Unternehmensrefinanzierung – Schwerpunkte und Bedeutung von Transaktionsdienstleistungen

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zuletzt aktualisiert am 16. November 2022 | Lesedauer ca. 4 Minuten


Refinanzierung ist der Prozess, in dessen Rahmen sich Unternehmen frisches Kapital beschaffen, indem sie bestehende finanzielle Verpflichtungen durch neue Verträge mit aktualisierten Bedingungen, d.h. Darlehensbeträgen, Zinssätzen oder Zahlungsplänen, ersetzen. Meistens wird die Refinanzierung genutzt, um entweder bessere Finan­zie­rungsbedingungen aufgrund besserer Kreditwürdigkeit bzw. reduzierte Zinssätze zu erhalten oder um Kapital für die Betriebstätigkeit (z.B. Finanzierung von Working Capital) und für Investitionen (z.B. M&A oder Wachstumsprojekte) zu beschaffen.


 


Die Refinanzierung kann aber auch eine wichtige Liquiditätsquelle in Zeiten sein, in denen Einnahmen und liquide Mittel wegen externer Schocks geringer als üblich sind. Diese Option ist in der aktuellen Zeit umso bedeutender, in der sich der Ausbruch der Covid-19-Pandemie und der daraus folgende Lockdown in vielen Branchen (z.B. Automotive, Luftfahrttechnik, Gastgewerbe) auf die Nachfrage negativ ausgewirkt haben. Ein Nachteil der Refinanzierung in solchen Zeiten besteht darin, dass die Bedingungen und Klauseln (z.B. Covenants) in den neuen Darlehensverträgen wahrscheinlich strenger sein werden, da die Unsicherheit der zukünftigen Kapitalflüsse und das Ausfallrisiko zunehmen.

Ungeachtet der Gründe für die Wahl der Refinanzierung ist es das vorrangige Ziel im Refinanzierungsprozess, die Wahrscheinlichkeit der Finanzierung zu angemessenen Bedingungen zu erhöhen. In dieser Hinsicht ist die Wahl eines kompetenten Transaktionsberaters von enormer Bedeutung, weil seine Erfahrung und Anleitung in jeder Phase des Refinanzierungsprozesses einen Mehrwert liefert.


Der Refinanzierungsprozess

Der typische Refinanzierungsprozess besteht bei Unternehmen aus den folgenden vier Phasen:

  1. Bewertung: Analyse des internen (Wirtschaftlichkeit, Liquidität und Investitionen) und externen (Kredit­ra­ting, Zinssätze, Schocks) Umfelds zwecks Ermittlung des Kapitalbedarfs durch Refinanzierung;
  2. Vorbereitung: Wahl der Corporate Finance und Transaktionsberater, Zusammenstellung und Analyse der Daten für die Entwicklung der Credit-Story und des Business Cases sowie Festlegung der Due Diligence Schwerpunkte (finanzielle, kommerzielle, technische Due Diligence, usw.);
  3. Umsetzung: Kontaktaufnahme mit potenziellen Kreditgebern, Bereitstellung von Informationen (einschließ­lich Business Plan, Due Diligence Berichte) und Q&A-Runden mit potentiellen Interessenten;
  4. Closing: Verhandlung und Abschluss des Refinanzierungsprozesses.

 


Schwerpunkte

Ein klarer Fokus während jeder Phase unterstützt das effiziente Management des Refinanzierungsprozesses, da dies nicht nur zu niedrigeren (internen und externen) Kosten führt, sondern auch die Chancen für die Zusage angemessener Finanzierungsbedingungen erhöht.

Während der Bewertungsphase ist es wichtig, die Ressourcen entsprechend zuzuweisen, indem das externe und interne Umfeld sowie dessen Auswirkung auf die Liquidität mithilfe umfangreicher KPIs effektiv und dauerhaft überwacht werden. Die Zurückhaltung, diese Aufgabe anzugehen, kann zu einer verzögerten Re­ak­tion auf Liquiditätsprobleme führen, was in der Folge einen Restrukturierungsprozess oder sogar Zahlungs­ausfall nach sich ziehen kann.

Die Zusammenstellung und Aufbereitung der finanziellen und nicht-finanziellen Daten ist äußerst wichtig, um einen zuverlässigen Informationsfluss während der Vorbereitungsphase zu gewährleisten, weil diese Infor­ma­tionen die wesentliche Basis für die Analyse zur Entwicklung der Credit-Story und des Business Case dar­stellen. Unstimmigkeiten zwischen Datenquellen und das Nichtberücksichtigen von nicht-finanziellen KPIs können zu ungenauen Finanzkennzahlen und Annahmen im Business Plan führen. Damit sind wir bei dem nächsten wichtigen Schritt der Vorbereitungsphase angelangt, d.h. der Entwicklung der Story, mit der die Gesellschaft ihre potenziellen Finanzierungspartner ansprechen will. Die Kernaussagen müssen durch die finanziellen Analysen unterstützt werden und den Grund für die Refinanzierung klar darstellen (d.h. bessere Kreditwürdigkeit, Investitionen in Wachstum oder reduzierte Liquidität). In dieser Phase des Prozesses muss man die Daten aus der Perspektive der Gläubiger betrachten und erklären, warum diese das Unternehmen bei der Refinanzierung unterstützen sollten.

In der Umsetzungsphase richtet sich der Hauptfokus auf die Bereitstellung aller notwendigen Informationen an die interessierten Parteien, damit diese eine bewusste Entscheidung treffen können. Dies umfasst auch Q&A-Runden mit den potentiellen Finanzierungspartnern, um auf Fragen einzugehen, die diese bezüglich der Finanzlage der Gesellschaft haben könnten.


Bedeutung eines Transaktionsberaters

Der Refinanzierungsprozess kann langwierig sein und viele Hindernisse für das Unternehmen beinhalten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass ein kompetenter Transaktionsberater dem Unternehmen während des gesamten Prozesses zur Seite steht.

Während der Vorbereitungsphase wird das Transaktionsteam – dank seinem Fachwissen und der Erfahrung bei der Organisation solcher Prozesse – das Unternehmen bei der Zusammenstellung, Aufbereitung und Abstim­mung der finanziellen und nicht-finanziellen Daten aus vielen Quellen unterstützen. Dies trägt vor allem zu der Steigerung der Prozesseffizienz und der Konsistenz der Informationen bei. Außerdem analysiert und visualisiert der Transaktionsberater bei der Entwicklung der Credit-Story nicht nur die Daten, sondern schafft auch Mehr­wert, indem er die Botschaft, die das Unternehmen den Investoren kommunizieren will, entsprechend durch die Analysen untermauert. Der Mehrwert besteht in der Überprüfung, ob die Annahmen im Business Plan plausibel sind und in der Analyse der finanziellen Themen, die für die potenziellen Finanzierungs­partner von signifikanter Bedeutung sind, z.B. bereinigtes EBITDA, Free Cashflow und Working Capital. Im Endergebnis wird der Trans­aktionsberater (durch eine Financial Due Diligence) die Refinanzierung des Unternehmens unterstützen und verfeinern, indem er die Bedürfnisse der Finanzierungspartner antizipiert.

 
In der nächsten Phase – der Umsetzung – wird die Erfahrung der Transaktionsberater nützliche Erkenntnisse während der Q&A-Runden liefern. Da die Transaktionsberater über Fachwissen auf beiden Seiten der Trans­ak­tion verfügen, können sie die Themen, die für die Finanzierungspartner von Bedeutung sind, antizipieren und entsprechend im Rahmen des Refinanzierungsprozesses aufbereiten. Dies erweist sich vor allem für die nächste Phase als vorteilhaft, weil es die Grundlagen für die Verhandlungen liefert.

Schließlich bietet das Transaktionsteam (indirekte) Unterstützung auch nach dem Abschluss des Refinan­zie­rungs­prozesses. Die Unternehmen werden von den Erkenntnissen profitieren, die ihnen die Transaktions­berater während des vorausgegangenen Refinanzierungsprozesses übermittelt haben. Zukünftig werden die Unter­neh­men wissen, worauf sie sich bei der Analyse der entsprechenden KPIs konzentrieren müssen und welche dies sind, welche Aspekte und Daten für die Finanzierungspartner wichtig sind und wie sich die Effizienz zukünf­tiger Finanzierungsinitiativen steigern lässt um somit auch die anfallenden Kosten minimieren zu können.


Fazit

Das wichtigste Ziel des Unternehmens bei einem Refinanzierungsprozess ist die Erhöhung der Wahrschein­lichkeit, eine Refinanzierung zu angemessenen Bedingungen zu erhalten. Da der Weg zur Refinanzierung zu einer Herausforderung werden kann, kann die Wahl des Transaktionsberaters von größter Bedeutung für das Ergebnis des Refinanzierungsprozesses sein. Ein kompetentes Team von Transaktionsberatern bereitet nicht nur die Financial Due Diligence vor, sondern hilft bei der Entwicklung und Verfeinerung der Credit-Story des Unternehmens, indem es einen Outside-In-Ansatz bei der Analyse des Unternehmens verwendet, der die Bedürfnisse der Finanzierungspartner berücksichtigt, sodass diese eine fundierte Entscheidung treffen können.

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