Erfolgreich investieren in Kasachstan

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zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

  

Wie schät­zen Sie die der­zei­ti­ge wirt­schaft­li­che La­ge in Ka­sachs­tan ein?

Die po­si­ti­ve Ent­wick­lung der ka­sa­chi­schen Wirt­schaft hält an. In ers­ter Li­nie pro­fi­tiert die Kon­junk­tur von hö­he­ren Prei­sen für Me­tal­le und En­er­gie­trä­ger. Im Jahr 2018 hat das Wachs­tum des Brut­to­in­lands­pro­dukts 4,1 Pro­zent aus­ge­macht. Die Haupt­fak­to­ren für das Wirt­schafts­wachs­tum wa­ren ei­ne ho­he In­ves­ti­ti­ons­tä­tig­keit, ei­ne Ver­lang­sa­mung der In­fla­ti­on so­wie ein An­stieg der Pro­duk­ti­on in den grund­le­gen­den Sek­to­ren der Wirt­schaft.

 

In den kom­men­den Jah­ren wer­den In­ves­ti­tio­nen mit staat­li­cher För­de­rung wei­ter ei­ne gro­ße Rol­le spie­len. In­zwi­schen pro­fi­tiert der pri­va­te Kon­sum von wach­sen­den Re­al­ein­kom­men so­wie stei­gen­der Be­schäf­ti­gung. Im Hin­blick auf die Ent­wick­lung schwächt das Wachs­tum des In­dus­trie­sek­tors ab. Bspw. stie­gen im Zeit­raum von Ja­nu­ar bis Ok­to­ber 2018 die Roh­öl­för­de­rung und das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be nur um 4,8 und 5,4 Pro­zent.


Die Pro­gno­sen sind un­ter­schied­lich. Laut der An­ga­ben von GTAI pro­gnos­ti­ziert die Eco­no­mist In­tel­li­gence Unit (EIU) für das Jahr 2019 ein BIP-Wachs­tum um 3,4 Pro­zent, die ka­sa­chi­sche Re­gie­rung um 3,9 Pro­zent und der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) um 3,1 Pro­zent. Im Gro­ßen und Gan­zen wird ein Wachs­tum bis 2023 durch­schnitt­lich um 3,9 Pro­zent pro Jahr er­war­tet.

 

Wie wür­den Sie das In­ves­ti­ti­ons­kli­ma in Ka­sachs­tan be­schrei­ben? Wel­che Bran­chen ber­gen gro­ßes Po­ten­zi­al?

Auf­recht­er­hal­tung ei­nes güns­ti­gen In­ves­ti­ti­ons­kli­mas und För­de­rung der aus­län­di­schen Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen in die Wirt­schaft sind mit die wich­tigs­ten Auf­ga­ben. Ziel des Staats­pro­gramms für in­dus­tri­el­le und in­no­va­ti­ve Ent­wick­lung der Re­pu­blik Ka­sachs­tan im Zeit­raum 2015-2019 ist es, die auf Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät und Auf­stieg der Ex­port­vo­lu­men der ver­ar­bei­te­ten Er­zeug­nis­se ori­en­tier­te Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Ver­ar­bei­tungs­in­dus­trie zu för­dern. Ei­ne be­deu­ten­de Rol­le spielt da­bei die Her­an­zie­hung von In­ves­ti­tio­nen, ein­schlie­ß­lich aus­län­di­scher. Haupt­trei­ber des Wachs­tums sind hier die In­ves­ti­tio­nen der öf­fent­li­chen Hand in den Aus­bau der In­fra­struk­tur und die Di­ver­si­fi­zie­rung der In­dus­trie.

 

Aus­län­di­sche Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen sind haupt­säch­lich auf die Che­mie­in­dus­trie, Phar­ma­zie­in­dus­trie, den Ma­schi­nen­bau, das Bau­we­sen, das Trans­port­we­sen und den Berg­bau von Me­tall­er­zen ge­rich­tet. Loh­nend ist nach wie vor die För­de­rung und Ver­ar­bei­tung der Bo­den­schät­ze des Lan­des, v.a. von Erd­öl und Gas, aber auch Uran, Kup­fer, Zink, Ei­sen­erz etc.

 

Land­wirt­schaft und Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie sind al­so ge­fragt. Auch En­er­gie­wirt­schaft und Han­del ber­gen Po­ten­zi­al für deut­sche In­ves­to­ren.

 

Wel­chen Her­aus­for­de­run­gen steht ein deut­scher Un­ter­neh­mer beim En­ga­ge­ment in Ka­sachs­tan ge­gen­über?

Ka­sachs­tans so­wje­ti­sches Er­be ist noch von Bü­ro­kra­tie ge­prägt. Be­son­de­res Au­gen­merk soll­ten deut­sche Un­ter­neh­men auf die bü­ro­kra­ti­sche Ab­wick­lung von Zah­lun­gen wid­men. Al­lein die Pro­ze­dur der Er­öff­nung ei­nes Bank­kon­tos kann meh­re­re Wo­chen in An­spruch neh­men und ei­nen er­heb­li­chen Auf­wand für die no­ta­ri­el­le Be­glau­bi­gung von Un­ter­schrifts­kar­ten, Über­sen­dung der elek­tro­ni­schen Si­gna­tur­vor­rich­tun­gen etc. be­an­spru­chen. Ka­sa­chi­sche Ban­ken for­dern aus Grün­den der De­vi­sen­re­gu­lie­rung oft Ko­pi­en von Ver­trä­gen oder Rech­nun­gen an, um die Zah­lung aus­zu­füh­ren. Des­halb muss stets be­rück­sich­tigt wer­den, dass ei­ne Zah­lung nicht von heu­te auf mor­gen ab­ge­wi­ckelt wer­den kann. Ins­be­son­de­re dann, wenn Mit­ar­bei­ter aus dem Kon­troll­be­reich die­se Zah­lung als Zwei­un­ter­schrifts­be­rech­tig­te frei­ge­ben müs­sen. We­gen des Zeit­un­ter­schie­des von 4-5 Stun­den müs­sen sol­che Zah­lungs­vor­gän­ge ge­plant und eng mit dem Toch­ter­un­ter­neh­men ab­ge­stimmt wer­den.

 

Zu­dem ist das Rechts­sys­tem nach wie vor in der Ent­wick­lungs­pha­se, wo­bei ei­ni­ge Er­fol­ge zu ver­zeich­nen sind. Es be­ste­hen Un­si­cher­hei­ten bei der Rechts­an­wen­dung, da es kei­ne aus­ge­bil­de­te Rechts­pra­xis gibt. Ei­ne Fol­ge hier­von sind re­gio­na­le Un­ter­schie­de bei der Aus­le­gung und Deu­tung von Rechts­vor­schrif­ten. Wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen sind die Kor­rup­ti­on und der gro­ße Ein­fluss des Staa­tes auf die Wirt­schaft. Deut­sche Un­ter­neh­men soll­ten sich der Not­wen­dig­keit ei­nes er­höh­ten Ri­si­ko­ma­nage­ments bei ei­nem En­ga­ge­ment in Ka­sachs­tan be­wusst sein und wir­kungs­vol­le Com­p­li­an­ce-Re­ge­lun­gen im­ple­men­tie­ren.

 

Wie weit ist Ka­sachs­tan mit der Di­gi­ta­li­sie­rung?

Ka­sachs­tan hat sich zum Ziel ge­setzt, bis 2050 zu den 30 wirt­schafts­stärks­ten Län­dern der Welt zu ge­hö­ren. Des­we­gen wur­de der Kurs auf Di­gi­ta­li­sie­rung ge­nom­men. Im De­zem­ber 2017 wur­de das staat­li­che Pro­gramm „Di­gi­ta­les Ka­sachs­tan” von der ka­sa­chi­schen Re­gie­rung in Kraft ge­setzt, des­sen Um­set­zungs­zeit­raum bis 2021 fest­ge­legt wur­de. Ka­sachs­tan be­müht sich be­reits dar­um – bspw. ar­bei­tet das ka­sa­chi­sche Au­ßen­mi­nis­te­ri­um an dem Pro­jekt „E-Re­si­denz”, das Aus­län­dern die Mög­lich­kei­ten gibt, Fir­men in Ka­sachs­tan zu grün­den, oh­ne sich selbst auf dem Ter­ri­to­ri­um zu be­fin­den. Es er­mög­licht aber kein Recht, oh­ne Er­laub­nis ein­zu­rei­sen. E-Re­si­denz er­laubt vom Aus­land ju­ris­ti­sche Per­so­nen zu re­gis­trie­ren, Steu­ern zu zah­len und an­de­re Pro­zes­se zu füh­ren, die mit der Ge­schäfts­füh­rung ge­kop­pelt sind. An­de­re Be­rei­che ste­hen auch im Fo­kus, v.a. Berg­bau­in­dus­trie und Ma­schi­nen­bau­in­dus­trie.

 

Je­doch exis­tiert ein be­deu­ten­des Pro­blem bei der Di­gi­ta­li­sie­rung der Wirt­schaft nach Mei­nung des Ka­sa­chi­schen In­sti­tuts für In­dus­trie­ent­wick­lung und zwar die un­zu­rei­chen­de IT-In­fra­struk­tur, ins­be­son­de­re in länd­li­chen Ge­gen­den. Ei­ni­ge Mi­nen und La­ger­stät­ten sind weit weg von grö­ße­ren Städ­ten. Da­bei ist der Zu­gang zum In­ter­net für ei­ne ef­fi­zi­en­te Di­gi­ta­li­sie­rung not­wen­dig.

 

Wie wird sich aus Ih­rer Sicht Ka­sachs­tan wei­ter­ent­wi­ckeln?

Wir be­ob­ach­ten zu­neh­mend die Ten­denz, dass vie­le in­ter­na­tio­na­le Un­ter­neh­men ge­ra­de jetzt nach Ka­sachs­tan kom­men. Auf­grund von dras­tisch ge­fal­le­nen Struk­tur­kos­ten und re­la­tiv leich­ten recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen zieht das Land die Auf­merk­sam­keit aus­län­di­scher Fir­men auf sich.

 

Heut­zu­ta­ge rich­tet sich die ka­sa­chi­sche Re­gie­rung nach Pro­gram­men – z.B. „Nur­ly Zhol”, „Di­gi­ta­li­sie­rung Ka­sachs­tans”, die die Wirt­schaft for­cie­ren soll­ten. Au­ßer­dem wird Ver­bes­se­rung des In­ves­ti­ti­ons­kli­mas, des Kon­kur­renz­um­fel­des und die För­de­rung der In­no­va­ti­ons­ak­ti­vi­tät im Rah­men der Um­set­zung von Na­ti­ons­plan „100 kon­kre­te Schrit­te” er­war­tet. Der Pri­vat­sek­tor muss ei­ne der Haupt­quel­len des Wirt­schafts­wachs­tums sein. Da­zu wer­den Maß­nah­men zur Sen­kung al­ler Kos­ten­ar­ten für die Ge­schäfts­füh­rung ge­trof­fen. Er­brin­gungs­ver­fah­ren der Staats­dienst­leis­tun­gen wer­den mög­lichst op­ti­miert und zur Di­gi­ta­li­sie­rung über­tra­gen.

 

Au­ßer­dem ver­fügt Ka­sachs­tan über ein gro­ßes Po­ten­zi­al für die Ent­wick­lung der Ver­kehrs­in­dus­trie, ins­be­son­de­re in­ner­halb der chi­ne­si­schen In­itia­ti­ve „Neue Sei­den­stra­ße”. Die La­ge im Her­zen Eu­ra­si­ens bie­tet den Vor­teil, als Dreh­schei­be für Gü­ter­trans­por­te zwi­schen Chi­na, Eu­ro­pa und dem Na­hen Os­ten ei­ne gro­ße Rol­le zu spie­len.

 Kulturelle Besonderheiten in Kasachstan

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