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Erfolgreich investieren in Portugal

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 5 Minuten

Autoren: Filipe Lobo d’Avila | André Rodrigues Barbosa


 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Portugal ein?

Neben der öffentlichen Gesundheit, die uns alle betrifft, ist die wirtschaftliche Situation die Hauptsorge der EU-Bürger; Portugal ist da keine Ausnahme.

Die Wirtschaft des Landes hat in den letzten zehn Jahren große Veränderungen durchgemacht, befand sich aber vor dem Ausbruch der Pandemie in einer sehr günstigen Phase. Wie in vielen anderen Ländern hatte die Lähmung negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, die einige Zeit brauchen wird, um sich vollständig zu erholen. Die Prognosen sind jedoch angesichts des globalen Krisenszenarios positiv.

Es ist sicher, dass die Pandemie einen allgemeinen Einfluss auf die nationale Wirtschaft hatte, jedoch ist es unbestreitbar, dass einige Sektoren stärker betroffen waren als andere. Unter den verschiedenen Bereichen stechen der Tourismus und der Handel hervor.

Der Tourismus, der bis 2019 ein starkes Wachstum verzeichnete, wurde hart getroffen. Die Bank von Portugal hat schnelle Schätzungen der Ergebnisse für Januar 2021 veröffentlicht, die auf eine neue Kontraktion der touristischen Aktivität hindeuten, aufgrund neuer Beschränkungen, die von den Regierungen verschiedener Länder erlassen wurden. Im Januar 2021 zeigt der vorläufige Indikator des Reiseverkehrs einen Rückgang von 64 Prozent bei den Exporten und 57 Prozent bei den Importen im Vergleich zum Januar 2020 an, womit sich die seit März 2020 verzeichneten Rückgänge fortsetzen.

Auf der kommerziellen Seite fielen die Einzelhandelsumsätze im April um 21,6 Prozent im Vergleich zum gleichen Monat im Jahr 2019. Mit Ausnahme von Lebensmitteleinzelhändlern wie Supermärkten dürfte der Sektor auch in den kommenden Monaten die Auswirkungen spüren.

Die Covid-19-Pandemie stellte die portugiesische Wirtschaft und die wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsträger vor enorme Herausforderungen.  Die Krise kann jedoch als Katalysator angesehen werden, um neue Lösungen und Möglichkeiten zu finden.

Es gibt mehrere Herausforderungen, die Portugal überwinden muss, von denen der Mangel an Kapital hervorgehoben werden kann. Das Land muss in der Lage sein, ausländisches Kapital zur Finanzierung der Reindustrialisierung anzuziehen, was attraktive und stabile steuerliche sowie regulatorische Bedingungen erfordert.

Im Laufe seiner langen Geschichte hat Portugal mehrere Wirtschaftskrisen durchlebt und wusste immer, wie man aus Schwierigkeiten herauskommt. Dieses Mal kann es nicht anders sein.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Portugal beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Im Jahr 2019 zog Portugal 9,2 Mrd. Euro an ausländischen Direktinvestitionen an. Der Dienstleistungssektor, insbesondere die portugiesische Tourismusindustrie, diente als Motor der wirtschaftlichen Erholung, während Textilien, Schuhe und die Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette aufstiegen und im letzten Jahrzehnt stärker exportorientiert wurden. Der Automobilsektor, zusammen mit der Schwerindustrie, Technologie, Landwirtschaft, Bauwesen und Energie bleiben einflussreiche Cluster.

Gegenwärtig verfügt Portugal über eines der dynamischsten unternehmerischen Ökosysteme in Europa, was auf die Investitionen des letzten Jahrzehnts in Humanressourcen, Infrastruktur und technologische Qualifizierung zurückzuführen ist, die große Chancen für diejenigen bieten, die neue Unternehmen gründen oder in sie investieren möchten.

Mit den Auswirkungen der Pandemie wurde es für die Staaten dringend notwendig, Kapital in die Wirtschaft zu pumpen, indem sie die öffentlichen Investitionen und die öffentlichen Ausgaben erhöhen. Etwas, das in der Situation absolut sinnvoll ist und die Folgen der Staatsverschuldung in den Hintergrund treten lässt, da die Dringlichkeit darin besteht, der Wirtschaft zu helfen, wieder in Schwung zu kommen.  

Sektoren wie Immobilien, Technologie und Innovation, E-Commerce und die grüne Energie werden in den kommenden Jahren sicherlich die Bereiche mit dem größten Wachstumspotenzial sein.

Trotz der durch die Pandemie verursachten Situation bleiben Umweltbelange auf der Tagesordnung. Laut einer Umfrage im Juni sind 76 Prozent der Portugiesen weiterhin um den Schutz der Umwelt besorgt. Die Daten zeigen, dass selbst angesichts der Gesundheitskrise und einer Wirtschaftskrise 74 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass die Sorge der Gesellschaft um den Klimawandel bestehen bleibt, während 23 Prozent davon ausgehen, dass sie sogar noch zunehmen könnte.

Eine der sechs Prioritäten der Europäischen Kommission für den Zeitraum 2019 bis 2024 ist es, die EU-Wirtschaft nachhaltig zu gestalten, indem die Ressourceneffizienz durch den Übergang zu einer sauberen und kreislauforientierten Wirtschaft gesteigert, die biologische Vielfalt wiederhergestellt und die Umweltverschmutzung reduziert wird (Europäischer Grüner Pakt).

Unternehmen haben dabei die Chance, ihre Rolle als Transformationsagenten zu stärken und sich strategisch im Sinne eines nachhaltigen Wachstums zu positionieren. Dazu müssen Unternehmen ihren Zweck ausrichten, indem sie ihr Geschäftsmodell für den Übergang zu einer grünen, zirkulären und kohlenstoffneutralen Wirtschaft anpassen.

Die Digitalisierung der Wirtschaft bringt disruptive Transformationen auf der Ebene der Geschäfts-, Betriebs- und Kundenbeziehungsmodelle mit sich. Die Transformationen ergeben einzigartige Chancen für Unternehmen, sich als Pioniere in der Wirtschaft der Zukunft zu positionieren, von neuen Angeboten zu profitieren und neue Märkte zu erobern. Die digitale Transformation der Wirtschaft wird große inkrementelle Produktivitätsvorteile mit sich bringen, die gut kapitalisiert portugiesische Unternehmen in eine vorteilhaftere Wettbewerbsposition gegenüber der Außenwelt bringen werden.

Trotz der Krise, die durch die Pandemie verursacht wurde, blickt Portugal recht zuversichtlich in die Zukunft. Es gibt ein gutes Umfeld im Land und den Willen, die Ressourcen zu nutzen, Arbeitsplätze zu schaffen und Investitionen anzuziehen.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Portugal gegenüber?

Die Pandemie hat einen großen Einfluss auf die globale und europäische Wirtschaft. Laut den Wirtschaftsprognosen der Europäischen Kommission vom Herbst 2020 wird die Wirtschaft der Europäischen Union im Jahr 2020 um 7,4 Prozent schrumpfen, bevor sie sich im Jahr 2021 um 4,1 Prozent erholt.
 
Die portugiesische Wirtschaft ist zwangsläufig sehr abhängig von externen Märkten und Volkswirtschaften, und aus der Perspektive wird die große Herausforderung für Portugal die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und des Mehrwerts seiner Unternehmen sein.

Eine der Herausforderungen für die Unternehmen besteht darin, die produktiven Investitionen zu erhöhen, und zwar vor dem Hintergrund einer hohen Verschuldung im Vergleich zum Potenzial für die Schaffung von Wohlstand. Das erfordert eine effizientere und effektivere Nutzung der verfügbaren knappen Ressourcen.


Portugal will während seiner EU-Präsidentschaft auf die Unterzeichnung des Handelsabkommens Mercosur (EU mit Lateinamerika) drängen. Welche Chancen ergeben sich?

Es läuft ein Dialog über die Stärkung der Zusammenarbeit in Bezug auf die Dimension der nachhaltigen Entwicklung des Abkommens unter Berücksichtigung der Umsetzung des Pariser Abkommens und der Frage der Entwaldung.

Das Handelsabkommen, das im Juni 2019 zwischen der EU und den Mercosur-Ländern (Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay) nach zwei Jahrzehnten Verhandlungen erreicht wurde, befindet sich derzeit in der Phase der Übersetzung und der rechtlichen Überprüfung, an deren Ende, mit einer politischen Zustimmung der 27 Länder, die Länder beider Blöcke es ratifizieren müssen.

Die portugiesische Präsidentschaft der Europäischen Union betrachtet das Handelsabkommen, das die Union mit dem Mercosur unterzeichnet hat, als von grundlegender strategischer, geopolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung für die Europäische Union. Die Absicht der Präsidentschaft ist es, auf den Abschluss des Abkommens hinzuarbeiten, das unbedingt von allen 27 Ländern ratifiziert werden muss, u.a. um die Glaubwürdigkeit Europas in den laufenden Verhandlungen mit anderen Partnerschaften zu wahren.

In dem Zusammenhang ist das Abkommen mit dem Mercosur  in erster Linie kein Wirtschaftsabkommen, obwohl es das wichtigste Wirtschaftsabkommen ist, das Europa abschließen kann. Es ist vielmehr ein Abkommen für Europas Geopolitik, denn in der neuen globalen Welt darf der Atlantik nicht an Bedeutung verlieren, während sich die neue Zentralisierung der Welt auf den Indo-Pazifik konzentriert.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Portugal weiterentwickeln?

Portugal ist und bleibt ein aufstrebender Markt mit guten Perspektiven. Während die alten Industrien florieren, stellen gleichzeitig die Technologiehubs in Lissabon (als Standort der digitalen Welt Europas) und Porto die Weichen für die Zukunft.

Da ein wesentlicher Teil der Wirtschaftsleistung mit dem Tourismus zusammenhängt, wird sich zeigen, wie sich die weltweite Krise im Tourismussektor auf Portugal auswirken wird.

Zudem wird zu bewerten sein, welche Wirkung der BREXIT auf die portugiesische Wirtschaft und auf das Verhalten deutscher Investoren zeigen wird.

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Dr. Susana Campos Nave

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Strafrecht

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