Make in India und die Zukunft der Solarenergie – Update zu Änderungen in Recht und Politik

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​veröffentlicht am 25. August 2020

 

Mit dem am 12. Mai 2020 verkündeten Konjunkturpaket wurde neben der Förderung von „Make-in-India” und „Self Reliance India” auch die Vereinfachung von verwaltungstechnischen und administrativen Vorgängen angekündigt. Zusätzlich wurde das neue Anreizsysteme für den „Champion Sector” verkündet, das unter anderem für Hersteller von Solarphotovoltaikanlagen relevant ist. Dieser Artikel soll einen Überblick darüber bieten, welche Änderungen für den Solarsektor geplant sind und wie sich diese auf die Marktsituation in Indien auswirken.

 

Aktuelle Lage

Obwohl Indien in den letzten Jahren einen Aufschwung in der Solarenergieerzeugung erlebt und sich nun zu einem der größten Solarmärkte der Welt entwickelt hat, konnten sich bisher keine wettbewerbsfähigen indischen Produzenten für Solarzellen und Solarmodule etablieren. Dies liegt unter anderem daran, dass Produkte aus China den Solarmarkt dominieren und so Indiens Solarsektor stark von Importen aus China abhängig ist. Derzeit können sowohl indische als auch europäische Unternehmen mit günstigen Preisen aus China nicht konkurrieren. Das Ministry of New and Renewable Energies (MNRE) hat gegenüber dem indischen Parlament veröffentlicht, dass Indien in den ersten neun Monaten des Finanzjahres 2019/2020 Solarzellen und -module im Wert von 1.189,89 Millionen US-Dollar aus China importiert hat.

Dass diese Abhängigkeit nicht von Indien gewollt ist, wurde durch die Corona-Krise aufgrund der aktuellen politischen Lage und der Unterbrechung von Lieferketten forciert. Es ist auf indischer Seite teilweise zu einer Verknappung von Solarkomponenten und –modulen gekommen. Aufgrund dessen hat Indien nun erneut das „Make in India” Programm fokussiert und durch das „Self-Reliance India” Programm erweitert. Die genauen Änderungen insbesondere für den Solarmarkt stehen noch nicht fest, werden jedoch schon jetzt diskutiert. 

 

Geplante Änderungen

Das Konjunkturpaket der indischen Regierung, das aufgrund der Corona-Krise angekündigt wurde, enthält viele Änderungen, die auch für den Solarmarkt interessant und lukrativ sein könnten. Dazu gehört unter anderem der Schwerpunkt des Konjunkturpakets, die Marktbedingungen für Small and Medium Sized Enterprises (SMSEs) zu verbessern als auch globale Ausschreibungen bis zu 2 Milliarden INR zu verbieten. Dadurch möchte Indien seine „Make in India” und „Self-Reliance India” Politik deutlich stärken.


Um allgemein die Importabhängigkeit zu verringern und einen autarken, nachhaltigen und erschwinglichen Energiemarkt zu gewährleisten, diskutiert derzeit das MNRE darüber, höhere Zölle für Waren aus China zu verhängen. Derzeit wird diskutiert, ob ab dem 01.08.2020 Zölle in Höhe von 25 Prozent für Solarenergieanlagen erhoben werden sollen, die bis April 2022 auf bis zu 40 Prozent erhöht werden können. Die Importzölle für Solarzellen sollen auf 15 Prozent ansteigen, die bis 2022 bis zu 25 Prozent erhöht werden können. In der Zwischenzeit sollen strenge Qualitätskontrollen insbesondere an Importprodukte aus China durchgeführt werden. Indien erhofft dadurch die heimische Produktion im Solarindustrie ankurbeln zu können und somit einen weiteren Schritt in Richtung „Self Reliance India” zu nehmen.

 

Kritisch bleibt jedoch auch die finanzielle Unterstützung für Unternehmen, denn die Errichtungen von Solarparks und – anlagen sowie eines produzierenden Unternehmens ist mit hohen Vorlaufkosten verbunden. Der laufend hohe Zinssatz macht eine Finanzierung über eine indische Hausbank unattraktiv. Daher möchte Indien weitere Einrichtungen spezialisierter Finanzierungsinstitutionen schaffen und unterstützen, die in Eigen- oder Fremdkapital inländischer Solarhersteller investieren. Hier muss Indien weitere Taktiken entwickeln, um langfristig die Branche wettbewerbsfähig und rentabel auszubauen.


Ferner hat das MNRE einen Richtlinienentwurf für die Implementierung von netzunabhängigen Solarkraftwerken im RESCO-Modell (Renewable Energy Service Company) veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um eine Art Leasingmodell, bei dem ein Drittunternehmen das Solarprojekt finanziert, installiert, betreibt und wartet. Der Eigentümer des Grundstücks kann dann den produzierten Solarstrom verbrauchen, wofür im Gegenzug ein im Leasingvertrag im Voraus festgelegter Tarif gezahlt werden muss. Die neuen Richtlinien sollen vorerst für die Installation von RESCO Off-Grid Solaranlagen in den nordöstlichen Bundesstaaten Indiens, die durch die Central Financial Assistance (CFA) finanziell unterstützt werden, anwendbar sein.

 

Erste Erfolge

Dass Indien trotz Coronakrise den Solarsektor weiterentwickelt, zeigte die letzte Ausschreibung der Solar Energy Corporation of India („SECI”) für ein insgesamt 2-Gigawatt Solarprojekt, bei der 300 MW Projektkapazität an ein spanisches Unternehmen für 2,36 INR pro Kwh ging. Dabei handelt es sich um einen neuen Rekordpreis, der den vorherigen Rekordpreis auf 2017 von 2,44 INR pro KwH unterbietet.
Um solche Megaprojekte auch durchzuführen und erhalten zu können, hat Indien in den letzten Jahren auch im Bereich der Solarenergie das „Skill India” Programm ausgebaut und Initiativen geschaffen, die sich gezielt mit der Ausbildung von Fachpersonal wie z.B. Ingenieure für Solaranlagen und Solarpark beschäftigen.


Ferner setzt die Regierung nun auf Ausschreibungen für „Round-the-Clock” („RTC”) Projekte und Hybridprojekte. Es wird derzeit auch überlegt, keine einfachen Ausschreibungen für Solar- und Windkraftanlagen mehr durchzuführen, sondern gänzlich auf RTC und Hybridprojekte zu setzen.

 

Fazit

Im Bereich der Erneuerbaren Energien findet sich die gesamte Politik der indischen Regierung wieder, wie z.B. „Skill-India”, „Digital India”, „Self Reliance India” und nun fokussiert „Make in India”. Dies veranschaulicht deutlich, dass die indische Regierung den Fortschritt der Erneuerbaren Energien forcieren will. Somit nutzt Indien den geografischen und klimatischen Vorteil, den das Land aufgrund der hohen Anzahl von Sonnenstunden, die das ganze Jahr über zur Verfügung stehen.

 

 

 

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