Unter die Lupe genommen – Das Stadt- und Mobilitätskonzept in Wien

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Auch in diesem Jahr hat Wien im Ranking der lebenswertesten Städte der Welt die Nase vorn. Die österreichische Hauptstadt belegt inzwischen zum 10. Mal in Folge den ersten Platz im Mercer-Ranking. Relevante Kriterien sind neben der Wasser- und Gesundheitsversorgung eine Vielfalt an Kultur- und Bildungsangeboten, eine niedrige Kriminalitätsrate, ein gutes Angebot für Wohnen und Freizeit sowie ein zuverlässiges und flächendeckendes Netz der öffentlichen Verkehrsmittel.1 Doch was kennzeichnet diesen exzellenten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Wien?

 

Das öffentliche Verkehrsnetz in Wien umfasst insgesamt über 1.150 Kilometer Länge. Der Großteil dieser Streckenlänge, nämlich ein Anteil von 74 Prozent, wird von Bussen bedient. 129 Linien fahren insgesamt 850 Kilometer weit. Die übrigen Kilometer teilen sich die Straßenbahnen und U-Bahnen auf. Erstere deckt mit 28 Linien auf 220 Kilometern knapp 20 Prozent der ÖPNV-Gesamtstrecke ab, während die U-Bahn mit derzeit 5 Linien auf rund 83 Kilometern fährt. Auch wenn das Netz bereits gut ausgebaut ist, wird stetig weiter in dessen Ausbau investiert. Schließlich legen die Einwohner der Stadt Wien circa 39 Prozent aller Wege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück.


Das größte Verkehrsnetz Österreichs befördert umgerechnet 2,6 Millionen Fahrgäste pro Tag – im Jahr 2018 waren es insgesamt 965,9 Millionen. Da die Stadt jährlich um rund 30.000 Menschen wächst und somit auch mehr Nachfrage nach Mobilität entsteht, ist das Ziel der Politik, ein ganzheitliches Mobilitätskonzept bereitzustellen, das kein „Mehr” an Verkehr, sondern ein Plus in der Lebensqualität verspricht. Für die kontinuierlich wachsende Anzahl an Fahrgästen wird das bestehende öffentliche Verkehrsnetz weiter ausgebaut und periphere Stadtteile werden an das Stadtzentrum angebunden. So gab es für den neuen Stadtteil Aspern noch weit vor dessen Errichtung eine U-Bahn-Linie.2


Neben der flächenmäßigen Erweiterung des ÖPNV-Netzes werden auch die Fahrzeuge den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Bis Ende des Jahres soll der rund 450 Fahrzeuge starke Fuhrpark der Busflotte modernisiert und mit Euro-6-Fahrzeugen erneuert werden. Dabei stehen eine hohe Energieeffizienz und niedrige Emissionswerte im Vordergrund. Trotz des kontinuierlichen Ausbaus des Verkehrsnetzes und somit auch einer Erhöhung der Fahrleistung, hat die bisherige Erneuerung der Busflotte zu einer Energieeinsparung von 28 Prozent geführt.3


Der ÖPNV hat in Wien allerdings nicht nur physische Komponenten – die Stadt hat sich die digitalen Möglichkeiten zunutze gemacht und das gut ausgebaute Mobilitätsnetz durch die WienMobil-App ergänzt. In der Plattform für das Smartphone werden unterschiedliche Mobilitätsangebote der Stadt erfasst und in Echtzeit zu multimodalen Verbindungen verknüpft. Somit werden die Angebote verschiedener Mobilitätsdienstleister über einen Kanal für den Nutzer zur Verfügung gestellt. Die App erteilt Auskunft darüber, welche die beste Kombination der vorhandenen Verkehrsmittel wäre, um an das gewünschte Ziel zu kommen. Darüber hinaus werden aktuelle Störungen im ÖPNV kommuniziert und die umliegenden Parkmöglichkeiten angezeigt. Um die individuell beste Kombination der Verkehrsmittel herauszufinden, stehen dem Nutzer verschiedene Filterfunktionen zur Verfügung (u. a. Preis und Umweltfreundlichkeit). In der App werden neben den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Straßenbahn, U-Bahn) auch Sharing-Angebote (Bike-, Car-Sharing), Taxis, Radwege und Fußgängerwege berücksichtigt. Die App verfügt somit über eine Routing- und Informationsfunktion und ermöglicht die Reservierung bzw. Buchung und Bezahlung der Fahrt im ÖPNV. Auch wenn für die Fahrt Angebote mehrerer Anbieter in Anspruch genommen werden, wird der Vorgang zentral über die WienMobil-App abgewickelt. Die Abrechnung erfolgt über das in der App hinterlegte Zahlungsmittel.4


Die WienMobil-App verknüpft den analogen Teil des ÖPNV mit einer digitalen Plattform. Dadurch kann der reine ÖPNV um weitere Verkehrsmittel erweitert werden, wodurch der Weg für eine multimodale Mobilität geebnet wird. Nutzer des ÖPNV erhalten Zugriff auf weitere Verkehrsangebote, die die erste und letzte Meile einer Fahrt bedienen können. Um den Umstieg zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln so einfach und praktikabel wie möglich zu gestalten, wird derzeit die WienMobil-Station am Simmeringer Platz getestet. Sie ist Teil des EU-Forschungsprojektes Smarter Together, das integrierte Smart-City-Lösungen entwickelt. Bei Mobilitätsstationen handelt es sich um physische Verknüpfungspunkte verschiedener Verkehrsmittel und -angebote. Auf diese Weise können neben Carsharing- Fahrzeugen auch Fahrräder und ein Lastenrad ausgeliehen werden. Die WienMobil-Station bietet darüber hinaus Fahrradboxen zum sicheren Abstellen des eigenen Fahrrads sowie eine Fahrradpumpe, Sitzmöglichkeiten, ein Infoterminal und eine Elektroladesäule.5


Auch außerhalb der Mobilitätsstation am Simmeringer Platz können in Wien Verkehrsmittel ausgeliehen werden. Elektroroller und Autos sind in Free-Floating-Systemen verfügbar, daneben werden rund 7.000 Elektro-Tretroller angeboten und 1.500 Fahrräder teilen sich auf mehr als 120 Verleihstationen auf. Der nichtmotorisierte Nahverkehr scheint ein wichtiges Puzzleteil für das gut funktionierende Mobilitätskonzept im ÖPNV und die hohe Aufenthaltsqualität in der Stadt zu sein. Dieses Jahr landete Wien unter den 10 fahrradfreundlichsten Städten weltweit, wie das aktuelle Ranking des Copenhagenize Index zeigt (Platz 9).6 Die Stadt bietet derzeit rund 46.400 öffentliche Abstellplätze für Fahrräder und verfügt über ein Radwegenetz von knapp 1.400 Kilometern Länge. Davon liegen fast 300 Kilometer in Einbahnstraßen, die entgegen der Fahrtrichtung für den Radverkehr freigegeben wurden.7

 

In Wien konnte der Anteil des ÖPNV bei der Verkehrsmittelwahl von 29 Prozent (1993) auf rund 38 Prozent (2018) erhöht werden. Gleichzeitig sank der Anteil des Autoverkehrs von 40 Prozent (1993) auf 29 Prozent (2018).8 Dabei werden bewusst keine rein restriktiven Maßnahmen zur Eindämmung des Autoverkehrs umgesetzt. Vielmehr werden Maßnahmen realisiert, die die alternativen Verkehrsmittel so praktisch und zeitsparend miteinander verknüpfen, dass das Auto entbehrlich wird.


Wie am Beispiel Wien deutlich wird, ist es förderlich, möglichst alle Verkehrsmittel in einem Mobilitätskonzept zu vereinen und damit eine attraktive Alternative zum motorisierten Individualverkehr zu schaffen. Zusätzlich sollte die städtebauliche Gestaltung berücksichtigt werden. Die Entstehung von Verkehr hängt auch immer mit der baulichen Entwicklung einer Kommune zusammen. Je nachdem, wie eine Kommune konzipiert ist und wie ihre Funktionen angeordnet sind (durchmischt oder stark voneinander separiert), entsteht eine entsprechend
hohe oder niedrige Nachfrage nach Mobilität. Für die Bedienung der Mobilitätsnachfrage gibt es einen Werkzeugkasten von Rödl & Partner voller Maßnahmen. Dabei ist es jeweils von den individuellen Rahmenbedingungen einer Kommune abhängig, welche der Maßnahmen im Einzelfall adäquat sind und somit einen Beitrag für eine lebenswertere Kommune leisten können.

 

 

Unser Werkzeugkasten ist der Ideenspeicher für ein nachhaltiges Mobilitätskonzept in Ihrer Kommune.

 

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1 https://mobilityexchange.mercer.com/Insights/quality-of-living-rankings.
2 https://www.wien.info/de/wien-fuer/smart-city/smarte-mobilitaet; https://www.wienerlinien.at/media/files/2019/betriebsangaben_2018_310521.pdf; https://www.spiegel.de/auto/aktuell/oesterreich-wien-plant-den-verkehr-neu-ohne-autos-a-1275530.html.
3 https://www.wienerlinien.at/eportal3/ep/channelView.do/pageTypeId/66526/channelId/-48667; https://www.wienerlinien.at/media/files/2017/unternehmensbroschuere_226713.pdf.

4 https://www.wienerlinien.at/eportal3/ep/channelView.do/pageTypeId/66526/channelId/-3600060.
5 https://www.wienerlinien.at/eportal3/ep/programView.do/pageTypeId/66526/programId/4401236/channelId/-4400944.
6 https://copenhagenizeindex.eu/the-index; https://www.wien.gv.at/verkehr/radfahren/radnetz/.
7 https://www.wien.gv.at/verkehr/radfahren/radnetz/fakten.html.
8 https://www.spiegel.de/auto/aktuell/oesterreich-wien-plant-den-verkehr-neu-ohne-autos-a-1275530.html.

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