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Erfolgreich investieren in Schweden

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 2 Minuten


 

 

​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Schweden ein?   

Die schwedische Wirtschaft hat das erste Corona-Jahr besser überstanden als im Frühjahr 2020 befürchtet. Laut einer vorläufigen Schätzung des schwedischen Statistikamtes SCB sank das Bruttoinlandsprodukt 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent. Während viele europäische Länder in strenge „Lockdowns” gingen, blieb das Leben in Schweden grundsätzlich normal. Fabriken, Büros, Geschäfte und Restaurants durften mit gewissen Einschränkungen geöffnet bleiben. Ferner wurde die Rezession durch starke Unter­stützungs­maßnahmen gemildert. Der relativ kleine Gastgewerbesektor, der hingegen große Exportsektor sowie der hohe Grad an Digitalisierung, der das Arbeiten im Homeoffice erleichtert, haben sich positiv ausgewirkt – Schweden steht trotz der Pandemie wirtschaftlich recht gut da.

Die Anzahl der Konkurse lag außer in den ersten drei Pandemiemonaten im nahezu gesamten Jahr 2020 deutlich unter dem Vorjahreswert – nicht zuletzt dank umfangreicher Hilfsmaßnahmen. Laut Prognosen wird sie 2021 bis auf 9 Prozent ansteigen und danach nur langsam zurückgehen.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Schweden beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Aufgrund der Pandemie fuhren viele Unternehmen ihre Investitionstätigkeit zunächst zurück und Arbeitsplätze wurden abgebaut. Die Europäische Kommission bezifferte in ihrer Herbstprognose den Rückgang der Bruttoanlageinvestitionen in Schweden 2020 auf 3,4 Prozent. Da jedoch Betriebsschließungen generell vermieden wurden und die Nachfrage aus dem Ausland weiter anzog, hat sich die Industrie vom Einbruch im Frühjahr 2020 rasch erholt.

Laut dem staatlichen Konjunkturinstitut könnte das Investitionsvolumen aufgrund der staatlichen Unterstützungs­maßnahmen bereits im Laufe des Jahres 2021 auf das Vorkrisenniveau zurückkehren und um bis zu 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen. So gibt es Vergünstigungen für Maschinenkäufe, die Förderung von Forschung und Entwicklung, „grüne” Staatsinvestitionen und zahlreiche Stützen für den Arbeitsmarkt, Jobeinsteiger und das Wachstum von Kleinfirmen. Der Online-Handel hat deutliches Wachstums-Potenzial zu verzeichnen. Angesichts der weitgehenden „Normalität“ (keine Ladenschließungen, keine Produktionsstopps) zeigt sich im verarbeitenden Gewerbe ein gewisser Optimismus und eine anhaltend hohe Aktivität. 
    
Exportabhängige Unternehmen haben die Flaute der Weltkonjunktur natürlich stark zu spüren bekommen. Der damit einhergehende Investitionsrückgang sollte jedoch nicht überbewertet werden, denn die Moderni­sierungen und Investitionen in zukunftsorientierten Bereichen wie Nachhaltigkeit, Automatisierung und Digitalisierung werden weiterverfolgt.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Schweden gegenüber?

Das schwedische Besteuerungssystem gilt trotz der Harmonisierung des Umsatzsteuerrechts in der EU als relativ kompliziert und es gibt große nationale Unterschiede. Als Unternehmer bei allen unterschiedlichen steuerlichen Regelungen in Schweden und Deutschland den Überblick zu behalten, ist nicht so einfach. Die rigide Gesetzeslage am Arbeitsmarkt, die Entlassungen nahezu unmöglich machen, schreckt viele Arbeitsgeber ab, neue Stellen zu schaffen. Darüber hinaus zählen die Arbeitskosten zu den höchsten in Europa.

Schweden ist bekannt für seine wenig hierarchische Unternehmenskultur, die auf Konsens, Dialog und Kooperation ausgerichtet ist. Dennoch kann es bei den Themen Entscheidungsfindung oder Führungsstil zu Konflikten kommen, wenn unterschiedliche Wertehaltungen aufeinandertreffen. Die Richtung eindeutig vorgeben – die Schweden verstehen das als diskutierbaren Vorschlag. Als deutscher Unternehmer in Schweden gilt es, sich der kleinen aber feinen Unterschiede zwischen den Geschäftskulturen der beiden Länder bewusst zu sein.


In Nordschweden entsteht der größte Onshore-Windpark Europas. Welche Chancen ergeben sich daraus?

Schweden hat die Vorteile der Windenergie frühzeitig erkannt und baut sie weiter aus. Mit dem Windpark Önusberget wollen GE Renewable Energy und der unabhängige Asset Manager Luxcara – nach USA – den größten Einzelwindpark an Land in Europa mit 137 Turbinen und einer Leistung von 753 MW bauen. Die Infrastruktur­arbeiten in Nordschweden haben bereits begonnen; im Juli 2021 soll die Installation der ersten Windenergiean­lagen starten. Das Projekt mit seinen Teilparks Kallamossen und Djupdal soll genug Strom produzieren, um mehr als 200.000 schwedische Haushalte pro Jahr zu versorgen und im Laufe seiner Lebensdauer fast 1.000.000 Tonnen CO2 einsparen. Schweden weißt bereits heute einen Windstromanteil von gut 15 Prozent auf. Mit dem Projekt wird die Stromproduktion im Kontext eines langfristigen Stromvertrags über 25 Jahre vermarktet und Schweden baut so seine Vorreiter-Position im Bereich Windkraft aus.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Schweden weiterentwickeln?

Der kombinierte Angebots- und Nachfrageschock aufgrund der Pandemie führte dazu, dass das BIP im zweiten Quartal 2020 sehr stark zurückging. Im dritten Quartal stieg die Nachfrage und die Lieferketten begannen wieder zu funktionieren. Jedoch traf die nächste Welle sowohl Schweden als auch viele andere Länder und die Erholung wurde gebrochen. Während das BIP im Jahr 2020 um etwa 3 Prozent geschrumpft ist, gehen Prognosen davon aus, dass sich das Wachstum 2021 erholen wird. Die Wirtschaft wird sich dennoch weiterhin in einer Rezession befinden. Als exportabhängiges Land hängt die künftige Erholung Schwedens daher nicht nur vom weiteren Verlauf der Pandemie und der Impfstoffverfügbarkeit ab, sondern auch davon, wie sich die Weltwirtschaftslage und die der EU-Nachbarländer entwickeln wird. Die schwedischen Exporte haben nach vorläufigen Angaben des SCB 2020 im Jahresvergleich zwar abgenommen, das Minus war mit 5 Prozent jedoch wesentlich niedriger als bei den Importen. 2021 könnte sich das Bild umkehren und das Importwachstum möglicherweise gegen 6 Prozent tendieren. Sollte sich die Corona-Lage allmählich beruhigen und die Weltkonjunktur kein Nachbeben erleben, könnte die Nachfrage nach schwedischen Produkten 2021 je nach Prognose um 3 bis 5 Prozent zulegen.

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