Erfolgreich investieren in Portugal

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019


Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Portugal ein?

Bei der Beurteilung der aktuellen portugiesischen Wirtschaft sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Erstens wird nach Schätzungen der Europäischen Kommission erwartet, dass das BIP Portugals nicht mehr so schnell wächst wie in den letzten Jahren und sich auf 1,8 Prozent im Jahr 2019 und 1,7 Prozent im Jahr 2020 abschwächen wird. Gründe dafür sind die wirtschaftliche Situation, die Unsicherheit der Auslandsmärkte und eine Abschwächung des Außenhandels. Es ist auch zu erwarten, dass die Schaffung von Arbeitsplätzen nicht so aktiv betrieben werden wird wie in den Vorjahren. Das liegt nicht unbedingt an geringeren Investitionen, sondern an einer voraussichtlichen Verbesserung der Arbeitsproduktivität.

Dagegen gibt es einige Faktoren mit sehr positiven Prognosen. Trotz einer gewissen Verlang­samung blieb das Wachstum des privaten Konsums stark; das gesamtstaatliche Defizit dürfte unter 1 Prozent bleiben und die Bruttoschuldenquote des Staates wird weiter sinken.

Im Hinblick auf die Investitionsprognosen ist damit zu rechnen, dass sich die Investitionen u.a. durch die erhöhte Absorption von EU-Mitteln leicht beschleunigen werden und dass die Inflationsrate im Jahresvergleich trotz steigender Energiepreise mit 1,6 Prozent in den Jahren 2019 und 2020 relativ niedrig bleiben wird.

Im Allgemeinen ist festzustellen, dass die Wirtschaftslage in Portugal im Jahr 2019 stabil bleiben wird. Es müssen aber die Auswirkungen des Exportrückgangs, die Volatilität der für die portugiesische Wirtschaft grundlegenden Auslandsmärkte – wie die des Vereinigten Königreichs – und die vor den Ende des Jahres stattfindenden Wahlen durchzuführenden Gesetzesreformen berücksichtigt werden.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Portugal beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Sowohl das Vertrauen der Unternehmen als auch der Verbraucher bleibt auf einem vergleichs­weise hohen Niveau. Das ist nicht nur auf die wirtschaftliche Erholung der letzten Jahre, auf den Vormarsch auf dem Arbeitsmarkt und damit auf den Rückgang der Arbeitslosenquote zurückzu­führen, sondern auch auf die unterschiedlichen steuerlichen und finanziellen Anreize zur Förde­rung ausländischer Investitionen, wie das Goldene Visum und das Non-Habitual Resident System.

Nach Angaben der OECD wurde und wird das Wachstum der privaten Investitionen voraus­sichtlich weiterhin durch die Ausgaben für Maschinen und Ausrüstungen unterstützt und der Fahrzeugbau zeigt deutliche Anzeichen einer erhöhten Kapazitätsauslastung. Die Informationen werden vom Verband AFIA gestützt, der laut GTAI bestätigte, dass die 230 portugiesischen Automobilzulieferer 2018 einen Rekordumsatz im Wert von schätzungsweise 11 Mrd. Euro erzielten. Die Exporte in dem Bereich stiegen um rund 7 Prozent und mehrere Investoren setzen ihre Projekte im Land fort – z.B. Renault, TMG, Hanon Systems etc.

Ein weiterer Sektor mit großem Potenzial sind die Erneuerbaren Energien. Im Jahr 2018 erreichte das Land einen Stromverbrauch von 55 Prozent aus erneuerbaren Quellen und die Projekte in dem Bereich entwickeln sich weiterhin mit sehr positiven Prognosen. So wird bspw. der Bau eines riesigen Wasserkraftwerks bis 2023 erwartet und Solarenergieprojekte boomen. Nach Angaben des GTAI sind im September 2018 81 neue Anträge mit insgesamt 1.700 Megawatt bei der Regierung eingegangen. Darüber hinaus entwickelt sich auch der Bau- und Immobiliensektor in Portugal positiv und hat gute Aussichten für die kommenden Jahre, wobei der Wohnungsbau der wichtigste Treiber ist.

Schließlich ist es wichtig, die Abwassertechnologien sowie die Abfallwirtschaft anzuführen. Dabei handelt es sich um einen der Sektoren mit der größten aktuellen Nachfrage im Land und dem größten Finanzier­ungs­bedarf. Nach Angaben des GTAI werden 460 Mio. Euro benötigt, um der Abwasserrichtlinie nachzukommen, sodass eine der Prioritäten des Plans der portugiesischen Regierung bis 2030 darin besteht, Investitionen in die Abfallwirtschaft und den städtischen Wasserkreislauf anzuziehen.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Portugal gegenüber?

Der portugiesische Markt ist nach wie vor sehr attraktiv für deutsche Investoren und einer der besten Märkte innerhalb der Europäischen Union. In den letzten Jahren haben die deutschen Investitionen im Land zugenommen und damit auch das Wissen und die Vertrautheit der deutschen Unternehmer mit den regulatorischen Rahmenbedingungen, dem Unternehmensumfeld und der portugiesischen Kultur. Die größte Herausforderung ist jedoch immer noch das Wissen über Regulierung und Geschäftskultur. Darüber hinaus stellen externe Unsicherheiten und geopolitische Spannungen zwischen den wichtigsten portugiesischen Handelspartnern sowohl eine Herausforderung als auch ein aktuelles Risiko dar.

Portugal könnte die direkten negativen Auswirkungen des geringeren Wachstums im gesamten Euroraum, der Brexit-Turbulenzen und der jüngsten politischen und sozialen Umwälzungen in Frankreich und Italien spüren. Das könnte die prognostizierte Konjunkturabschwächung in Portugal verschärfen und Unsicherheit für deutsche Investoren entstehen lassen.


Welche Bedeutung hat die „Seidenstraße” für die portugiesische Wirtschaft?

Der öffentliche Wille der portugiesischen Regierung zur Mitarbeit an diesem Megaprojekt steht in direktem Zusammenhang mit der aktuellen Wirtschaftslage und dem Interesse Portugals. Wie bereits erwähnt, haben die Auswirkungen von Brexit und die Verlangsamung der Wirtschaft in Europa dazu geführt, dass Länder wie Portugal ihre Bemühungen auf die Konsolidierung der Handelsbeziehungen mit neuen Märkten konzentrieren und China steht im Mittelpunkt des Interesses.

Portugal hat eine langjährige Beziehung zu China und ist zu einem wichtigen Empfänger chinesischer Investitionen in Europa geworden. Zwischen 2010 und 2016 stiegen die chine­sischen ausländischen Direktinvestitionen auf 5,7 Mrd. Euro und erreichen nun 9 Mrd. Euro in einer Vielzahl von Sektoren – wie Elektrizität, Öl, Verkehr, Finanzdienstleistungen und Immobilien.

Mit der zwischen den beiden Ländern unterzeichneten Absichtserklärung baut Portugal die Finanzier­ungs­strategie für seine transkontinentale Infrastruktur aus und nutzt sein geographi­sches Potenzial als grundlegender Knotenpunkt, der die Seidenstraße und die maritime Seidenstraße verbindet. Wirtschaftlich wird prognostiziert, dass der Tiefwasserhafen „Sines” durch das Projekt zu einem transatlantischen Logistik­drehkreuz wird. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass die chinesischen Investitionen in Portugal weiter steigen und dass sich auch die weitere Zusammenarbeit in Bereichen wie Automobil, Erneuerbare Energien, Infrastrukturfinanzierung usw. verstärkt.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Portugal weiterentwickeln?

Die portugiesische Wirtschaft wird weiterhin Investoren anziehen, insbesondere aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Immobilien und Automobil. Angesichts der Verlangsamung der europäischen Wirtschaft ist zu erwarten, dass Portugal seine Handelsbeziehungen in verschiedenen Regionen – insbesondere in der portugiesischsprachigen Welt wie Brasilien, Mosambik und Angola, aber auch mit China, Lateinamerika und Nordafrika – weiter ausbauen wird.
 
In der Innenpolitik wird von der portugiesischen Regierung erwartet, dass sie ihren rechtlichen und institutionellen Rahmen weiter verbessert, um ausländische Investitionen anzuziehen und eine produktivere Verteilung der wirtschaftlichen Ressourcen zu erzielen. Das, um die Schulden­erfüllung zu erhöhen und das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts bis 2020 zu erreichen.


 

 Kontakt

Contact Person Picture

Dr. Susana Campos Nave

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Strafrecht

Senior Associate

+49 30 8107 9539
+49 30 8107 9543

Anfrage senden

Profil

Contact Person Picture

Grit Campos Nave

Dipl.-Betriebswirtin (FH), Dipl.-Finanzierungs- und Leasingwirtin (VWA), Länderkoordinatorin

+49 6196 7611 4722
+49 6196 7611 4704

Anfrage senden

 Wir beraten Sie gern!

 

Verpassen Sie kein Themenspecial mit unserem Unternehmerbriefing!

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu