz, u.U. Parkmöglichkeiten, Präsente, Unterhaltung) ist zu unterscheiden, ob die VIP-Maßnahmen gegenüber Geschäftspartnern oder gegenüber eigenen Mitarbeitern des einladenden Unternehmers erbracht wurden.


Aufwendungen für VIP-Maßnahmen gegenüber Geschäftspartnern

Angemessene Aufwendungen für die Bewirtung von Geschäftsfreunden sind nach den allgemeinen Regelungen zu 70 Prozent als Betriebsausgabe abzugsfähig. Die den Betriebsausgabenabzug erforderlichen Aufzeichnungen i.S.d. § 4 Abs. 5 Nr. 2 EStG müssen nicht geführt werden, wenn es sich um VIP-Maßnahmen handelt.

Werden (potenziellen) Geschäftspartnern Geschenke, z.B. in Form von Eintrittsberechtigung, Logensitz­platz, Unterhaltungsprogramm, zugewandt, sind diese Zuwendungen nur dann abzugsfähig, wenn die dem Empfänger im Wirtschaftsjahr zugewendeten Sachleistungen insgesamt 35 Euro nicht übersteigen. Es wird allerdings regelmäßig der Fall sein, dass bereits die Zuwendungen einer einzigen Veranstaltung den Betrag von 35 Euro überschreiten und die Aufwendungen damit keine abziehbaren Betriebsausgaben darstellen.

Aufgrund der betrieblichen Veranlassung der Zuwendungen sind sie beim Empfänger als Betriebseinnahme zu erfassen. Das gilt auch dann, wenn das Geschenk beim Zuwendenden nicht abzugsfähig ist, weil die 35 Euro-Freigrenze überschritten wird. Nicht als Betriebseinnahme zu erfassen sind Aufmerksamkeiten von geringem Wert (bis 60 Euro brutto), die dem Geschäftspartner oder dessen Angehörigen aus Anlass eines persönlichen Ereignisses zugewendet wurden. Nach aktueller Meinung der Finanzverwaltung muss auch der Vorteil aus der Teilnahme an einer Bewirtung beim Empfänger nicht als Betriebseinnahme erfasst werden. Auf der Ebene des Empfängers kommt der Fiskus noch einmal ins Spiel, wenn für die teilnehmende Person (Gesellschafter, Geschäftsführer, Arbeitnehmer) kein überwiegend betrieblicher Grund für die Veranstaltung gegeben ist. Dann kann es ggf. noch zusätzlich zur Besteuerung von Entnahmen oder verdeckter Gewinnausschüttung kommen (z.B. soweit der Gesellschafter einer GmbH oder eine private Begleitperson teilnimmt). Ob beim teilnehmenden Arbeitnehmer ggf. eine steuerpflichtige Zuwendung von dritter Seite vorliegt, ist im Einzelfall sorgfältig zu prüfen.

Die steuerliche Erfassung beim Empfänger wird vermieden, indem der einladende Unternehmer die ertragsteuerlichen Folgen der Zuwendung mit abgeltender Wirkung übernimmt und seinen Gast über die Versteuerung informiert. Diese Möglichkeit, Sachzuwendungen nach § 37b Abs. 1 EStG pauschal zu versteuern, besteht für sämtliche Sachzuwendungen, unabhängig davon, ob der Zuwendende die Aufwendungen als Betriebsausgaben abziehen darf.

Erfolgt die Zuwendung als Gegenleistung für eine im Zusammenhang stehende Leistung des Empfängers, sind die Aufwendungen grundsätzlich unbeschränkt abziehbar, weil es an der für ein Geschenk notwendigen Unentgeltlichkeit fehlt. Für die steuerliche Behandlung der Bewirtung des Geschäftspartners ändert sich nichts.


Aufwendungen für VIP-Maßnahmen gegenüber eigenen Arbeitnehmern

Großzügiger ist die Finanzverwaltung bei VIP-Maßnahmen gegenüber eigenen Arbeitnehmern.

Aufwendungen für Catering, Eintritt und Logenplatz, die auf eigene Arbeitnehmer entfallen, sind grund­sätzlich in voller Höhe als Betriebsausgaben abzugsfähig. Jedoch stellt eine Zuwendung an den Arbeitneh­mer grundsätzlich steuer- und sozialversicherungspflichtigen Arbeitslohn dar, wenn die Zuwendung Ent­lohnungs­charakter hat und die monatliche Sachbezugsgrenze in Höhe von 44 Euro überschritten wird. Nimmt der Arbeitnehmer dagegen in überwiegend betrieblichem Interesse an der sportlichen Veranstaltung teil, z.B. um Kontakte zu den geladenen Geschäftspartnern seines Arbeitgebers zu pflegen, entsteht kein Arbeitslohn. In dem Fall tritt (zumindest aus steuerlicher Sicht) die private Motivation des Arbeitnehmers, den Vorteil zu erlangen, als notwendige Begleiterscheinung betriebsfunktionaler Zielsetzungen in den Hintergrund. Auch Aufmerksamkeiten bis 60 Euro brutto (z.B. eine Eintrittskarte für ein Fußballspiel) die dem Arbeitnehmer oder dessen Angehörigen anlässlich eines persönlichen Ereignisses zugewendet wurden, führen nicht zu steuerpflichtigem Arbeitslohn, weil das eigenbetriebliche Interesse (z.B. Steigerung der Arbeitsfreude) überwiegt.

Nimmt der Arbeitnehmer aus überwiegend betrieblichem Interesse am Catering teil, sind auch die auf den Arbeitnehmer entfallenden Bewirtungskosten nur zu 70 Prozent abzugsfähig. Hat das in Anspruch genommene Catering hingegen Entlohnungscharakter und ist die 44 Euro Sachbezugsgrenze überschritten, muss die Zuwendung dem Fiskus gemeldet werden.

Entsprechendes gilt für Geschenke in Form von z.B. Eintrittsberechtigungen, Logenplatz und Erinnerungs­präsenten. Sie unterliegen nicht dem Abzugsverbot des § 4 Abs.5 Nr. 1 EStG und sind damit auch bei einem Zuwendungsbetrag von über 35 Euro pro Wirtschaftsjahr als Betriebsausgaben abzugsfähig. Auch hier muss der geldwerte Vorteil versteuert werden.

Seit 2007 besteht die Möglichkeit, den Arbeitnehmer von der Besteuerung einer Sachzuwendung frei zu stellen. Dafür muss der Arbeitgeber oder der zuwendende Dritte eine pauschale Steuer i.H.v. 30 Prozent (zzgl. Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und Sozialabgaben) übernehmen. Näheres regelt § 37b Abs. 2 EStG.


Hospitality-Leistungen, Business-Seats, andere kulturelle Veranstaltungen

Sog. „Hospitality-Leistungen” wurden z.B. bei der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 angeboten. Das Gesamtpaket umfasste dabei nicht nur bevorzugte Eintrittsberechtigungen und Sitzplätze, sondern auch Catering, Parkmöglichkeiten, persönliche Betreuung, Erinnerungspräsente und Entertainment-Programme. Werbeleistungen werden hier nicht vergütet. Bei sog. „Hospitality-Leistungen” wurde der folgende Aufteilungsmaßstab festgelegt:
  • Anteil für Bewirtung: 30 Prozent; max. 1.000 Euro pro Teilnehmer und Veranstaltung
  • Anteil für Geschenke: restlicher Betrag

Im Paketpreis für Business-Seats sind die Eintrittsberechtigung, das Rahmenprogramm und Bewirtung enthalten. Hier ist der Rechnungsbetrag wie folgt aufzuteilen:
  • Anteil für Bewirtung: 50 Prozent
  • Anteil für Geschenke: 50 Prozent


Soweit der Aufteilungsmaßstab der Einzelfallprüfung stand hält, kann die pauschalierende Aufteilung der Aufwendungen in Werbung, Bewirtung und Geschenke (40:30:30) auch auf kulturelle Veranstaltungen in Sportstätten angewandt werden.

Auch für Veranstaltungen außerhalb von Sportstätten werden Leistungspakete angeboten, die ein ganzes Bündel von Einzelleistungen umfassen (z.B. Opernball). Die pauschale Aufteilung des Gesamtpreises muss in diesen Fällen nach den Umständen des Einzelfalls erfolgen.


 Kontakt

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Silvia Schmidt-Leupold

Steuerberaterin

Associate Partner

+49 941 2976 621
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