Erfolgreich investieren in Indonesien

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

 

​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Indonesien ein?

Die indonesische Wirtschaft hat sich in den letzten 10 Jahren mit jährlichen Wachstumsraten von ca. 6 Prozent dynamisch entwickelt. Trotzdem bestehen für die Wirt­schaft weiterhin einige Probleme, insbesondere in Form schwerfälliger und intransparenter Bürokratie, wenig entwickelter Infrastruktur in weiten Landesteilen und des für einige Branchen ernsthaften Fachkräftemangels.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Indonesien beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung rückt Indonesien zunehmend in den Blickpunkt ausländischer Investoren. Das rohstoffreiche Land verfügt über einen großen Binnenmarkt und wachsenden Technologiebedarf. Wichtige Zielsektoren für mittelständische ausländische Direktinvesti­tionen in Indonesien finden sich neben dem Bereich Infrastruktur insbesondere in den Maschinenbau-, Metall- und Elektro-Branchen.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Indonesien gegenüber?

Erhebliche Defizite bestehen in Indonesien im Bereich der Infrastruktur, besonders bei der Elektrizitäts­erzeugung und im Verkehr (Straßen, Schienen, See- und Flughäfen). Das kann je nach Lage v.a. für Produktionsstätten zu Herausforderungen führen. Zudem erscheint das indonesische Rechtssystem deutschen Unternehmern häufig intransparent und wenig über­sichtlich, da es von verschiedenen Rechtsordnungen beeinflusst wird. Einschränkungen für Auslandsinvestitionen ergeben sich für einige Sektoren durch die sog. „Negativliste”, die zum Schutz des nationalen Interesses und der heimischen Wirtschaft bestimmte Geschäfts­bereiche für Ausländer beschränkt.

Trotz der Tendenz zu einer stärkeren Gleichbehandlung von aus- und inländischen Investitionen bestehen in etlichen Wirtschaftsbereichen noch immer Restriktionen für Ausländer, die in unregelmäßigen Abständen in der Negativliste durch ein Präsidialdekret festgelegt werden – die letzte Fassung trat am 18. Mai 2016 in Kraft. Hierdurch wurde der Marktzugang in weiteren Geschäftssektoren erleichtert, in einigen Fällen, wie zahlreichen Produktionssektoren oder industrienahen Dienstleistungen, können Anteile von bis zu 100 Prozent von Ausländern gehalten werden. Viele Projekte, insbesondere Vertriebstätigkeiten, erfordern jedoch nach wie vor die Errichtung eines Joint Ventures mit indonesischer Beteiligung. Die neue Liste wird noch in der ersten Jahreshälfte 2019 erwartet.

Geschäftssektoren, die in der Negativliste keine Erwähnung finden, können zudem durch Spezialgesetze beschränkt werden. Viele Auslandsinvestoren beklagen zudem die lange Dauer der Verwaltungsverfahren, um die für das operative Geschäft einer neugegründeten Gesellschaft erforderlichen Lizenzen zu erlangen. Dieses Problem hat die Regierung Ende 2018 aufgegriffen – über das OSS (Online Single Submission)-Portal können erforderliche Registrierungs- und Lizenzverfahren nunmehr digital durchgeführt werden, was die Bearbeitungs­zeiten erheblich reduzieren soll.

Indonesien hat in den letzten Jahren seine Importbarrieren und nichttarifären Handelshemmnisse in einigen Bereichen ausgeweitet. Die Aufnahme von Verhandlungen für ein Freihandelsab­kommen zwischen der EU und Indonesien, das u.a. die Handelshemmnisse zu mindern versucht, wurde am 18. Juli 2016 verkündet. Die 6. Verhandlungsrunde des „Comprehensive Economic Partnership Agreement” (CEPA) fand im Oktober 2018 in Palembang (Süd-Sumatra) statt.


Wie weit wurden die Vorgaben zur ASEAN Economic Community (AEC) in Indonesien umgesetzt?

Indonesien arbeitet weiterhin an seiner Marktöffnung für eine zunehmende Anzahl von Geschäftssektoren, um sich den Zielen im Rahmen des „Asean Economic Community” (AEC) Blueprint 2025 zu nähern. Hierbei sollte beachtet werden, dass Indonesien trotz geplanter Entwicklung der AEC zu einem Binnenmarkt diverse Branchen vor ausländischem Wettbewerb schützt. Das wirkt sich auf zahlreiche Aspekte des Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehrs mit anderen ASEAN-Staaten aus. Hier bleibt abzuwarten, inwiefern die Regierung den eingeschlagenen Liberalisierungskurs umsetzt oder von protektionistischen Überlegungen beeinflusst wird. Darauf könnte der Wahlkampf 2019 Auswirkungen haben.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Indonesien weiterentwickeln?

Während der ersten Amtszeit des 2014 gewählten Staatspräsidenten Joko Widodo erschien Indonesien sowohl demokratisch als auch wirtschaftlich relativ stabil und konnte sich als Investitionsstandort positiv entwickeln. Es zeichnen sich Tendenzen ab, dass diese Stabilität erhalten bleibt und die wirtschaftlichen Rahmen­be­ding­ungen mittelfristig liberalisiert werden. Allerdings lässt die Politik des Präsidenten aufgrund inner­parteilichen Drucks auch protektio­nistische Elemente erkennen: Bspw. soll die lokale Fertigung von Industrie­produkten gestärkt werden, was mit fortbestehenden Import- und Vertriebsbeschränkungen verbunden ist. Hierzu hat die Neufassung der Negativliste bislang nur teilweise Erleichterungen für Auslands­investi­tionen gebracht. Es besteht zudem das Risiko, dass der Wahlkampf 2019 ähnlich nationalistische und protektionistische Begleit­erscheinungen entwickelt wie 2014, was zumindest kurzfristige Investitions­hemmnisse mit sich bringen könnte. Die Entwicklung sollte bei Markt­eintritts­­planungen sorgfältig berück­sichtigt werden.

 


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