Firmenwagenbesteuerung: Zuzahlungen des Arbeitnehmers mindern geldwerten Vorteil

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zuletzt aktualisiert am 8. Mai 2017


Schnell gelesen

  • Selbst getragene Kosten für den Firmenwagen können als Werbungskosten geltend gemacht werden.
  • Die Ermittlung des geldwerten Vorteils nach der 1-Prozent-Regelung steht dem nicht entgegen.
  • Der Wert des geldwerten Vorteils kann durch Zuzahlungen des Arbeitnehmers lediglich bis zu einem Betrag von 0 Euro gemindert werden – das gilt auch bei Anwendung der Fahrtenbuchmethode.

  

Zahlreiche Arbeitgeber stellen ihren Arbeitnehmern einen Firmenwagen zur Verfügung. Ein besonderer Anreiz ergibt sich selbstverständlich, wenn der Wagen auch privat genutzt werden darf. Bislang war nicht eindeutig geregelt, wie mit Zuzahlungen des Arbeitnehmers zum privat genutzten Firmenwagen umgegangen werden soll. Dazu hat sich der BFH nun klar geäußert.


 

  

Hintergrund

Alle Einnahmen, die dem Arbeitnehmer aus dem Dienstverhältnis zufließen, gelten als Arbeitslohn. Die Bezeichnung der Zuwendung und deren Form sind unerheblich. Die Sachzuwendung, die der Arbeitnehmer durch die private Nutzungsmöglichkeit eines Firmenwagens erlangt, muss deshalb in der Lohnabrechnung als geldwerter Vorteil berücksichtigt werden.

 

Soweit das Verhältnis der privaten zu den geschäftlichen Fahrten nicht durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen wird, ist die Möglichkeit der privaten Mitbenutzung des Fahrzeugs nach der 1-Prozent-Methode zu bewerten. Pauschal wird hier pro Monat 1 Prozent des Bruttolistenpreises des Fahrzeugs als fiktiver Arbeitslohn angesetzt. Fahrten des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte werden zusätzlich berücksichtigt.

 

Unabhängig davon, ob der geldwerte Vorteil der privaten Nutzung des Firmenwagens mittels Fahrtenbuch oder pauschaler 1-Prozent-Regelung ermittelt wird, wurde bisher angenommen, dass die Fahrzeugkosten in der Regel vom Arbeitgeber getragen werden. In der Praxis wird jedoch häufig einvernehmlich vereinbart, dass der Arbeitnehmer ein Nutzungsentgelt oder beispielsweise die Benzinkosten für eine erhöhte Privatnutzung selbst zahlt.

 

Die selbstgetragenen Kosten des Arbeitnehmers für das Fahrzeug können durch die Entscheidungen des BFH vom 30. November 2016 (VI R 2/15 und VI R 49/14 sowie VI R 24/14) steuermindernd berücksichtigt werden.

 

1-Prozent-Regelung

Der BFH stellt mit dem Urteil VI R 2/15 vom 30. November 2016 klar, dass der Wert des geldwerten Vorteils aus der Nutzungsüberlassung auch bei Anwendung der 1-Prozent-Regelung gemindert wird, wenn der Arbeitnehmer an den Arbeitgeber für die außerdienstliche Nutzung eines Dienstwagens ein Nutzungsentgelt leistet. Nichts anderes gilt, wenn der Arbeitnehmer im Rahmen der privaten Nutzung einzelne Kosten des betrieblichen Fahrzeugs selbst trägt. Der Arbeitnehmer kann die getragenen Kosten in der Einkommensteuererklärung als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit berücksichtigen.

 

Im entschiedenen Fall hatten sich der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber die Kosten des Dienstwagens, den der Arbeitnehmer auch für private Zwecke nutzen durfte, geteilt. Der Arbeitnehmer trug sämtliche Kraftstoffkosten (ca. 5.600 Euro) und der Arbeitgeber die übrigen Kosten. Der geldwerte Vorteil wurde nach der 1-Prozent-Regelung berechnet und betrug ca. 6.300 Euro. Die Benzinkosten machte der Arbeitnehmer in seiner Einkommensteuererklärung als Werbungskosten im Rahmen seiner nichtselbständigen Tätigkeit geltend. Der BFH bestätigte den Werbungskostenabzug.

 

Zu beachten ist, dass der Wert des geldwerten Vorteils aus der Dienstwagenüberlassung durch Zuzahlungen des Arbeitnehmers lediglich bis zu einem Betrag von 0 Euro gemindert werden kann. Die übersteigenden Beträge stellen weder negativen Arbeitslohn noch Werbungskosten dar (BFH 30. November 2016, IV R 49/14 sowie VI R 24/14).

 

Mangels regelmäßiger Arbeitsstätte (erster Tätigkeitsstätte) hatte der Arbeitnehmer im Streitfall mit seinem Firmenwagen keine Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (erster Tätigkeitsstätte) zu verzeichnen, er hatte lediglich berufliche Fahrten und rein private Fahrten unternommen. Wären im Streitfall Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (erster Tätigkeitsstätte) angefallen, die durch Ansatz der Entfernungspauschale als Werbungskosten i. S. d. § 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 4 EStG (0,30 Euro pro Entfernungskilometer) abgegolten sind, so hätten die als Werbungskosten geltend gemachten Benzinkosten anteilig um die für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte angefallenen Benzinkosten gekürzt werden müssen.

  

Fahrtenbuchmethode

Bei der Fahrtenbuchmethode hat sich die Übernahme von Kosten für das Dienstfahrzeug durch den Arbeitnehmer schon immer mindernd auf den geldwerten Vorteil ausgewirkt, da die übernommenen Kosten nicht in die Gesamtkosten des Fahrzeugs einbezogen werden.

 

Unter den Aktenzeichen VI R 24/14 und VI R 49/14 stellt der BFH klar, dass eine Zuzahlung des Arbeitnehmers den geldwerten Vorteil mindern und somit steuermindernd berücksichtigt werden kann. Übersteigen die Zuzahlungen den nach Fahrtenbuch ermittelten geldwerten Vorteil kann der übersteigende Teil steuerlich weder als negative Einnahmen noch als Werbungskosten berücksichtigt werden.

 

Im Streitfall hat der Arbeitnehmer für die Privatnutzung des Dienstwagens an seinen Arbeitgeber ein Nutzungsentgelt von ca. 6.000 Euro geleistet, welches höher als der nach der Fahrtenbuchmethode ermittelte geldwerte Vorteil von ca. 4.500 Euro war. In seiner Einkommensteuererklärung wollte der Arbeitnehmer den übersteigenden Betrag bei seinen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit steuermindernd geltend machen. Das ist nicht möglich – übersteigende Beträge dürfen sich steuerlich nicht auswirken.

 

Abschließender Praxishinweis

Für die Minderung des geldwerten Vorteils ist es neben den o.g. Voraussetzungen erforderlich, dass der Finanzverwaltung entsprechende Belege (z. B. Tankquittungen) vorgelegt werden können und die zu berücksichtigten Kosten auch mit der Fahrleistung des Firmenwagens im Einklang stehen.

 

Da die Urteile noch relativ frisch sind ist derzeit noch ungewiss, wie die Finanzverwaltung mit den Entscheidungen umgeht. Unabhängig davon entfalten die Entscheidungen auch Bindungswirkung für bereits vergangene Jahre. Wurden schon früher Kosten für den Dienstwagen aufgrund dessen Privatnutzung entrichtet, sollten diese noch steuermindernd angesetzt werden. Liegt bereits ein Steuerbescheid vor kann von den Urteilen nur im Rahmen des Einspruchs profitiert werden, es sei denn der Bescheid lässt sich auf Grund anderer Bestimmungen ändern.

 

Übernimmt der Arbeitnehmer übrigens eine Einmalzahlung zur Anschaffung des Fahrzeugs, mindert diese Zahlung dauerhaft die Bemessungsgrundlage des Privatanteils und somit den geldwerten Vorteil.

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