Erfolgreich investieren in Mexiko

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 2 Minuten


 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Mexiko ein?

Noch vor der Corona-Krise waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Mexiko mit ausgeglichenem Staatshaushalt, Arbeitslosigkeit knapp über Vollbeschäftigung, geringem BIP-Wachstum unter 1 Prozent im Jahr 2019 und prognostizierter BIP-Steigerung von knapp über 1 Prozent für 2020 stabil, wenngleich sich der Wirt­schaftsmotor nur mit deutlich angezogener Handbremse mühselig nach vorne bewegte. Grund dafür waren Rezessionsängste im Hauptabnehmerland USA im Herbst 2019, die Unsicherheiten zum nordamerikanischen Freihandelsabkommen und sicherlich auch die unsicheren innenpolitischen Rahmenbedingungen mit dem Regierungsbündnis „Juntos Heremos Historia” unter Präsident Andrés Manuel López Obrador. Nun hat die Corona-Krise das schwächelnde Land deutlich ins Straucheln gebracht. Der mexikanischen Wirtschaft wird nun eine Rezession mit einem negativen Wachstum von etwa 3 Prozent attestiert – bei Produktionsstopp im ganzen Land, ausbleibenden Hilfsmaßnahmen, wegbrechenden Einnahmen bei den staatlichen Ölgesellschaften und dem freien Fall des mexikanischen Pesos.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Mexiko beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Mexiko ist nach wie vor nach Kanada das zweitwichtigste Importland der USA. Sämtliche Produkte – von landwirtschaftlichen Erzeugnissen über Konsumgüter bis hin zu Fahrzeugen – insbesondere mit hohem Lohnanteil, werden in Mexiko für den nordamerikanischen Markt gefertigt. Die Nachfrage aus den USA könnte aktuell spürbar sinken, wodurch auch Produktionen in Mexiko gedrosselt werden könnten und damit auch der unter dem schwachen Peso leidende heimische Konsummarkt gebremst wird. Allerdings sollen nach der Öffnung der Märkte die Produktionen baldmöglichst wieder weiterlaufen und Weltmärkte beliefert werden. Großes Potenzial verspricht auch der Gesundheitssektor, der nun unter der Corona-Krise in den Fokus geriet. Die Regierung hat einige Unterstützungsprogramme auf dem Weg gebracht, von finanziellen Hilfen für den Sektor bis hin zu erleichternden Einkaufsbedingungen aus dem Ausland. Noch vor der Corona-Krise hatte die Regierung einige Infrastrukturprojekte angeschoben, wie bspw. den Ausbau von Bahnstrecken, Neubau von Raffinerien und Ausbau des Flughafens Santa Lucia etwa 40 km nördlich von Mexiko-Stadt.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Mexiko gegenüber?

Neben dem nicht planbaren innenpolitischen Schlingerkurs des Regierungsbündnisses unter dem Präsidenten Andrés Manuel López Obrador, den zu wenigen verfügbaren qualifizierten und ausgebildeten Arbeitskräften und den Währungsrisiken mit schwacher lokaler Währung, nehmen die Schwierigkeiten hinsichtlich Korruption und Kriminalität erneut zu. Die Herausforderungen sind zu bewältigen, sind jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden.


Wie wird sich der in Mexiko wichtige Automobilsektor entwickeln?

Bereits vor der Corona-Krise begann der lokale Automobilsektor zu schwächeln. Im Jahr 2019 nahm die Anzahl der produzierten Fahrzeuge nicht zu, sondern sogar um knapp 2 Prozent ab. Der unter Druck geratene Automobilsektor schwächelt in Mexiko besonders unter dem Nachfragerückgang aus den USA sowie den weitergehenden Rege­lungen des neuen Freihandelsabkommens USMCA – darin insbesondere  der Regelung des Labor Value Content. Die Corona-Krise beschleunigt sicherlich den Abschwung des Automobilsektors. Durch zunächst ausbleibende Lieferketten und anschließend von der Regierung verhängten Produktionsstopps stehen Bänder still – bei ausblei­benden spürbaren Hilfsmaßnahmen der Regierung, aber weiterlaufenden Lohnkosten. Die Bänder werden bald wieder laufen, jedoch werden die Neubestellungen in Nordamerika und im lokalen Markt spürbar zurückgehen. Dabei dürften weitestgehend die Margen der Zulieferer ausgereizt sein. Schon längst hatten sich umsichtige Automobilzulieferer ein zweites Standbein in einem anderen Sektor aufgebaut.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Mexiko weiterentwickeln?

Der Druck in der Wirtschaft wird sicherlich zunehmen, da Weltmärkte unter Konjunktureinbrüchen leiden werden und damit auch Mexiko im lokalen Konsummarkt ausgebremst wird. Und das trotz dem, dass sich mit der Verabschiedung des neuen Freihandelsabkommens USMCA vielversprechende Chancen ergeben, da die Unsicherheiten einer möglichen ersatzlosen Kündigung des NAFTA-Agreements verschwunden sind und Mexiko weiterhin kostengünstige Produktion bei einem nicht gesättigten lokalen Markt verspricht. Die innenpolitische und Sicherheitslage bereiten immer noch Kopfzerbrechen und schränkt Investoren ein.

 Kulturelle Besonderheiten in Mexiko

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