Erfolgreich investieren in der Türkei

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

  

​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Türkei ein?

Die türkische Wirtschaft verzeichnet mit dem Wertverlust der tür­kischen Lira sowie der hohen Inflation einerseits und des starken Wachstums sowie des starken Konsums andererseits einen komplexen Verlauf. Im Jahr 2018 hat die türkische Lira gegenüber dem Euro einen Wertverlust von 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und gegenüber dem US-Dollar einen Wertverlust von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erlitten. Zudem ist die Inflationsrate gegen Ende des Jahres 2018 bis auf 20 Prozent gestiegen. Auf der anderen Seite konnte der positive Trend im BIP-Wachstum beibehalten werden. So wird für das Jahr 2018 ein BIP-Wachstum von 3,5 Prozent prognostiziert. Ferner rechnet die Regierung mit einem realen Zuwachs des privaten Verbrauchs von 4 Prozent. Es wird erwartet, dass der negative Einfluss der politischen Lage auf die Wirtschaft im Jahr 2019 abnimmt und die wirtschaftliche Situation sich normalisiert.

Wie würden Sie das Investitionsklima in der Türkei beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die politische Lage in der Türkei führt bei ausländischen Investoren zu Verunsicherungen. Doch die Türkei bleibt für ausländische Investoren nach wie vor attraktiv.
 
Die Regierung investiert fortwährend v.a. in den Ausbau der Infrastruktur. Aktuell laufen sehr große Infra­struktur­projekte wie der neue Flughafenbau in Istanbul und Hochgeschwindigkeitszug-, U-Bahn-, Brücken- und Tunnelbau am Bosporus und in den Dardanellen. Durch diese Projekte steigt der Bedarf an Maschinen wie Baggern, Kränen oder Umschlagmaschinen.

Potenzial ist auch nach wie vor im Energiesektor (Geothermie, Windkraft, Solarenergie, Bioenergie und Wasserkraft) vorhanden. Die Automobil- und Textilindustrie, der Maschinenbau-, Chemie- und Dienstleistungs­sektor und die Logistik, der gesamte Hightech-Bereich, die Telekommunikationstechnologie und Elektronik weisen ebenfalls großes Potenzial auf.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in der Türkei gegenüber?

Deutsche Unternehmen müssen sich v.a. folgenden Herausforderungen stellen:
 
  • dem Aufbau vertrauensvoller Partnerschaften,
  • rechtlichen und steuerlichen Aspekten,
  • politischer Ungewissheit und
  • bürokratischen Hürden.


Die hohe Inflation und die schwache türkische Lira belasten insbesondere die auf den Binnenmarkt ausgerichteten Unternehmen. Den schwierigen Rahmenbedingungen des Binnenmarktes begegnete die Industrie mit einer Zunahme der Exporterlöse, der Währungsschwäche mit einer Erhöhung der lokalen Wertschöpfungstiefe.

Ist derzeit für Investoren in der Türkei Zurückhaltung geboten?

Die türkische Wirtschaft birgt weiterhin großes Potenzial. Eine erfolgreiche Wirtschaft, qualifizierte und wettbewerbsfähige Arbeitskräfte, eine gute Infrastruktur sowie eine zentrale Lage zwischen Europa und Asien, ein großer Binnenmarkt sowie viele andere Faktoren wecken das Interesse vieler Investoren nach wie vor.

Zudem wurden staatliche Investitionsprogramme speziell zur Anregung von Investitionen entworfen. So können Investoren z.B. von der Mehrwertsteuerbefreiung, Zollbefreiung, Prämienunterstützung (Arbeitgeber­anteil), Zinszuschüssen und Flächenallokation Gebrauch machen.

Vor einer geplanten Investition sollte man sich allerdings fachmännisch beraten lassen. So ist den Investoren aufgrund der politischen Stimmung noch etwas Vorsicht geboten.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Türkei weiterentwickeln?

Die ermutigenden Wachstumszahlen und der positive Ausblick auf das Jahr 2019 lassen annehmen, dass sich die Türkei positiv weiterentwickeln wird. Auch ist davon auszugehen, dass sich die politische Lage nach den Kommunalwahlen 2019 wieder stabilisieren wird. Die Türkei wird als Bindeglied zwischen Ost und West konkurrenzfähig bleiben.

 
 

 Kulturelle Besonderheiten in der Türkei

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Prof. Dr. Metin Sagmanli

Auditor (Türkei), Tax Consultant (Türkei)

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