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Erfolgreich investieren in der Tschechischen Republik

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 4 Minuten


 

 

​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Tschechischen Republik ein?

Die tschechische Wirtschaft ist 2020 infolge der Covid-19-Pandemie um mehr als 6 Prozent [1] gegenüber dem Vorjahr gesunken, etwas mehr als zunächst erwartet. Damit gehörte Tschechien 2020 zu den mittelschwer betroffenen Ländern innerhalb der EU. Das langjährige Wachstum ist damit erst einmal gestoppt worden. Im Frühjahr 2021 erlitt die tschechische Wirtschaft einen weiteren Rückschlag. Durch die dritte Welle der Covid-19-Pandemie im Februar 2021 infolge der auftretenden Mutationen (insbesondere aus England), kam es zu einem sehr raschen Anstieg der Infektionszahlen, mit der Folge, dass ein strenger Lockdown eingeführt wurde, der die tschechische Wirtschaft erneut in Mitleidenschaft zog.

Ein rascher Ausstieg aus der Corona-Rezession scheint für das Jahr 2021 noch nicht in Sicht. Dennoch gibt es neben den unter Verlusten leidenden Branchen auch Gewinner der Krise. Insbesondere die Automotive- und Logistikbranche sowie der Onlinehandel boomen auch 2021. Demgegenüber stehen insbesondere der Tourismus und die Gastronomie als die Verlierer der Krise dar.

Insgesamt sieht die wirtschaftliche Lage in Tschechien aber nicht so schlecht aus, auch wenn sie wohl frühestens im Jahr 2022 das Vor-Corona-Niveau erreichen wird. Letztlich wird die wirtschaftliche Erholung Tschechiens neben der Entwicklung des Haupt­export­marktes Deutschland auch von der Bewältigung der Krise im eigenen Land abhängig sein.


Wie würden Sie das Investitions­klima in der Tschechischen Republik beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die Standortfaktoren sind in Tschechien trotz der Covid-19-Pandemie unverändert gut. Investoren können weiterhin auf die bestehenden positiven Rahmenbedingungen – d.h. eine hohe Produktivität, einen hohen Ausbindungsgrad der Arbeitnehmer, die Rechtssicherheit, aber auch auf eine ausgeprägte Flexibilität auf bestehende Trends und Notwendigkeiten im Markt zu reagieren – zurückgreifen. Hinzu kommt die geographische Lage mit einer guten Anbindung an die Nachbarländer, die 2020 weiter ausgebaut wurde. All das trägt zu einem insgesamt positiven Investitionsklima in Tschechien bei. Trotz der relativ hohen Anzahl politischer Parteien im Tschechischen Parlament und der damit zusammenhängenden, manchmal durchaus aufflammenden, politischen Debatten ist die allgemeine politische Lage in Tschechien als stabil anzusehen.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in der Tschechischen Republik gegenüber?

Die in den letzten Jahren sehr niedrige Arbeitslosenquote – einer der größten Herausforderungen überhaupt – ist im Jahr 2020 pandemiebedingt etwas gestiegen. Sie lag im Februar 2021 bei 4,3 Prozent; sie ist jedoch nach wie vor eine der niedrigsten innerhalb der EU. Das liegt u.a. auch an den verschiedenen Unterstützungsprogrammen der tschechischen Regierung im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, z.B. an dem sog. Antivirus Programm, das bereits im Frühjahr 2020 für betroffene Arbeitgeber ins Leben gerufen wurde und auch im Jahr 2021 weiterhin aufrechterhalten wird.

Der jahrelang zu verzeichnende Überbietungskampf der Arbeitgeber um fachlich qualifizierte Arbeitnehmer ist damit umstandsbedingt etwas abgeflacht. Dennoch ist der Mangel an Arbeitskräften weiterhin – v.a. in bestimmten Branchen, wie der bereits genannten Logistikbranche – zu spüren.

Die Lohnkosten steigen weiterhin. Zum 1. Januar 2021 ist der Mindestlohn auf 15.200 Tschechische Kronen (ca. 580 Euro) angehoben worden. Der durchschnittliche Bruttolohn ist um 4,4 Prozent auf 35.611 Tschechische Kronen (ca. 1.345 Euro) gestiegen. Die höchsten Löhne sind in der IT- und Kommunikationsbranche sowie in der Bank- und Finanzwelt zu verzeichnen. Mit sinkenden Löhnen hatte 2020 aber insbesondere die Immobilien-Branche und das Gastronomiegewerbe zu kämpfen.


Wie begegnet die Tschechische Republik dem Fachkräftemangel?

Tschechien ist in den letzten Jahren ein Opfer des eigenen Erfolgs gewesen. Das Land war und ist nach wie vor eine gute Adresse, wenn es darum geht, Investitionen ins europäische Ausland auszuweiten. Die tschechische Regierung versucht, dem Fachkräftemangel mit unterschiedlichen Maßnahmen entgegen zu steuern, auch wenn das in der aktuellen Situation nicht zu ihrer Priorität gehört und die gegenwärtige Lage das Problem – zumindest vorübergehend – etwas entschärft hat.

Die angedachte Reform des Berufs­schul­systems, die in Tschechien dringend notwendig ist, steht nach wie vor aus.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Tschechische Republik weiterentwickeln?

Als Investitionsstandort dürfte das Land auf der Skala der beliebtesten europäischen Länder in Mittel- und Osteuropa weiterhin auf den vordersten Plätzen stehen. Es ist davon auszugehen, dass die tschechische Regierung versuchen wird, das gute Geschäftsklima zu erhalten. Eine erhöhte Staatsverschuldung sowie die Steigerung der Gesamtausgaben des Staates werden wohl zwangsläufig die Folge sein.

In den letzten Jahren ist in Tschechien ein wahrer Gründungsboom ausgebrochen. Immer mehr junge Unternehmer entscheiden sich für die Selbstständigkeit und gründen ein Start-up. Die tschechische Regierung unterstützt den Trend, den die Covid-19-Pandemie noch weiter verstärkte und v.a. erheblich beschleunigte. Bereits letztes Jahr kamen eigene junge Liefer-Unternehmen auf den Markt, die der hohen Nachfrage aufgrund des blühenden Online-Handels durch die Erweiterung des Fuhrparks und die weitere Neueinstellung von Fahrern begegnen. Dadurch wurde – zumindest zu einem gewissen Teil – auch der Wegfall von Arbeitsplätzen im Dienstleistungsbereich kompensiert.

Bedingt durch die Covid-19-Pandemie ist in Tschechien zudem ein Trend zum E-Commerce erkennbar. Es haben sich inzwischen mehrere unabhängige Lieferketten etabliert. Auch sonstige Retailer haben – soweit noch nicht vorhanden – den Aufbau bzw. den Ausbau ihrer E-Shop-Aktivitäten forciert. Die Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren wohl noch weiter fortsetzen.

Das Interesse an der Eröffnung von sog. Pop-Up-Stores, um z.B. Saisonwaren schnell absetzen zu können, steigt ebenfalls. Eine nachhaltige Auswirkung des Trends auf das gesamte Vermietungsgeschäft im Retailbereich ist daher nicht ausgeschlossen.

 
Es ist zu erwarten, dass es zu einer nachhaltigen Änderung der Geschäftsprozesse insgesamt kommt. Themen wie die Datensicherheit und des Datenschutzes einschließlich der Weitergabe der Kundendaten gewinnen künftig erheblich an Bedeutung.

Durch die oben bereits aufgezeigte ausgeprägte Flexibilität in Tschechien auf bestehende Trends und Notwendigkeiten im Markt zu reagieren, ist grundsätzlich zu erwarten, dass sich das seit Jahren bestehende stabile Wirtschaftswachstum im Land – wenn auch vielleicht in den nächsten Jahren nicht in den Umfang, wie bislang – weiterhin fortsetzen dürfte. Auch ist, bedingt durch die Fragen zur Stabilität von Lieferketten aus Asien infolge der Covid-19-Pandemie und durch die zeitweise Blockade des Suezkanals, ein Trend zum „Nearshoring” zu verzeichnen, der sich sicherlich nicht negativ auf die weiteren Aussichten der Tschechischen Republik auswirken wird, zusätzliche Investoren zur Ansiedlung weiterer neuer Unternehmen zu gewinnen.

 



[1] Die Zahl bewegt sich je nach Quelle zwischen 6,5 und 6,9 Prozent.

 Kulturelle Besonderheiten in der Tschechischen Republik

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JUDr. Petr Novotný, Ph.D.

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