Erfolgreich investieren in Vietnam

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

  

​​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Vietnam ein?

Die Sozialistische Republik Vietnam hat in den letzten 30 Jahren eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung hingelegt. Die Reformen unter Doi Moi, die im Jahre 1986 eingeleitet wurden, haben das schnelle Wirtschafts­wachstum und die Entwicklung vorangetrieben und Viet­nam von einem der ärmsten Länder der Welt in ein Land mit einem stetig wachsenden Einkommens­mittelwert verwandelt.
 
Seit dem Beitritt zur WTO im Jahre 2007 ist die wirtschaftliche Lage des Landes kontinuierlich und stark gewachsen, wenn auch das hohe Wachstum in den Jahren 2011 und 2012 leicht zurückgegangen ist. Seit den letzten Jahren kann jedoch wieder ein deutlicher wirtschaftlicher Aufschwung bemerkt werden. Der von der europäischen Handelskammer herausgegebene Investitionsindex liegt für das Jahr 2017 mit 84 von 100 Punkten nach wie vor auf einem außergewöhnlich investitionsfreundlichen Niveau.

 

Wie würden Sie das Investitionsklima in Vietnam beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Vietnam versucht sich stetig zukunftsorientierter aufzustellen. Mit zügigen und transparenten Investitionsabwicklungen birgt die liberale Marktwirtschaft v.a. in den Branchen Erneuerbare Energien, High Tech und IT ein großes Potenzial für ausländische Investoren, insbesondere durch die steuerfreundliche Politik. Vietnam bietet durch seine stark wachsende Mittelschicht und eine hohe Anzahl an Konsumenten eine gute Grundlage für ausländische Investoren. Der Fokus auf traditionelle agrar- und arbeitnehmerintensive Industrien, wie Textil- und Holzindu­strien, ist noch vorhanden, verschiebt sich aber gegenwärtig.

Der Bereich der Erneuerbaren Energien ist in Vietnam sehr unterentwickelt – das Land hat das erkannt und versucht sich dabei zukunftsorientierter aufzustellen. Vietnam sollte in dem Bereich im Auge behalten werden.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Vietnam gegenüber?

Einer Reihe von Herausforderungen stehen deutschen Unternehmen, die in Vietnam investieren, gegenüber: Von infrastrukturellen Problemen, wie dem unterentwickelten Straßennetz, bis hin zur Korruption. Die widersprüchliche Gesetzgebung und ineffiziente Bürokratie bleiben nach wie vor ernsthafte Probleme, mit denen Vietnam zu kämpfen hat.
 
Dank verschiedener Freihandelsabkommen wurden die Zollbestimmungen deutlich verringert. Zollrelevante Abwicklungen bleiben aber in weiten Teilen intransparent.

Auf dem Transparency International Korruptionsindex ist Vietnam zuletzt weiter abgerutscht und belegt mit 117 jetzt einen der hintersten Plätze in der Region. Für ausländische Investoren ist es aber möglich, alle gewünschten Prozesse transparent darzustellen. Bei komplexen Vorgängen sollte aber Zeit eingeplant werden.


Wie weit ist der Vietnam mit der Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist in Vietnam bei Geschäftsabwicklungen und behördlichen Vorgängen kein sehr relevantes Thema. Es gibt eine Reihe von Vorgängen, die sich behördenseitig schon digital darstellen lassen, das ist aber nach wie vor eher eine Ausnahme.

Die Bevölkerung selbst ist im digitalen Zeitalter angekommen. Smartphones bestimmen das Straßenbild, Bankvorgänge und andere Dinge des täglichen Lebens werden digital abgebildet. Applikationen können als zentrale Mittel zur Durchführung von Zahlungen genutzt werden. Dabei verfolgt Vietnam aber gegenwärtig noch keine mit China vergleichbare Politik, die den Zugang der Bevölkerung zu bestimmten Dienstleistungen einschränkt – in Vietnam sind alle frei erreichbar.


Wie wird sich Vietnam aus Ihrer Sicht weiterentwickeln?

Trotz vermerkbarer Defizite in den Bereichen Gesetzgebung, Regulierungen, Bürokratie, Korruption sowie auch interner Prozesse und einer durchschnittlichen Infrastruktur entwickelt sich Vietnam stetig positiver. Der Sozialismus prägt weiterhin die stabile politische Landschaft des Landes und die wirtschaftliche Lage ist am Aufblühen. Noch bestehende Mängel werden nach und nach abgebaut, um das Land insbesondere für ausländische Investoren noch attraktiver zu machen.
 
Vietnam wird nach wie vor stark an der Entwicklung der Industrie und in Richtung der Moderni­sierung, Effektivität und Nachhaltigkeit des Landes arbeiten, um eine höhere Wettbewerbs­fähigkeit als Grundlage eines Industrielandes zu schaffen.
 
Das politische System ist belastbar und berechenbar. Verabschiedete Richtlinienvorgaben werden verfolgt.


 

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Stefan Ewers

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