Erfolgreich investieren in Italien

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Italien ein?

Das Wirtschaftswachstum Italiens wird von der Euro­päischen Kommission in dem sog. Winter Forecast (veröffentlicht im Februar 2019) auf nur noch 0,2 Prozent für das Jahr 2019 sowie auf 0,8 Prozent für das Jahr 2020 geschätzt. Maßgebliche Faktoren sind eine erhöhte Unsicherheit in Bezug auf die weltweite politische und wirtschaftliche Lage sowie die ebenfalls als unsicher eingeschätzte politische Situation in Italien.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Italien beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die italienische Wirtschaft ist, mit Ausnahme der hohen Staatsverschuldung, grundsätzlich solide. Die politischen Risiken und die höheren Zinssätze haben jedoch das Potenzial, die Konsumneigung der privaten Haushalte und die Investitionsneigung der Unternehmen zu dämpfen. Aktuell sind das Konsumenten- und Unternehmervertrauen noch stabil.


Großes Potenzial bieten aus unserer Sicht die Branchen, in denen Italien traditionell stark aufgestellt ist, wie
  • „Food and Beverage”,
  • Luxusgüter,
  • Mode und Design,
  • Maschinen- und Anlagenbau sowie der
  • Chemie- und Pharmasektor.


Auch die Elektronik- und Autoindustrie sowie auch das Thema Industrie 4.0 führen zu steigenden Investitionen.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Italien gegenüber?

Die Herausforderungen liegen in
  • den Vertrags- und Zahlungsmodalitäten,
  • der Schwerfälligkeit und teilweisen Unberechenbarkeit der Institutionen (Gerichte, Finanzämter und sonstige öffentliche Behörden) und der damit einhergehenden Bürokratie,
  • dem Zugang zu Marktinformationen und Distributionskanälen,
  • der stark gewerkschaftlich geprägten Arbeitslandschaft,
  • dem fremdem Rechts- und Steuersystem.


Auch kulturelle Unterschiede und das Verhandlungsgeschick der italienischen Geschäftspartner darf man nicht unterschätzen. In der Landessprache agieren zu können, ist ein entscheidender Vorteil.

Es gibt 2 hervorzuhebende Neuerungen in Italien:

  1. Seit 1. Januar 2019 ist es für Unternehmen in Italien verpflichtend, Rechnungen elektronisch auszustellen, die dann über das Austauschsystem „Sistema di Interscambio” (Sdl) zu versenden sind.
  2. Das Gesetz zur Regelung der Unternehmenskrise und Insolvenz wurde verabschiedet.

Welche Effekte hat das für deutsche Unternehmen in Italien?

Seit dem 1. Januar 2019 müssen für alle von in Italien ansässigen Unternehmen (einschließlich italienische Betriebsstätten von ausländischen Unternehmen) an in Italien ansässige Unterneh­men, Betriebsstätten sowie natürliche Personen (wenn letztere eine Rechnung verlangen) getätigten Umsätze eine elektronische Rechnung ausgestellt werden. Solche müssen in einem bestimmten elektronischen Format – xml-Format –ausgestellt und an das von den Steuerbe­hörden vorbereitete Austauschsystem gesendet werden. Hierzu sind entsprechende technische Lösungen bei den betroffenen Unternehmen zu implementieren. Nur diese Implementierung garantiert die Einhaltung der steuerlichen Verpflichtungen in Bezug auf die korrekte und rechtzeitige Aus­stellung von Rechnungen in Übereinstimmung mit Form und Zeitpunkt der Ausstellung, ohne den Rechnungs­stellungs­prozess zu verlangsamen. Die elektronische Rechnungsstellung bietet natürlich auch die Vorteile der Digitalisierung, z.B. die elektronische Archivierung der Rechnungen, wenn die Buch­haltungs­software dahin­gehend implementiert wurde.

Die neuen Rechtsvorschriften zielen auf die Bekämpfung der Steuerhinterziehung im Bereich der Mehrwert­steuer ab, ein Phänomen, das nach den Statistiken der Europäischen Union v.a. Italien betrifft. Die ver­pflicht­ende elektronische Rechnungsstellung sollte nach Schätzungen Mehrein­nahmen von etwas mehr als 2 Mrd. Euro ermöglichen (es werden höhere Einnahmen bei der Umsatzsteuer sowie ein weiterer positiver Effekt bei den direkten Steuern erwartet).

Das Gesetz zur Regelung der Unternehmenskrise und Insolvenz (Codice della crisi d'impresa e dell'insolvenza) wurde am 14. Februar 2019 im Amtsblatt der Italienischen Republik veröffentlicht und tritt mit wenigen Ausnahmen, für die ein Inkrafttreten ab dem 16. März 2019 vorgesehen ist, am 15. August 2020 in Kraft. Zu den Ausnahmen gehört die Herabsetzung der Schwellen­werte für die Ernennung des gesetzlich zwingenden Kontrollorgans einer Gesellschaft, d.h. italienische Kapitalgesellschaften müssen rechtzeitig prüfen, ob sie von der Gesetzesänderung betroffen und zur Bestellung eines Prüfungsorgans bzw. Abschlussprüfers verpflichtet sind.


Das neue Gesetz hat zum Ziel, das italienische Insolvenzrecht umfassend zu reformieren, um 1. eine frühzeitige Wahrnehmung der Schieflage eines Unternehmens zu erwirken und 2. das unternehmerische Potenzial eines Unternehmens in der Krise zu bewahren.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Italien weiterentwickeln?

Die Konjunkturprognose Italiens wird im Vergleich zur gesamten Eurozone, die derzeit auch von geopolitischen Risiken nachteilig beeinflusst wird, negativ gesehen. Allerdings dürften extreme Turbulenzen 2019 ausbleiben, wobei Neuwahlen denkbar sind, da Differenzen innerhalb der Regierungskoalition deutlicher werden. Der Export läuft trotz der schwächeren Konjunktur in der Eurozone immer noch überraschend gut. Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland sind weiterhin intensiv. Insbesondere der italienische Import aus Deutschland legt trotz schleppender italienischer Gesamtwirtschaft zu.
 

 

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