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Erfolgreich investieren in Österreich

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 4 Minuten


 

 

​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Österreich ein?

Die Covid-19-Pandemie hat Österreich wirtschaftlich gesehen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ hart getroffen. Das manifestierte sich in einem Rückgang des BIP im Jahr 2020 von -6,6 Prozent. Ein Grund dafür war und ist, dass – zumindest in Teilen von Österreich – mit kurzen Unterbrechungen seit Mitte November 2020 wieder ein strenger Lockdown gilt, sodass der Tourismus- und die meisten Handelsbetriebe sowie Freizeiteinrichtungen geschlossen haben und keine Kulturveranstaltungen möglich sind. Die Entwicklung in den einzelnen Sektoren hat sich aufgrund der Maßnahmen ausdifferenziert. Während die Stimmung im Baugewerbe gut ist und in der Industrie besser wird, sind die eben beschriebenen Branchen stark belastet. Der private Konsum leidet weiterhin unter den Maßnahmen, die zur Eindämmung des Covid-19-Virus getroffen wurden. Auch der Arbeitsmarkt wurde von der Krise getroffen, was sich in einer für österreichische Verhältnisse höheren Arbeitslosenrate niederschlägt. Ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit konnte nur durch die sukzessive Verlängerung der Kurzarbeitsregelungen verhindert werden.

Aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten hängt das Überleben vieler Unternehmen, insbesondere jener, die von behördlichen Schließungen betroffen sind, im Moment von Wirtschaftshilfen ab. Zur Abfederung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Wirtschaftskrise hat die Bundesregierung einen ganzen Strauß an Unterstützungsmaßnahmen beschlossen. Sie reichen von Kreditgarantien, Steuerstundungen und der bereits erwähnten Kurzarbeit über Fixkostenzuschüsse, Verlustersatz, Umsatzersatz und Ausfallsboni bis zu einer Investitionsprämie. Insgesamt hat Österreich bis jetzt fast 35 Mrd. Euro an Corona-Hilfen ausbezahlt oder genehmigt. Es wurden somit über zehn Prozent des BIP für Covid-Hilfsmaßnahmen in die Hand genommen oder in Aussicht gestellt. Die massiven Wirtschaftshilfen sind neben der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht auch für den aufgrund der Wirtschaftskrise paradox erscheinenden Rückgang der Insolvenzen um fast 40 Prozent verantwortlich. Es ist jedoch mit Nachholeffekten im Laufe des Jahres 2021 zu rechnen.

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung wird stark vom Erfolg der Eindämmungsmaßnahmen abhängen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird im Zusammenhang mit der weiteren Dauer des Lockdowns für 2021 mit einem Wirtschaftswachstum zwischen 1,5 und 2,3 Prozent gerechnet. So wie es derzeit aussieht, wird die österreichische Wirtschaft erst nach dem erfolgreichen Abschluss der Anfang des Jahres angelaufenen Impfkampagne wieder richtig in Schwung kommen. Damit ist jedoch erst ab Ende 2021/Anfang 2022 zu rechnen.

Wie würden Sie das Investitionsklima in Österreich beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Aufgrund der Förderungsmaßnahmen der Regierung und dem Aufschwung der internationalen Industrie­konjunktur kann das Investitionsklima als robust bezeichnet werden. Die Bundesregierung ist jedenfalls darum bemüht ihren Teil dazu beizutragen. Neben der (bis Ende Februar 2021 zu beantragenden) Investitionsprämie sind insbesondere steuerliche Maßnahmen, wie beschleunigte Abschreibungen von Gebäuden, degressive Abschreibungen und die schon länger bestehenden investitionsbedingten steuerlichen Gewinnfreibeträge für natürliche Personen zu nennen. Es wird v.a. bei den durch den Lockdown schwer getroffenen Branchen zu Nachholeffekten kommen.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Österreich gegenüber?

Deutsche Unternehmer sehen sich bei einem Engagement in Österreich i.d.R. mit keinen außergewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert. Selbstverständlich gibt es Unterschiede, doch sie sind eher von untergeordneter Bedeutung und spielen meist nur eine geringe Rolle. Aufgrund der gemeinsamen Sprache sowie der geographischen Nähe sind viele Abläufe ähnlich – auch im Steuerrecht. Das Steuer-, Gesellschafts- und Handelsrecht stimmt systematisch in großen Teilen mit dem deutschen überein, sodass keine großen Überraschungen zu erwarten sind.

Sichere und stabile wirtschaftliche Bedingungen in Österreich machen ein Engagement für deutsche Unternehmen überschau- und planbar. Negative Überraschungen sind jedoch immer wieder im Bereich des Gewerberechts und der Betriebsanlagengenehmigung festzustellen. Das oft propagierte „one-stop-shop”-Prinzip bei der Gründung und Eröffnung eines Gewerbebetriebes lässt sich in der Praxis nicht immer umsetzen. Im Großen und Ganzen sollten sich deutsche Unternehmer in Österreich aber relativ schnell zurechtfinden und auf keine nennenswerten Probleme stoßen. Es ist jedoch zu empfehlen sich beim Markteintritt steuerlich und rechtlich beraten zu lassen, um kleine aber umso ärgerlichere Stolpersteine zu vermeiden.

Warum sollten sich Unternehmen für einen Markteintritt/-verbleib in Österreich entscheiden?

Österreich bietet attraktive Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmen. Durch die Stellung als eines der reichsten Länder der EU verfügen österreichische Konsumenten über eine überdurchschnittliche Kaufkraft.

Die Infrastruktur ist hoch entwickelt und die Verwaltung modern und effizient. Zudem ist die Lebensqualität in Österreich sehr hoch. Wien wird in diversen Rankings regelmäßig zu den lebenswertesten Städten der Welt gezählt. Dazu trägt sicherlich auch die hohe persönliche Sicherheit bei. Auch im Zusammenhang mit dem Klimawandel und den dadurch ausgelösten Naturkatastrophen ist Österreich relativ sicher. Die Versorgungs­sicherheit mit elektrischer Energie hat in Österreich höchste Priorität, daher nimmt das Land im Vergleich mit anderen europäischen Ländern in der Beziehung eine Spitzenposition ein.

Des Weiteren ist Österreich politisch sehr stabil und verfügt über ein verlässliches Rechtssystem. Die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind traditionell sehr gut, was eine sehr geringe Anzahl an Streiktagen zur Folge hat. Österreich verfügt über eine große Anzahl an hochqualifizierten Arbeitskräften, was sich in einer hohen Arbeitsproduktivität niederschlägt. Mit dafür verantwortlich ist das in Österreich praktizierte duale Ausbildungssystem, das Theorie und Praxis verbindet und so zu einer optimalen Verknüpfung zwischen Wirtschaft und Bildung führt.

Ein weiterer Vorteil des Landes ist seine zentrale Lage in Europa. Wien ist führendes Drehkreuz im Flugverkehr und in der Logistik nach Mittel- und Osteuropa – es bietet einen hervorragenden Zugang zu den dortigen Märkten.

Nicht zuletzt ist Österreich aufgrund der attraktiven Gruppenbesteuerung und eines dichten Netzes an Doppelbesteuerungsabkommen steuerlich wettbewerbsfähig.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Österreich weiterentwickeln?

Nach Überwindung der Covid-19-Pandemie wird für 2022 mit einem Wirtschaftswachstum von 4 bis 5 Prozent gerechnet. Das Jahr 2022 wird somit das Jahr der Erholung aus der Covid-19-Krise sein. Die Entwicklung wird v.a. vom privaten Konsum, den Investitionstätigkeiten und der Außenwirtschaft getragen. Die positive Konsumdynamik ist dabei auf die Ausgabe der unfreiwillig gebildeten Ersparnisse zurückzuführen. Davon werden insbesondere von der Krise besonders stark betroffene Branchen, wie der Tourismus, das Gastgewerbe und der Handel, profitieren. In vielen Dienstleistungsbranchen dürfte die Wirtschaftsleistung jedoch im Jahr 2022 noch unter dem Vorkrisenniveau bleiben, während es gesamtwirtschaftlich erreicht bzw. eventuell sogar übertroffen wird. Die Erholung der Weltwirtschaft wird auch den österreichischen Exporten viel Rückenwind geben. Das wird v.a. der exportorientierten Industrie positive Impulse geben. Die Beschäftigungsnachfrage wird wieder anziehen und zu einem schrittweisen Absinken der Arbeitslosenquote führen. Die Inflation wird ab dem Spätsommer aufgrund gestiegener Rohstoffpreise und stärkerer Nachfrage nach einigen Dienstleistungen voraussichtlich vorübergehend auf über 2 Prozent ansteigen, der Inflationsdruck wird jedoch aufgrund einer schwachen Lohnentwicklung voraussichtlich verhalten sein.

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Prof. Dr. Peter Bömelburg

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

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