Firmenwagenbesteuerung: Zuzahlungen des Arbeitnehmers mindern geldwerten Vorteil

PrintMailRate-it

zuletzt aktualisiert am 23. April 2020 | Lesedauer: ca. 3 Minuten

  

Zahlreiche Arbeitgeber stellen ihren Arbeitnehmern einen Firmenwagen zur Verfügung. Ein besonderer Anreiz ergibt sich selbstverständlich, wenn der Wagen auch privat genutzt werden darf. Wie mit Zuzahlungen des Arbeitnehmers zum privat genutzten Firmenwagen umgegangen werden soll, wurde durch Urteile des BFH aus dem Jahr 2016 konkretisiert, die auch die Finanzverwaltung umgesetzt hat.


 

  

Hintergrund

Alle Einnahmen, die dem Arbeitnehmer aus dem Dienstverhältnis zufließen, gelten grundsätzlich als Arbeits­lohn. Die Bezeichnung der Zuwendung und deren Form sind unerheblich. Die Sachzuwendung, die der Arbeitnehmer durch die private Nutzungsmöglichkeit eines Firmenwagens erlangt, muss deshalb in der Lohnabrechnung als geldwerter Vorteil berücksichtigt werden.

 

Soweit das Verhältnis der privaten zu den geschäftlichen Fahrten nicht durch ein ordnungsgemäßes Fahrten­buch nachgewiesen wird, ist die Möglichkeit der privaten Mitbenutzung des Fahrzeugs nach der 1-Prozent-Methode zu bewerten. Pauschal wird hier pro Monat 1 Prozent des Bruttolistenpreises des Fahrzeugs als fiktiver Arbeitslohn angesetzt. Fahrten des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte werden zusätzlich berücksichtigt.

 

Unabhängig davon, ob der geldwerte Vorteil der privaten Nutzung des Firmenwagens mittels Fahrtenbuch oder pauschaler 1-Prozent-Regelung ermittelt wird, wurde bisher angenommen, dass die Fahrzeugkosten in der Regel vom Arbeitgeber getragen werden. In der Praxis wird jedoch häufig einvernehmlich vereinbart, dass der Arbeitnehmer ein Nutzungsentgelt oder beispielsweise die Benzinkosten für eine erhöhte Privatnutzung selbst zahlt.

 

Die selbstgetragenen Kosten des Arbeitnehmers für das Fahrzeug können durch die Entschei-dungen des BFH vom 30. November 2016 (VI R 2/15 und VI R 49/14 sowie VI R 24/14) steuer-mindernd berücksichtigt werden.

 

1-Prozent-Regelung

Der BFH stellt mit dem Urteil VI R 2/15 vom 30. November 2016 klar, dass der Wert des geldwerten Vorteils aus der Nutzungsüberlassung auch bei Anwendung der 1-Prozent-Regelung gemindert wird, wenn der Arbeitnehmer an den Arbeitgeber für die außerdienstliche Nutzung eines Dienstwagens ein Nutzungsentgelt leistet. Nichts Anderes gilt, wenn der Arbeitnehmer im Rahmen der privaten Nutzung einzelne Kosten des betrieblichen Fahrzeugs selbst trägt.

 

Im entschiedenen Fall hatten sich der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber die Kosten des Dienstwagens, den der Arbeitnehmer auch für private Zwecke nutzen durfte, geteilt. Der Arbeitnehmer trug sämtliche Kraftstoffkosten (ca. 5.600 Euro) und der Arbeitgeber die übrigen Kosten. Der geldwerte Vorteil wurde nach der 1-Prozent-Regelung berechnet und betrug ca. 6.300 Euro. Die Benzinkosten machte der Arbeitnehmer in seiner Einkommensteuererklärung als Werbungskosten im Rahmen seiner nichtselbständigen Tätigkeit geltend. Der BFH bestätigte den Abzug der Kosten, allerdings nicht als Werbungskosten, sondern als Minderung des geldwerten Vorteils auf der Einnahmenseite.

 

Zu beachten ist, dass der Wert des geldwerten Vorteils aus der Dienstwagenüberlassung durch Zuzahlungen des Arbeitnehmers lediglich bis zu einem Betrag von 0 Euro gemindert werden kann. Die übersteigenden Beträge stellen weder negativen Arbeitslohn noch Werbungskosten dar (BFH 30. November 2016, IV R 49/14 sowie VI R 24/14).

  

Fahrtenbuchmethode

Bei der Fahrtenbuchmethode hat sich die Übernahme von Kosten für das Dienstfahrzeug durch den Arbeitnehmer schon immer mindernd auf den geldwerten Vorteil ausgewirkt, da die übernommenen Kosten nicht in die Gesamtkosten des Fahrzeugs einbezogen werden.

 

Unter den Aktenzeichen VI R 24/14 und VI R 49/14 stellt der BFH klar, dass eine Zuzahlung des Arbeitnehmers den geldwerten Vorteil mindern und somit steuermindernd berücksichtigt werden kann. Übersteigen die Zuzahlungen den nach Fahrtenbuch ermittelten geldwerten Vorteil kann der übersteigende Teil steuerlich allerdings weder als negative Einnahmen noch als Werbungskosten berücksichtigt werden.

 

Im Streitfall hat der Arbeitnehmer für die Privatnutzung des Dienstwagens an seinen Arbeit-geber ein Nutzungsentgelt von ca. 6.000 Euro geleistet, welches höher als der nach der Fahrtenbuchmethode ermittelte geldwerte Vorteil von ca. 4.500 Euro war. In seiner Einkommensteuererklärung wollte der Arbeitnehmer den übersteigenden Betrag bei seinen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit steuermindernd geltend machen. Das ist nicht möglich – übersteigende Beträge dürfen sich steuerlich nicht auswirken.

 

Umsetzung der Finanzverwaltung

Die Finanzverwaltung hat die BFH-Rechtsprechung in seinem BMF-Schreiben vom 4. April 2018 die Urteile des BFH umgesetzt.

 

Demnach mindert die Zahlung eines Nutzungsentgelts durch den Abreitnehmer den geldwerten Vorteil der Überlassung eines Dienstwagens für private Fahrten, Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und/oder Familienheimfahrten.

 

Nutzungsentgelt in dem Sinne ist bei der 1-Prozent-Regelung und bei der Fahrtenbuchmethode:

  • ein arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeits- oder dienstrechtlichen Rechtsgrundlage vereinbarter nutzungsunabhängiger pauschaler Betrag (z.B. Monatspauschale),
  • ein arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeits- oder dienstrechtlichen Rechtsrundlage vereinbarter an den gefahrenen Kilometern ausgerichteter Betrag (z.B. Kilometerpauschale),
  • die arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeits- oder dienstrechtlichen Rechtsgrundlage vom Arbeitnehmer übernommenen Leasingraten.

 

Bei der 1-Prozent-Regelung ist auch die arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeits- oder dienst­rechtlichen Rechtsgrundlage vereinbarte vollständige oder teilweise Übernahme einzelner Kraftfahrzeug­kosten durch den Arbeitnehmer ein Nutzungsentgelt in diesem Sinne. Bei der Fahrtenbuch­methode werden die Kosten erst gar nicht in die Gesamtkosten mit einbezogen. Es wird allerdings nicht beanstandet, wenn die vom Arbeitnehmer selbst getragenen Kosten in die Gesamtkosten mit einbezogen werden und wie bei der 1-Prozent-Regelung als Nutzungsentgelt behandelt werden, d.h. beim geldwerten Vorteil abgezogen werden.

 

Vom Arbeitnehmer selbst getragene einzelne Kraftfahrzeugkosten sind Kosten, die zu den Gesamtkosten des Kraftfahrzeugs im Sinne des § 8 Abs. 2 Satz 4 EStG gehören.

 

Kein abzugsfähiges Nutzungsentgelt ist allerdings der Barlohnverzicht des Arbeitnehmers bei einer Gehaltsum­wandlung. Übersteigt das Nutzungsentgelt den geldwerten Vorteil, so führt das nicht zu negativem Einkommen oder Werbungskosten.

 

Abschließender Praxishinweis

Für die Minderung des geldwerten Vorteils ist es neben den o.g. Voraussetzungen erforderlich, dass der Finanzverwaltung entsprechende Belege vorgelegt werden können und die zu berücksichtigten Kosten auch mit der Fahrleistung des Firmenwagens im Einklang stehen.

 

Übernimmt der Arbeitnehmer übrigens eine Einmalzahlung zur Anschaffung des Fahrzeugs, so kann die Zuzahlung nicht nur im Zahlungsjahr, sondern auch in den darauffolgenden Kalenderjahren auf den privaten Nutzungswert für das jeweilige Kraftfahrzeug bis auf 0 EUR angerechnet werden.

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu