Thailand: Pulsierender Wirtschaftsmotor ASEANs

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 zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2019 | Lesedauer ca. 4 Minuten


Thailand nimmt im ASEAN-Staatenbund eine Sonderrolle ein. Es gilt im Vergleich mit dem Großteil der ASEAN-Staaten als eine der stärksten und am weitesten entwickel­ten Wirtschaften. Die gute Ausgangslage der thailändischen Wirtschaft relativiert das vergleichsweise niedrige Wirtschaftswachstum von ca. 2,6 Prozent, denn das Land im Herzen der ASEAN-Region punktet mit neu gewonnener politischer Stabilität, einer guten Infrastruktur und den starken Bemühungen seitens der Regierung, den Markt­eintritt für ausländische Unternehmen attraktiver und einfacher zu gestalten.



ASEAN ist als Investitionsstandort in aller Munde – Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Thailand ein?

Thailand stellt aufgrund seiner geografischen Lage im Zentrum von ASEAN, der vergleichsweise guten Infra­struktur, starken Industrie- und Servicesektoren und einer hohen Binnennachfrage für ausländische Investoren einen attraktiven Wirtschaftsstandort dar. Durch die Wahlen Anfang 2019 hat sich zudem die politische Situation im Land weiter gefestigt.

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hat sich zwar in der jüngeren Vergangenheit etwas abgeschwächt, verbleibt jedoch auf einem positiven Niveau. Mit einer nunmehr auf 2,6 Prozent prognostizierten BIP-Steigerung ist Thailand im Vergleich zu seinen Nachbarländern beim Wirtschaftswachstum eher im hinteren Feld ange­siedelt – das ist jedoch in Relation zur bereits recht starken Ausgangslage zu sehen.

Thailands Währung gilt regional als sicherer Hafen, die daraus bereits langjährig resultierende Verteuerung des Thai Baht gegenüber dem US-Dollar und Euro hat sich in 2019 nochmal deutlich verstärkt, was sich im Exportsektor sowie in der Tourismusbranche zunehmend bemerkbar macht. Als Reaktion darauf ist bereits die zweite Leitzinssenkung in 2019 auf nunmehr 1,25 Prozent erfolgt, von der Experten allerdings nur wenig Erleichterung erwarten.


Werfen wir einen Blick auf die Chancen – Welche Branchen profitieren aktuell und welche Trends zeichnen sich bereits für die kommenden Jahre ab?

Aktuell profitieren in Thailand u.a. Unternehmen, die im Bereich Infrastrukturausbau tätig sind – etwa in den zahlreichen Projekten insbesondere in der Metropolregion Bangkok sowie im „Eastern Economic Corridor” (EEC) in den Provinzen Chonburi, Chachoengsao und Rayong.

Europäische Firmen sind allerdings nur vereinzelt involviert; viele Projekte werden an asiatische Firmen vergeben, vorwiegend aus China. Die neue thailändische Regierung treibt aber auch weiterhin die Digitali­sierung unter dem Stichwort „Thailand 4.0” voran. Unternehmen aus dem Bereich werden stark gefördert und dürften in der Zukunft weiter an Bedeutung zunehmen.

Die traditionell starke Automobilbranche schwächelt unter dem Druck der Währung, allerdings kann sich die Elektroautoindustrie gut behaupten, die aktuell Zuwachsraten um 80 Prozent verzeichnen kann und weiter stark gefördert wird.

Auch der Sektor der Erneuerbaren Energien sollte dank anspruchsvoller Zielvorgaben in den nächsten Jahren weiter wachsen und ausländische Investments anziehen.


Wie entwickeln sich die Aussichten für deutsche Unternehmen vor dem Hintergrund der bereits abgeschlossenen bzw. zur Zeit in Verhandlung stehenden bi- und multilateralen Freihandelsabkommen?

Für deutsche Unternehmen ist künftig insbesondere das mögliche Freihandelsabkommen zwischen der EU und Thailand interessant. Thailand und die europäische Staatengemeinschaft hatten in der Vergangenheit bereits erste Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufgenommen. Sie wurden nach dem Militärputsch in Thailand 2014 seitens der EU unterbrochen. Nach den diesjährigen Wahlen in Thailand hat sich die EU dazu bereit erklärt, entsprechende Verhandlungen wieder aufzunehmen. Thailand hält derzeit öffentliche Anhörun­gen über Chancen und Risiken eines derartigen Abkommens ab. Ein konkreter zeitlicher Horizont des Projektes ist jedoch noch nicht absehbar.


International orientierte Unternehmen mit Produktionsstandorten in Thailand oder anderen Ländern der Region können aber schon heute von den bestehenden regionalen Abkommen, etwa innerhalb des ASEAN-Raumes und u.a. zwischen ASEAN und China sowie ASEAN und Indien profitieren. Import und Export ist bei Produkten mit entsprechend hoher lokaler Wertschöpfung in vielen Fällen zollbefreit oder stark reduziert.


Durch das angestrebte Projekt des „Regional Comprehensive Economic Partnership” (RCEP) des ASEAN-Staatenverbundes mit sechs weiteren Staaten – Australien, China, Indien, Japan, Neuseeland und Südkorea – könnten zudem bis zu 40 Prozent des Welthandels zollbefreit werden. Derzeit befindet sich Indien noch in der Entscheidungsfindung hinsichtlich der Fortführung der Verhandlungen, da die Regierung nachteilige Auswirkungen des RCEP auf die heimische Wirtschaft befürchtet. Die bevölkerungsstärkste Demokratie der Welt hat sich daher bis auf Weiteres aus den Verhandlungen zurückgezogen. Die übrigen 15 RCEP Mitgliedsstaaten streben derweil eine Unterzeichnung im Jahre 2020 an.


Das Thema Datenschutz ist in Europa sehr hoch aufgehängt – Wo steht Indonesien im Hinblick auf die Implementierung und Umsetzung der GDPR?

Nach langwierigen Verhandlungen konnte im Februar 2019 das erste Datenschutzgesetz in Thailand eingeführt werden, der „Personal Data Protection Act” (PDPA).

Das Gesetz regelt die rechtmäßige Erhebung, Verwendung oder Weitergabe personenbezogener Daten, die eine natürliche Person direkt oder indirekt identifizieren können. Es bietet auch einen Rahmen für die Verarbeitung personenbezogener Daten.

Der PDPA gleicht in weiten Teilen der „General Data Protection Regulation” (GDPR), da verschiedene Konzepte aus der Allgemeinen Datenschutzverordnung der EU übernommen wurden. Die Einhaltung der GDPR trägt damit auch wesentlich zur Einhaltung des PDPA bei, es gibt aber auch besondere lokale Vorschriften. Im Einzelfall sollten Unternehmen daher individuell die Einhaltung des PDPA prüfen und gegebenenfalls Beratung hinzuziehen.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Thailand weiterentwickeln? Können Sie uns einen kurzen Ausblick auf das Jahr 2020 geben?

Die politische Situation hat sich nach den Wahlen in 2019 grundsätzlich entspannt. Die dem Militärregime nahestehende Partei konnte in Folge der Wahl Schlüsselpositionen besetzen. Das ist zumindest im Hinblick auf Kontinuität und Stabilität positiv zu sehen.

Die Förderung ausländischer Investitionen hat nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert bei der Regierung, dennoch sieht sich der ausländische Investor gewissen Hürden und Restriktionen und zum Teil unnötig hohem administrativen Aufwand unterworfen, die wohl teilweise auch künftig bestehen werden.

Im „Ease of Doing Business Index” verbessert sich Thailand dennoch um sechs Plätze auf den 21. Rang. Hier spiegeln sich die Bemühungen der thailändischen Regierung wider, den Genehmigungsprozess für Investitions­projekte zu beschleunigen, Regierungsdienstleistungen zu digitalisieren sowie Vorschriften und Regularien zu vereinfachen.

Mit dem anhaltenden starken Wachstum in ASEAN, v.a. in den umliegenden Ländern, wird Thailand, als einer der stärksten Wirtschaftsstandorte mit vielen lokalen Verflechtungen eine wichtige Rolle spielen, und kann so von dem Aufschwung der Region mitprofitieren. Die sehr starke Währung wird dagegen im Jahr 2020 voraussichtlich einige Branchen weiter unter Druck setzen.

Dagegen könnte Thailand als Absatzmarkt für ausländischer Produkte an Bedeutung gewinnen, die nun aus thailändischer Sicht deutlich günstiger sind. Davon können auch europäische Unternehmen profitieren, besonders wenn langfristig das Freihandelsabkommen mit der EU realisiert wird.


Fazit

Thailand ist und bleibt einer der starken Wirtschaftsmotoren im ASEAN-Staatenbund. Das angestrebte Frei­handelsabkommen zwischen der EU und Thailand wird nach erfolgreichem Abschluss der heimischen Wirtschaft einen weiteren Schub verschaffen. Doch auch schon jetzt bieten sich vielfältige Chancen in den bereits gut aufgestellten Sektoren der Automobilherstellung inkl. der Elektromobilität, oder dem gesamten Erneuerbare Energien-Sektor. Mit Nachdruck wird zudem die Digitalisierung ganzer Branchen und Sektoren vorangetrieben – ein weiteres Betätigungsfeld für deutsche und europäische Unternehmen.

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