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Interview mit Anton Berger: Marktentwicklung im Bereich Erneuerbare Energien

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Anton Berger, Leiter des Geschäftsbereichs Energie bei Rödl & Partner, steht als Experte für Erneuerbare Energien bei aktuellen Fragen Rede und Antwort.​

  

Herr Berger, wie sehen Sie die Marktentwicklung der Erneuerbaren Energien?

Erneuerbare Energien werden die am schnellsten wachsende Erzeugungstechnologie bleiben. Noch sind die größten Erzeugungsanteile in der EU zu finden, doch werden uns die USA und China bis 2035 überholt haben. Nahezu jede Erzeugungstechnik bietet Entwicklungspotenziale und der Zuwachs der Erneuerbaren Energien ist von weiteren Kostensenkungen geprägt und bedingt. Bei der Photovoltaik und der Onshore-Windenergie erwarten wir in den nächsten 20 Jahren Kostensenkungen von bis zu 40 Prozent. Im Bereich der Photovoltaik ist Asien, allen voran China, die treibende Kraft hinter dem weltweiten Wachstum. Nachdem Deutschland lange Zeit eine

Vorreiterrolle insbesondere beim Ausbau der Photovoltaik eingenommen hat, ist der Zubau in den letzten Jahren im weltweiten Vergleich stark zurückgegangen.

Mittlerweile hat China Deutschland überholt und verfügt weltweit über die größten PV- Kapazitäten. Der Windmarkt wuchs im vergangenen Jahr weltweit um über 22 Prozent, wovon wiederum nahezu die Hälfte auf China entfällt. In Deutschland hat das EEG 2014 der weiteren Entwicklung der Windenergie, der Photovoltaik und besonders der Bioenergie bewusst einen Dämpfer verpasst, den auch das EEG 2017 nicht beseitigt.

 

In welchen Bereichen sehen Sie Chancen und Risiken?

Die Chancen liegen besonders im nach wie vor großen und unausgeschöpften Potenzial der Erneuerbaren Energien. Dank niedriger OPEX und sinkender Investitionskosten sind große Marktchancen vorhanden. Mit den niedrigsten Gestehungskosten besitzen Windkraft und PV weltweit die höchsten Ausbaupotenziale.


Die größten Entwicklungschancen sehen wir bei der Erschließung neuer Märkte. Auch bieten neue Vertriebsmodelle im Bereich der Photovoltaik, wie z.B. der Abschluss von PPAs oder Pachtmodellen interessante Möglichkeiten, speziell in Entwicklungs- und Schwellenländern. Infolge des immer weiter steigenden Anteils fluktuierender Erneuerbarer Energien entstehen jedoch einerseits Netzengpässe, andererseits aber auch Herausforderungen, einen Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch herbeizuführen. Lösungsansätze in unseren Breitengraden sind Flexibilitätsoptionen und der Netzausbau. Die Anwendung von Batteriespeichern ist in naher und mittelfristiger Zukunft jedoch ebenso ein zielführender Weg.

 

Sie haben die Reform des EEG bereits angesprochen. Laut Bundesminister Gabriel sollen die Erneuerbaren Energien dadurch verstärkt Marktmechanismen unterworfen werden. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Die Einführung der verpflichtenden Ausschreibungen für Windkraft an Land und auf See, für die Photovoltaik und Biomasse führt zu einer deutlichen Drosselung beim Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland und reduziert die Akteursvielfalt. Ausschreibungen generieren zusätzliche Risiken für Projektentwickler, die vor allem kleinere Marktteilnehmer nur schwer bewältigen können. Zudem wurden die Ausschreibungsziele für Windkraft für die kommenden Jahre deutlich reduziert und liegen unter den Ausbauzahlen der letzten beiden Jahre. Auch die Systemintegration der Erneuerbaren Energien verbessert das Ausschreibungsmodell nicht. Jedoch werden infolge des Ausschreibungsmodells zunächst die wirtschaftlicheren Projekte entwickelt und so die Kosten der Energiewende reduziert.

   

Welche Tipps geben Sie Unternehmen an die Hand, die international expandieren/agieren möchten?

Die Erschließung neuer Märkte bietet große Entwicklungschancen. Jedoch ist bei der internationalen Expansion einiges zu beachten. Die einzelnen Technologien sind stark geprägt von der konkreten Situation im jeweiligen Land und dem entsprechenden Energiemarkt. Viele verschiedene Einflussfaktoren, seien sie regulatorisch oder auch kulturell, sind zu berücksichtigen und machen die Wahl eines geeigneten Zielmarktes und den Einstieg im jeweiligen Land komplex. Fehler können signifikante wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Daher kann die Investition in externes Fachwissen teures Lehrgeld ersparen und langfristig die richtige Weichen stellen.

 

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zuletzt aktualisiert am 21.12.2016

 

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Anton Berger

Diplom-Ökonom, Diplom-Betriebswirt (FH)

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