Erfolgreich investieren in Kasachstan

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zuletzt aktualisiert am 20. September 2022 | Lesedauer ca. 4 Minuten

 

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Kasachstan ein?

Sanktionen gegen Russland wirken sich derzeit mittelbar auch im geringfügigen Umfang auf die kasachische Wirt­schaft aus. Zumindest ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass kasachstanische Konsumenten nunmehr mehr Geld für Konsumgüter ausgeben, die vor Kriegsbeginn noch von ausländischen Unternehmen in Russland produziert worden sind. Störungen in den Lieferketten, die u.a. infolge der in China verhängten Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 wurden, hemmen ebenfalls das Wachstum der kasachischen Wirtschaft. Der Anstieg der Preise für Energieträger beschert Kasachstan als Rohstofflieferant mehr Einnahmen, auch wenn z.B. der Transport des Erdöls, das u.a. auch nach Deutschland verkauft wird, durch russischen Erdölpipelines zu erfolgen. 
 
Die Zahl der in Kasachstan tätigen ausländischen Unternehmen ist zwischen Januar und Juni 2022 um fast 13 Prozent gewachsen. Es handelt sich dabei vor allem um Unternehmen aus Russland und Weißrussland, die ihre Geschäfte durch Sanktionen in Russland bedroht sehen. Das muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass eine Verlagerung der wirtschaftlichen Aktivitäten aus Russland nach Kasachstan relativ unkompliziert ist. Die Gründung einer kasachischen GmbH kann binnen von drei bis vier Wochen vollzogen werden. Die Eröffnung von Bankkonten dauert in der Regel ein paar Wochen. Auch kann das bislang in Russland oder Belarus beschäftigtes lokales Personal ohne ein Visum in Kasachstan beschäftigt werden. In Kasachstan funktionieren die globalen Waren- und Finanzströme – mit Ausnahme der Störungen in den Lieferketten – reibungslos. Das sind die Vorzüge eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes (Eurasische Wirtschaftsunion). Kasachstan kann deshalb zurecht den Anspruch kundtun, eine Drehscheibe der wirtschaftlichen Aktivitäten in Zentralasien werden zu wollen. 
 
Der kasachische Präsident Kassym-Jomart Tokajew weist in seiner letzten Rede im September 2022 aber auch deutlich auf die wachsende wirtschaftliche Bedeutung Asiens, einschließlich seines wichtigsten Handelspartners China, hin. Die Nutzung des gemeinsamen Wirtschaftsraumes, nämlich der EaWU, einerseits und der zeitgleiche Fokus auf chinesische Investitionen belegen die sog. multivektorale wirtschaftliche und politische Ausrichtung der kasachischen Politik. Hierbei muss unterstrichen werden, dass Kasachstan in Bezug auf die Situation in der Ukraine sich nicht politisch neutral verhält, sondern klar zum Ausdruck gebracht hat, dass es die Sepa­ra­tis­ten­ge­biete nicht als unabhängig anerkennt. Zuletzt sind jegliche Ausfuhren von Rüstungsgütern aus Kasachstan verboten worden. 
 
Experten innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion rechnen mit einer raschen Rückkehr zu einer dynamischen Investitionstätigkeit, die im Jahr 2023 zu einem realen Wachstum von 3 bis 4 Prozent führen soll. Nachdem Russland und Belarus als Märkte faktisch weggefallen sind, steigt das Interesse von ausländischen Unternehmen an dem kasachischen Markt. Das sind nicht nur Faktoren wie die beste Kaufkraft in Zentralasien, sondern auch erheblichen Devisen des kasachischen Staates mit über 50 Mrd. USD, die in die kasachische Wirtschaft seitens des Staates immer wieder investiert werden. 

 

Wie würden Sie das Investitionsklima in Kasachstan beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Der Großteil der ausländischen Direktinvestitionen fließt weiterhin in den Rohstoffsektor. Dies liegt angesichts der steigenden Rohstoffpreise, vor allem der Preise für Energieträger, auf der Hand. Wirtschaftliche Aktivitäten im Zusammenhang mit Rohstoffen ziehen das meiste ausländische Kapital an. Allein auf mehrere große Erdöl- und Erd­gas­projekte entfallen inzwischen fast 72 Prozent aller ausländischen Investitionen. Investitionen in den Berg­bau- bzw. in den rohstoffverarbeitenden Sektor spielen im Zusammenhang von der der internationalen Verpflich­tung zur Reduzierung von CO2 eine nicht unerhebliche Rolle. 
 
Dem folgen Investitionen in Metallerzeugung und -verarbeitung. Er ist auch der wichtigste Sektor für ausländische Investitionen im verarbeitenden Gewerbe. Andere wichtige Sektoren für ausländische Investoren sind u.a. die Nahrungsmittel-, Getränke- und Tabakproduktion, Gummi- und Kunststoffproduktion, chemische Industrie und Ölraffination.
 
Investitionen in Erneuerbare Energien, einschließlich Wasserstoff, der zum begehrten Energieträger der Zukunft binnen von Monaten aufgestiegen ist, bildet ebenfalls einen vielversprechenden Investitionsbereich.

 

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Kasachstan gegenüber?

Die Praxis der Rechtsanwendung bleibt ein Faktor, das Unternehmen als Risikofaktor betrachten. Veränderungen der steuerlichen Vorschriften und eine fehlende beständige Rechtspraxis stellen Unternehmen vor die Heraus­forderung, ihre geschäftlichen Aktivitäten regelmäßig auf steuerliche Risiken zu überprüfen und auf neue Ten­den­zen, die zumeist zusätzliche steuerliche Risiken beinhalten, auszurichten. 
 
Der Zuzug von Fachkräften aus Russland und Belarus kann den Fachkräftemangel nur teilweise entschärfen. Dennoch investiert Kasachstan, das seine Generationen überall auf der Welt ausbildet, viel in die Ausbildung von hochqualifizierten Fachkräften und steht im Verhältnis zu Usbekistan besser da. 
 
Lange Logistikwege in dem neuntgrößten Land der Welt stellen eine Herausforderung dar, die in den letzten Jahren durch stetig vorangeschrittene Ausbau der Verkehrsinfrastuktur noch nicht ganz überwunden werden konnte. 

 

Wie weit ist Kasachstan mit der Digitalisierung?

Nach der sog. E-Government-Studie 2020 der Vereinten Nationen belegt Kasachstan bei der Digitalisierung den 29. Platz. Bei der Entwicklung von E-Government-Systemen sowie bei der Qualität der Online-Dienste liegt das Land auf dem elften Platz. Die oben genannte Studie wird alle zwei Jahre durchgeführt und bewertet 193 UN-Mitgliedstaaten. Sie ist einer der wichtigsten Indikatoren für die Entwicklung der Informationsgesellschaft.
 
Kasachstan treibt die Digitalisierung stetig voran. Ein Multiplattform-Modell für die digitale Erbringung öffent­licher Dienstleistungen wird ständig erweitert. Abwicklung eines PKW-Kaufvertrag in digitaler Form inklusive der digitalen Zulassung sind genauso möglich, wie seine etwaigen steuerlichen Verbindlichkeiten kurzerhand zu überprüfen. Inzwischen sind mehr als 90 Prozent der öffentlichen Dienstleistungen in Kasachstan digital verfügbar und werden von rund 11 Millionen Menschen genutzt.
 
Ein weiterer Bereich der digitalen Wirtschaft Kasachstans ist die Entwicklung der Kryptowährungsindustrie. Nach den USA ist Kasachstan der zweitgrößte Bitcoin-Schürfer der Welt. Nach Angaben der Universität Cambridge liegt der Anteil Kasachstans am gesamten Bitcoin-Netzwerk (BTC) bei 18,10 Prozent.

 

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Kasachstan weiterentwickeln?

Zu den prioritären Zielen der kasachischen Regierung zählen die Industriemodernisierung, die Diversifizierung und die Digitalisierung der kasachischen Wirtschaft.

 

Die Weltbank erhöhte die Position Kasachstans im „Doing Business”-Ranking 2020 um 3 Plätze. Von insgesamt 190 Ländern belegt Kasachstan nun den 25. Platz. Gründe dafür sind Reformen der bestehenden Gesetzgebung, Verbesserung des Lizenzierungssystems, Vereinfachung der Verfahren zur Unternehmensgründung, Optimierung der staatlichen Kontroll- und Aufsichtstätigkeiten und der Entwicklung des Geschäftsklimas. Ein umfangreiches Programm soll außerdem in den kommenden Jahren die Privatisierung von mehr als 900 staatlichen Unternehmen sichern.

 

Kasachstan ist in Zentralasien der Magnet für ausländische Direktinvestitionen. Hauptsektoren der Direktinvestitionen sind auf Erdöl und Gas, sowie Bergbau und Metallurgie konzentriert. Kasachstan strebt nach einer Diversifizierung der ausländischen Direktinvestitionen in Sektoren wie IT, Start-ups und Erneuerbare Energien. 

 Kulturelle Besonderheiten in Kasachstan

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