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Power Purchase Agreements – Der italienische Markt 2021

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​veröffentlicht am 18. August 2021

 

Die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien verläuft heute nicht mehr nur über öffentliche Förderungen, sondern auch über neue vertragliche Instrumente, die die Betreiber der entsprechenden Anlagen mehr oder weniger aktiv auf dem Strommarkt suchen, um die ehrgeizigen Ziele der nationalen und europäischen Energiepläne (PNIEC und PNRR, um nur zwei Beispiele zu nennen) zu erreichen.


Immer beliebter werden auch in Italien sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs). Es hat aktuell den Anschein, als habe sich der gesamte Markt für Erneuerbare Energien mit PPAs arrangiert. Dies zeigen auch die nahezu ohne Beteiligung beendeten Vergabeverfahren des FER 1 (Ministerialdekret vom 4. Juli 2019): Die fünfte von der GSE (Gestore dei Servici Energetici) am 27. Mai 2021 initiierte Ausschreibung endete mit einer Zuteilung von nur 297,7 MW bei einer gesamten zur Verfügung stehenden förderfähigen Leistung von 2.461 MW, wobei gerade die Auktion für große Wind- und Photovoltaikanlagen erneut enttäuschend verlief: Bei einem Kontingent von 1.581,5 MW förderfähiger Leistung wurden gerade einmal 73,7 MW zugeteilt. Der Trend dieser Tarifvergabeverfahren ist mit einer kontinuierlich sinkenden Beteiligung eindeutig negativ.


Im Folgenden findet sich eine Zusammenfassung der Ergebnisse der fünften Ausschreibung. Bei der Auktion der Gruppe A (große Wind- und Photovoltaikanlagen) stehen acht Photovoltaik-Projekte drei Windprojekten gegenüber, sodass nahezu kein Wettbewerb besteht: Der maximal angebotene Abschlag des Basistarifs liegt bei 2,14 Prozent. Auch die Größe der Projekte bleibt hinter den Erwartungen zurück: Die meisten liegen unter 5 MW, eines übersteigt 8 MW und lediglich eine Windkraftanlage hat eine Leistung von 31 MW.

 

 

Tabelle PPA Italien 

Was sind PPAs?

PPAs sind mittel- oder langfristige Verträge, die die Lieferung von Strom aus Erneuerbaren Energien (überwiegend Wind und Photovoltaik) an eine bestimmte Partei vorsehen, in der Regel einen Stromhändler (Merchant- bzw. Utility-PPA) oder ein großes Unternehmen (Corporate-PPA). Die Verträge, oft bereits vor Beginn der Projektentwicklung abgeschlossen, reglementieren im Allgemeinen alle Phasen des Projekts: die Planung, die Genehmigung, die Finanzierung, die Installation und die Wartung einer Anlage für Erneuerbare Energien. Auch der Verkauf des Stroms an den Abnehmer zu einem vorher festgelegten Preis wird bereits vereinbart. Auf diese Weise wird das Projekt finanzierbar und damit realisierbar, da die zukünftigen Einnahmen genau kalkuliert werden können. Dies hat auch offensichtliche Vorteile für den Stromabnehmer: Stromhändler können mit einer sicheren Versorgung rechnen, Unternehmen können durch die langfristige Bindung regelmäßig günstige Konditionen erreichen und zusätzlich schon deshalb Kosten sparen, weil sie die Energie direkt vom Erzeuger erhalten. Der Abschluss von PPAs über Erneuerbare Energien ermöglicht es dem Abnehmer zudem, mit diesem „grünen” Image zu werben und sich als nachhaltig zu präsentieren.


Vorteile für die Stromerzeuger

Aus Sicht des künftigen Erzeugers ist der Abschluss eines PPA der Schlüssel zu einer Kreditfinanzierung, die den Bau von Großanlagen ermöglicht. Das Vorhandensein einer dritten Partei, die sich verpflichtet, den von der Anlage erzeugten Strom für eine bestimmte mehrjährige Dauer zu kaufen, ermöglicht es dem Erzeuger, einen ordentlichen Geschäftsplan auszuarbeiten. Ein regelmäßiger zukünftiger Cashflow schafft zudem die Möglichkeit, den Ratenzahlungsverpflichtungen aus der Projektfinanzierung nachzukommen, und erhöht damit zweifellos das Vertrauen in das Vorhaben. In Zeiten, in denen noch öffentliche Förderungen auf dem italienischen Energiemarkt existieren, ist das entscheidende Element aber wohl der höhere Preis, der sich – im Vergleich zu immer weiter sinkenden öffentlichen Förderungen – durch ein PPA erzielen lässt. Unter diesem Aspekt ermöglicht ein Corporate-PPA höhere Renditen als ein Utility-PPA, bei dem der Vertragspartner Endverbraucher ist und darauf bedacht, die in Italien traditionell sehr hohen Energiepreise zu reduzieren, während der Händler Preise anbietet, die näher am nationalen Durchschnittspreis PUN (Prezzo Unico Nazionale dell’energia elettrica) oder am Zonenpreis PZO (Prezzi Zonali Orari) liegen. Dies erklärt auch, warum Corporate-PPAs in Italien derzeit weiter verbreitet sind.


Vorteile für die Kunden

Auch der Stromverbraucher, also das mit der erzeugten Energie versorgte Unternehmen, genießt erhebliche Vorteile. Anhand des PPA kann das Unternehmen unter anderem seine Stromkosten langfristig kalkulieren, ohne die Kosten für den Bau eines eigenen Kraftwerks tragen zu müssen. Darüber hinaus mindert die durch PPAs gesicherte Verfügbarkeit von grünem Strom das Risiko eines CO2-Preisanstiegs insbesondere für Industrieunternehmen. Handelt es sich bei dem Kunden hingegen um einen Händler, so ist dieser daran interessiert, saubere Energie für den Weiterverkauf an seine Kunden zu erwerben, die ihrerseits einen Beitrag zur Energiewende leisten wollen und nach einem „nachhaltigen Produkt” verlangen.

 

Preisbildung und andere Charakteristiken des PPA

Um den im PPA vereinbarten Strompreis zu ermitteln, gibt es verschiedene Modelle, zum Beispiel: Festpreis (ein Fixpreis für eine bestimmte Zeit mit der Möglichkeit, ihn zum Zeitpunkt des Ablaufs neu zu bestimmen), Marktpreis (PUN oder PZO, s. o.) sowie Preis mit Cap und Floor, d. h. mit einem Maximum bzw. einem Minimum. In jedem Fall muss der Strompreis die Kosten für den Bau des Kraftwerks, die Finanzierungskosten, allgemeine Betriebskosten sowie die Kosten für die Netznutzung und den Netzausgleich decken. Für den Hersteller ergeben sich zudem zusätzliche Einnahmen aus dem Verkauf der italienischen Herkunftsnachweise GOs (Garanzia D’Origine).

Ein weiteres Thema, das der Vertrag regeln muss, ist die verfügbare Energiemenge. Keine Schwierigkeiten ergeben sich im Falle des Verkaufs an einen Händler, weil er die gesamte produzierte Energie abnimmt. Komplexer ist hingegen der Fall von Corporate-PPAs, da Erneuerbare-Energien-Anlagen die Verfügbarkeit von Energie nicht rund um die Uhr garantieren können und in den meisten Fällen auch das Unternehmen Momente mit weniger oder keinem Verbrauch hat. Daraus resultiert sowohl der Bedarf des Unternehmens nach zusätzlicher Versorgung als auch der Bedarf des Erzeugers nach einem Abnehmer überschüssiger Energie.


Einer vertraglichen Regelung bedürfen zudem folgende Aspekte: die Projektentwicklungsphase (deren Dauer bei Großanlagen die Marktteilnehmer seit Jahren kritisieren und die der Gesetzgeber deutlich reduzieren will), die Anlagenbauphase, die Anlagenbetriebsphase (in der die korrekte Messung des Stroms ein Thema ist), die Bezugsdauer, Mindestabnahmemengen, mögliche Überschüsse, Preisbildung und Preisrevision, Netznutzungs- und Ausgleichskosten (mit hoher Volatilität einiger Komponenten), mögliches Netzanschlusspunkt-Management-Mandat, vorzeitige Kündigung, Beendigung und Folgen, Versicherungs-/Anlagenfinanzierungsklauseln, ordentliche und außerordentliche Wartung und planmäßige Anlagenstillstände, möglicher Verkauf der Anlage sowie die Anpassung des Vertrags an Änderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen.

 

Aktuelle Lage in Italien

Die oben genannten Themen, die wir in den italienischen PPA-Projekten sehen, sind identisch mit jenen in den Märkten anderer Länder, von einigen Italien-Spezifika abgesehen. Trotz der Versuche des Gesetzgebers, den Abschluss von PPAs durch eine (aktuell in der Startphase befindliche) PPA-Plattform des Gestore dei Mercati Energetici zu erleichtern, und der dargelegten Vorteile verbreiten sich PPAs in Italien nur langsam. Es ist jedoch ersichtlich, dass der Markt in den vergangenen Jahren gereift ist, und erst in den letzten Monaten wurde von zahlreichen abgeschlossenen PPAs, größtenteils Corporate-PPAs, berichtet. Zu den Problemen, auf die die Beteiligten hinweisen, gehören: langsame Genehmigungsverfahren, öffentliche Stellen, die sich gegen die Anlagen aussprechen (zu diesem Aspekt hat der Gesetzgeber das Decreto Legge D. L. 31 Mai 2021, Nr. 77 erlassen), niedrige Strompreise, der Mangel an langfristigen Absicherungsinstrumenten durch Finanzinstrumente der internationalen Strombörsen oder durch Versicherungen (in Italien beträgt die Vertragsdauer zwischen fünf und zehn Jahren, mit einem Hedging, das bestenfalls fünf oder sechs Jahre erreicht), aufgrund dessen nur der Abschluss von virtuellen PPAs bleibt, sowie die Quasi-Unmöglichkeit der öffentlichen Verwaltung, Strom auf der Grundlage von PPAs zu beziehen.


Beispiele für Corporate-PPAs

Im Mai 2019 wurde bekannt gegeben, dass DXT Commodities, Duferdofin Nucor und Fera das erste Wind-Corporate-PPA in Italien vereinbart haben. Ähnliche Nachrichten kamen auch von einem anderen Betreiber in diesem Sektor, Ori Martin, der ab Ende 2020 dank eines fünfjährigen Corporate-PPA von Solarenergie profitieren wird, die eine 53-MW-Photovoltaikanlage auf Sardinien produziert. In beiden Fällen hat der Stromhändler DXT eine Schlüsselrolle übernommen. Er nimmt dem Erzeuger den Strom zu einem festen Preis ab, um ihn auf Abruf an das Unternehmen zu verkaufen – eine Vorgehensweise, mit der das PPA „virtuell” wird und die gleichzeitig einen sicheren Preis für die gesamte Laufzeit garantiert. Die jüngste Nachricht betrifft die Ferrero-Gruppe, die ebenfalls ein virtuelles Corporate-PPA abgeschlossen hat. Vertragspartner ist Falck Renewables, Vertragsgegenstand sind zwei in die Landwirtschaft integrierte Photovoltaikanlagen auf Sizilien.


 

 

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