Steuerfallen der US-amerikanischen Limited Liability Company (LLC)

zuletzt aktualisiert am 17. Juli 2019 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 

Die Wahl der Rechtsform für das US-Investment im gewerblichen oder Immobilien-Bereich kann erhebliche Auswirkungen auf die Höhe der Steuerbelastung sowohl in den USA als auch in Deutsch­land haben. In vielen Konstellationen ergeben sich attraktive Möglichkeiten zur steuer­gestalter­ischen Optimierung. Allerdings kann sich dabei der unsachgemäße Einsatz einer Limited Liability Company (LLC, LC) als Steuerfalle erweisen.

 



Die LLC erfreut sich allgemeiner Beliebtheit, da sie die gesellschaftsrechtlichen Charakteristiken einer Cor­poration (US-Kapitalgesellschaft) mit denen einer Partnership (US-Personengesellschaft) verbindet. Ähnlich der deutschen GmbH haften die LLC-Gesellschafter grundsätzlich nicht persönlich für die Verbindlichkeiten der LLC, und zur Haftungsbeschränkung wird keine Komplementär-Corporation benötigt. Die Anfälligkeit für Steuer­risiken beruht auf der besonderen steuerlichen Behandlung der LLC. 
 

Steuerliche Behandlung der LLC in den USA

Das US-Steuerrecht gewährt für bestimmte in- und ausländische Rechtsformen, wie z.B. die LLC, ein Ein­ordnungs­wahl­recht, das durch Ankreuzen im Steuerformular 8832 ausgeübt wird („Check-the-box”­­-Verfahren). Es kann zwischen der Besteuerung als Corporation (der US-Körperschaft­steuerpflicht unterliegend), als Partnership (deren Gewinnanteile mittelbar bei ihren Gesellschaftern US-einkommen­steuerpflichtig sind) und im Fall der Ein-Personen-LLC als „Disregarded Entity” (Versteuerung unmittelbar beim Gesellschafter) gewählt werden. 
 

Steuerliche Behandlung der LLC in Deutschland

Da es die Rechtsform der LLC im deutschen Gesellschaftsrecht nicht gibt, erfolgt ihre deutsche steuerliche Einordnung auf der Grundlage eines Rechtstypenvergleichs und ist somit von der einzelnen gesellschafts­vertraglichen Ausgestaltung und deren Interpretation abhängig. Die deutsche Finanzverwaltung geht dabei von einem Kriterienkatalog aus, der zu bewerten ist (BMF-Schreiben vom 19. März 2004, BStBl. I 2004, 411). 
 

Steuerfalle Nr. 1: Steuerpflichtige Dividenden in Deutschland

Angenommen, die LLC wird in den USA plangemäß als Partnership behandelt und wird nach einer finanzbe­hördlichen Prüfung in Deutschland ungeplanter Weise als Kapitalgesellschaft eingeordnet. Sofern an ihr Personen (unmittelbar oder mittelbar über eine Personengesellschaft) beteiligt sind, die in Deutschland steuerlich ansässig sind, haben diese nunmehr ihre anteiligen Entnahmen als steuerpflichtige Dividenden zu versteuern. Die in den USA bezahlte Einkommensteuer ist in dem Fall nicht anrechenbar. Die Gesamt­steuerbelastung kann bis zu 60 Prozent betragen (abhängig vom Tarifbereich und dem Steuersatz des US-Bundesstaates, in dem die LLC tätig ist).

Der gleichen Problematik steht ein LLC-Gesellschafter gegenüber, der zunächst in den USA lebt und zu einem späteren Zeitpunkt nach Deutschland umzieht und fortan dort steuerlich ansässig ist. 
 

Steuerfalle Nr. 2: 30 Prozent Quellensteuer in den USA

An der LLC soll eine deutsche GmbH zu 100 Prozent beteiligt sein. Die LLC soll in den USA plangerecht als Partnership besteuert werden. Nach einer Betriebsprüfung bei der GmbH behandelt der deutsche Fiskus die LLC als Kapitalgesellschaft und sendet eine Kontrollmitteilung an das U.S. Treasury Department, worauf der Internal Revenue Service (IRS) eine Betriebsprüfung bei der LLC einleitet und sämtliche Entnahmen der GmbH aus der LLC der US-Branch Profits Tax von 30 Prozent unterwirft. Das kann im Einzelfall zu einer Gesamt­steuer­belastung von bis zu ca. 70 Prozent führen. Sofern die LLC darüber hinaus in einem Bundes­staat tätig ist, der nach dem sogenannten Unitary-Tax-Prinzip besteuert (z.B New York, New Jersey, Kalifornien), unterliegt bei dieser Fallgestaltung grundsätzlich der weltweite Gewinn des Gesamtunter­nehmens (inkl. der GmbH) der Bundesstaatensteuer. 
 

Fazit

Vor der Gründung eines US-Unternehmens bzw. zur Kontrolle der steuerlich optimalen Beteiligungsstruktur eines bereits existierenden US-Investments sollte die US-Gesellschaftsform unter Berücksichtigung des Beteiligungsbildes in Deutschland einem „Check-up” unterzogen werden. So werden Steuerfallen vermieden und das höchstmögliche Maß an Ersparnis von US- und deutschen Steuern erreicht.
 
Die Rechtsform der LLC sollte grundsätzlich nur für besondere Situationen genutzt werden. Durch den sorgfältigen Gebrauch von Wahlrechten (z.B „Check-the-box”-Wahlrecht in den USA bzw. Anpassung des Gesellschaftsvertrags der LLC für deutsche steuerliche Zwecke) sollten mögliche Steuerfallen vermieden werden. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass durch diese Maßnahmen nicht neue Steuerprobleme hervorgerufen werden. Denn die Änderung der steuerlichen Einordnung kann eine steuerpflichtige (fiktive) Liquidation der „alten” LLC mit gleichzeitiger Wiedereinlage des Vermögens in die „neue” LLC auslösen.

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