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Erfolgreich investieren in Polen

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 6 Minuten


 

 

​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Polen ein?

Das Jahr 2020 stand für die Weltwirtschaft im Zeichen der Covid-19-Pandemie, der Suche nach dem Umgang mit ihren Folgen und einer allgemeinen Krise. Dennoch hat sich der Einbruch in der Weltwirtschaft nicht allzu drastisch auf die wirtschaftliche Situation in Polen ausgewirkt. Für alle ist es eine angenehme Überraschung, wie gut es der polnischen Volkswirtschaft im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gelang, trotz des Wütens der Pandemie ihr bisheriges Niveau und ihre Stabilität zu bewahren sowie sich verhältnismäßig schnell und erfolgreich an die von dem Coronavirus diktierten Bedingungen anzupassen. Die Rezession, die auch die polnische Volkswirtschaft erfasste, fiel hierzulande flacher aus als im EU-Durchschnitt. Laut Marktforschungen ging die Wirtschaft 2020 nur um etwas mehr als 3 Prozent zurück. Dabei kam ohne Zweifel die Diversifizierung und die günstige Struktur der Wirtschaft dem Land zugute: In Polen hat der Tourismus die geringste Bedeutung unter allen OECD-Staaten – und eben der Tourismus litt am meisten unter der Krise. Eine große Rolle für die Geschäftswelt spielen dagegen der Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor sowie moderne Dienstleistungen. Die Wirtschaftszweige waren von den Folgen der Pandemie wesentlich weniger stark betroffen.


Wie würden Sie das Investitionsklima beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Das Investitionsklima in Polen hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht allzu stark geändert und ist nach wie vor sehr gut. Jedoch müssen sich Unternehmer, die in Polen investieren wollen, v.a. an die gegenwärtigen Pandemie-Bedingungen sowie an die sich daraus ergebenden Beschränkungen anpassen und die von der Regierung angebotene Hilfe in Anspruch nehmen. Das Investitionsklima scheint noch immer attraktiv zu sein und einen ständigen Zufluss frischen, ausländischen Kapitals zu begünstigen. Von Jahr zu Jahr ergeben sich immer neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit in weiteren Bereichen, z.B. bei der Energie-Infrastruktur und der Erschließung neuer Energiequellen, Technologien und der Cybersicherheit.

Man geht davon aus, dass die Investoren nach der Pandemie den menschlichen Faktor so weitgehend wie möglich durch neue Technologien werden ersetzen wollen. Eben dort liegt das größte Marktpotenzial. Die Konkurrenzfähigkeit auf dem Gebiet der Digitalisierung wird ein wesentlicher Faktor bei Investitions­entscheidungen sein. Weiterhin ist ein Trend zu Investitionen zu beobachten, die die Folgen des Klimawandels bekämpfen sollen – die Rede ist von Investitionen in Erneuerbare Energien.

Immer größere Bedeutung gewinnen auch die Sonderwirtschaftszonen, in denen man große steuerliche Vergünstigungen erhalten kann. Gegenwärtig kann ein Unternehmen beantragen, dass ihm ein Förderbescheid für eine neue Investition an einem beliebigen Standort zuerkannt wird. Die Höhe der Steuerbefreiungen wird als Produkt aus der Summe der Investitionsaufwendungen oder der Arbeitskosten in zwei Jahren einerseits und dem Koeffizienten der maximalen Beihilfeintensität andererseits berechnet. Der Koeffizient hängt wiederum einerseits vom Grad der Arbeitslosigkeit in der Investitionsregion, andererseits vom wirtschaftlichen Potenzial des Investors ab. Deshalb sind in dem Fall KMU (Klein- und mittelständische Unternehmen) besonders privilegiert. Von deiner solchen Form der Unterstützung machen immer häufiger auch Unternehmen Gebrauch, die in Polen sog. „Shared Services Center” eröffnen.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Polen gegenüber?

Die größte Herausforderung, der sich deutsche Unternehmen gegenübersehen, ist das polnische Steuerrecht mit seinen ständigen Novellierungen. Die Aufnahme von Investitionen in Polen ist schon ganz am Anfang mit Entscheidungen verbunden, die weitreichende Folgen haben, z.B. mit der Wahl der am besten geeigneten Rechtsform. Die Entscheidung bestimmt auch die späteren steuerlichen Folgen sowie den Umfang der Haftung des Investors. So erlegt z.B. die Novellierung des Körperschaftsteuergesetzes den Kommanditgesellschaften die Pflicht zur Abrechnung der Körperschaftsteuer auf, was zu einer Doppelbesteuerung der von den Komplementären und Kommanditisten erzielten Gewinne führt. Eine weitere Erschwernis besteht darin, dass die Erfassung ausländischer Zahlungen als absetzbare Betriebsausgaben beschränkt wird. Nicht leichter wird es für die Unternehmer auch durch die Novellierung der Abgabenordnung bezüglich der Zuständigkeit der Steuerbehörden für die Abrechnung der pauschalierten Quellensteuer (WHT), die die Steuerzahler von Gebietsfremden erheben.

Andererseits darf man auch nicht die vielen Anreize und Erleichterungen vergessen, wie die Vorzugsbedingungen für Investitionstätigkeit oder die Möglichkeit zur Anwendung zweier alternativer Besteuerungsvarianten (estnische Körperschaftsteuer oder Investitions-Sonderfonds).


Polen ist mit Abstand größter Handelspartner Deutschlands im Osteuropageschäft und fünftgrößter Handelspartner Deutschlands weltweit. Welche Chancen ergeben sich daraus für die polnische-deutsche Zusammenarbeit?

Riesige. Zum ersten Mal hat Polen eine so hohe Platzierung erreicht. Dabei wurden sogar so große Volkswirtschaften wie Italien überholt, was davon zeugt, dass die Bedeutung Polens als Außenhandelspartner Deutschlands von Jahr zu Jahr wächst. Die polnischen Unternehmen sehen bereits Chancen zur Anknüpfung fester Kontakte mit dem deutschen KMU-Sektor. Das eröffnet Entwicklungschancen für viele Wirtschafts­sektoren, bspw. digitale Technologien, Autoindustrie oder Pharmazie.


Wie wird sich Polen aus Ihrer Sicht weiterentwickeln?

Das Jahr 2021 wird von einem geduldigen Wiederaufbau der ohnehin starken Position der polnischen Wirtschaft gekennzeichnet sein. Leider hängt alles von der Entwicklung der Pandemie ab sowie von der Geschwindigkeit, mit der die Menschen geimpft werden und die Rückkehr zu einem „normalen” Leben erfolgt. Aber schon jetzt zeigen die Prognosen, dass Polen im nächsten Jahr mit einem Anstieg des BIP um rund 5 Prozent rechnen kann.

Die polnische Volkswirtschaft erweist sich zunehmend widerstandsfähig gegenüber den Folgen der Pandemie, und das Land hat Chancen, aus dem Lockdown schneller herauszukommen als der Rest Europas. Ein langsamer Prozess wird dagegen die Umsetzung großer Projekte in den nächsten Jahren sein – die Transformation des Energiesektors, d.h. der schrittweise Abschied von der Kohle, oder auch bestimmter Branchen, wie die Produktion emissionsarmen Wasserstoffes. Nach optimistischen Szenarien wird die Wirtschaft nach der Pandemie schnell wieder an Fahrt aufnehmen. Eine gute Nachricht für die Zukunft der polnischen Wirtschaft ist die Tatsache, dass die Manager großer Unternehmen immer größeren Wert auf die digitalen Kompetenzen der Bewerber legen. Dazu kann Polen sich mit einer soliden technischen Infrastruktur sowie eines großen Reservoirs gut ausgebildeter und talentierter Ingenieure, Informatiker und Techniker rühmen.

 Erfahren Sie mehr zu Polen beim Forum Global 2021

  

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  • Auslandsexpansion Osteuropa: Aktuelle Trends bei der Wahl der optimalen Organisationsform (Baltikum, Polen, Slowakei, Tschechische Republik)
  • Standard Audit Files for Taxes (SAF-T) als obligatorisches Digital-Reporting-Tool zu den Finanzämtern in europäischen Ländern (Deutschland, Italien, Polen, Spanien, Tschechische Republik)

    
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