Digitalisierung in Myanmar

veröffentlicht am 11. Mai 2018​
 
Interview mit Lutz Koch

    

 
Wird das Thema Digitalisierung in Deutschland auf die Agenda geschrieben, darf damit gerechnet werden, dass Sie nicht nur eine Definition für den Begriff erhalten. Die immer wieder genannten Schlagwörter sind „disruptive Technologien”, „innovative Geschäftsmodelle” oder auch „Autonomisierung”, was wiederum gerne unter dem Begriff „Industrie 4.0” zusammengefasst wird. Wir möchten heute aber über Myanmar sprechen. Bitte geben Sie uns einen kurzen Einblick, was unter dem Begriff Digitalisierung in Myanmar verstanden wird.

Während der Jahre der Isolation ist niemandem in Myanmar der Begriff „Digitalisierung” auch nur zu Ohren gekommen. Mit Myanmars Einzug in das Weltwirtschaftsgefüge hat sich das jedoch geändert. Eine große Anzahl ausländischer Unternehmen hat inzwischen Vertretungen im Land etabliert, insbesondere im Bereich Telekommunikation. Der Einzug der Mobiltelefonie in den nationalen Markt war der 1. Schritt in Richtung Digitalisierung, und hat den digitalen Wandel maßgeblich vorangetrieben. Der Bankensektor bspw. hat infolgedessen bereits in moderne Systeme wie Onlineüberweisungen investiert und auch das E-Commerce-Geschäft boomt. Die neue Weltoffenheit hat die Türen für den Einzug neuer Technologien und damit für eine Verbesserung des Ease of Doing Business geöffnet. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass der Wandel hin zu einer digitalen Nation definitiv Zeit braucht und durch Ausbildung und Investitionsmaßnahmen nachhaltig unterstützt werden muss.

  

Digitalisierung ist ein branchen- und gesellschaftsübergreifendes Thema. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Myanmar ein – Hat die Gesellschaft das Thema bereits verinnerlicht, verstehen Unternehmen den Wandel oder wird eher versucht, das Thema auszusitzen? Welche Branchen sind bereits auf der Erfolgsspur, welche hinken – eventuell auch aus traditionellen Gründen – hinterher?

Dank seiner wachsenden Telekommunikationsinfrastruktur und der laufend verbesserten Konnektivität befindet sich Myanmar inzwischen mitten im Digitalisierungsprozess. Banken bieten digitale Dienstleistungen an, private Unternehmen arbeiten mit Datenbanken, um Informationen zentral zu verwalten, interne Prozesse zu vereinfachen und ihre Effizienz zu steigern. Auch die Regierung hat zwischenzeitlich diverse E-Programme herausgebracht und wird in Kürze sogar ein digitales System zur Registrierung von Unternehmen anbieten. Das alles sind wichtige Schritte auf dem Weg zum digitalen Wandel. Nichtsdestoweniger befindet Myanmar sich nach wie vor in einer Phase des Übergangs und muss eine ausgewogene Balance zwischen digitaler Entwicklung und tatsächlichen, physischen Bedürfnissen finden. Immerhin haben viele Menschen in den entlegeneren Regionen des Landes noch keinen Zugang zum Internet und können daher mit dem möglichen Mehrwert der digitalen Welt wenig anfangen. Myanmar muss daher weiterhin mit Hochdruck am Wandel von einer traditionellen Infrastruktur hin zu einer digitalen arbeiten – und zwar auch außerhalb der großen Städte.

 
Welche Herausforderungen – aber auch Chancen – sehen Sie für bereits vor Ort tätige Unternehmen, die nicht einfache Mammutaufgabe zu meistern?

Es bleibt schwierig, die Einheimischen von der Notwendigkeit der Teilhabe am digitalen Wandel zu überzeugen. Herkömmliche, analoge Systeme sind zwar oft weit davon entfernt effizient zu sein, aber da sie altvertraut und leichter verständlich sind, geben viele Einheimische und auch staatliche Einrichtungen ihnen den Vorzug. Wandel ist bei den Menschen in Myanmar zwar einerseits durchaus erwünscht, wird aber andererseits auch zutiefst gefürchtet, da seine Folgen und damit auch mögliche negative Auswirkungen im Vorfeld nicht absehbar sind. Eine der wichtigsten Aufgaben in dem Zusammenhang besteht darin, die Einheimischen von den Vorzügen der Digitalisierung zu überzeugen. Gelingt das, so liegt hier – aufgrund der noch deutlich unterentwickelten Digitalisierung und des nach wie vor weit verbreiteten Einsatzes veralteter, analoger Systeme – ein enormes Marktpotenzial, das es auszuschöpfen gilt.

  

Welche Punkte müssen bei der Transformation in Myanmar besonders beachtet werden (Bspw.: Cybersecurity, Datenschutz, Change Management, Cloud Computing, ERP-Systeme, (Tax-)Compliance-Systeme, digitale Payroll, Wertewandel, Blockchain-Technologien usw…)? Sehen Sie hier vor Ort kulturelle, gesellschaftliche oder ökonomische Vorteile, die für eine einfachere Transformation sprechen?

Digitalisierung bietet große Vorteile und immenses Steigerungspotenzial in puncto Effizienz, birgt jedoch durchaus ebenso große Herausforderungen und Gefahren – insbesondere im Hinblick auf Cyberkriminalität und Datenschutz. Derzeit sind weder staatliche Institutionen noch private Unternehmen hinreichend gegen Cyberattacken gewappnet. Hier fehlt es an geeigneten Strukturen ebenso wie am notwendigen technischen Know-how im Umgang mit Bedrohungen aus dem Cyberspace. Die Regierung hat die meisten geplanten Investitionen in Cybersecurity aufgrund der hohen Kosten zurückgestellt und bislang noch nicht einmal einen entsprechenden Gesetzentwurf vorbereitet.

  
Im Hinblick auf den Datenschutz steht Myanmar vor den gleichen Schwierigkeiten wie in puncto Cyberkriminalität. Während die General Data Protection Regulation (GDPR) am 25. Mai 2018 in der EU in Kraft treten und sowohl größeren Datenschutz als auch mehr Transparenz bewirken wird, fehlt es in Myanmar nach wie vor an einem grundlegenden gesetzlichen Datenschutzrahmenwerk. Das derzeit geltende muss dringend an die Anforderungen des digitalen Zeitalters angepasst werden, um den Schutz persönlicher Daten gewährleisten zu können. 

 

Wenn die Führungsriege der Unternehmen den Wandel nicht vorlebt und vorantreibt, ist das Gelingen der Transformation in Gefahr. Existieren von staatlicher Seite Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten, die bei den ersten Schritten hin zur digitalen Transformation bereitgestellt werden? Bestehen Investitionsprogramme, um Digitalisierungspioniere anzulocken? Existieren Inkubatoren, um innovative Geschäftsmodelle und die Ansiedlung von beispielsweise Start-Ups zu beschleunigen?

Der Mangel an moderner Bildung sowie an Trainingsmaßnahmen im Bereich neuer Technologien und Konzepte für einen neuen und bislang noch unterentwickelten Markt bleibt aktuell eine der wichtigsten Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt. Es gibt jedoch private Unternehmen, die gewillt sind, einen Schwellenmarkt wie Myanmar zu unterstützen und die zu diesem Zweck junges Unternehmertum und neue Technologien – insbesondere Start-ups – fördern und durch Investitionen stützen. Solche Unternehmen bieten tatkräftige Unterstützung, um Wachstum und Erfolg zu ermöglichen. Oft gewähren sie auch finanzielle Dienstleistungen und stellen den Kontakt zu ausländischen Investoren her. In dem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Regierung privaten Unternehmen kaum finanzielle Unterstützung zukommen lässt. Immerhin gibt es seit Kurzem ein Programm zur Förderung junger, aufstrebender Unternehmer mit Hilfe eines Innovationszentrums.

  

 

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