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Digitalisierung in Thailand

PrintMailRate-it

veröffentlicht am 11. Mai 2018

 

Interview mit Philip Ende

 

Wird das Thema Digitalisierung in Deutschland auf die Agenda geschrieben, darf damit gerechnet werden, dass Sie nicht nur eine Definition für den Begriff erhalten. Die immer wieder genannten Schlagwörter sind „disruptive Technologien”, „innovative Geschäftsmodelle” oder auch „Autonomisierung”, was wiederum gerne unter dem Begriff „Industrie 4.0” zusammengefasst wird. Wir möchten heute aber über Thailand sprechen.

 

Bitte geben Sie uns einen kurzen Einblick, was unter dem Begriff Digitalisierung in Thailand verstanden wird.

In Thailand äußert sich die Digitalisierung in verschiedenen Bereichen. Die Politik hat den Wirtschaftsplan „Thailand 4.0” vorgelegt, der auf die Etablierung moderner und zukunftsträchtiger Industrien in Thailand zielt. Administrativ wird darauf hingewirkt, die Kommunikation mit Behörden mehr und mehr elektronisch abzuwickeln, wobei die Umstellung Zeit in Anspruch nehmen wird. Die bisherigen Systeme leiden häufig an technischen Kinderkrankheiten (etwa sind spezielle webbasierte Services nicht jederzeit erreichbar).

  

Schließlich hat Thailand eine sehr lebhafte digitale Start-Up Community. Diverse private Initiativen setzen auf die Etablierung von digitalen Geschäftsmodellen, etwa im Bereich FinTech, aber auch in diversen anderen Bereichen. Für 2018 sagen die Analysten ein 2-stelliges Wachstum der digitalen Sparte voraus. Entsprechend finden mehr und mehr Hackathons statt. Auch die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit hat zwischenzeitlich das Potenzial Thailands erkannt und ein Projekt zur Förderung digitaler Cluster aufgesetzt.

 

Digitalisierung ist ein branchen- und gesellschaftsübergreifendes Thema. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Thailand ein – hat die Gesellschaft das Thema bereits verinnerlicht, verstehen Unternehmen den Wandel oder wird eher versucht, das Thema auszusitzen? Welche Branchen sind bereits auf der Erfolgsspur, welche hinken – eventuell auch aus traditionellen Gründen – hinterher?

Es ist zwischen der urbanen Bevölkerung einerseits und der ländlichen Bevölkerung andererseits zu unterscheiden. Die Digitalisierung findet v.a. in der Industrie und in den städtischen Ballungsräumen statt. In den urbanen Bereichen Thailands ist die Digitalisierung deutlich weiter vorangeschritten als auf dem Lande.

 

Spürbare Änderungen gibt es im Bezahlverhalten von Konsumenten. Hier zeichnet sich ein Trend zum bargeldlosen Bezahlen via Smartphone ab; insbesondere Zahlungen per QR-Code oder PromptPay-Lösungen werden mehr und mehr akzeptiert. Entsprechend sind Banken und Finanzdienstleister Vorreiter im Bereich Digitalisierung. Ein wichtiger in dem Bereich ist das Unternehmen Omise.

 

Daneben darf davon ausgegangen werden, dass sich der Telekommunikations- und Mediensektor weiter Richtung Digitalisierung bewegen wird, v.a. im Bereich „Internet of Things”.

 

E-Commerce wird weiter zunehmen, v.a. Transaktionen via Social Media Anwendungen. Thais sind überaus Facebook-affin und es besteht ein entsprechendes Wachstumspotenzial. Ebenfalls dürfte es interessant sein, zu beobachten, wie sich Dienstleistungen im Bereich Transport (Uber, Grab Taxi), Essen (Foodpanda, UberEats) und sonstige Lieferungen (Lineman, Honestbee) entwickeln werden.

     

Wo sehen Sie die besten Chancen für deutsche und europäische Unternehmen, sich mit disruptiven Geschäftsmodellen auf dem thailändischen Markt zu positionieren?

Deutsche Unternehmen sollten v.a. in geförderten Wirtschaftszweigen investieren. Hier bietet das Thai Board of Investment interessante Förderungen für folgende Industrien an: Smart Electronics, Next-Generation Automotives, Wellness and Medical Tourism, Food for the Future, Agriculture and Biotech, Medical Hubs, Digital, Aviation and Logistics, Automation and Robotics, Biofuels and Biochemicals. 

Deutsche Unternehmen haben den strategischen Vorteil, dass Sie nach wie vor als Garanten für Qualität und Wertarbeit angesehen werden.

 

Welche Herausforderungen – aber auch Chancen – sehen Sie für bereits vor Ort tätige Unternehmen, die nicht einfache Mammutaufgabe zu meistern?

Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind teils herausfordernd, wobei sich das Risiko durch entsprechende Beratung minimieren lässt. Regulatorische Maßnahmen richten sich auf neue Märkte und Technologien. Unlängst hat die Bank of Thailand etwa angekündigt, den Handel mit Krypto-Währungen verstärkt regulieren zu wollen, um Geldwäsche und anderen kriminellen Aktivitäten vorzubeugen. In der Folge haben diverse größere Banken den Handel mit Krypto-Währungen vorerst eingestellt. Auf solche kurzfristigen Änderungen müssen sich Unternehmen einstellen.

 

Chancen liegen zum einen in der vergleichsweise gut ausgebildeten und digital-affinen Bevölkerung Thailands und in den interessanten Förderungen durch das Thai Board of Investment. Ein strategischer Vorteil liegt auch in der geographischen Position Thailands im Herzen von ASEAN. Vor diesem Hintergrund wäre es verfehlt, nur auf den Thai Markt zu blicken. Richtigerweise sollte Thailand auch als Sprungbrett verstanden werden. 

 

Welche Punkte müssen bei der Transformation in Thailand besonders beachten werden (Bspw.: Cybersecurity, Datenschutz, Change Management, Cloud Computing, ERP-Systeme, (Tax-)Compliance-Systeme, digitale Payroll, Wertewandel, Blockchain-Technologien usw…)? Sehen Sie hier vor Ort kulturelle, gesellschaftliche oder ökonomische Vorteile, die für eine einfachere Transformation sprechen?

Cybersecurity und Cyber-Compliance sind wichtige Punkte. Gerade im Bereich von Finanzdienstleistungen oder Krypto-Währungen ist mit einer Verschärfung der regulatorischen Rahmenbedingungen zu rechnen, um die persönliche und auch öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten.

  

Die große Beliebtheit des Internets in Thailand wird helfen, die Digitalisierung voranzutreiben.

 

Wenn die Führungsriege der Unternehmen den Wandel nicht vorlebt und vorantreibt, ist das Gelingen der Transformation in Gefahr. Existieren von staatlicher Seite Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten, die bei den ersten Schritten hin zur digitalen Transformation bereitgestellt werden? Bestehen Investitionsprogramme, um Digitalisierungspioniere anzulocken? Existieren Inkubatoren, um innovative Geschäftsmodelle und die Ansiedlung von bspw. Start-Ups zu beschleunigen?

Direktinvestitionen in Thailand können durch das Board of Investment gefördert werden. Moderne Technologien und Arbeitsmethoden sind dabei immer ein Erwägungskriterium. Daneben hat Thailand spezielle Digital Parks eingerichtet, um Cluster von innovativen Unternehmen zu errichten.

Es existieren viele private Inkubatoren, die Start-Ups helfen sollen. Die Regierung plant, spezielle Programme aufzulegen, um Gründern in der Anfangsphase des Unternehmens finanziell und anderweitig zu helfen. ​

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Philip Ende

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