Erfolgreich investieren in Thailand

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zuletzt aktualisiert am 3. April 2019
 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Thailand ein?

Thailand ist in Südostasien aus vielen Blickwinkeln eines der wichtigsten und weitest entwickelten Länder und damit für viele ausländische Firmen als Standort in der Region interessant.

Thailands Bruttoinlandsprodukt wuchs 2018 um ca. 3,9 Prozent und blieb damit im Grunde stabil zum Vorjahres­niveau. Auch 2018 trugen Außenhandel und Tourismus wesentlich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Generell stützt sich das thailändische Wachstum weiterhin auf öffentliche Ausgaben wie Infra­struktur­maßnahmen und andere Großprojekte. Die bis dato noch aktive Militärregierung setzt nach wie vor stark auf Investitionsanreize. Insbesondere die Fördermaßnahmen für den „Eastern Economic Corridor” zeigen erste Erfolge. Seit 2017 haben sich über 1.200 Projekte für eine Förderung beworben, von denen bisher etwa 600 genehmigt worden sind. In den nächsten Jahren soll die Infrastruktur im Eastern Economic Corridor weiter ausgebaut werden, v.a. die Tiefwasserhäfen in Laem Chabang (Container) und Map Ta Phut (Petrochemie). 

Die Entwicklung und das Vermögen sind aber sehr ungleich verteilt. Im Jahr 2018 war Thailand das Land mit der weltweit ungleichsten Vermögensverteilung und hat damit China, Indien und Russland überholt.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Thailand beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Unternehmer brauchen für ihre Investitionen politische Sicherheit und flankierende Maßnahmen durch die örtliche Regierung. Ende März 2019 fanden zum 1. Mal nach 5 Jahren Militärregierung freie Wahlen statt. Auf Basis der Wahlergebnisse ist aktuell noch nicht sicher, welche der Parteien sich bei der neuen Regierungs­bildung durchsetzen können wird. Es ist jedoch wahr­schein­lich, dass das bisherige Militärregime über eine ihnen nahestehende neue Partei auch weiter Schlüsselpositionen besetzen wird. Das dürfte im Hinblick auf politische Stabilität und Kontinuität von Infrastruktur- und weiteren staatlichen Projekten eher positiv zu sehen sein. Zudem bleibt zu hoffen, dass die Gespräche zwischen der EU und Thailand über den Abschluss eines Freihandelsabkommens nun fortgesetzt werden können. Diese waren während der Phase der nicht demokratisch legitimierten Militärregierung ausgesetzt worden.


Es ist davon auszugehen, dass eine neue Regierung auch weiterhin die Digitalisierung unter dem Stichwort „Thailand 4.0” vorantreiben wird. Das „Board of Investment” fördert darüber hinaus Investitionen in Schwerpunktsektoren, wobei künftig insbesondere die folgenden Industrien gefördert werden sollen:      
  • Hochklassiger Tourismus
  • Biokraftstoffe und Biochemie
  • Lebensmittelvermarktung
  • Medizinzentren
  • Fortschrittliche Landwirtschaft und Biotechnologie
  • Luftverkehr und Logistik
  • Intelligente Elektronik
  • Roboterindustrie
  • Moderne Automobilindustrie
  • Digitale Industrie


Es bleibt abzuwarten, wie sich die Förderungen auf die Gesamtwirtschaft auswirken werden. Trotz politischer Instabilität kann davon ausgegangen werden, dass die bestehende Wirtschafts­­politik – dabei insbesondere die Förderung von Investments aus dem Ausland – auch in der Zukunft fortgesetzt werden wird.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Thailand gegenüber?

Deutsche Unternehmer müssen sich zunächst die Frage stellen, ob die jeweiligen Voraus­setzungen für einen erfolgreichen Markteintritt in Thailand sowie ggf. der ASEAN-Region vorhanden sind und wie sich ihre Ziele möglichst effektiv erreichen lassen. Der thailändische Markt ist für ausländische Investoren streng reguliert. Jedoch gibt es zahlreiche staatliche Förderungsmöglichkeiten, die eine Investition gerade in Thailand attraktiv werden lassen. Dabei gilt es, die Investitionsgesetze zu berücksichtigen und den für das eigene Unternehmen besten Zugang zum Markt zu finden. Zudem ist es für einen erfolgreichen Markteintritt notwendig, die örtliche Unternehmenskultur und deren Besonderheiten zu erkennen und zu beachten. Ebenso ist ein gewisses Maß an interkulturellen Fähigkeiten von Vorteil – im Umgang mit thailändischen Mitarbeitern, Kunden und Geschäfts­partnern ist das oft der Schlüssel zum Erfolg.
 

Wie weit ist Thailand mit der Digitalisierung?

In Thailand äußert sich die Digitalisierung in verschiedenen Bereichen. Die Politik hat den Wirt­schaftsplan „Thailand 4.0” vorgelegt, der auf die Etablierung moderner und zukunftsträchtiger Industrien in Thailand zielt. Administrativ wird darauf hingewirkt, die Kommunikation mit Behörden mehr und mehr elektronisch abzuwickeln, wobei die Umstellung Zeit in Anspruch nehmen wird. Die bisherigen Systeme leiden häufig an technischen Kinderkrankheiten. Die Digitalisierung findet v.a. in der Industrie und in den städtischen Ballungsräumen statt. In den urbanen Bereichen Thailands ist die Digitalisierung deutlich weiter voran­geschritten als auf dem Lande. Spürbare Änderungen gibt es im Bezahlverhalten von Konsumenten. Hier zeichnet sich ein Trend zum bargeldlosen Bezahlen via Smartphone ab. Entsprechend sind Banken und Finanzdienstleister Vorreiter im Bereich Digitalisierung.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Thailand weiterentwickeln?

Die politische Lage in Thailand bleibt aufgrund tief gespaltener gesellschaftlicher Lager langfristig wohl eher volatil. Dazu tragen v.a. die sehr hohen Vermögensunterschiede im Land bei – ein Trend, der sich wahrscheinlich noch verstärken wird.

Gleichwohl wächst die Wirtschaft stetig. Sollte sich die Weltwirtschaft aber abkühlen und insbesondere das chinesische Wachstum ins Stocken geraten, würde sich das auf die Wirtschaft Thailands ebenfalls auswirken. Den Prognosen nach ist mit einer Steigerung des Wirtschafts­wachstums in 2019 und in den folgenden Jahren eher nicht zu rechnen.

Thailand versucht nach wie vor, Abläufe in der Wirtschaft zu vereinfachen und steht derzeit auf Rang 27 des „Ease of Doing Business Index” (Rang 26 im Vorjahr). Einige Probleme, bspw. die Korruption, bleiben allerdings hartnäckig: eine Verbesserung im Korruptionsindex konnte nicht erreicht werden.

Mit der Förderung der eigenen Wirtschaft geht das Ziel einher, die internationale Wettbewerbs­fähigkeit des Landes zu verbessern und Thailands Führungsrolle im ASEAN-Staatenverbund weiter auszubauen. Auch wenn solche Veränderungen Zeit brauchen, sind Thailands Bemühungen um eine stabilere politische Lage und eine wachstumsstarke Wirtschaft spürbar und zeigen Erfolge. Erfreulich ist auch, dass Thailand offenbar die Chancen der Digitalisierung erkannt hat und entsprechende Förderungen anbietet. Sofern es dem Königreich gelingt, die eingeleiteten Reformen erfolgreich umzusetzen, wird sich das Geschäftsklima für europäische Investoren mittelfristig weiter verbessern.   

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