Erfolgreich investieren auf den Philippinen

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019
  

​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage auf den Philippinen ein?

Getrieben durch die im internationalen Vergleich positiven makro­ökonomischen Wirtschaftskennzahlen, die Umsetzung staatlicher Infrastrukturmaßnahmen und signifikante Gesetzesreformen setzten die Philippinen auch in den vergangenen 12 Monaten ihren robusten Wachstumskurs der vergangenen Jahre fort.

Bereits unter der letzten Regierung und selbst in (internationalen) Krisenzeiten zählten die Philippinen mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent zu den Spitzenreitern weltweit, zuweilen vor den ASEAN-Bündnispartnern.

Nach mehr als 2 Jahren im Amt zeichnet sich unter der neuen Regierung ab, dass trotz einer neuen Kursaus­richtung in Bereichen wie der inneren Sicherheit und Außenpolitik die erfolgreiche Wirtschaftspolitik des vergangenen Jahrzehnts fortgeführt wird. Kaum jemand würde heutzutage noch die Philippinen als „The Sick Man of Asia” bezeichnen. Ganz im Gegenteil: Geschäftsreisende sind meist von der wirtschaftlichen Entwicklung der Philippinen der letzten Jahren überrascht. Es scheint, als ob die Philippinen sich wieder in Richtung ehemaliger Glanzzeiten entwickeln, als sie noch als die „Perle Asiens” oder in vielen Bereichen als „Asia's First” bezeichnet wurden.

Ein aktuelles Wirtschaftswachstum von 6,2 Prozent (2018), eine niedrige Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent (2018), eine geringe Staatsverschuldung und eine stetig wachsenden Mittelschicht unterstrichen diese Entwicklung. Hinzu kommt, dass der Standort von Investoren für seine im regionalen Vergleich jüngste, englischsprachige, motivierte und vergleichsweise gut ausbildete Arbeitsbevölkerung geschätzt wird.

In den vergangenen Jahren und so auch in 2018 wurden die Philippinen mehrfach von unterschiedlichen Ratinganbietern unter den „Best Countries to Invest or Do Business in” genannt – so bspw. im UN World Investment Report 2016 und dem US News & World Report 2018 des CEOWORLD Magazine.


Wie würden Sie das Investitionsklima auf den Philippinen beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Wie zuvor umrissen, werden das hohe Wirtschaftswachstum und die damit verbundenen Investitionen durch die positive Entwicklung des letzten Jahrzehnts, aktuelle Bau- und Infrastrukturmaßnahmen sowie stetige Reformbestrebungen befeuert.

Es bestehen nach wie vor gewisse innen- wie außerpolitische Unsicherheiten, nach mehr als 2 Jahren Amtszeit der aktuellen Regierung können diese allerdings besser eingeordnet werden. Eine hohe Inflationsrate von 6,7 Prozent im September und Oktober letzten Jahres ließ zunächst eine Überhitzung der philippinischen Wirtschaft befürchten. Nachdem die ersten Auswirkungen der Geldpolitik und der jüngsten Steuerreform des Staates abgefangen waren und dank einer besonnenen Geldpolitik der philippinischen Zentralbank konnte die Inflation mit 3,4 Prozent (Stand Januar 2019) wieder in den Zielkorridor der Regierung von 2 - 4 Prozent gedrückt werden.

Die mit 145 Mrd. Euro gestützten staatlichen Infrastrukturmaßnahmen unter dem Motto „Build, Build, Build“ nehmen zunehmend an Fahrt auf, an denen auch unsere Mandantschaft aus den Philippinen und dem Ausland vor allem mit Ihrer technischen Expertise und Spezialequipment teilhaben. „Made in Germany” ist auch in den Philippinen hoch geschätzt. 2018 führte der Industriesektor mit 6,93 Prozent Jahreswachstum das Branchen­ranking an. Dazu trug wie erwartet insbesondere der Bausektor mit 21,31 Prozent (im Vergleich zu 5,3 Prozent im Vorjahr) bei. Als einer der weltweit führenden Standorte für BPO-Dienstleistungen bleibt das Wachstum des Dienstleistungssektors, der 56 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der Philippinen ausmacht, mit 6,25 Prozent nach wie vor auf hohem Niveau. Auch der Energiesektor zählt zu den Wachstumsbranchen, wobei in dem Bereich je nach Betätigungsfeld potenzielle Einschränkungen für ausländische Investoren geprüft werden müssen.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement auf den Philippinen gegenüber?

Geopolitisch muss in den Philippinen der unter der aktuellen Regierung angestoßene potenzielle Paradigmen­wandel der engeren Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China und Russland weiterhin genau beobachtet werden. Die leichte Abkehr von Bündnispartnern wie den USA und teils Europa bringt Risiken aber auch Chancen mit sich.

Daneben darf nicht vergessen werden, dass die Philippinen nach wie vor als Schwellenland einzustufen sind. Entsprechend wird – wie in vielen anderen südost-asiatischen Staaten – das Wachstumspotential durch Bürokratie, einzelne Investitionsbeschränkungen, Infrastrukturherausforderungen und vereinzelt Korruptions­problematiken getrübt. Umso wichtiger ist es, vor dem Markteintritt oder auch während der Tätigkeit in den Philippinen eine gute Partnerwahl zu treffen und auf erfahrene Berater zu setzen, um bestehende Risiken zu minimieren.


Die Philippinen machen gelegentlich Schlagzeilen in den deutschen Medien durch Menschenrechtsverstöße und kernige Äußerungen des Präsidenten. Wie sind diese Themen aus lokaler Sicht zu beurteilen?

Der Drogenkrieg in den Philippinen, die damit verbundenen Menschenrechtsverstöße, die feurigen (häufig provozierenden) Reden des Präsidenten und potenzielle Angriffe auf die Pressefreiheit dürfen nicht kleingeredet werden. Gerade mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung des Landes, Investitionsmöglichkeiten und Wirtschaftsbeziehungen ist es wichtig, dass darüber offen berichterstattet und diskutiert wird.

Bei den zuvor beschriebenen positiven Entwicklungen der Philippinen in den vergangenen Jahren – insbe­sondere im wirtschaftlichen Bereich – sollte nicht vergessen werden, auch diese Themen in den Vordergrund zu stellen. Nach unserer Einschätzung aus Gesprächen mit Investoren und Unternehmen sind viele der positiven Aspekte der letzten Jahre meist weniger bekannt. Wir empfehlen i.d.R. den Unternehmern sich vor Ort ein eigenes Bild zu verschaffen und stehen jederzeit gerne für ein Gespräch bereit. Insbesondere mit Blick auf die feurigen Reden des Präsidenten können diese nach mehr als 2 Jahren Amtszeit von ortskundigen Personen besser eingeordnet werden. Der Wirtschaft geht es nach wie vor gut und es darf nicht übersehen werden, dass – obgleich der Präsident in der Bevölkerung beliebt ist – viele seiner Aktionen und Aussagen auch in den Philippinen teils kritisch gesehen werden.


Wie werden sich aus Ihrer Sicht die Philippinen weiterentwickeln?

In 2017 und 2018 blieb das Wirtschaftswachstum hinter dem Zielkorridor der philippinischen Regierung zurück, obgleich sich die Werte im Vergleich zu den ASEAN-Staaten immer noch auf hohem Niveau bewegten.

Für 2019 wird insbesondere durch die zunehmend in der Umsetzungsphase befindlichen Infrastrukturmaßnahmen erwartet, dass das Wirtschaftswachstum entgegen dem internationalen Trend wieder anzieht. Die Regierung geht von einem ehrgeizigen Ziel von einem Wachstum von 7 bis 8 Prozent aus. Analysten der Weltbank und Asien Development Bank teilen die positive Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung der Philippinen für 2019, allerdings wird von ihnen ein Wachstum zwischen 6,5 – 6,7 Prozent erwartet.

Die inner- und außenpolitischen Entwicklungen sind weiterhin genau zu beobachten. Insbesondere die „Mid-Term”-Wahlen in diesem Jahr könnten weitere Indizien geben in welche Richtung(en) sich die Philippinen künftig weiter entwickeln werden.

Im Bereich der internationalen Rankings zu „Doing Business” hat das Land nach dem kontinuierlichen Aufstieg in den letzten Jahren in 2018 einen leichten Dämpfer erhalten. Trotz einer weiteren Verbesserung in der Gesamtbewertung der Weltbankstudie, büßten die Philippinen im internationalen Wettbewerb 11 Plätze ein (124 von 190 Staaten). In dem Global Competitiveness Report 2018 – 2019 des World Economic Forums konnten sich die Philippinen hingegen um einen Platz verbessern (56 von 140 Staaten).


Die Entwicklung der kommenden Jahre muss daher auch in dem Bereich fortwährend genau beobachtet werden. Dabei ist zu erwähnen, dass die Philippinen die Verbesserung des Investitionsklimas zu einer der Prioritäten der Regierung gemacht hat. Koordiniert durch das Wirtschaftsministerium sind bereits in den letzten 12 – 18 Monaten signifikante Reformbestrebungen vorangetrieben worden oder stehen unmittelbar vor der Implementierung. Bspw.:
  • Trat mit Wirkung zum 1. Januar 2018 das erste von insgesamt 5 Steuerpaketen primär zur Reformierung des persönlichen Einkommensteuerrechts in Kraft (die erste umfassende Steuerreform nach 20 Jahren).
  • Vermutlich noch in diesem Jahr folgt das zweite Paket, das sich primär mit der Unternehmensbesteuerung befasst. U.a. soll der derzeit höchste Unternehmenssteuersatz in ASEAN von 30 auf mind. 25 Prozent gesenkt werden.
  • Zum 28 Mai 2018 wurde das „Ease of Doing Business and Efficient Government Service Delivery Act” von dem Philippinischen Präsidenten unterzeichnet. Das Gesetz stellt im Wesentlichen eine Überarbeitung des bereits in 2007 erlassenen „Anti-Red-Tape Act” dar. Durch das Gesetz sollen primär der Bürokratieabbau weiter vorangetrieben und Verfahrensverzögerungen im Verwaltungsapparat mit teils empfänglichen Strafen geahndet werden.
  • Am 29. Oktober 2018 wurde die „11th Foreign Investment Negative List” veröffentlicht. Die Aufstellung fasst die Geschäftsfelder zusammen, in denen ausländische Beteiligungen nicht oder nur eingeschränkt zulässig sind. Obgleich in dem Bereich mit größeren Liberalisierungsschritten gerechnet wurde, sind auch diese Vorschriften ein weiterer Beleg für die in den letzten Jahren kontinuierlich vorangetriebene Liberalisierungsbewegung der philippinischen Wirtschaft.
  • Zuletzt wurde nach 38 Jahren seit Erlass des Gesetzes vor wenigen Wochen am 23. Februar 2019 das philippinische Gesellschaftsrecht grundlegend überholt. Auch hier steht das Ziel im Vordergrund, die wirtschaftliche Betätigung von Unternehmern zu vereinfachen und das philippinische Gesellschaftsrecht an internationale Best-Practice anzupassen.


 Kulturelle Besonderheiten in den Philippinen

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Dr. Marian Norbert Majer

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​Dr. Marian Majer, Leiter der
Rödl & Partner Niederlassung auf den Philippinen, wurde im April 2019 zum dritten Mal in den Vorstand und zum zweiten Mal als Vizepräsident der Deutsch-Philippinischen Industrie- und Handels­kammer gewählt. Mehr »

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