Tax Due Diligence bei Private Equity-Transaktionen

zuletzt aktualisiert am 8. August 2018

Die Tax Due Diligence bildet für Private Equity-Investoren einen wesentlichen Untersuchungsbereich vor Eingehen einer Unternehmensbeteiligung. Die steuerliche Analyse des Zielunternehmens erfolgt mit dem Ziel, potenzielle Steuerrisiken zu quantifizieren, die als mögliche Zahlungsabflüsse die Rentabilität des Investments beeinflussen könnten. Zudem sollen Gestaltungspotenziale bezüglich der Strukturierung des Investments (inkl. späterem Exit) identifiziert werden.
 


Der Private Equity-Investor beteiligt sich am Zielunternehmen typischerweise im Wege eines Share Deals. Im Unterschied zu einer strategisch motivierten Transaktion erfolgt die Beteiligung nur für eine begrenzte Zeit und regelmäßig auch nur in begrenztem Umfang. Er sucht im Anschluss den Ausstieg (Exit) über einen Gesamtverkauf des Unternehmens (Trade Sale) oder einen Börsengang. Umso wichtiger ist die Kenntnis über etwaige steuerliche Risiken mit „cash-Wirkung” innerhalb der Investitionsdauer.
 

Tax Due Diligence: Identifikation und Quantifizierung wesentlicher Steuerrisiken

Gegenstand einer Full Scope Tax Due Diligence ist die Analyse der steuerlichen Situation des Zielunternehmens, die Identifikation und Quantifizierung der materiell wesentlichen Steuerrisiken in Bezug auf die Vergangenheit (ähnlich einer fiktiven Betriebsprüfung) und der wesentlichen Steuerfolgen, die durch die Transaktion ausgelöst werden. Als Transaktionsrisiken sind insbesondere der Untergang von Verlustvorträgen, die Verletzung von steuerlichen Sperr-/Behaltefristen und die Grunderwerbsteuer zu nennen.
 
Bei Private Equity-Transaktionen erfolgt aus Zeit-/ Effizienz- und/oder Kostengründen regelmäßig eine zweistufige Vorgehensweise. Zunächst werden in einer Red-Flag Analyse wesentliche Deal-Breaker ausgeschlossen. Parallel erhält der Investor erste relevante Erkenntnisse aus der Financial, Legal und Commercial Due Diligence (und ggfs. weiterer Disziplinen). Im Rahmen der anschließenden Confirmatory Tax Due Diligence wird eine detaillierte Analyse inklusive Quantifizierung im Bereich der Ertrag-, Umsatz-, Real- und Abzugssteuern sowie der Sozialversicherung durchgeführt.
 

Kaufvertragsrelevante Informationen und Rentabilität des Investments

Im Rahmen der Tax Due Diligence aufgedeckte, steuerlich relevante Informationen unterstützen die Verhandlungsposition des Investors. In Abhängigkeit von der Höhe der erwarteten Steuerbelastung und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit sind Garantien sowie Freistellungen von Zahlungsansprüchen im Kaufvertrag aufzunehmen.
 
Von besonderer Relevanz ist der Input der Tax Due Diligence für den angebotenen Kaufpreis. Anders als bei strategischen Investoren, für die die Integration des Targets in eigene Unternehmensstrukturen von wesentlicher Bedeutung ist, steht bei einem Private Equity-Investor die Rentabilität des Investments (Cash-in vs. Cash-out) im Vordergrund. Dabei sind insbesondere mögliche Zahlungsabflüsse in Form von zu erwartenden Steuerverbindlichkeiten zu identifizieren, die als Abzugsposition beim Kaufpreis Berück­sichtigung finden sollten (Net Debt-Betrachtung). Die Tax Due Diligence leistet hierfür den relevanten Input.
 

Erkennen von Gestaltungspotenzialen zur Transaktionsstrukturierung

In Bezug auf eine steueroptimale Strukturierung des Investments werden im Rahmen der Tax Due Diligence bereits die Haupttreiber identifiziert. Wie lassen sich Finanzierungsaufwendungen steuerlich bestmöglich geltend machen? Besteht eine Gruppenbesteuerung/Organschaft und/oder gibt es Sperr-/Behaltefristen in den Anteilen, die zu beachten sind?
 
Angesichts steigender Grunderwerbsteuersätze spielt bei Immobilienbesitz im Zielunternehmen die Vermeidung einer (ggfs. mehrfachen) Grunderwerbsteuerbelastung eine zentrale Rolle. Bereits eine Änderung in der Gesellschafterstruktur kann Grunderwerbsteuern auslösen. Gegebenenfalls kann durch die Transaktion eine Grunderwerbsteuer-Blocker-Struktur aufgebaut werden, die sich positiv auf den späteren Exit auswirkt (Wiederverkaufswert).
 
Letztlich ist die Nutzbarkeit vorhandener steuerlicher Verlustvorträge über die Transaktion hinaus bedeutsam, da eine weitere Verrechenbarkeit mit positiven Einkünften die künftige Steuerlast reduziert und damit den „cash-out” des Investments positiv beeinflusst. Entgegen dem Grundsatz, dass die nicht genutzten Verluste des Zielunternehmens im Rahmen eines Anteilseignerwechsels teilweise oder ganz verloren gehen, bestehen zur Rettung steuerlicher Verlustvorträge verschiedene Möglichkeiten, z.B. durch Nutzung der sog. Stille-Reserven-Klausel. Sofern vorhandene Verlustvorträge des Zielunternehmens auch nach der Transaktion steuerlich nutzbar bleiben, lässt sich jedenfalls ein echter Steuervorteil generieren.
 

Fazit

Die Tax Due Diligence deckt die Steuer- und Transaktionsrisiken auf und identifiziert gleichzeitig Gestaltungspotenziale und Chancen, die sich direkt auf die Rentabilität des Investments auswirken. Die Tax Due Diligence bildet daher einen entscheidenden Mehrwert für Private Equity-Transaktionen.

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