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Erfolgreich investieren in Lettland

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 4 Minuten

 

 

 

Wie schät­zen Sie die der­zei­ti­ge wirt­schaft­li­che La­ge in Lett­land ein?

Wie für alle anderen Länder der Welt war 2020 aufgrund der Corona-Pandemie auch für Lettland ein schwieriges Jahr. Nach einem leichten Rückgang zu Beginn des vergangenen Jahres befindet sich die Wirtschaft jedoch auf dem Weg einer langsamen, aber stetigen Erholung.  Wenn auch die Ungewissheit über den Corona-Pandemiever­lauf Entscheidungen für Investoren schwierig machte, konnten staatliche Unterstützungsmaßnahmen, z.B. finanzielle Zuschüsse, die negativen Auswirkungen der getroffenen Beschränkungen im Kampf gegen Corona abmildern. Der Rückgang des lettischen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 8,9 Prozent im Vorjahr lag noch unter dem EU-Durchschnitt von 11,7 Prozent. Bei planmäßiger Fortsetzung der Impfaktion werden für die zweite Jahreshälfte 2021 weitreichende Beschränkungslockerungen und damit auch ein deutlicher Wirtschaftsschub erwartet, der für bestehende und neue Investoren neue Möglichkeiten eröffnet.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Lettland beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Ausländische Investitionen waren für das Wachstum der lettischen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Insbesondere hochqualifizierte Arbeitskräfte und die geografische Lage haben Lettland für ausländische Investoren attraktiv gemacht. Im Ranking des „Doing Business 2020”-Reports der Weltbank, der untersucht, wie einfach die Geschäftstätigkeit in 190 Staaten der Welt ist, liegt Lettland unter den EU-Mitgliedern auf Platz 5 und insgesamt auf Platz 19.

Laut Angaben der lettischen Investitions- und Entwicklungsagentur („Latvijas Investīciju un attīstības aģentūra”, kurz: LIAA) beliefen sich die Neuinvestitionen in den ersten drei Quartalen 2020 auf mind. 204 Mio. Euro. Das ist der höchste Wert in den letzten 7 Jahren. Die Hauptbereiche für Auslandsinvestitionen waren die Finanz- und Versicherungsbranche, die verarbeitende Industrie sowie Informations- und Kommunikationsdienstleistungen.

Wenn auch aufgrund der globalen Pandemie ein leichter Rückgang der Auslastung von Produktionskapazitäten zu verzeichnen war, wird wieder ein Investitionsanstieg erwartet, sobald die Inbetriebnahme des Rail Baltica-Projekts beginnt und Lettland Mittel (Finanzhilfen und Darlehen) aus der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU erhält. Eine der Prioritäten des lettischen Wirtschaftsministeriums beim EU-Hilfsprogramm ist die Unterstützung der Entwicklung und Digitalisierung neuer Produkte. Um einheimische und ausländische Investoren anzulocken, hat das Ministerium außerdem einen sog. „Grünen Korridor” geschafft, um administrative und bürokratische Prozesse zu vereinfachen.

Darüber hinaus hat das Wirtschaftsministerium fünf Bereiche definiert, die verbessert werden müssen, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Lettland attraktiver zu gestalten:

  • Stärkung der Justiz;
  • Entwicklung einer kundenorientierten öffentlichen Verwaltung;
  • Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen und Produktion;
  • Zugänglichkeit des Geschäftsumfelds; und
  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Steuersystems.


Die für ausländische Investoren attraktivsten Branchen werden sich voraussichtlich auf das Gebiet der Informationstechnologie konzentrieren, wie digitale Innovationen, Fertigung und wissenschaftliche Forschung.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Lettland gegenüber?

Ausländische Investoren sehen sich bei der Aufnahme der Geschäftstätigkeit in Lettland mehreren Herausforderungen gegenüber, u.a.:

  • geringe Größe des lettischen Marktes;
  • häufige Änderungen des Steuerrechts;
  • geringe Forschungsinvestitionen;
  • weit verbreitete Korruptionsprobleme; und  
  • Schattenwirtschaft.


Im Kampf gegen Korruption und Schattenwirtschaft – langwierige bis heute bestehende Probleme – hat die lettische Regierung mit der Einrichtung des Wirtschaftsgerichts, das im März 2021 seine Tätigkeit aufgenommen hat, einen bedeutenden Schritt gesetzt. Ziele sind die Beschleunigung der Ermittlungen gegen Finanzkriminalität, der Verfahren in Zusammenhang mit gesellschaftsrechtlichen Angelegenheiten sowie der Klärung von Streitfragen über Schadenersatz aufgrund von Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht. Das Wirtschaftsgericht ist auch für Streitigkeiten zwischen Investoren aus anderen EU-Ländern und der Republik Lettland über bilaterale Abkommen zum Investitionsschutz zuständig.

Jüngste Änderungen des Gesetzes zur Verhinderung von Geldwäsche, Terrorismus- und Proliferationsfinanzierung haben zu einer strengeren Kontrolle der in Lettland registrierten Körperschaften geführt. Nun müssen alle im Unternehmensregister der Republik Lettland eingetragenen Unternehmen, einschließlich Zweigniederlassungen ausländischer Unternehmen, Informationen über ihren wirtschaftlichen Eigentümer offenlegen und Unterlagen bereitstellen, die Erklärungen gegenüber dem Unternehmensregister belegen. Das gleiche Recht, die Offenbarung des wirtschaftlichen Eigentümers einer Gesellschaft zu verlangen, wird auch von den Banken in Lettland aktiv ausgeübt, wenn eine Gesellschaft ein Bankkonto eröffnen möchte. Die Pflicht zur Offenlegung der wirtschaft­lichen Eigentümer besteht jedoch nicht nur in Lettland, da das lettische Recht gemäß den Bestimmungen der EU-Richtlinien zur Bekämpfung der Geldwäsche geändert wurde und die in den Richtlinien enthaltenen Anforderungen auch in allen anderen EU-Mitgliedstaaten umgesetzt wurden.

Die zahlreichen lettischen Steuerrechtsänderungen der vergangenen Jahre mögen wegen der Volatilität des Steuersystems einen negativen Beigeschmack haben, brachten aber Unternehmen lediglich Vorteile. Die Steuerlast ist gesunken und die Zusammenarbeit mit dem lettischen Finanzamt verbesserte sich. Um in der dynamischen Situation erfolgreich navigieren zu können, werden ausländische Investoren von kompetenten lokalen Beratern unterstützt, die mehrere Fremdsprachen einschließlich Deutsch sprechen. Investitionen in Lettland könnten für deutsche Unternehmen Ausgangspunkt für eine Markterschließung der gesamten Ostseeregion sein.


Warum sollten sich Unternehmen dafür entscheiden, in den lettischen Markt einzutreten bzw. auf dem lettischen Markt zu bleiben?

Eines der attraktivsten Vorteile des lettischen Marktes ist seine günstige geografische Lage. Lettland liegt in der Mitte der drei baltischen Staaten und grenzt im Osten an Russland und Weißrussland. Die Ostsee erleichtert seit Langem Handelsbeziehungen mit den skandinavischen Staaten. Aufgrund seiner Lage und seiner gut ausgebauten Infrastruktur bietet sich Lettland auch als erstklassiger Standort für Unternehmen an, die sowohl in Europa als auch weiter im Osten tätig sein wollen. Seit 2004 ist die Republik Lettland Mitglied der Europäischen Union. Am 1. Januar 2014 trat das Land – mit der Einführung des Euros – der Eurozone bei und genießt die Vorteile als Mitglied der Währungsunion, z.B. Wegfall der Währungsumrechnungskosten. In Lettland wurden fünf Sonderwirtschafts­zonen eingerichtet – die Sonderwirtschaftszonen Liepaja, Rezekne und Latgale sowie die Freihäfen Riga und Ventspils. Sie alle locken Unternehmen mit besonderen Anreizen, wie verschiedenen Steuervorteilen.

Zu den eindrücklichen Vorzügen Lettlands zählen, wie erwähnt, hochqualifizierte Arbeitskräfte und seine Fülle an natürlichen Ressourcen.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Lettland weiterentwickeln?

Als relativ kleines Land ist Lettlands Wirtschaftsentwicklung eng mit den Exportmöglichkeiten verbunden. Somit hängt das lettische Wirtschaftswachstum auch von der wirtschaftlichen Erholung seiner Handelspartner und dem globalen Geschehen ab. Obwohl die Corona-Pandemie Unsicherheit mit sich brachte, hat die rasche Reaktion der lettischen Regierung die Wirtschaft stabilisiert. Zudem verzeichnete der lettische Warenexport 2020 mit 13,19 Mrd. Euro ein Rekordhoch. Lettland ist nicht nur in der Lage, die pandemiebedingten Herausforderungen zu meistern, sondern wird in den Folgejahren auch ein rasches Wirtschaftswachstum erleben.

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