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Marktüberblick Lateinamerika

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veröffentlicht am 04. November 2020

 

Die Märkte für Erneuerbare Energien sind im Laufe der Jahre weltweit gewachsen – hauptsächlich aufgrund sinkender Stromerzeugungskosten für Wind- und Sonnenenergie. Die Netzparität von Multi-MWp-PV-Anlagen ist keine Frage mehr, sondern eine Tatsache. 

 

Die Vorteile sind beträchtlich und adressieren drei wesentliche Zielgrößen der modernen Gesellschaft: Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Sozialverträglichkeit.


Neben den aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie steht die Energiebranche weiterhin vor der Aufgabe der Dekarbonisierung und muss in erneuerbare Technologien investieren. Der folgende Artikel über Lateinamerika reiht sich ein in die bereits erschienenen Artikel über Ostafrika und Südostasien und gibt einen Überblick über vielversprechende Märkte in dieser Region.


Lateinamerika sticht aufgrund des günstigen Klimas und den reichlich verfügbaren natürlichen Ressourcen als einer der wichtigsten Akteure bei der Entwicklung Erneuerbarer Energien (EE) hervor. Im Folgenden werden wir den aktuellen Status der Erneuerbaren Energien in Lateinamerika sowie das wirtschaftliche und technologische Potenzial diskutieren und ein Fazit für die nahe Zukunft zu ziehen.


Potenzial und Ziele der Erneuerbaren Energien bis 2030

Das Ziel eines min. Anteils von 70 Prozent Erneuerbarer Energien (EE) am Stromverbrauch bis 2030 wurde durch eine neue regionale Initiative festgelegt, die von der Lateinamerikanischen Energieorganisation („OLADE”) koordiniert wird. Unterstützer dieser Initiative sind Kolumbien, Chile, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Haiti, Honduras, Paraguay, Peru und die Dominikanische Republik. Auch Panama und Brasilien sind im Gespräch. Ein weiteres Ziel ist eine installierte Gesamtkapazität von 312 GW an Erneuerbaren Energien bis 2030. Ein Bericht von IRENA Future of Solar Photovoltaic zeigte auf, dass allein die PV-Kapazität Mittel- und Lateinamerikas bis 2050 um 40 Prozent auf mehr als 280 GW wachsen könnte, dank der hohen Sonneneinstrahlung und durch die Implementierung attraktiver und starker politischer Rahmenbedingungen.

 

Auch Länder, die nicht Teil der neuen Initiative sind, haben sich Ausbauziele für die Erneuerbaren gesteckt. Argentinien zum Beispiel will ausgehend von 13 Prozent im Jahr 2016 seinen Anteil an den Erneuerbaren Energien im Strom-Mix bis 2025 auf 20 Prozent erhöhen.

 

Seit der Deregulierung des mexikanischen Energiesektors im Jahr 2014 bieten sich vermehrt Möglichkeiten für den Ausbau der EE in Mexiko. Das Land hat sich als Ziel einen 35 Prozent Anteil an der Stromerzeugung bis 2024 gesetzt. Im Jahr 2018 wurde 15,5 Prozent des mexikanischen Stroms aus EE erzeugt. Diese Ziele und Initiativen beziehen sich auf den Bedarf an Investitionen und Entwicklungen im Bereich der Erneuerbaren Energien und eröffnen einen neuen Markt. 

 

Positive Entwicklungen im Bereich der Erneuerbaren Energien im Zeitraum 2015-2018 Anteil der EE und installierter Kapazität

Grafik 1 zeigt den Anteil der EE am Stromverbrauch im Jahr 2015 in ausgewählten Ländern Lateinamerikas und der Karibik, einschließlich der Länder, die an der oben erwähnten, neuen Initiative teilnehmen. Paraguay und Costa Rica haben den höchsten Anteil an EE und erreichen fast 100 Prozent. Im Jahr 2017 erreichten Brasilien, Kolumbien und Ecuador einen beachtlichen Anteil von 79,2 Prozent, 79,0 Prozent bzw. 73,8 Prozent.

 

 

Grafik 1: Anteil erneuerbarer Energie am Stromverbrauch 2015

 

Die Länder Südamerikas haben auch ein hohen erneuerbaren Anteil an der Stromerzeugung. Die installierte Gesamtkapazität aus Erneuerbaren Energien (einschließlich großer Pumpspeicherkraftwerke) stieg von 2006 bis 2016 um 48,6 Prozent, von 151,6 GW auf 225,4 GW. Die Wasserkraft spielt dabei die größte Rolle, 2016 machte sie 85 Prozent der gesamten Stromerzeugung aus und erreichte eine installierte Kapazität von 182 GW.


Die Photovoltaik hat großes Potenzial, der größte Zubau erfolgte bis 2016 in Großprojekten. In den Jahren 2016-2018 wurden insgesamt 3,9 GWp neu installiert. Den größten Anteil hat Mexiko mit rund 2.166 MWp, es folgen Chile mit 1.012 MWp, sowie Argentinien und Panama mit jeweils knapp über 180 MWp.


Ein weiterer spannender Markt ist hier auch die Windenergie mit einem Zubau von 6 GW an Kapazität zwischen 2016 und 2018, so dass die Gesamtkapazität der Region rund 21 GW beträgt. Die geothermische Energie befindet sich trotz großer geothermischer Ressourcen noch in der Entwicklung und hatte 2016 eine installierte Gesamtkapazität von 1,6 GW. Im betrachteten Zeitraum 2016-2018 wurden nur knapp 60 MW zugebaut.

 

 

Grafik 2: Zubau nach Technologie in MW 2016-2018

 

 

Grafik 2 stellt den Verbrauch von Strom aus Erneuerbaren Energien im Jahr 2017 nach Technologie dar. Es ist zu erkennen, dass die Wasserkraft in den betrachteten Ländern den größten Teil ausmacht. Die am zweithäufigsten genutzte Technologie ist die Windkraft, wobei Brasilien mit 42.391 GWh an der Spitze liegt, gefolgt von Mexiko mit 10.442 GWh und Uruguay mit 3.774 GWh. Chile erzeugt am meisten Solarenergie mit 3.914 GWh, auf dem zweiten und dritten Platz liegen Brasilien und Honduras mit 997 GWh bzw. 928 GWh. 


Die geothermische Energieproduktion war im Vergleich zu den anderen Technologien im Jahr 2017 weniger bedeutend. Dies ist unter anderem auf den großen Bedarf an Risikokapital und die komplexe Projektentwicklung zurückzuführen.

 

 

Grafik 3: Anteil des EE-Verbrauchs nach Technologie in GWh im Jahr 2017


In Grafik 3 sind die Länder mit einer signifikanten installierten Kapazität an Geothermie dargestellt. Aufgrund verschiedener Initiativen wie zum Beispiel der Geothermal Development Facility (GDF- konzeptionell entwickelt durch Rödl & Partner), welche Projekte fördert und Investoren unterstützt, wird davon ausgegangen, dass die Technologie an Bedeutung gewinnen wird.

 

 

Grafik 4: Anteil des Energieverbrauchs aus Geothermie in GWh im Jahr 2017 

 

 

Laut einem von REN 21 veröffentlichten Bericht betrug die installierte Gesamtkapazität an Erneuerbaren Energien in Südamerika im Jahr 2018 bis zu 250 GW.


Investment und Finanzierung

Mit hohen EE-Ausbauzielen und dem hohen Potenzial für verschiedene Technologien sind Lateinamerika und die Karibik sehr attraktive Regionen für Investoren. Lateinamerika ist laut fDi Markets (ein Service der Financial Times) nach Europa die zweitattraktivste Region der Welt für ausländische Investitionen im Bereich Erneuerbare Energien. Brasilien beheimatete 40 Prozent aller ausländischen Investitionsprojekte im Bereich Erneuerbare Energien im Jahr 2019, gefolgt von Chile (29 Prozent), Mexiko (15 Prozent) und Kolumbien (6 Prozent).

Der EE-Ausbau wird in vielen Ländern Lateinamerikas durch Auktionen vorangetrieben. In Brasilien werden zum Beispiel zwei Arten von EE-Auktionen durchgeführt: Auktionen für die Erfüllung der Nachfrage von Stromnetzanbietern und Kapazitätsauktionen zur Sicherung der Netzstabilität.


Seit 2013 sind PV-Anlagen bei der nationalen Auktion für Erzeugungskapazitäten zugelassen, 2014 fand die erste reine PV-Energieauktion statt. Die resultierenden Preise werden in Stromlieferverträgen zwischen Produzenten und der nationalen Energieagentur für 20 Jahre festgelegt. Durch den Wettbewerb zwischen den Bietern wird der kostengünstige EE-Ausbau gefördert.


Auch in Peru oder Kolumbien wird das Auktions-Modell bevorzugt, mit Laufzeiten von 20 bzw. 15 Jahren. In Kolumbien wurden 2019 das erste Mal Auktionen für Wind und Solar durchgeführt und insgesamt 1.400 MW ausgeschrieben.

 
Derzeit gibt es für die Entwicklung von EE in der Region viele Finanzierungsmöglichkeiten durch europäische und internationale Regierungsinstitutionen, private Einrichtungen und Banken. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.


Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Europäische Union (EU) haben über die KfW Entwicklungsbank (KfW) in Zusammenarbeit mit CAF, CABEI, Weltbank, ESMAP, IDB, AfD, EIB, JICA, NDF, BGR und GIZ die Geothermal Development Facility (GDF) gegründet.
Die GDF ist das regionale Programm zur Förderung der Geothermie in Mittel- und Lateinamerika und wird von mehreren Finanzierungspartnern unterstützt. Aktuell läuft bereits die 6. Ausschreibungsrunde. Die Unterstützung wird über einen Zeitraum von 10 Jahren gewährt. Die GDF ist aktiv in Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Peru, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua.

 

Fazit

In den meisten Ländern Südamerikas bieten sich angesichts des Preises der Technologien gute Investitionsmöglichkeiten. Brasilien, Peru und Mexiko gehen jedoch als die attraktivsten Länder für EE-Investitionen hervor.

Brasilien bietet ein attraktives Marktumfeld, besonders für große PV- und Windprojekte, durch einen weitgehend liberalisierten Strommarkt, EE-Auktionen, zahlreiche Steuer- und Importprivilegien, sowie vorteilhafte Importbestimmungen. Net-Metering macht auch Investitionen in kleine PV-Anlagen attraktiv. Hier hat das Wachstum von PV in den letzten Jahren alle anderen Energieträger überholt.

In Bezug auf das geothermische Potenzial gewährt die peruanische Regierung Konzessionen mit einer Laufzeit von 30 Jahren und Privilegien zur Erkundung und Nutzung geothermischer Ressourcen. Zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten in diesem Bereich können durch die Geothermal Development Facility (GDF) bezogen werden.

 

 

 

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