Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.



Automobilzulieferer in der Erfolgs- und Liquiditätskrise: Sanierungskonzept bzw. -gutachten als Ausweg

PrintMailRate-it

veröffentlicht am 3. Juli 2017

von Wolfram Lenzen

 

Geraten Automobilzulieferer in eine Erfolgs- und Liquiditätskrise, wird i.d.R. ein Sanierungskonzept oder Sanierungsgutachten erforderlich. Es zeigt den Weg aus der Unternehmenskrise mit detaillierten Sanierungsmaßnahmen auf und überzeugt Kapitalgeber und sonstige Stakeholder von der Sanierungsfähigkeit des Automobilzulieferers. Das Sanierungskonzept bzw. Sanierungsgut­achten hilft darüber hinaus der Geschäftsführung, Haftung zu vermeiden.
 
Sanierungskonzepte sind der Weg aus der Unternehmenskrise

 

Das Entstehen einer Unternehmenskrise kann unterschiedliche Auslöser haben. Es gibt allerdings Krisen­ursachen, die branchenunabhängig immer wieder beobachtet werden können – und auch Ursachen, die innerhalb einer Branche häufig anzutreffen sind.   

   

     

Typische Ursachen von Unternehmenskrisen bei Automobilzulieferern

Bei Automobilzulieferern sind Krisenursachen zu unterscheiden, die branchenunabhängig und branchenbe­dingt sind.

  

Zu den branchenunabhängigen Krisenursachen gehören bspw.:

  1. Ineffiziente interne Prozesse mit anschließend ungünstiger Aufwandsquote und erhöhtem Working-Capital-Bedarf
  2. Fehlende oder unzureichende Controlling-Instrumente
  3. Fehlende Alleinstellungsmerkmale im Wettbewerbsvergleich und dadurch erhöhte Substituierbarkeit durch den Kunden
  4. Unstimmigkeiten zwischen Stakeholdern und/oder im Geschäftsführungskreis

Zu den branchenspezifischen Krisenursachen zählen:

  

1. Falsche strategische Ausrichtung

Je nach Tätigkeitsfeld des Automobilzulieferers kann eine falsche strategische Ausrichtung bzw. mangelnde Adaption von mittel- und langfristigen Veränderungsprozessen in der Automobilindustrie zu einer Unter­nehmenskrise führen. Hierzu gehören auch Megatrends wie die schrittweise Ablösung der Diesel­techno­logie, das autonome Fahren oder die E-Mobilität.

 
Angesichts des künftig wichtiger werdenden Elektroantriebs wird sich der gesamte Antriebsstrang verändern. Unternehmen, die klassischerweise in diesem Bereich produzieren und liefern, werden sich die Frage nach der künftigen strategischen Ausrichtung stellen müssen. Hierzu gehört auch das Nachdenken über alternative Zielbranchen und Zielkunden. Des Weiteren geht es bei strategischen Neuausrichtungen auch darum, die Unternehmensstrukturen bei prognostizierten Umsatzrückgängen anzupassen.
 

2. Hohe Entwicklungsaufwendungen

Viele Automobilzulieferer decken Entwicklungsprojekte für OEM (Original Equipment Manufacturer) ab. Unklare Auftragsgestaltungen und fehlende Controlling-Instrumente sowie ein unzureichendes Projekt­management können zu bestandsgefährdenden Mehraufwendungen führen. So kommt es vor, dass bei Entwicklungsprojekten immer neue Anforderungen seitens des Kunden formuliert werden. Ist die Auftragsgestaltung nicht eindeutig geregelt und verfügt das Projektcontrolling nicht über die ausreichende Tiefe, um die Auswirkungen solcher nachträglichen Änderungen abschätzen zu können, kann es zu ungesteuerten Kostenexplosionen kommen. Sie können das gesamte Unternehmen gefährden.

 

3. Gefahr hoher Strafgebühren bei Lieferausfällen

Kaum eine andere Branche operiert auf einem so hohen Niveau der Just-in-Time-Fertigung wie die Auto­mobilindustrie. Sind die operativen Prozesse des Zulieferers nicht entsprechend aufgestellt, kann eine Liefersicherheit nur über entsprechend hohe Bestände gewährleistet werden. Sie verursachen einen zusätzlichen Kapitalbedarf, der von dem Automobilzulieferer gedeckt werden muss. Kommt es dennoch zu Lieferschwierigkeiten, drohen hohe Vertragsstrafen.
 

4. Abhängigkeit von Großkunden

Gerade in der Automobilindustrie ist die Abhängigkeit von wenigen Großkunden erheblich. Das führt zu einer schwachen Verhandlungsmacht vieler Automobilzulieferer. Auskömmliche Ertragsmargen lassen sich so nur mit effizienten unternehmensinternen Prozessen erzielen. Darüber hinaus führt der Wegfall eines Großkunden häufig zu einer unmittelbaren Bestandsgefährdung, da der Aufbau von Neukundengeschäft in dem Maße häufig zeitintensiv ist.

 

Das Sanierungskonzept bzw. -gutachten als notwendiges Hilfsmittel zur Darstellung der Sanierungsfähigkeit

Haben sich mögliche Krisenursachen eingestellt und konnten sie nicht schnell genug abgestellt werden, rutschen Automobilzulieferer schnell in eine existenzbedrohende Erfolgs- und Liquiditätskrise.
 
Stakeholder, wie bspw. Eigen- und Fremdkapitalgeber, wollen i.d.R. einen Nachweis darüber haben, ob eine Sanierung gelingen kann, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen und wie viel Kapital für die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen erforderlich ist. Diese Fragen werden in einem Sanierungskonzept bzw. -gutachten beantwortet.
 
Da bei der weiteren Begleitung von Krisenunternehmen auch für die Kapitalgeber Haftungsrisiken bestehen, werden Sanierungskonzepte bzw. -gutachten standardmäßig unter Berücksichtigung der höchstrichter­lichen Rechtsprechung des BGH erstellt. Als Branchenstandard hat sich hier IDW S6 etabliert.
 
Hierbei wird das krisenbetroffene Unternehmen in seiner wirtschaftlichen und rechtlichen Historie darge­stellt (Ausgangssituation). Es wird seine Positionierung im Markt- und Wettbewerbsumfeld untersucht, mit dem Ziel beurteilen zu können, ob das Unternehmen wettbewerbsfähig aufgestellt werden kann.

 

Anschließend werden das Krisenstadium und die Krisenursachen analysiert. Hierauf und auf die künftige strategische Ausrichtung des Unternehmens (das sog. Leitbild) abgestellt, werden die Sanierungsmaß­nahmen in ihrer quantitativen und qualitativen Ausprägung beschrieben. In einem nächsten Schritt werden die Sanierungsmaßnahmen in eine integrierte Unternehmensplanung, bestehend aus Gewinn- und Verlust­rechnung, Bilanzplanung und Liquiditätsplanung, überführt.
 
Das Sanierungskonzept will beantworten, ob der krisenbehaftete Automobilzulieferer sanierungsfähig ist, d.h., ob er in einem absehbaren Zeitraum fähig sein wird, wettbewerbsfähig zu sein und eine marktübliche Rendite zu erwirtschaften.
 
Ist eine Sanierung des Automobilzulieferers außerhalb eines Insolvenzverfahrens nicht möglich oder ist bereits eine Insolvenzreife eingetreten, kann das Sanierungskonzept auch als Grundlage für die Durch­führung eines Insolvenzplanverfahrens dienen.

 

Fazit

Automobilzulieferer sind branchenspezifischen Risiken ausgesetzt, die dazu führen können, dass das Unternehmen in eine Erfolgs- und Liquiditätskrise gerät. Ist das der Fall, gilt es die Stakeholder, insbesondere die Eigen- und Fremdkapitalgeber, von der Sanierungsfähigkeit des Unternehmens zu überzeugen. Hierzu wird i.d.R. ein Sanierungskonzept bzw. Sanierungsgutachten angefertigt, um die Sanierungsfähigkeit des Automobilzulieferers, d.h. seine Wettbewerbs- und Renditefähigkeit, zu belegen.

  

Kontakt

Contact Person Picture

Peter Längle

Diplom-Ökonom, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Wirtschaftsmediator

Partner

+49 89 9287 802 00
+49 89 9287 804 00

Anfrage senden

Contact Person Picture

Raik Müller

Rechtsanwalt

Partner

+49 221 9499 095 11
+49 221 9499 099 00

Anfrage senden

Profil

Contact Person Picture

Vincenzo Di Vincenzo

Consultant

Senior Associate

+49 221 949 909 513

Anfrage senden

Deutschland Weltweit Search Menu