Interview: Green IT bietet Unternehmen einen großen wirtschaftlichen Nutzen

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Green IT für Unternehmen. Energie sparen, Ressourcen schonen, Anlagen und Technik wirksamer nutzen: Green IT ermöglicht es Unternehmen, sowohl umweltfreundlicher als auch deutlich wirtschaftlicher zu arbeiten. IT-Experte Roland Leick von Rödl & Partner erklärt im Interview, was Green IT ist und was es kann.
 

Herr Leick, was versteht man unter Green IT? 

Green IT ist ein Schlagwort für den umweltfreundlichen Einsatz von Informationstechnologien. Dabei will man den Energie- und Ressourcenverbrauch im Unternehmen deutlich reduzieren. 
 

Wie sieht das in der Praxis aus? 

Die Bandbreite ist groß. Es beginnt bei modernen Kommunikationsmitteln, die Dienstreisen überflüssig machen: Statt mit dem Auto mehrere hundert Kilometer zu fahren oder den Flieger zu nehmen, trifft man sich online in einer Videokonferenz. Am anderen Ende der Skala bedeutet Green IT, ein ganzes Rechenzentrum umweltfreundlich umzubauen und zu betreiben.
 

In welchen Bereichen der Unternehmens-IT kann Green IT sinnvoll eingesetzt werden?

In nahezu allen Bereichen. Allerdings können in speziellen Bereichen deutlich größere Einspareffekte erzielt werden. Deshalb sollte ein Unternehmen zunächst den Ist-Zustand der IT-Landschaft ermitteln.
 

Wie gehen Sie als Green-IT-Berater dabei vor? 

Wir fragen zum Beispiel: Wie viel Strom verbrauchen die Serversysteme? Wie viel Strom benötigen die dazugehörigen Klima-Anlagen? Wie gut ausgelastet ist die Rechenzentrumsfläche? Welche Klimatisierungskonzepte sind derzeit installiert? Wie alt sind die infrastrukturellen unterstützenden Einrichtungen? Oder auch: Welche Betriebszeiten benötigt die eigene IT wirklich?
     

Was geschieht, nachdem Sie den Ist-Zustand der Unternehmens-IT aus Green-IT-Sicht definiert haben?

Dann identifizieren wir die hohen Energiekonsumenten innerhalb der IT. So ergibt sich eine Top-10-Liste, aus der wir gemeinsam mit dem Unternehmen die Green-IT-Maßnahmen bestimmen können. Besonders betrachten wir dabei die Rechenzentren des Unternehmens, da hier Systeme rund um die Uhr laufen und erfahrungsgemäß das größte Potenzial liegt.
 

Gibt es weitere Energiebereiche in der Unternehmens-IT, die Sie besonders fokussieren?

Ja, das PC-Equipment der Anwender im Unternehmen: PC-Systeme, die Tag und Nacht laufen oder fehlende Standby-Funktionen bieten immer wieder große Einspareffekte.
 

Blicken wir auf die Rechenzentren: Diesen wird nachgesagt, viel Strom zu verbrauchen und gleichzeitig mangelhaft ausgelastet zu sein. Woran liegt das?

Das klassische Rechenzentrum ist häufig viel zu groß für die darin betriebene IT-Infrastruktur. Die Gründe liegen in der Historie der IT-Systeme: Server, Speicherlösungen und anderes Equipment baute man vor 15 Jahren noch deutlich größer als heute. Über die Jahre erneuerte man das IT-Equipment und braucht deshalb heute deutlich weniger Platz. An der Größe des Rechenzentrums änderte sich jedoch nichts, was zu einem Missverhältnis führte.
 

Welche Folgen hat das aus Energie-Sicht?

Betroffene Unternehmen leiden unter unwirtschaftlichen Energiefressern – zum Beispiel überdimensionierte Klimasysteme, unwirtschaftliche Klimatisierungskonzepte oder zu große USV-Systeme – also Systeme zur unterbrechungsfreien Stromversorgung mit schlechten Wirkungsgraden.
 

Wie kann Green IT hier helfen?

Green IT spart viel ein, wenn die unterstützenden infrastrukturellen Einrichtungen auf die veränderten IT-Systeme abgestimmt sind. Gerade der Klimatisierungsbereich von Unternehmen ist äußerst defizitär. Die immer größer werdende Packungsdichte von Rechenleistung in IT-Systemen verursacht thermische „Hotspots“, die durch eine optimierte Kühlung ganz andere Raumtemperaturen in Rechenzentren zulassen.
 

Abgesehen von der ökologischen Verantwortung: Wie können Unternehmen betriebswirtschaftlich von Green-IT-Lösungen profitieren?

Der größte betriebswirtschaftliche Effekt ergibt sich dadurch, dass die Rechenzentren und die Mitarbeiter deutlich weniger Strom verbrauchen. Aber auch Einsparungen durch geringere Wartungsaufwände bieten einen betriebswirtschaftlichen Nutzen. Green IT ist ganzheitlich und nachhaltig: Sie betrachtet alle IT-Systeme eines Unternehmens.
 

Wie weit ist der Green-IT-Ansatz in der deutschen Wirtschaft gediehen?

Unserer Meinung nach hat Green IT in den Unternehmen noch nicht das Standing, das man sich einst erhoffte. Die Anreize der Einspareffekte sind teilweise zu gering. Speziell in Industriebetrieben und im produzierenden Gewerbe gilt: Die durch die IT verursachten Stromverbräuche sind gemessen am Gesamtverbrauch oft vernachlässigbar.
 

Rödl & Partner unterstützt und berät Unternehmen, die Green IT nutzen wollen. Auf welches Know-how können Sie dabei zurückgreifen?

Die Rödl IT Operation GmbH betreibt selbst mehrere Rechenzentren. So können wir unsere eigenen Erfahrungen und Green-IT-Ansätze in unsere Kundenberatung miteinfließen lassen. Ein erfolgreiches Projektbeispiel habe ich mitgebracht [Sie finden dies unten angehängt - Anm. d. Red.].

Herr Leick, vielen Dank für dieses Gespräch.



Ein Green-IT-Projektbeispiel von Rödl & Partner
 

  • Das Objekt: ein Rechenzentrum von Rödl & Partner mit einer Fläche von 130 m²
  • Die Infrastruktur: klassische Umluftkühlung sowie redundante Klimatisierungssysteme
  • Der Zeitraum: 4 Jahre
 
 
Green-IT-Maßnahmen​Aufbau einer Raum-in-Raum Lösung, um die zu kühlende Fläche zu verkleinern und die Racks (IT-Gestelle) effektiver zu nutzen.
​Umstellung von Raumkühlung auf Luft-Wasser-Wärmetauscher in den Racks – zusätzlich strikte Kaltgangeinhausung (dabei werden Warmluft- und Kaltluftbereiche strikt getrennt).
​Schrittweiser Umzug aller IT-Systeme in die neuen Racks, dadurch Reduktion der Klimaleistung der klassischen Umluftkühlung.
​Speicherlösungen (Storage): Umzug diverser IT-Systeme auf neue Storage-Technologie mit deutlich höherer Energie-Effizienz, Abschalten alter Storage-Units
​Erhöhung der Raumtemperatur auf durchschnittlich 24 Grad Celsius, nachdem alle thermischen Hotspots in die Racks des Kaltgangs umgezogen sind.
​Nutzung von softwaretechnischen Standardleistungsmerkmalen in der Virtualisierungs-Umgebung – mit dem Ziel, die Serverleistung in nutzungsarmen Zeiten zu reduzieren (Dynamic Power Management).
​Verringerung der Klimatisierungsleistung und Wechsel aller Pumpensysteme, um die Effizienz deutlich zu steigern und die Systeme an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen.
Das Ergebnis ​Trotz deutlich gestiegener Rechenleistung in diesem Rechenzentrum konnten wir den Energieverbrauch nachweislich senken: in den ersten beiden Jahren um 20 % und ab dem dritten Jahr um 30 bis 45 %. Den größten Einspareffekt erzielte dabei die verkleinerte Rechenzentrumsfläche – sowie die damit verbundenen, effektiver klimatisierten IT-Systeme.
  

 
Sie haben Fragen zu den IT-Operations-Dienstleistungen von Rödl & Partner? Schreiben Sie Roland Leick eine E-Mail​ oder rufen Sie ihn an (+49 [68 64] 89 06 - 13 03) - er ist gerne für Sie da.​


                                                                                                         zuletzt geändert am 17.12.2015

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