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Erfolgreich investieren auf den Philippinen

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zuletzt aktualisiert am 21. August 2020 | Lesedauer ca. 5 Minuten



 

 


​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage auf den Philippinen ein?

Das Jahr 2020 begann für die florierende Wirtschaft der Philippinen mit dem Ausbruch des Taal-Vulkans, der sich nur unweit des Hauptstadtzentrums befindet. Die Auswirkungen waren allerdings räumlich wie wirtschaftlich begrenzt. Nahezu nahtlos folgte auf das Vorbeben des Vulkans die Erschütterung der Wirtschaft durch das Coronavirus. Zum 15. Mai 2020 wurden die Hauptstadt der Philippinen und Teile der wirtschaftlich starken Insel Luzon unter eine „Enhanced Community Quarantine“ gestellt. Die Schließung nicht essenzieller Betriebe (wobei Heimarbeit erlaubt war), die weitestgehende Aussetzung des privaten wie öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, nächtliche und/oder teils ganztägige lokale Ausgangsperren haben nicht nur das öffentliche Leben sondern auch die philippinische Wirtschaft so gut wie zum Stillstand gebracht. Graduell wurden insbesondere zum 1. Juni die Einschränkungen für Gewerbebetriebe und die Freizügigkeit von Personen gelockert. Je nach Fallzahlen in der jeweiligen Region gelten bestimmte Quarantänestufen, die im internationalen Vergleich nach wie vor mit zu den strengsten und langanhaltendsten weltweit zählen dürften. Z.B. ist die Einreise vieler Ausländer noch immer weitestgehend nicht gestattet. Es gelten vielerorts nächtliche Ausgangssperren. Einzelne Betriebe dürfen ihre Betriebstätten unter Berücksichtigung der auferlegten Hygieneregeln und nur mit einer eingeschränkten Kapazität betreiben. Zum 1. August sind die Covid-Fallzahlen wieder massiv gestiegen, weshalb langfristig die Einschränkungen für die größeren Ballungsgebiete vermutlich nur langsam gelockert werden. Aktuell ist es nicht unwahrscheinlich, dass für einzelne Bereiche sogar wieder strengere Quarantänevorschriften erlassen werden.


In Bezug auf das Wirtschaftswachstums wurde den Philippinen für das Jahr 2020 ursprünglich ein Zuwachs von 6,2 Prozent prognostiziert. Die Philippinen wären damit weiterhin eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Asien gewesen und hätten ihren stabilen Trend des vergangenen Jahrzehnts fortgesetzt. Nunmehr gehen Analysten und die Regierung von einem negativen Wachstum für das Jahr 2020 in Höhe von - 0,3 bis -3 Prozent aus. Wobei die Philippinen im internationalen Vergleich - insbesondere wenn die sehr strengen Quarantänemaßnahmen bedacht werden – damit immer noch verhältnismäßig gut dastehen würden. Zu den Gründen nachfolgend:


Für das Jahr 2021 ist wieder eine erste signifikante Erholung der Wirtschaft in Höhe von prognostiziert mind. 4 Prozent zu erwarten. Allerdings gibt es dazunoch viele Unbekannte. Spätestens ab 2022 könnte wieder ein Wachstum in der Größenordnung der ursprünglich anvisierten 6 bis 7 Prozent erreicht werden. Letzteres ist nicht unwahrscheinlich, da sich trotz der Covid-19 Herausforderungen an den guten wirtschaftlichen Grundlagen der Philippinen und dem insg. positiven Wachstumstrend der ASEAN-Schwellenländer wenig geändert hat. Gegebenenfalls könnten die Philippinen sogar einer der langfristigen Profiteure des „New Normal” werden.


Wie würden Sie das Investitionsklima auf den Philippinen beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

In dem vergangenen Jahrzehnt konnten die Philippinen kontinuierlich ihre ausländischen Direktinvestitionen steigern, was u.a. mit einer stetigen Liberalisierung des Marktes und der kontinuierlichen Verbesserung der „Doing Business” Rahmenbedingungen einherging.


Im Hinblick auf die aktuelle Situation sind Unternehmen und Investoren zögerlich, da der Ausgang der Pandemie noch nicht absehbar ist. Nichtsdestotrotz sind die Neuinvestitionen in den Philippinen nicht komplett eingefroren. Einige Unternehmen, die bereits vor der Pandemie den Markteintritt oder Ausbau geplant haben, setzen ihre Vorhaben beharrlich fort. Auf den ersten Blick überraschend sind vereinzelt in den vergangenen Monaten sogar noch weitere Unternehmen hinzugekommen. Gemeinsam haben jedoch alle Investoren, dass sie trotz der aktuell eher düsteren globalen Wirtschaftslage in den Philippinen langfristige Chancen sehen. Die positive Perspektive ist durch eine robuste Nachfrage in dem großen und vielfach noch unerschlossenen philippinischen Binnenmarkt, oder den vielversprechenden Aussichten als Lieferant, Service Center sowie bei der Deckung des Fach­kräfte­mangels begründet.


Insbesondere aus Sicht deutscher Unternehmen stellen die Philippinen nach wie vor ein interessantes Ziel dar. Die Marke „Made in Germany” hat auch in den Philippinen sowohl bezüglich Waren als auch Dienstleistungen einen hohen Stellenwert. Das bereits vor Covid-19 begonnene „Goldene Zeitalter” philippinischer Infrastruktur­projekte bekommt durch das staatliche Förderpaket vermutlich eine weitere erhebliche Finanzspritze. Auch wenn der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China die Investitionsstimmung etwas drückt, können die Philippinen dennoch profitieren, da es nicht nur mehr chinesische Unternehmen auf die Philippinen zieht, sondern darüber hinaus im Rahmen der China+1 Strategie Unternehmer die Philippinen zunehmend als wettbewerbsfähige Alternative zu China und den asiatischen Mitbewerbern sehen.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement auf den Philippinen gegenüber?

Dass die Philippinen ein in den vergangenen Jahren häufig unterschätztes, großes Potential besitzen, sich zum nächsten bzw. erneuten „Asian Tiger” aufzuschwingen, steht außer Frage. Dem gegenüber stehen die Herausforderungen vieler asiatischer Schwellenländer, die ebenfalls nicht verschwiegen werden dürfen. Dazu zählen die relativ schwache Infrastruktur des Landes, insbesondere in ländlichen Gebieten, und damit verbunden das Fehlen einer stabilen Energieversorgung und verlässlicher Kommunikationsmittel zu international wettbewerbsfähigen Preisen. Die Regierung ist sich der Herausforderung bewusst und hat sich zum Ziel gesetzt, jährlich etwa 6 Prozent des BIP in die Infrastrukturverbesserung zu investieren.

Eine weitere Herausforderung ist die Bürokratie im Zusammenhang mit den investitionsrechtlichen Rahmenbedingungen für das „Doing Buiness” in den Philippinen. Die Behörden arbeiten in einigen Bereichen nach wie vor papier- bzw. kontaktbasiert und wenig digitalisiert. Hinzu kommt, dass die Behörden zwar zunehmend – aber nach wie vor zu selten – ihre Verwaltungsverfahren und Ausführungsvorschriften aufeinander abstimmen. Im Zusammenhang mit Covid-19 waren bzw. sind die Behörden allerdings zur Digitalisierung gezwungen. Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten konnten größere Fortschritte erzielt werden, die vor Covid-19 kaum denkbar waren. Die Pandemie und der damit verbundene Slogan „Heal as One” haben dazu geführt, dass aktuell leichter praktikable Lösungen zu behördlichem Red-Tape gefunden werden können, als das noch vor wenigen Monaten der Fall war.


Die Philippinen sollen in den nächsten Jahrzehnten zum fünftgrößten Wirtschaftsstandort in Asien aufsteigen. Wie realistisch ist die Prognose?

Die Prognose ist durchaus berechtigt, da die Philippinen bereits heute ein bedeutender, aber nach unserer Einschätzung noch weitgehend unterschätzter Wirtschaftsstandort in Asien sind. Bis zum Jahr 2050 wird mit einem Bevölkerungswachstum von 108 auf etwa 150 Mio. Einwohner gerechnet. Damit würden die Philippinen hinter Indonesien ihre Stellung als zweitgrößter Binnenmarkt in ASEAN weiter ausbauen. Neben einer der jüngsten und am stärksten wachsenden Bevölkerungen weltweit zählen auch die weit verbreiteten Kenntnisse der englischen Sprache und das relativ hohe Bildungsniveau zu den Stärken der Philippinen.

Das Bevölkerungswachstum, gepaart mit über das letzte Jahrzehnt stetig steigenden Investitionen in die Infrastruktur schaffen beste Voraussetzungen. Das Land ist reich an unterschiedlichsten Rohstoffen, die zu einem wesentlichen Teil noch nicht oder nicht hinreichend erschlossen wurden.

Human Capital bzw. ausgelagerte Geschäftstätigkeiten (Business Process Outsourcing, BPO) sind eine der Stärken des Landes, dabei zählen die Philippinen weltweit zu den Spitzenreitern. Die Philippinen sind führend im Bereich Callcenter und Business Support Services. Auch werden mehr und mehr höherqualifizierte Jobs auf die Philippinen ausgelagert. Darunter bspw. Ingenieurs-, Finanz- und IT-Programmierleistungen. Der durch den Coronavirus hervorgerufene Trend zum Home-Office wird die Tendenz zur Auslagerung bestimmter, nicht ortsgebundener Geschäftsprozesse sicherlich noch weiter katalysieren.


Wie werden sich aus Ihrer Sicht die Philippinen weiterentwickeln?

Covid-19 hat die Philippinen sowohl humanitär als auch wirtschaftlich schwer getroffen, was vor wenigen Monaten noch unvorstellbar gewesen wäre. Mit derzeit steigenden Covid-19 Fällen ist ein Ende der Ausnahmesituation bis auf Weiteres nicht absehbar.


Dennoch, die Philippinen haben eines über die vergangenen Jahrzehnte mehrfach unter Beweis gestellt: Resilienz. Sowohl von der Überwindung des Marcos-Regimes als auch von unzähligen politischen Kapriolen und internationalen Wirtschaftskrisen bis hin zu mehreren Naturkatastrophen konnten die Philippinen sich immer wieder verhältnismäßig schnell erholen. Das war insbesondere während der asiatischen und globalen Finanzkrise als auch im Zusammenhang mit dem SARS Ausbruch zu beobachten.


Basierend auf der berühmten philippinischen Widerstandsfähigkeit, den in der Vergangenheit mit anderen Krisensituationen gesammelten Erfahrungswerten, einer der stabilsten Wirtschaftswachstumsraten der Region (auch in Krisenzeiten), einer verhältnismäßig geringen Staatsverschuldung und erheblichen natürlichen Ressourcen bleiben die Philippinen auch in Zeiten von Covid-19 und darüber hinaus weiterhin wettbewerbsfähig. Mit den Philippinen ist auch in Zukunft zu rechnen. Gerade die Entwicklung hin zum Home-Office und damit konsequent auch die Möglichkeit, bestimmte Tätigkeiten grenzüberschreitend intern oder extern ausführen zu lassen, könnten die Philippinen langfristig gar zu einem der Profiteure werden lassen.

 Kulturelle Besonderheiten in den Philippinen

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Dr. Marian Norbert Majer

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​Dr. Marian Majer, Leiter der
Rödl & Partner Niederlassung auf den Philippinen, wurde im April 2019 zum dritten Mal in den Vorstand und zum zweiten Mal als Vizepräsident der Deutsch-Philippinischen Industrie- und Handels­kammer gewählt. Mehr »

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