Erneuerbare Energien in Spanien

zuletzt aktualisiert am 03.05.2019

 

Durch das im Jahre 2012 erfolgte Moratorium erlitt Spanien als einer der größten euro¬päischen Erneuer-bare-Energien-Märkte einen beispiellosen Investitions-stopp. Seit 2016 hat sich der Markt aufgrund der massiv gesunkenen Errichtungskosten erholt und inländische- und ausländische Investoren haben auf spanische EE-Anlagen gesetzt. Bis 2020 wird ein Zubau von zweistelligen GW installierter Leistung, sowohl Wind als auch PV erwartet.


Die Vermarktung der erzeugten Energie dieser neu errichteten Anlagen, erfolgt ausschliesslich über den freien Markt oder über die sogenannten PPA. Spanien hat zwar drei Versteigerungsrunden durchgeführt, die aber aufgrund der hohen Beteiligung nur zu einer Förderung führen, wenn der Marktpreis langfristig unter einem floor von etwa 32€/MWh fällt.


Der Eigenverbrauch wird in Spanien nach der ersatzlosen Streichung der „Stromsteuer – Impuesto al Sol” in den nächsten Jahren stark wachsen, zumal die neue Regierung unter dem PSOE Präsidenten Sanchez auch die bisherigen administrativen Hürden abgebaut hat.


Derzeitiger Stand der EE in Spanien. Installierte Leistung. Ausblick

In 2017 waren in Spanien insgesamt 51 GW installierte EE Anlagen am Netz. Wasserkraft mit 20 GW und Windkraft mit 23 GW sind die führenden Techniken, Solar (überwiegend PV) mit 7 GW und Biomasse mit ca. 1 GW folgen. In Spanien sind insgesamt 104 GW Stromproduktion installiert, also ca. 50 Prozent der installierten Leistung ist bereits EE. Die Stromproduktion in 2017 von insgesamt 260 TWh wurde jedoch nur zu 32 Prozent aus EE Energiequellen gespeist. Führend war dabei mit 48TWh die Windkraft. Die Solarstromproduktion betrug immerhin auch schon 14 TWh. 

 

Für die nächsten Jahre ist ein verstärkter Ausbau der installierten EE Leistung geplant. In zwei systemneutralen Versteigerungen wurden ungefähr 8GW Einspeiserechte versteigert. Aufgrund der hohen Nachfrage erfolgt eine Zuzahlung zum Strommarktpreis nur in dem Falle, dass die Strommarktpreise langfristig unter 32€/MWh fallen und auch nur dann, wenn die „vernünftige Rendite” (dazu unten mehr) nicht in 2020 nach unten angepasst wird.

 

Der Verband UNEF rechnet sogar mit bis zu 24 GW neuer installierter Leistung bis 2022, wobei von dem Übertragungsnetzbetreiber REE „nur” 15 GW Einspeisepunkte bisher vergeben wurden. 
 

Fördersysteme für Altanlagen

Die Feed-in-Tarife (FiT) wurden per RDL 9/2013 für alle EE- und KWK-Anlagen mit Wirkung ab dem 13. Juli 2013 abgeschafft. An deren Stelle tritt eine Zuzahlung, die der Erzeuger von der CNMC (Comision Nacional de los Mercados y la Competencia) zuzüglich zum Marktpreis für den erzeugten Strom erhalten wird, um die anfänglichen Investitionen zu decken, die eine „effiziente und gut geleitete” Gesellschaft mit dem Verkauf des Stroms während der Betriebslaufzeit nicht hereinholen würde.
 
Das neue Vergütungssystem soll einen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Energieerzeugern ermöglichen, wobei eine Standardanlage eine vernünftige Rentabilität zugesichert bekommt, ohne dass der gesetzlich festgelegte Rahmen überschritten werden darf. Bestimmte Investitionen, die in einem festgelegten Zeitraum erfolgen müssen, dürfen ausnahmsweise erhöhte Zuschüsse erhalten, wenn sie zu einer nennenswerten Reduzierung der Systemkosten auf den Inseln oder dem Festland Spaniens beitragen.
 
Als „vernünftige Rentabilität” gilt eine Anlagenrentabilität vor Steuern, die den spanischen 10-jährigen Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt zuzüglich eines Spreads entspricht. Der Spread beträgt für Anlagen, die zum 13. Juli 2013 Anspruch auf einen Tarif hatten, 300 Basispunkte gleichgestellt (ca. 7,5 Prozent). Die Parameter der Vergütungen können alle sechs Jahre überprüft werden, d. h., die nächste Prüfung der Rendite wird im Jahre 2019 stattfinden. Sollten die 10-jährigen Staatsanleihen dann unter 4,5 Prozent liegen (zurzeit 1,5 Prozent), kann die spanische Regierung die Rentabilität entsprechend nach unten anpassen.
 
Eine typische 100kw PV Anlage mit Inbetriebnahme in 2007 erhält in 2018 eine feste Zuzahlung zu den Strommarktpreisen in Höhe von 56.971,60 €. Die durchschnittlichen Strommarktpreise in 2017 lagen bei 52,22€/MWh, was bei einer jährlichen Produktion von ca. 1640 Stunden weitere Erlöse von ca. 8.600€ bedeuteten. 
 

Marktsituation/Spotmarkt

Der Day-ahead Markt in Spanien wird organisiert durch die OMIE (OMI-Polo Español S.A.) und handelt den Strom für die Märkte Spanien und Portugal gemeinsam. Über die Plattform wird ca 80 Prozent des iberischen Strombedarfes gehandelt und in einem überwiegenden Teil des Tages sind die Preise in Spanien und Portugal identisch. Der Strommarkt ist sehr liquide und die Preisschwankungen sind im Vergleich zu anderen europäischen Märkten gering. Negative Preis sind (noch) gesetzlich nicht zulässig und die maximalen Preise betrugen in 2017 180€/MWh, während in anderen europäischen Märkten die Preisspannen zwischen -500€ und 3.000€/MWh betrugen.

Futures werden ebenfalls gehandelt, wobei auch maximal drei-Jahres -Futures handelbar sind. Die Preiserwartungen liegen auch für die Futures bei den derzeitigen Marktpreisen von50-60€/MWh.
Die langfristigen Preiserwartungen sind für den iberischen Markt überwiegend positiv. Zu beobachten sind jedoch die Auswirkungen, die der grosse Ausbau der EE auf den Marktpreis haben können, da schon heute zu den Mittagsstunden erste Kannibalismuseffekte zu erkennen sind. 

 


 

PPA Situation in Spanien

Seit 2017 wurden in verschiedenen Pressemitteilungen der Abschluss von PPA in Spanien annonciert. Schätzungen gehen von mindestens 1,5 GW aus. Hervorzuheben sind die angekündigten PPA von Baywa, Solar Ventures, Cox Energy, Talasol und Forestalia.


Die Laufzeiten betragen zwischen 12 und 15 Jahren. Über die wirtschaftlichen Konditionen wurde zumeist Stillschweigen vereinbart, und so sind die Rahmenwerte spekulativ. Es wird ein gewisser Abschlag auf die derzeitigen Strommarktpreise eingepreist und die Risiken einer Veränderung der Preise werden ebenfalls ihren Niederschlag finden, so dass die Preisspanne zwischen 35€ und 45€/MWh liegen wird.


Die genannten PPA sind alle als financial PPA strukturiert, es wird also das Strommarktrisiko ausgeglichen, neudeutsch gehedged. Fällt der Strommarktpreis den der Erzeuger am Spotmarkt erhält unter den mit dem PPA Vertragspartner (Offtaker) abgeschlossenen Preis, zahlt der Offtaker dem Erzeuger die Differenz. Liegt der Strommarktpreis über dem PPA Preis, zahlt der Erzeuger dem Offtaker die Differenz zwischen PPA Preis und Strommarktpreis.

 

Corporate PPAs sind in Spanien mit Ausnahmen noch nicht populär. Das liegt zum Einen an den zwischen Jahren 2010 und 2016  fallenden Strommarktpreisen, die sich erst in 2017 wieder erholt hatten und zum Anderen an der kulturellen Besonderheit, dass in Spanien langfristige Bezugsverträge nicht üblich sind.


Andere Vermarktungsmöglichkeiten in Spanien

Als Alternative zu einem Verkauf des Stroms über PPA, bietet sich in Spanien die Teilnahme an dem Day-Ahead Markt an. Die spanische Regierung sieht auf lange Sicht einen Marktpreis nicht unter 32€/MWh als Mindestpreis an. Diese Sicht wird von verschiedenen Analysten unterstützt und wird auch von einigen spanischen Banken als Finanzierungsgrundlage genommen. Finanziert wird bis zu 70 Prozent des Investitionsvolumens und entsprechende LCOE vorausgesetzt können solche Projekte wirtschaftlich werden.


Unklar sind die weiteren Strompreisentwicklungen in Spanien. Einige Faktoren sprechen für eine langfristiges Ansteigen der Preise, wie Atom- und Kohleausstieg, gesundes Wirtschaftswachstum, e-Mobilität, und Entwicklung der Preise fossiler Brennstoffe. Für eine Stagnation oder gar Sinken der Strompreise spricht die intensivere Vernetzung der internationalen Strommärkte, insbesondere mit Frankreich sowie der Ausbau von Flüssiggasterminals.


Zu den genannten Marktpreisen erhalten die Erzeuger EE die „Certificates of Origin”, die –falls die Anlagen nicht staatlich gefördert werden, auch international frei handelbar sind.
Steuerliche Vorteile werden derzeit den Erzeugern von EE Strom nicht gewährt. Es bleibt abzuwarten, ob die neue sozialistische Regierung die Unterstützung der EE auch in finanzieller Hinsicht anpacken will. 


Im April 2019 wurden Subventionen für den EE-Ausbau auf den Balearen ausgeschrieben.

 

Beispiele für Vermarktungsmöglichkeiten

In Spanien werden derzeit zahlreiche PV-Anlagen bis 50 MW entwickelt und versucht, diese schnellstmöglich baureif zu bekommen, um einen PPA oder eine Finanzierung zu vereinbaren. Die 50MW Grenze ist nicht willkürlich, sondern Ausfluss einer Zuständigkeitsregelung, die die Genehmigungszuständigkeit ab 50MW dem spanischen Staat zuteilt, während Stromerzeugungsanlagen unter 50MW von den Gebietskörperschaften (Comunidades Autonomas) genehmigt werden. Spanische Projektentwickler sind häufig der Meinung, dass die Zuständigkeit der Ministerialbeamten in Madrid die Projekte verlangsamen und ausserdem weniger Einfluss genommen werden kann. Die durchschnittliche Projektentwicklungsdauer bis zum ready to build Status bei einem 50MW Projekt beträgt zwischen 12 und 18 Monate, wobei bei über 50MW auch 24 Monate vergehen können, bis die Baureife vorliegt. Selbstverständlich bestätigen Ausnahmen auch dort die Regel.


Erste entscheidende Hürde ist die Erteilung des Netzanschlusspunktes (gegen Erteilung einer Bankgarantie von 40€/kw), welcher dem beantragten Anschlusspunkt geografisch wie quantitativ entspricht. Häufig wird anstatt der beantragten 50MW nur 30MW oder weniger zugeteilt und dazu noch an einem anderen Netzknoten, was dann höhere Netzanschlusskosten mit sich bringt.
Danach sind die üblichen Hürden der Umweltverträglichkeitsgenehmigung zu nehmen und teilweise auch unbekannte Hürden wie Wasserämter oder Kulturschutzbehörden.


Die lokale Baugenehmigung ist üblicherweise kein Problem, da die Gemeinde durch die Bausteuer (ICIO) in Höhe von 3-4 Prozent über die Gesamtinvestition eine ordentliche Motivation zur Genehmigung der Anlage hat.


Die Komplexität des Genehmigungsverfahrens ist nicht besonders hoch, zumal die spanischen Ingenieure bereits eine lange Erfahrung in dem Bereich haben. Größtes Problem sind die langen Bearbeitungszeiten durch die verschiedenen Behörden. Es ist grosses Augenmerk auf saubere Anträge und korrekte Unterlagen zu legen, da jede Extrarunde Monate in den Ministerien kostet.
Die LCOE für PV  in Spanien sind in den letzten Jahren massiv gesunken und entsprechen den europäischen Maßtäben. Für 2018 werden zwischen 600€ und 720€/kW als Durchschnitt in Spanien angenommen. Dort enthalten sind bereits die Planungs-und Genehmigungskosten von 180€ bis 210€/kW.


Die OPEX für PV in Spanien variieren zwischen 0,022 und 0,026€/MWh und die Pacht zwischen 850,00 und 1.200€/ha/Jahr, wobei auch schon höhere Pachtpreise gesehen wurden, vor allen Dingen auf den Inseln.

 

Weitere Versteigerungen in Spanien

Nach Antritt der neuen sozialistischen Regierung in Spanien vor einigen Monaten wurden eine Reihe von Massnahmen zur Förderung der EE in Spanien verkündet, wie die Streichung der sogenannten „Sonnensteuer” auf Eigenverbrauch, die Reduzierung von administrativen Hürden und die Vornahme von weiteren Versteigerungen für EE. Genannt wurden unter anderem Versteigerungen für die spanischen Inseln, da dort überwiegend Strom noch aus fossilen Energiequellen erzeugt wird.
 

Chancen

Nach den letzten Wahlen aus Ende April 2019 ist die sozialistische Regierung von Sánchez verstärkt hervorgegangen und wird seinen Weg der Förderung der EE in Spanien weitergehen. Deshalb  ist Spanien für ausländische Investoren weiterhin sehr interessant, da die Wirtschaft wächst und unter anderem die Tourismusbranche boomt. Chancen bestehen bei Energieeffizienzvorhaben und Eigenverbrauchsanlagen, da beide Sektoren in Spanien noch sehr ausbaufähig sind. Rödl & Partner unterstützt gerne bei diesen Vorhaben und steht mit dem spanischen Team sehr gerne zur Verfügung.


 

  

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