Erfolgreich investieren in Thailand

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zuletzt aktualisiert am 9. Juni 2022 | Lesedauer ca. 4 Minuten

      

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Thailand ein?

Thailand ist in Südostasien eines der wichtigsten und weitest entwickelten Länder. Damit ist es für viele aus­ländische Firmen als Standort interessant. 

Das Jahr 2021 stand noch immer im Zeichen der Pandemie, die Thailand hart getroffen hat – insbesondere wirtschaftlich. Jedoch zeichnet sich eine sanfte Erholung ab und die Wirtschaft wuchs um ca. 1,6 Prozent. 

Für 2022 erwartet die Regierung ein Wachstum von 3,5 bis 4,5 Prozent. Vorpandemische Level werden erst in den kommenden Jahren erreicht werden. Dabei kommt es vor allen Dingen auf die Entwicklung desTourismus an: Die Zahlen entwickeln sich langsam positiv, da die Einreise von Touristen deutlich vereinfacht wurde. Im Ergebnis können vollständig geimpfte Reisende nun ohne Quarantäne einreisen. All diese Entwicklungen stehen natürlich unter dem Vorbehalt der gesundheitspolitischen Entwicklung.

Die Regierung stützt weiterhin die Wirtschaft, etwa durch vorrübergehende Reduktionen von Sozial­versi­che­rungs­­bei­trägen, Steuererleichterungen und Kreditprogramme für kleine und mittelständische Unternehmen. Der heimische Konsum (insbesondere lokaler Tourismus) wird über diverse Anreize stimuliert, etwa direkte Barzahlungen oder besondere Zuschüsse und Vergünstigungen.

Die sozialen Folgen der Pandemie werden unterschiedlich abgefedert, wobei auch die Wirtschaft in die Ver­ant­wortung genommen wurde, bspw. durch etwas höhere Entschädigungen für Kündigungen. Daneben versucht der Staat, die Kosten für die Bevölkerung zu senken, z.B. durch niedrigere Wohnnebenkosten wie Elektrizität und Wasser. Die Pandemie wird dennoch aufgrund der stark gestiegenen Verschuldung der Privathaushalte vorrausichtlich noch längerfristige negative Auswirkungen entfalten.

Der Thai Baht ist im Jahr 2022 im Vergleich zum Euro wieder leicht gestärkt und liegt nun bei etwa 37 Baht zu einem Euro. 

Für die Zukunft werden nach wie vor der Außenhandel und der Tourismus tragend sein. Die Regierung plant größere Investitionen in die Infrastruktur und lockt Investoren mit attraktive Investitionsanreizen. Die bisherigen Fördermaßnahmen, insbesondere der „Eastern Economic Corridor“, zeigen gute Resultate. 

Im „Ease of Doing Business“ liegt Thailand weiterhin auf Rang 21. Innerhalb ASEAN sind nur Malaysia (Rang 12) und Singapur (Rang 2) besser bewertet. 
 
Leider besteht nach wie vor kein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Thailand. Die Gespräche wurden aber zwischenzeitlich fortgesetzt. Es ist möglich, dass 2022 ein Partnership and Cooperations Agreement unterzeichnet wird, was ein wichtiger Schritt wäre. Hierzu gab es im Jahr 2021 die ersten Treffen zwischen Thailand und der Europäischen Union. 

    

Wie würden Sie das Investitions­klima in Thailand beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Auch weiterhin setzt die Regierung auf Innovationen im Rahmen der „Thailand 4.0“-Policy. Nach Land­wirt­schaft (Thailand 1.0), leichter Industrie (Thailand 2.0) und Schwerindustrie (Thailand 3.0) sollen Innovationen sowie die Digitalisierung den Durchbruch Thailands zu einem „High-Income-Country“ ermöglichen.

Jede Investition ist grundsätzlich willkommen. Gefördert werden sie aber besonders in den folgenden Be­rei­chen:
  • Hochklassiger Tourismus
  • Biokraftstoffe und Biochemie
  • Lebensmittelvermarktung
  • Medizinzentren
  • Fortschrittliche Landwirtschaft und Biotechnologie
  • Luftverkehr und Logistik
  • Intelligente Elektronik
  • Roboterindustrie
  • Moderne Automobilindustrie
  • Digitale Industrie

Nach der Pandemie sollen v.a. im Bereich der Medizin Investoren angelockt werden. Hier zeigen sich auch erste Schritte im Bereich des medizinischen Marihuanas. Die weitere Entwicklung bleib abzuwarten. 


Insgesamt wird Thailand auch künftig auf Investitionen aus dem Ausland angewiesen sein, wobei an der Stelle die Volksrepublik China immer wichtiger wird. Im Vergleich dazu sinkt der europäische Einfluss leider weiter ab. 

    

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Thailand gegenüber?

Deutsche Unternehmer müssen sich zunächst die Frage stellen, ob die jeweiligen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markteintritt in Thailand sowie ggf. der ASEAN-Region vorhanden sind und wie sich ihre Ziele möglichst effektiv erreichen lassen. Der thailändische Markt ist für ausländische Investoren streng reguliert. Jedoch gibt es zahlreiche staatliche Förderungsmöglichkeiten, die eine Investition gerade in Thailand attraktiv werden lassen. Dabei gilt es, die Investitionsgesetze zu berücksichtigen und den für das eigene Unternehmen besten Zugang zum Markt zu finden. 

 

Zudem ist es für einen erfolgreichen Markteintritt notwendig, die örtliche Unternehmenskultur und deren Besonderheiten zu erkennen und zu beachten. Ebenso ist ein gewisses Maß an interkulturellen Fähigkeiten von Vorteil – im Umgang mit thailändischen Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern ist das oft der Schlüssel zum Erfolg.

    

Wie weit ist Thailand mit der Digitalisierung?

In Thailand äußert sich die Digitalisierung in verschiedenen Bereichen, vor allen Dingen im Zuge der bereits erwähnten Policy „Thailand 4.0“. Administrativ wird darauf hingewirkt, die Kommunikation mit Behörden mehr und mehr elektronisch abzuwickeln. Es zeichnen sich bereits erste Erfolge ab. Durch die Pandemie wurden zudem die Vorschriften mit Blick auf das Abhalten elektronischer Gesellschafter- und Geschäfts­führer­ver­sammlungen vereinfacht. Insgesamt hat die Pandemie der digitalen Weiterentwicklung geholfen, da auch Behörden teilweise 100 Prozent auf work from home umgestellt haben. Auch Anhörungen vor Gericht können nunmehr teilweise elektronisch abgehalten werden. 

Praktisch findet die Digitalisierung nach wie vor in der Industrie und in den städtischen Ballungsräumen statt. Die ländlichen Räume hinken hinterher. Sichtbare Änderungen gibt es im Bezahlverhalten von Konsumenten. Dabei hält sich der Trend zum bargeldlosen Bezahlen via Smartphone. Entsprechend sind Banken und Finanz­dienstleister Vorreiter im Bereich Digitalisierung. 

Es gibt vermehrt Angebote für Dienstleistungen im Rahmen von digitalen Vermögenswerten (Coins und Tokens). Hier sammelt sich zudem mehr Expertise in der Verwaltung, insbesondere in den Steuerbehörden. Wir gehen davon aus, dass es zu weiteren Regulierungen kommen wird.

  

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Thailand weiterentwickeln?

Die politische Lage in Thailand bleibt volatil, wobei sich die großen Proteste aus den Jahren 2020 und 2021 bisher nicht wiederholt haben. Der politische Konflikt ist letztlich im starken Ungleichgewicht von Vermögen in Thailand begründet und es zeichnet sich keine zeitnahe Lösung ab.
 
Die gesundheitspolitische Lage hingegen hat sich gut entwickelt. Nachdem es anfangs etwas gedauert hat, wurde flächendeckend Impfungen allgemein zugänglich gemacht. Impfzertifikate werden per App und mit QR-Code ausgestellt und sind im Verhältnis zu Europa problemlos einsetzbar. 
 
Wirtschaftlich wird sich Thailand erholen. Die starke Abhängigkeit von Tourismus und FDIs in Thailand hat sich aber gerade in dieser Krise fatal ausgewirkt. Gleichzeitig muss man jedoch sagen, dass Thailand versucht, mit innovativen Industrien gegen den Trend zu halten. Im Ganzen ist die Fokussierung auf Erneuerbare Energien, digitale Dienstleistungen und hochtechnologische Industrie richtig. Wir gehen davon aus, dass die Infrastruktur grundsätzlich besser werden wird. 
 
Es bleibt zu wünschen, dass eine Verbesserung der Korruptionsproblematik erreicht werden kann. Hier wurden bisher leider nur begrenzt überzeugende Konzepte präsentiert. Jedoch zeichnen sich auch erste Verbesse­run­gen ab, was sich bspw. bei der Handhabung von strafrechtlichen Fällen gegen Polizeibeamte zeigt. Für die Zukunft wird aber besonders die weltwirtschaftliche Gesamtlage entscheidend für Thailand werden. Im Zuge dessen bleibt zu hoffen, dass eine weitere Integration im Wirtschaftsraum ASEAN erreicht werden kann. Auch wäre ein zeitnaher Abschluss des FTA mit der Europäischen Union sicher förderlich. 

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Philip Ende

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