Erfolgreich investieren in Hongkong (SAR)

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Hongkong ein?

Hongkong liegt nicht nur geografisch nahe an Festland­china, sondern auch wirtschaftlich. Da sich die Konjunk­tur in China wieder einiger­maßen stabilisiert hat, kurbelt das auch die Wirtschaftsdynamik in Hongkong an. Die Wirtschaft stand zum Jahresende 2018 recht gut da. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,3 Prozent. Für 2019 zeigen alle Indikatoren grundsätzlich auf eine fortwährend positive Wirtschaftsdynamik, wobei die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen China und den USA noch nicht absehbar sind.

     

Wie würden Sie das Investitionsklima in Hongkong beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die Firmen investieren aktuell stark in Infrastruktur und der Fiskus setzt den Schwerpunkt auf Hongkongs Bauwirtschaft. Die neue Regierungschefin Carrie Lam hat die Schaffung von bezahl­barem Wohnraum ganz hoch in ihrer Agenda gehängt. Gekoppelt mit dem Infrastruktur­ausbau, wie bspw. einer neuen Eisenbahnlinie zwischen Hongkong und Guangzhou oder dem Brücken­projekt Hongkong-Zhuhai-Macau, wird das weiterhin zu einer anhaltend hohen Bautätigkeit führen. Dazu soll sich die Stadt als Standort für Innovationen und Start-Ups herausbilden und es tummeln sich Inkubatoren und Acceleratoren Programme. Einige junge und aufstrebende Firmen aus dem High- und Fin-Tech-Bereich haben sich bereits weltweit einen Namen gemacht.

In puncto E-Commerce zeigt eine jüngst veröffentlichte Studie einer großen Beratungsgesell­schaft, dass die Nachfrage nach Online-Einkäufen in Hongkong weiterhin rasant zunimmt, wenn auch im Vergleich zum chinesischen Festland von einer niedrigen Basis aus.

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass eine schnellere und kostengünstigere Bereitstellung von Liefer­prozessen die Verbraucher in Hongkong dazu bewegen könnte, noch schneller vom Offline- zum Online-Einkauf zu wechseln. Ferner fordern Verbraucher mehr personalisierte Produkte und ein verbessertes Einkaufserlebnis, bspw. durch Showrooms, in denen die ange­botenen Produkte vorab in Augenschein genommen werden können.

     

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Hongkong gegenüber?

Es ist nicht immer leicht, vor Ort qualifiziertes Personal zu finden und es auch zu halten. Die Lebens­haltungs­kosten – insbesondere Mieten – sind in Hongkong extrem hoch.

Dementsprechend ist auch das Gehaltsniveau in die Höhe geschossen, was ausländische Firmen enorm unter Druck setzt. Zudem haben sich benachbarte chinesische Städte – wie Shenzhen – zu Megastädten entwickelt und machen Hongkongs Arbeitgebern Konkurrenz. Dort sitzen Tech Giganten wie Huawei und Tencent und gerade für die junge Generation (Stichwort GenY) ist es sehr hip, dort zu arbeiten. Wie andernorts auch, gilt es darüber hinaus Mentalitätsunterschiede und kulturelle Barrieren zu überwinden, was höhere Anforderungen an die Sozialkompetenz von Fach- und Führungskräften stellt.

    

Wie weit ist Hongkong mit der Digitalisierung?

Als Sonderverwaltungszone in China ohne Mehrwertsteuer und Zölle ist Hongkong ein attraktiver Markt, insbesondere für E-Tailer, die in Asien Fuß fassen möchten. Hongkong ist als E-Commerce Standort ideal, da keine üblichen chinesischen Restriktionen wie auf dem Festland herrschen und von dort aus nicht nur Fest­land­china, sondern auch ganz Asien beliefert werden kann. Auch wenn in China Alibaba & Co. den Markt beherrschen, haben diese oftmals mit minderwertigen Produkten und Fälschungen zu kämpfen. Ausländische E-Commerce Anbieter haben durchaus die Chance, sich mit hochwertigen Produkten als „Gateway-Anbieter” zu behaupten.

    

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Hongkong weiterentwickeln?

Hongkong wird nach wie vor Bankenzentrum bleiben und auch Hongkongs Hafen wird die Bedeu­tung als Warenumschlagplatz nicht verlieren. Da in Hongkong Kapital und Informationen freier fließen als in Fest­land­china, bringt ein wirtschaftliches Engagement für Investoren einige Vorteile mit sich. Der Anschluss an das Perlflussdelta birgt zahlreiche Geschäftschancen und auch Hongkongs Beteiligung an der chinesischen „Belt and Road”-Initiative wird frischen Geschäfts­wind für die Hafenmetropole bringen.

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Dr. Thilo Ketterer

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer

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