Konjunkturpaket und E-Mobility: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt?

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veröffentlicht am 10. Juli 2020

 

Der Verkehrssektor macht mit 739 TWh knapp 30 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs aus und damit mehr als der Stromsektor (526 TWh bzw. 21 Prozent). In dem Konjunkturpaket, das zur Bekämpfung der Corona-Krise beschlossen wurde, sind auch einige Maßnahmen zur Förderung von nachhaltiger Mobilität und hier insbesondere der E-Mobility enthalten. Sind die Fördermaßnahmen Grund genug, um aus Kosten- oder Mitarbeiterbindungsgründen tiefer in die E-Mobility einzusteigen? 

Mit jeweils knappen 50 Prozent Zuwachs zum Vorjahreszeitraum wurden in der ersten Jahreshälfte 2020 rund 44.000 reine Elektroautos und rund 159.000 Hybridfahrzeuge zugelassen. Trotz des Einbruchs der Neuzulassungen konnten Elektro- und Hybridautos weiter an Marktanteil gewinnen.

 

Dies liegt unter anderem auch daran, dass immer mehr Modelle auf den Markt kommen. Mit dem ID.3 als erstem rein elektrischen Volkswagen sagt die deutsche Automobilindustrie ausländischen Konkurrenten den Kampf an, auch wenn es hier eine Vielzahl deutlich billigerer Modelle gibt.

Jüngst wurden im Zuge des Konjunkturpaketes mehrere Beschlüsse zur Förderung der E-Mobilität beschlossen. Die Kaufprämie des Bundes steigt von 3.000 Euro um 6.000 Euro an, somit erhält man insgesamt 9.000 Euro Zuschuss beim Kauf eines rein elektrisch angetriebenen Autos. Zudem wird bei Dienstwägen, welche ca. zwei Drittel der Neuzulassungen ausmachen der vergünstigte Steuersatz von 0,25 Prozent auf Neuwägen mit einem Preis bis zu 60.000 Euro anstatt der bisherigen 40.000 Euro gewährt. Für Gewerbetreibende werden zudem noch Flottenaustausch- und Flottenerneuerungsprogramme ins Leben gerufen, bei denen der Ersatz von fossil angetriebenen Fahrzeugen durch emissionsärmere Modell gefördert wird.


Um den immer wieder kritisierten Punkt der fehlenden Ladesäulen-Infrastruktur zu adressieren werden hier, gemeinsam mit elektromobilitätsnaher Forschung, 2,5 Mrd. Euro investiert. Zentraler Punkt ist hierbei, neben dem Masterplan Ladesäulen Infrastruktur, ein einheitliches Bezahlsystem.

Das Konjunkturpaket unterstreicht damit die aktuelle Entwicklung der steigenden Verkaufszahlen von E-Mobilen und stellt mindestens im PKW-Segment die Weichen auf E-Mobilität. Unternehmen sind damit direkt auf zwei Ebenen betroffen: 1. durch die Mitarbeitenden, die ein E-Mobil besitzen und 2. durch die eigene Dienstwagenflotte. Schon jetzt besitzt der ein oder andere Mitarbeitende ein privates E-Mobil und will beim Arbeitgeber laden. Noch deutlicher wird die Dringlichkeit der Frage wenn E-Mobile oder Hybridfahrzeuge als Dienstwägen genutzt werden. Spätestens wenn der Fuhrpark auch E-Mobile beinhaltet muss die Frage geklärt werden wer, wie, wo, wann und wie viele Ladesäulen errichtet und betreibt.


Wer diesen Fragen frühzeitig und proaktiv begegnet kann sowohl die Mitarbeiterzufriedenheit steigern, bei geschickter Kombination mit dezentraler Erzeugung Kosten sparen und das Image des Unternehmens ökologisch prägen.


Davon getrennt zu sehen ist die Entscheidung über eine Umstellung des Fuhrparks. Diese Frage sollte speziell vor dem Hintergrund zeitlich begrenzter Förderprogramme des Konjunkturpaketes zeitnah behandelt werden, wird aber hier aufgrund des anderen Fokus nicht weiter betrachtet.

Da die Schritte bei der Umsetzung grundsätzlich in jedem Vorhaben ähnlich sind, sehen wir an dieser Stelle von einer ausführlichen Beschreibung des Vorgehens ab. Dies finden Sie bei Interesse in diesem Artikel. Zusammenfassend halten wir folgendes Vorgehen zur Entwicklung eines abgestimmten Energie- und Mobilitätskonzepts für sinnvoll:

 

  1. Grundlagenermittlung Strombezug und -abrechnung
  2. Klärung rechtlicher und steuerlicher Fragestellungen bezgl. konkretem Nutzungsmodell
  3. Nachfrageermittlung durch Mobilitätsumfrage
  4. Konzept der Ladeinfrastruktur: Stufenweiser Ausbau, rechtssicheres Abrechnungsmodell und weitere Erlösmöglichkeiten
  5. Fördermittelprüfung
  6. Strukturierte Beschaffung und rechtlich, steuerlich und wirtschaftlich optimierter Betrieb
  7. Optimierung durch Kombination mit Photovoltaik und Batterie: PV-Dachanlage und Solarcarport zur Eigenstromversorgung[RM4

 

Wichtig für ein erfolgreiches Konzept ist in erster Linie die umfassende Betrachtung der technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Möglichkeiten und die Antizipation zukünftiger Entwicklungen.
Während der Wert von Mitarbeiterzufriedenheit schwer monetär bewertbar und gleichzeitig ein wichtiges Asset vieler Firmen ist, kann dieser durch die Bereitstellung von adäquater Infrastruktur und einer ökologischen Ausrichtung ggfs. im Rahmen einer strukturierten Corporate Social Responsibility – Strategie des Unternehmens gesteigert werden. Hybrid- oder noch schlimmer E-Dienstwägen, die nicht am Arbeitsplatz geladen werden können, sind aus Sicht des Mitarbeiters und des Unternehmens inakzeptabel. Ist hingegen ausreichend Ladeinfrastruktur vorhanden und wird der Strom zusätzlich noch in eigenen PV-Anlagen auf dem Dach oder im Carport selbst erzeugt, wird das positiv von den Angestellten und Kunden wahrgenommen.


Für das Unternehmen ist das somit doppelt vorteilhaft, weil diese Investitionen meist auch noch wirtschaftlich sind. Versorgung mit günstigem Eigenstrom zu stabilen Erzeugungskosten, staatlich garantierte Erlöse bei Überschusseinspeisung, Peak-Shaving1 durch Batterien und mittelfristig Arealnetzversorgung durch Vehicle2Grid2 machen das Gesamtkonzept wirtschaftlich interessant

 

Fazit

Das Konjunkturpaket mit seiner expliziten Förderung von E-Mobilität eröffnet kurz- bis mittelfristig Unternehmen erhebliche Möglichkeiten sich beim Punkt der Mobilität zu modernisieren. Gerade Unternehmen mit größerem logistischen Aufwand und eigener Fahrzeugflotte, bzw. diversen Dienstwagenfahrern oder erheblichen Kundenverkehr sollten sich dem Thema annehmen. Gerade nun nach der Krise können Einsparungen realisiert werden, welche eben durch flankierende Fördermittel und eine gute auf den jeweiligen Standort bezogene Konzeption getragen werden. Eine gut geplante und professionelle Umsetzung ist dabei nicht nur rentabel sondern bindet auch die wertvollste Einheit vieler Unternehmen: die Mitarbeitenden.


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1 Beim Peak Shaving wird versucht, Lastspitzen im Verbrauch durch Energiemanagement und Speicher zu glätten.
2 Im Vehicle-to-Grid-Konzept (V2G) werden elektrische Fahrzeuge und ihre eingebauten Speicher dem allgemeinen Stromnetz als Lastenausgleich zur Verfügung gestellt, um so Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Dieser Ausgleich kann perspektivisch vom Netzanbieter vergütet werden. Dieses Konzept befindet sich gerade in der Testphase. Einige Modelle wie z. B. der Nissan Leaf sind bereits zur Bereitstellung von Primärregelleistung präqualifiziert.

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