Erfolgreich investieren in Österreich

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zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

  

​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Österreich ein?

Die Einschätzung der Konjunktur ist zu Beginn des Jahres 2019 zurückhaltender als im Vorjahr. Das Wachstum des BIP im Jahr 2019 soll nach der jüngsten Prognose der Nationalbank bei 2,0 Prozent liegen und damit den Vergleichswert von 2018 (+ 2,7 Prozent) nicht mehr erreichen. Umfragen und erste Vorlaufindi­katoren weisen auf eine nachlassende konjunkturelle Dynamik hin. V.a. Vertrauens­indikator­en und Exportprognosen lassen eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums vermuten. Eine rückläufige Entwicklung ist aber für das Kalenderjahr 2019 nicht zu erwarten.
 
Gründe für die Entwicklung sind sowohl im internationalen Umfeld als auch in Österreich zu finden. Die Verschlechterung des internationalen Klimas aufgrund der fortgesetzten Diskussion über neue Zollformalitäten und Handelsschranken zwischen den USA, China und Europa sowie die Unberechenbarkeit des Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) Ende März 2019, wird nur teilweise von der guten wirtschaftlichen Entwicklung in Zentral- und Osteuropa ausgeglichen.

Die im Dezember 2017 neu konstituierte, konservative Bundesregierung hat aufgrund der grundsätzlich unternehmerfreundlicheren Politik zu einer Verbesserung des Investitionsklimas geführt. Insbesondere die Einführung der Möglichkeit eines 12-Stunden-Arbeitstages sorgt für eine anhaltende öffentliche Diskussion und zu größeren Protesten der Gewerkschaften, aber insgesamt zu einer überwiegend positiven Zustimmung in der Bevölkerung, da damit auch die Flexibilität bei der Arbeitszeit (Stichwort 4-Tage-Woche) zugenommen hat. Die Deregulierungs­initiative der Regierung und die geplante „Entrümpelung” des Rechtsbestands hat bis dato bei weitem nicht den ankündigten Umfang erreicht; hier sind noch weitere Schritte im Jahr 2019 vorgesehen bzw. auch erforderlich. Ebenso ist die nächste große Steuerreform zur Reduktion der Unternehmens- und Ein­kommen­steuern (Körperschaftsteuer wird evtl. auf 20 Prozent gesenkt) nur angekündigt. Details wurden bis dato nicht bekannt gegeben und könnten auch aus politischen Gründen über die kommenden 3 Jahre gleichmäßig verteilt werden.

Die Einschätzungen der Unternehmen zur aktuellen Lage und zur künftigen Geschäftsentwicklung sind weiterhin positiv, wenn auch zurückhaltender. Die unverändert niedrigen Zinsen unter­stützen weitere Investitionen und Akquisitionen.

Die Inflation wird auf dem aktuellen Niveau von 2,1 Prozent verbleiben (HVPI). In den Folgejahren 2020 und 2021 wird von der Nationalbank ein Rückgang auf 2,0 Prozent (2020) und 1,9 Prozent (2021) erwartet. Für die aktuelle Teuerungsrate sind die positive konjunkturelle Entwicklung und das kräftige Wachstum der Lohnstück­kosten ausschlaggebend. In den Jahren 2020 und 2021 werden die Konjunkturabschwächung und die moderat rückläufigen Rohölpreise die HVPI-Inflationsrate dämpfen.

Wie würden Sie das Investitionsklima in Österreich beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Das Investitionsklima in Österreich ist weiterhin positiv. Die Investitionen wuchsen im Jahr 2018 mit 3,5 Prozent kräftig. Für 2019 wird ein Anstieg von knapp über 3,0 Prozent der Bruttoanlage­investitionen erwartet. Für 2020 wird ein Rückgang auf rund 2,0 Prozent angenommen. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO ist der Investitionszyklus derzeit sehr volatil und es könnte auch nach dem seit 2016 kräftigen Anstieg ein stärkerer Rückgang folgen. Die erheblichen Unsicherheiten im weltweiten Handel und auch aufgrund des Brexit könnten sich negativ auf das Investitionsklima auswirken.

Der private Konsum wird weiterhin von einem starken Beschäftigungswachstum angetrieben. Auch das Investitionswachstum hält weiterhin an, wobei es sich vom Ausrüstungs- hin zu Bauinvestitionen verlagert. Während die Inlandsnachfrage nach wie vor robust ist, hat sich die Nachfrage im außenwirtschaftlichen Umfeld aufgrund der erwähnten Unsicherheiten deutlich verschlechtert.

Aufgrund der zurückhaltenden Erwartungen auf Sicht von 6 Monaten sind größere Unternehmen zu Jahresbeginn 2019 bestrebt, ihre Aufträge zügig abzuarbeiten. Das führt zu einer weiterhin abnehmenden Auftragsreichweite, sodass ab dem 2. Quartal 2019 (nach dem Brexit) die Abschwächung der Produktions­dynamik u.U. markant ausfallen könnte. Die Baubranche schätzt die weitere Konjunktur stabil ein. Die Überhitzung und die dadurch bekannt gewordene enorme Preissteigerung im Bausektor ist nicht mehr vorherrschend.

Sofern sich die politischen Risiken im Ausland nicht weiter verschärfen und die Ertragspers­pektiven der österreichischen Unternehmen intakt bleiben, lässt die Konstellation eine unverändert gute investitions­getragene, positive wirtschaftliche Entwicklung in Österreich erwarten. Baunebengewerbe und Bauzulieferindustrie sowie Elektrotechnik im weitesten Sinne und Anlagenbau scheinen primär von der aktuellen Konjunkturaussicht zu profitieren.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Österreich gegenüber?

Deutsche Unternehmer sehen sich bei einem Engagement in Österreich i.d.R. mit keinen außer­gewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert. Selbstverständlich gibt es Unterschiede, doch die sind eher von untergeordneter Bedeutung und spielen meist nur eine geringe Rolle. Aufgrund der gemeinsamen Sprache sowie der geographischen Nähe sind viele Abläufe ähnlich – auch im Steuer­recht. Das Steuer- und Handelsrecht stimmt systematisch in großen Teilen mit dem deutschen überein, sodass keine großen Überraschungen zu erwarten sind.

Sichere und stabile wirtschaftliche Bedingungen in Österreich machen ein Engagement für deutsche Unternehmen überschau- und planbar. Negative Überraschungen sind jedoch immer wieder im Bereich des Gewerberechts und der Betriebsanlagengenehmigung festzustellen. Das oft propagierte one-stop-shop-Prinzip bei der Gründung und Eröffnung eines Gewerbebetriebes lässt sich in der Praxis nicht immer umsetzen. Die konservative Bundesregierung hat im Jahr 2018 erste Ver­ein­fach­ungen für Großprojekte auf den Weg gebracht (Stichwort Umweltverträg­lichkeitsprüfungen für Verkehrsprojekte), von einer allgemeinen Verbesserung und Entbürokra­tisierung kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Weitere Maßnahmen sind 2019 zu erwarten.

Wie weit ist Österreich mit der Digitalisierung?

Die Digitalisierung war eines der Schwerpunktthemen der Klausur der Bundesregierung Mitte Januar 2019. Demnach hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, dass Österreich in die Gruppe der „Digital Nine”, in die Gruppe der bestens digitalisierten Staaten aufschließt. Dazu wird ein eigenes Programm unter der Dachmarke „Digital Austria Agenda” geschaffen. Ab März 2019 soll die neue Website oesterreich.gv.at eine einheitliche Plattform für alle digitalen Behördenwege sein. Die 10 häufigsten Behördenwege, etwa Änderungen im Melderegister, Strafregisterbescheinigungen, Verlustmeldungen und Duplikats­bean­tragungen von Ausweisen sollen über Smartphones online durchführbar sein.

Im Bereich 5G-Mobilfunktechnik will die Bundesregierung Vorreiter in der Europäischen Union werden, da die Digitalisierung für den ländlichen Raum eine große Chance darstellt und Arbeits­plätze, die im städtischen Bereich geschaffen wurden, wieder in den ländlichen Raum zurückwandern können. Bis 2023 sollen alle Hauptverbindungen und bis 2025 ganz Österreich flächendeckend an die neue Technik angeschlossen werden.

Das Bundesministerium für Wirtschaft wurde mit der neuen Bundesregierung in „Bundesminis­terium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort” umbenannt und soll damit das Streben nach einem aktuellen digitalen Erscheinungsbild Österreichs – abseits von Themen wie Kultur oder Landschaft – unterstreichen. Dazu wird das „digitale Amt” unter dem Motto „Die Verwaltung wird in Zukunft zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt” vorangetrieben.

Verwaltungsvereinfachungen für Unternehmen sind durch das Projekt „Once Only” geplant. Mit dem Projekt sollen die Daten von Unternehmen nur einmal eingegeben werden, damit eine Entlastung der Unternehmen von Bürokratiekosten erreicht wird.

Die Offensive in der Infrastruktur soll durch Maßnahmen im Bildungsbereich unterstützt werden. In der Schule wird verstärkt eine digitale Grundausbildung eingeführt, die auch mit einer Verbesserung der schulischen Infrastruktur mit leistungsstarkem WLAN und mobilen Endgeräten begleitet wird. Bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Pädagoginnen und Pädagogen wird der Fokus auch auf die Digitalisierung gerichtet werden.

Insgesamt ist der aktuelle Stand der Digitalisierung der Behördenwege in Österreich zufrieden­stellend. Insbesondere Finanzamt, Handelsregister und Sozialversicherung sind schon weitgehend digital erreichbar. Bei Landes- und Gemeindeabgaben ist jedoch Verbesserungs­bedarf sichtbar. Gleiches gilt auch für lokale Behördenverfahren, während bundesgesetzlich geregelte Verfahren auf einem besser entwickelten digitalen Niveau möglich sind.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Österreich weiterentwickeln?

Die österreichische Wirtschaft hat im 1. Quartal 2019 nicht mehr den konjunkturellen Schwung des Vorjahres. Die wichtigsten Vertrauensindikatoren entwickelten sich seit dem Sommer 2018 rückläufig. Dennoch befinden sich die Indikatoren über dem langfristigen Durchschnitt und deuten somit auf ein nach wie vor positives Wachstum hin.

Der private Konsum wird 2019 weiter von einem starken Beschäftigungswachstum angetrieben. Auch das Investitionswachstum hält an. Während die Inlandsnachfrage nach wie vor gut ist, hat sich das außenwirtschaftliche Umfeld deutlich verschlechtert. Die weitere Entwicklung der globalen Handels­konflikte, die Auswirkungen des Brexit und auch die Abgasdiskussion bei PKW sowie die damit einhergehende Veränderung der Zulassungen von KFZ ist zu beobachten. Das kann kurzfristig auch negative Auswirkungen auf die österreichische Zulieferindustrie haben.

Das Wachstum der Zahl der unselbstständig Beschäftigten war im Jahr 2018 mit 2,5 Prozent außergewöhnlich stark und betraf alle Kategorien. Im Jahresdurchschnitt waren 3,75 Mio. Personen beschäftigt – das ist eine Zunahme gegenüber 2017 von 91,4 Tsd. Personen. Damit sank auch die nationale Arbeitslosenquote auf 7,7 Prozent im Jahr 2018, die Eurostaat - Arbeitslosenquote ging im November 2018 auf 4,7 Prozent zurück. Ein weiterer moderater Rückgang der Arbeitslosigkeit in den Jahren 2019 und 2020 wird vom Konjunkturindikator der Nationalbank erwartet.

Die erwähnte Deregulierungsinitiative der Bundesregierung ist ein wichtiger 1. Schritt, dem weitere auf allen Ebenen der staatlichen Verwaltung folgen müssen. Nach dem 1. Jahr scheint jedoch, dass das hohe Tempo der Ankündigungen und ersten Maßnahmen nicht eingehalten werden kann und demnach Projekte langsamer und gleichmäßiger bis zum Ende der 5-jährigen Legislaturperiode 2022 abgewickelt werden. Darunter fallen auch die erwartete große Steuerreform und die Digitalisierung. 

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Wolfgang Quirchmayr

CPA, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

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