Spanien als IT-HUB für Familienunternehmen – Eine technologische Chance

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veröffentlicht am 6. August 2019 | Lesedauer ca. 3 Minuten
 
Spanien ist zu einem Referenzland für (Informations-)Technologie und Entwicklung geworden. Die Gründe liegen u. a. in der Qualität der spanischen Ingenieure, den niedrigeren Arbeitskosten und der Attraktivität des Landes bei der Gewinnung von in- und ausländischen Talenten. Das alles ist für internationale Unternehmen von grundlegender Bedeutung, um ihre Entwicklungsdienstleistungen auszulagern. Dabei gilt es, die arbeitsrechtlichen Bedingungen mitzudenken.
 

 

Spanien nimmt im internationalen Vergleich eine auffallend gute Position bei der Bedeutung seiner Wirtschaft ein und bietet einen der attraktivsten Märkte, nämlich die fünftgrößte Volkswirtschaft der Europäische Union (EU). Mit einem BIP von 1.200  Mio. Dollar, 47 Mio. Einwohnern und mehr als 75 Mio. Touristen pro Jahr ist das Land seit längerer Zeit in den Bereichen Technologie, Kommunikation und Entwicklung im Aufschwung. So sehr, dass es sich zum Ort par excellence für das Outsourcing von IT-Dienstleistungen in Südeuropa entwickelt hat.
 
Spanien wird von Experten als wegweisend auf dem Gebiet der fortschrittlichen IT- und Telekommunikations­technologien angesehen und verfügt über mehr als 33.000 Unternehmen, die auf alle Arten von Branchen spezialisiert sind. Darunter befinden sich herausragende Unternehmen für digitale Inhalte  –  ein Sektor, in dem derzeit über mehr als 470.000 hoch qualifizierte Mitarbeiter beschäftigt sind.
 
Spanien führt außerdem das europäische Ranking der Länder an, die am meisten in Technologien zur Prozess­automatisierung investieren und liegt laut einem Bericht der Firma HR Randstad Workmonitor 10 Punkte über dem europäischen Durchschnitt.

 

Junge Potenzialträger

Es ist bekannt, dass die Mitgliedsländer der EU in den Jahren 2007 und 2011 eine schwere Wirtschaftskrise durchlitten haben. Die Krise traf wahllos v.a. junge Menschen, die mit Talent und Potenzial nach Arbeits­möglichkeiten suchen mussten, um auf dem Markt bestehen zu können. Eines der beliebtesten Zielländer war Deutschland, das insbesondere in den Fachrichtungen Technik und Entwicklung qualifizierte Arbeitskräfte benötigte und hohe Löhne für Arbeiternehmer garantierte.
 
Spanien und seine jungen Einwohner sahen in dem Geld, das im Umfeld der digitalen Wirtschaft und der technologischen Entwicklung zu verdienen war, einen möglichen Ausweg aus der Krise, der sich als erfolgreich erwies. Derzeit lehren 180 Universitäten und berufliche Ausbildungszentren Informatik, Entwicklung, Software, Design oder Programmierung.
 
Die Qualität der angebotenen Studieninhalte nimmt stetig zu. Zudem haben die jungen Menschen von heute ihre Sprachkenntnisse verbessert, sind gereist und konnten die Erasmus-Möglichkeiten unterschiedlicher Universitäten nutzen.
 
Es entwickelte sich qualifiziertes und fachkundiges Personal mit Erfahrung und interkultureller Kompetenz, das sein Land liebt und dort verwurzelt ist. Es ist unwahrscheinlich, dass junge Spanier im Ausland auf Dauer gehalten werden, insbesondere nach der Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen im Mutterland.
 

Gesucht und Gefunden

Die Chancen, die Spanien derzeit als Marktführer im Technologiemarkt bietet, haben dazu geführt, dass große Unternehmen in das Land investiert und ihre IT-Research-Abteilungen dorthin verlagert haben. Zu den Vorteilen Spaniens gehören nicht nur die Qualität der Arbeitnehmer, sondern auch das entstehende unter­nehmerische Umfeld sowie das Engagement der verschiedenen Akteure bei der Umsetzung von politischen Maßnahmen und Initiativen, die die technologische Entwicklung und Innovation fördern.
 
Die Gründung einer spanischen Tochtergesellschaft mit beschränkter Haftung (Sociedad Limitada, kurz: S.L.) ist bereits mit einem Mindestkapital von 3.000 Euro möglich, eine Aktiengesellschaft (Sociedad Anónima, kurz: S.A.) mit einem Stammkapital von 60.000 Euro.
 
Der Durchschnittslohn liegt in dieser Branche bei 40.000 Euro brutto pro Jahr. Zu beachten ist, dass Tarif­verträge allgemeinverbindlich sind, d.h. deren Vorgaben, insbesondere bei den Themen  Mindestgehalt, maximale Arbeitszeiten, Ausgleich von Überstunden, etc. sind zwingend einzuhalten. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass in Spanien ein großer Teil der Sozialversicherung der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber getragen wird (fast 80 Prozent), belaufen sich die Kosten für die Unternehmen im Schnitt auf etwa 50.000 Euro pro Arbeitnehmer und Jahr.
 
Das spanische Arbeitsrecht kennt keine ordentliche Kündigung; die Beendigung von Arbeitsverhältnissen ist daher nur bei Vorliegen disziplinarischer oder objektiver Gründe (hierunter fallen u. a. betriebsbedingte Gründe) möglich. Dem Kündigungsschutzverfahren ist ein außergerichtliches Schlichtungsverfahren vorgeschaltet. Kommt es nicht zu einer Einigung und entscheidet das Arbeitsgericht, dass die ausgesprochene Kündigung nicht gerechtfertigt ist, besteht die Besonderheit, dass das Unternehmen wählen kann, ob es den Arbeitnehmer wieder einstellt oder ihm die gesetzliche Abfindung in Höhe von 33 Tagesgehältern pro Jahr der Betriebs­zugehörigkeit (max. 24 Monatsgehälter) zahlt. In der Praxis werden Arbeitsverhältnisse daher oft durch Ausspruch einer solchen „unrechtmäßigen” Kündigung bei gleichzeitiger Abfindungszahlung beendet, ohne dass eine Kündigungsfrist einzuhalten ist.
 
Andererseits sieht die Gesetzgebung einen Abzug der Körperschaftsteuer von bis zu 25 Prozent der Ausgaben für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wie die Erstellung, Kombination und Konfiguration von fortgeschrittener Software vor.
 
Deswegen ist es nicht überraschend, dass große Unternehmen ihre Entwicklungszentren in diesem Land aufbauen und nicht nur von dem gut ausgebildeten Personal und den niedrigen Kosten, sondern auch von den ausgezeichneten Verbindungen und Reisemöglichkeiten ins Ausland profitieren. Zu den bekanntesten Unter­nehmen vor Ort gehören die Wirtschaftsriesen Google und Amazon, die deutsche Firma Xing SE oder die britische Firma Eventbrite.
 

Innovation und Investition: 5G-Technologie

Eines der besten Beispiele dafür, dass Spanien eine Pionier-Rolle im IT-Bereich zukommt, ist die Implemen­tierung von 5G in 15 Städten. Mit Vodafone und Huawei wurden vor einigen Wochen die ersten kommerziellen 5G-Mobilfunkdienste auf den Markt gebracht, womit Spanien eines der ersten europäischen Länder Europas mit dem ultraschnellen Mobilfunknetz ist.
 
Spanien beabsichtigt, die neue 5G-Technologie bis 2020 in den nationalen Aktionsplan aufzunehmen und unterstützt derzeit die Entwicklung von Normen, die Ermittlung praktischer Anwendungsfälle und die Aus­gestaltung relevanter Ökosysteme.
 
Es ist auch nicht nebensächlich, dass Spanien das einzige Land sein wird, in dem der Zugang zu 5G a priori keine zusätzlichen Zollkosten verursacht. Ein weiterer Pluspunkt beim Wettlauf um neue Technologien und Fortschritte, die Spanien zu einem Vorreiter und zu einer Referenz in der Branche machen.    

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