Entwicklung der EEG-Umlage in Abhängigkeit des Zubaus durch Erneuerbare Energien

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Welche Auswirkungen der Zubau durch Erneuerbare Energien auf die EEG-Umlage hat, lässt sich mithilfe des EEG-Rechners von Agora veranschaulichen. Selbst bei einem mittleren Zubau durch Erneuerbare, also bei einer optimistischeren Entwicklung als sie das EEG vorsieht, ließe sich der heutige Primärenergieverbrauch 2030 nur zu 15,8 Prozent durch Erneuerbare Energien decken, was eine Erhöhung von knapp 3 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2017 darstellt. Der Zubau durch Erneuerbare Energien müsste also weitaus stärker vorangetrieben werden, um dem Bedarf in einigen Jahren gerecht werden zu können. Wie diese Situation aussehen könnte, welche Auswirkungen ein solch starker Zubau auf die EEG-Umlage zur Folge hätte und wo wir durch das EEG 2017 in 12 Jahren stehen werden, wird im folgenden Artikel genauer beleuchtet.

Wie wirken sich die im EEG formulierten Ziele oder ein starker Zubau durch Erneuerbare Energien (EE) auf die EEG-Umlage aus? Und wie entwickeln sich die EEG-Umlage und der Strompreis über die Jahre hinweg? Auf diese und weitere Fragen gibt der von der Denkfabrik „Agora Energiewende” (im Folgenden: Agora) entwickelte und publizierte EEG-Rechner Auskunft.

 

Die EEG-Umlage ergibt sich bekanntlich vereinfacht dargestellt aus der Differenz der festen Vergütungszahlungen an Anlagenbetreiber und dem jeweils durchschnittlich am Markt herrschenden Börsenpreis. Die Entwicklung der EEG-Umlage ist somit also von diversen börsenpreisbeeinflussenden Faktoren abhängig. Hier sind natürlich der Atomausstieg, der Kohleausstiegspfad, Exporte etc. als Einflussgrößen zu nennen. Ganz besonderen Einfluss allerdings hat der Zubau in den diversen Sektoren der EE.

 

Zum Rechner: Durch das Auswählen der Gewichtung verschiedener Einflussfaktoren lassen sich diverse Kennzahlen, wie bspw. die EEG-Umlage, Erzeugungskapazitäten und Strommengen im Verlauf von 2010 bis 2035 simulieren und grafisch darstellen. Unseren Berechnungen liegen nominale, also nicht inflationsbereinigte Werte, zugrunde, was ebenfalls im EEG-Rechner eingestellt werden kann. Bei den im Text angegebenen Werten handelt es sich stets um Nettowerte.
 
Im Folgenden werden drei Szenarien mithilfe des EEG-Rechners berechnet und dargestellt:

 

Szenario 1: voraussichtliche Entwicklung der EEG-Umlage und Strommenge bei einem wahrscheinlichen Zubau gemäß des EEGs

Zunächst möchten wir ein Szenario modellieren, in dem die im EEG 2017 formulierten Ziele dargestellt werden. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bei rund 36 Prozent. Laut Bundesregierung solle sich dieser Anteil bis 2030 auf 65 Prozent erhöhen. Dies soll unter anderem durch das Ziel eines sinkenden Stromverbrauchs erfolgen, was stark infrage zu stellen ist.

 

Um die mögliche Entwicklung der EEG-Umlage und der Strommenge auf der Grundlage der im EEG formulierten Ziele darzustellen, stellt Agora einen Referenzwert zur Verfügung. So wird beispielsweise berücksichtigt, dass aufgrund des Ausschreibungsmodells der Realisierungsgrad bei Onshore-Windkraft nur bei 90 Prozent liegt. Somit wird mit zunächst höheren Werten auf Dauer bei dieser Technologie von einem durchschnittlichen Zubau an installierter Leistung von 2,61 GW jährlich ausgegangen. Bei Offshore-Windkraft werden Werte zwischen 0,8 und 0,9 GW, bei Photovoltaik von 2,5 GW und bei Biomasse von 0,2 GW zugrunde gelegt. So ließe sich bis 2030 eine Strommenge von ca. 280 TWh/a durch Erneuerbare Energien erzeugen (siehe Abb. 1).

 

 

Abbildung 1

 

 

Abbildung 2

 

In erster Linie ist der Rechner von Agora auf die Berechnung der EEG-Umlage über die Zeit ausgelegt. Das entsprechende Diagramm fasst den Strompreis (Börsenpreis) und die EEG-Umlage des jeweiligen Jahres zusammen (siehe Abb. 2).

 

Auf diese Weise wird die Abhängigkeit der beiden Werte im Verhältnis zum Zubau durch EE deutlich. Bei den genannten Referenzwerten würde die EEG-Umlage, nach einem leichten Anstieg auf maximal 7,96 ct/kWh in 2021, langfristig stark sinken. Bereits 2030 läge die EEG-Umlage noch bei 5,35 ct/kWh. Aktuell liegt die EEG-Umlage 2018 zum Vergleich bei 6,79 ct pro kWh.

 

Szenario 2: sehr hoher Zubau

Das zweiten Szenario illustriert die Entwicklung bei einem sehr hohen Zubau von Erneuerbaren Energien.

 

Stellt man alle Eingabeparameter bzgl. des Zubaus bei den oben genannten Technologien auf die höchst mögliche Stufe des Agora-Rechners, so ergibt sich ein jährlicher Zubau von 6 GW bei Windkraft onshore, 2 GW bei Windkraft offshore, 6 GW bei Photovoltaik und 0,4 GW bei Biomasse. Bis zum Jahr 2030 könnte somit eine Strommenge von fast 500 TWh pro Jahr durch Erneuerbare Energien erzeugt werden (siehe Abb. 3).

 

 

Abbildung 3

 

Mit dieser Menge an produziertem Strom ließe sich nahezu der gesamte heutige Strombedarf von ca. 520 TWh/a decken (siehe Abb. 4). Da die im EEG vereinbarten Ziele langfristig sogar einen abnehmenden Stromverbrauch vorsehen, könnte demnach 2030 der gesamte Stromverbrauch laut dieser Werte durch Erneuerbare Energien abgedeckt werden.

Abbildung 4 

 

Fraglich ist jedoch, ob sich der Stromverbrauch über die Jahre hinweg tatsächlich derart senken lässt. Aufgrund der Elektrifizierung verschiedenster Bereiche ließe sich auch ein starker Anstieg des Strombedarfs nachvollziehbar begründen. Besonders die Neuausrichtung des Automobilsektors auf den Bereich der Elektromobilität könnte zu einem rasanten Anstieg an Strombedarf führen. Volker Quaschning (Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin) hat hierzu ein Modell entwickelt, das das mögliche Ausmaß des zukünftigen Strombedarfs veranschaulicht. Er rechnet mit einem linear ansteigenden Stromverbrauch, der 2030 bereits die 1000 TWh-Marke überschritten hat (siehe Abb. 5).

 

 

Abbildung 5

 

Vermutlich werden bzgl. des Strombedarfs weder die Ziele der Bundesregierung, noch das von Quaschning modellierte Extrem-Szenario eintreten. Eine möglicherweise realistische Entwicklung hierzu wird in Szenario drei dargestellt

 

Bei dem beschriebenen und im Agora-Rechner dargestellten sehr hohen Zubau Erneuerbarer Energien würde die EEG-Umlage in der Spitze einen Wert von 9,03 ct/kWh in 2024 erreichen (siehe Abb. 6), was sich von der heutigen EEG-Umlage nur um ca. 2,2 Cent unterscheidet.

 

Auch hier ist wieder zu erkennen, dass die EEG-Umlage auf Dauer gesehen sinkt. Im Jahr 2030 läge sie noch bei 7,57 ct/kWh.

 

Es sei an dieser Stelle noch angeführt, dass Möglichkeiten der breiteren Refinanzierung (Reduktion der Privilegien für energieintensive Industrie, Quersubvention durch CO2-Steuer etc.) nicht berücksichtigt wurden, obgleich sie einen erheblich senkenden Einfluss auf die EEG-Umlage hätten.

 

 

Abbildung 6

 

Szenario 3: „realistisch” möglicher Zubau

Nicht nur Extremwerte lassen sich mit dem EEG-Rechner darstellen. Wählt man beispielsweise ein mittleres Szenario, also etwas höhere Werte als die Referenzwerte im ersten Szenario, so lässt sich nach Einschätzung des Autors eine realistisch mögliche Entwicklung darstellen. Würde man jährlich 3 GW Windkraft onshore, 1 GW Windkraft offshore, 3 GW Photovoltaik und 0,2 GW Biomasse an Leistung installieren, so ließe sich eine Strommenge von über 300 TWh im Jahre 2030 durch EE erzeugen (siehe Abb. 7).

 

Abbildung 7

 

Auch hier zeigt der EEG-Rechner von Agora wieder die Entwicklung der EEG-Umlage in Form eines Diagramms auf. Die Unterscheidung zum ersten Szenario ist natürlich aufgrund der geringen Abweichungen beim Zubau auch bei der Höhe der EEG-Umlage relativ gering. In diesem Fall würde sich der Spitzenwert im Jahr 2021 mit einer EEG-Umlage in Höhe von 8,03 ct/kWh ergeben, was nur unwesentlich höher als im Referenzszenario ist (siehe Abb. 8). Über die Zeit betrachtet lässt sich auch hier feststellen, dass die EEG-Umlage stark sinken wird. 2030 läge sie nur noch bei 5,65 ct/kWh.

 

Abbildung 8

 

Wie in den Strompreis-/Umlagegrafiken zu erkennen ist, geht der EEG-Rechner von fast linear steigenden Strompreisen in der Zukunft aus. Agora legt hier die Annahme zugrunde, dass steigende CO2- und Rohstoffpreise die strompreissenkende Wirkung des steigenden EE-Anteils überkompensieren. Dieser Anstieg von jährlich ca. 3,65 Prozent geht stets auf Dauer betrachtet mit einer sinkenden EEG-Umlage einher. Ob sich der Preis aus einem höheren Anteil der EEG-Umlage aufgrund eines geringeren Strompreises oder aus einem prozentual niedrigeren Strompreis und dadurch einer höheren EEG-Umlage zusammensetzt, führt letztendlich zum gleichen Ergebnis.

 

Ebenfalls interessant ist der Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Primärenergieverbrauch. Aktuell (im Jahr 2017) machen die Erneuerbaren hierbei einen Anteil von gut 13 Prozent aus. Doch welcher Anteil würde sich bei der in Szenario 3 dargestellten Entwicklung im Jahr 2030 ergeben? Geht man von einer in 2017 produzierten Strommenge durch Erneuerbare Energien von 210 TWh und einer in 2030 produzierten Menge von 310 TWh aus, so ließen sich bei gleichbleibendem Primärenergieverbrauch in 2030 erst 15,8 Prozent des Primärenergieverbrauchs durch Erneuerbare Energien decken. Zwar hat die Bundesregierung auch hier einen stark sinkenden Primärenergieverbrauch von derzeit 13.383 Petajoule in 2017 auf 7.190 Petajoule in 2050 als Ziel gesetzt. Ob die Entwicklungen angestoßen werden, eine so erhebliche Reduktion des Primärenergieverbrauchs (Energiewende) zu ermöglichen, ist allerdings äußerst fraglich.

 

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Kai Imolauer

Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH)

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