Erfolgreich investieren in Frankreich

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten

  

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Frankreich ein?

Soziale und gesellschaftliche Unruhen haben die französische Wirtschaft im Jahr 2019 geprägt und für einen leichten Rückgang der Wirtschaft gesorgt. Es sind v.a. die sog. „Gelbwesten” und in jüngster Vergangenheit der Protest gegen die von der Regierung angestrebte Rentenreform zu nennen, die im Dezember 2019 zu einem zweimonatigen Streik geführt haben. Die Proteste haben auf Ebene der Betriebswirtschaft dazu geführt, dass die Wirtschaft leicht abgeschwächt wurde. Die Wachstumsrate ist 2019 leicht auf 1,3 Prozent zurückgegangen; im Gegensatz zu 1,7 Prozent im Jahr 2018. Jedoch hält der positive Wirtschaftstrend in Frankreich weiter an und die Arbeitslosenquote ist weiterhin sinkend – von 10,7 Prozent im Jahr 2015 auf 8,5 Prozent im 2. Trimester 2019.

Wie würden Sie das Investitionsklima in Frankreich beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Trotz der wirtschaftlichen Verlangsamung innerhalb Europas und der französischen „Gelbwesten” ist die Zahl der ausländischen Investitionsprojekte in Frankreich 2019 leicht angestiegen. Die Schwierigkeiten der deutschen und italienischen Wirtschaft sowie der Brexit-Lage in Großbritannien begünstigen Frankreich. Auch die angestrebten Arbeitsrechtreformen des Präsidenten Macron und die dadurch resultierende Senkung der Arbeitskosten hat zu Folge, dass Frankreich für ausländische Investoren stark an Attraktivität gewinnt.

2019 nimmt Frankreich weltweit den 5. Platz ein – als eines der wichtigsten Exportländer für Produkte und Dienst­leistungen. Dabei bleibt das Land der wichtigste bilaterale Handelspartner Deutschlands mit einem Handelsvo­lumen von 155 Mrd. Euro (im Jahr 2019) und genießt als Investitionsstandort insbesondere für deutsche Unternehmen weiterhin große Beliebtheit.

Die Attraktivität Frankreichs als Wirtschaftsstandort beruht auf mehreren Stärken. Die Infrastruktur ist nach wie vor von guter Qualität, die Stromkosten sind wettbewerbsfähig und die Arbeitskräfte sind gut ausgebildet. Die Exzellenz der französischen Ingenieure erklärt, warum Frankreich mehr Forschungs- und Entwicklungszentren anzieht als seine Nachbarn. Schließlich ist die Produktion im Vergleich zu Deutschland günstiger geworden, sodass Frankreich somit, gemessen an der Zahl der ausländischen Investitionsprojekte, inzw. auf den 1. Platz vor Deutschland aufgestiegen ist. Die 2019 den Unternehmen gewährte Senkung der Sozialversicherungsbeiträge dürfte eine Fortsetzung dieses Trends ermöglichen.

Darüber hinaus verfügt das Land nicht nur über ausgewiesene Spitzenbranchen, wie die Luxusgüterindustrie sowie den Nahrungs- und Energiesektor, sondern zeichnet sich auch durch Faktoren wie Innovation, Kreativität und Problemlösungskompetenz aus.

In Frankreich sind Unternehmensniederlassungen deutscher Firmen aus allen Wirtschaftszweigen zu verzeichnen. Neben dem traditionell großen Anteil deutscher Investoren aus der Industrie nimmt auch die Bedeutung des Dienstleistungssektors immer weiter zu. Die meisten deutschen Unternehmen kommen mit knapp 16 Prozent aus der Transport- und Bauwesenbranche. Weitere wichtige Branchen sind:
  • Maschinen und mechanische Ausstattungen,
  • elektronische, IT- und medizinische Ausstattungen,
  • kommerzielle, finanzielle und andere Dienstleistungen,
  • die Chemie- und Kunststoffindustrie und
  • die Automobilindustrie.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Frankreich gegenüber?

Herausforderungen bestehen für ausländische Unternehmen in der teilweise sehr divergierenden Rechtslage in Frankreich, insbesondere in den Bereichen des Steuer-, Arbeits- und Gesellschaftsrechts.

Neben Neuerungen des französischen Steuerrechts, z.B. der Abschaffung der Vermögenssteuer mit Ausnahme von Immobilien und der schrittweisen Senkung der Körperschaftsteuer bis zum Jahr 2022 von derzeit 33,33 auf 25 Prozent, wurde auch das französische Arbeitsrecht novelliert. Bspw. sind Rechtfertigungsgründe bei einer betriebsbedingten Kündigung ausgeweitet und für den Fall einer ungerechtfertigten Kündigung Höchstgrenzen für Entschädigungszahlungen abhängig von der jeweiligen Dauer der Betriebszugehörigkeit eingeführt worden.

Zum 1. Januar 2019 ist in Frankreich zudem innerhalb einer neuen Gesetzesnovelle des französischen Währungs- und Finanzgesetzes der Anwendungsbereich für genehmigungspflichtige ausländische Investitionen um den Bereich der Forschung und Entwicklung in Bezug auf Cybersicherheit, künstliche Intelligenz, Robotertechnik, Additive Fertigung, Nanotechnologie und Weltraumaktivitäten sowie um den Bereich der digitalen Datenerfassung und -speicherung erweitert worden.

Anwendung findet die Außenwirtschaftskontrolle durch das französische Wirtschaftsministerium bei Erwerb der Mehrheitsanteile oder eines ganzen bzw. teilweisen Geschäftszweiges einer Gesellschaft, deren Sitz sich in Frankreich befindet. Für ausländische Investoren aus dem Nicht-EU-Ausland gilt die Genehmigungspflicht bereits bei Erwerb eines Kapitalbesitzes bzw. von Stimmrechten von 33,33 Prozent.

Genehmigungspflichtige ausländische Investitionen unterliegen dabei einem bestimmten Genehmigungsverfahren, dessen Verfahrensschritte es im Einzelnen zu beachten gilt.

Inwiefern hat die Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron die Wirtschaft beeinflusst?

Der Regierungswechsel im Mai 2017 und die ehrgeizigen Pläne von Emmanuel Macron für den Umbau des französischen Wirtschafts- und Sozialsystems haben in den letzten Jahren zu einem Wirtschaftswachstum geführt. Das Wachstum war so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr und die französische Wirtschaft hat zweifellos an Attraktivität gewonnen. Insbesondere die Liberalisierung des französischen Arbeitsrechts und die geplante Senkung der Steuerlast sind begrüßenswerte Reformen für eine langfristig robuste Konjunktur.

Darüber hinaus hat Präsident Macron Ende 2019 eine Investition i.H.v. 5 Mrd. Euro an die sog. „French Tech” versprochen. Damit ermöglicht er, die Attraktivität Frankreichs für ausländische Investoren immer weiter zu entwickeln – insbesondere im innovativen Bereich. Zusammen mit Großbritannien und Deutschland gehört Frankreich außerdem seit mehreren Jahren zu den attraktivsten Ländern für Capital-Investment in Europa.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Frankreich weiterentwickeln?

Frankreich ist auf einem guten Weg, Strukturreformen umzusetzen, die das Land als Wirtschafts- und Finanz­standort noch leistungs- und wettbewerbsfähiger machen werden. Reformen zur weiteren Liberalisierung des Arbeitsmarkts, bspw. durch eine Erhöhung der gesetzlichen Arbeitszeit, sind dabei weiterhin noch erstrebenswert. Angesichts der noch anstehenden Reformen in der französischen Wirtschaft sind für die kommenden Jahre brisante Gesetzesnovellen zu erwarten, die nach wie vor die Attraktivität Frankreichs für ausländische Investitionen steigern werden.

 Laurence Cuillier, Aurelia Froissart und Julia Planty referieren:

 Kulturelle Besonderheiten in Frankreich

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