Aufsichtsratsvergütungen – Vorsicht bei der Besteuerung

zuletzt aktualisiert am 7. August 2019 | Lesedauer ca. 3 Minuten
  
​In Deutschland müssen Gesellschaften mit folgender Rechtsform zwingend einen Aufsichtsrat haben: AG, KGaA, Genossenschaften sowie GmbH mit mehr als 500 bzw. 2.000 Arbeitnehmer bzw. im Falle bestimmter Branchenzugehörigkeit. Darüber hinaus können Gesellschaften freiwillig einen Aufsichtsrat oder ein aufsichtsratsähnliches Organ (z.B. Beirat) mit der Überwachung der Geschäftsführung berufen. 
 
Dabei unterliegend die Aufsichtsratsvergütungen bzw. Aufwandsentschädigungen einer komplexen steuerlichen Behandlung, die von der Gesellschaft und den Aufsichtsratsmitgliedern zu berück­sichtigen sind. Auf Ebene der Körperschaft können die Vergütungen regelmäßig nur zur Hälfte steuerlich abgezogen werden, während sie bei den Aufsichtsratsmitglieder voll steuerpflichtig sind. In bestimmten Fällen können die Steuerbelastungen jedoch gestalterisch reduziert werden.
 
 
Hier ein kurzer Überblick über die Unterschiede der steuerlichen Behandlung bei der beaufsichtigten Gesell­schaft und den Aufsichtsratsmitglieder in Deutschland.
 

(Teil-)Abzugsverbot

Aufsichtsratsvergütungen bzw. Aufwandsentschädigungen sind steuerliche Betriebsausgaben, die bei der auszahlenden Körperschaft nur zur Hälfte steuermindernd berücksichtigt werden dürfen (§ 10 Nr. 4 KStG). Dieses (Teil-)Abzugsverbot gilt sowohl bei gesetzlich vorgeschriebenen als auch bei freiwilligen Über­wachungs­organen. Bei der GmbH & Co. KG gilt das ebenfalls, wenn der Aufsichtsrat auf Ebene der Komplementär-GmbH bestellt ist.
 
Der volle Steuerabzug kann dadurch gewährleistet werden, dass auf Ebene der Kommanditgesellschaft ein überwachender Beirat bestellt wird. Sind die Beiratsmitglieder zugleich Gesellschafter, sind die Vergütungen bzw. Entschädigungen allerdings sog. gewerbliche Sondereinkünften.
 
Vom (Teil-)Abzugsverbot erfasst werden Vergütungen für Personen, die faktisch und überwiegend Über­wachungs- und Kontrolltätigkeiten ausüben. Dieses Abzugsverbot greift grundsätzlich auch wenn die Be­troffenen (z.B. bei der Feststellung des Jahresabschluss oder Entlastungen) ein Votum gegenüber der Gesell­schafterversammlung abgeben können, da hierfür die Geschäftsführung bewertet werden muss. Um den vollen Abzug zu gewährleisten, sollten solche Zustimmungs- oder Vorschlagsrechte daher vermieden werden. Sofern die Beratungstätigkeit überwiegt, könnten alternativ auch Beraterverträge abgeschlossen werden, bei denen die Vergütungen steuerlich voll abzugsfähig sind.
 
Sachlich erfasst werden vom Abzugsverbot Vergütungen „jeder Art”, die als Entgelt für die Überwachung der Geschäftsführung gewährt werden, wie:
  • Einmalige oder laufende Vergütungen für die Überwachung;
  • Tagegelder, Sitzungsgelder, Reisegelder, Aufwandsentschädigungen;
  • Geldwerte Vorteile wie Wohnung, Kost, Altersversorgung, PKW;
  • Übernommene Aufsichtsratsteuer nach § 50 a EStG.

 

Folgende Vergütungen werden hingegen nicht vom Abzugsverbot erfasst:
  • Tatsächliche Fahrt- und Übernachtungskosten, Verpflegungsmehraufwendungen;
  • Bereitstellung von Büroräumen, Personal im Unternehmen (jedoch nicht extern);
  • Bereitstellung eines PKW „auf Abruf”;
  • Aufsichtsratsspezifische Seminare.

 

Soweit Aufsichtsräte noch andere Aufgaben wahrnehmen, sind diese vorsorglich klar von der Überwachungs­tätigkeit abzugrenzen, um den Steuerabzug zumindest insoweit zu gewährleisten. Bei Überschneidungen gilt das Abzugsverbot.  

 

Steuerliche Behandlung beim Empfänger

Aufsichtsratsvergütungen bzw. Aufwandsentschädigungen sind beim Aufsichtsrats- bzw. Beiratsmitglied als Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit voll zu versteuern. Hierunter fallen grundsätzlich alle o.g. von § 10 Nr. 4 KStG erfassten Leistungen, wie auch Vorteile aus Aktienoptionen, die mit Rücksicht auf das Aufsichtsrats­verhältnis gewährt werden.
 
Bei Personen, die in einem öffentlich-rechtlichen Beschäftigungsverhältnis stehen, sind die Aufsichtsrats­vergütungen als lohnsteuerpflichtige Einkünften aus nicht-selbstständiger Tätigkeit zu versteuern, wenn das Mandat kraft Funktion oder auf Veranlassung des Dienstherrn übernommen wird und die Vergütung an den Dienstherrn abzuführen ist. Auch wenn die Aufsichtsratstätigkeit in einem sog. engen, ursächlichen Zusammen­hang mit einer nicht-selbstständigen Haupttätigkeit steht, sind die Vergütungen lohnsteuerpflichtig, z.B. wenn der Betroffene seine Vergütungen aus beamtenrechtlichen Vorschriften an den Arbeitgeber abführen muss.
 

Umsatzsteuerliche Behandlung

Das Aufsichtsrats- bzw. Beiratsmitglied gilt – zumindest nach bisheriger Auffassung – als Unternehmer, sodass die Vergütungen bzw. die Entschädigungen auch der Umsatzsteuer unterliegen. Soweit der Aufsichtsrat als Unternehmer tätig wird, aber keine weitere unternehmerische Betätigung ausführt oder nur Leistungen ausführt, die nicht in den Gesamtumsatz einfließen, muss geprüft werden, ob die sog. Klein­unter­nehmer­besteuerung anzuwenden ist. Wenn im vorangegangenem Kalenderjahr nicht mehr als 17.500 Euro und voraussichtlich im laufenden Kalenderjahr nicht mehr als 50.000 Euro Gesamtumsatz erzielt werden, liegt die Kleinunternehmereigenschaft vor.
 

Aufgrund einer EuGH-Entscheidung (vom 13. Juni 2019) könnte die Tätigkeit des Aufsichtsrats künftig jedoch nicht mehr der Umsatzsteuer unterliegen. Hier sollte das weitere Vorgehen der Verwaltung und des Gesetzgebers beobachtet werden. Zudem wird der BFH (V R 23/19) in Kürze klären, ob das Aufsichtsrats­mitglied einer Aktiengesellschaft, der Angestellter der Konzernmutter ist und in den Aufsichtsrat einer Tochtergesellschaft entsandt wird, mit seiner Aufsichtsratstätigkeit umsatzsteuerrechtlicher Unternehmer ist.
 
Eine Umsatzsteuerpflicht besteht jedenfalls nicht für Beamte und andere Bedienstete einer Gebietskörperschaft (sowie Minister/Staatssekretäre), wenn diese die Tätigkeit auf Verlangen oder Veranlassung ihres Dienstherrn übernommen haben und nach beamtenrechtlichen oder anderen dienstrechtlichen Vorschriften verpflichtet sind, die Vergütung ganz oder teilweise an den Dienstherrn abzuführen. In diesen Fällen wird die Aufsichtsrats­tätigkeit grundsätzlich als Teil der unselbstständigen Tätigkeit angesehen; daher mangelt es an der umsatzsteuerlichen Unternehmereigenschaft.
 

Wichtiger Hinweis

Wird der Aufsichtsrat nicht als Unternehmer tätig, die Aufsichtsratsvergütung aber trotzdem mit Umsatzsteuer abgerechnet, entsteht ein unberechtigter Steuerausweis, den der Aufsichtsrat schuldet, ohne dass die Körperschaft zum Vorsteuerabzug berechtigt wäre.
 

 Bitte beachten Sie:

  • Zur partiellen Vermeidung des Abzugsverbots können bei der Vergütungsstruktur abzugsfähige Vergütungskomponenten gewährt werden.
  • Bei einer GmbH & Co. KG kann zur vollständigen Vermeidung des Abzugsverbots ein überwachender Beirat auf Ebene der Kommanditgesellschaft bestellt werden.
  • Die Aufsichtsratsvergütung öffentlich-rechtlich Beschäftigter unterliegt häufig dem Lohnsteuerverfahren.

 Kontakt

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Dr. Alexander Kutsch

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Steuerberater

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