Erfolgreich investieren in den USA

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 4 Minuten

 

 

​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in den USA ein?

Die derzeitige wirtschaftliche Lage in den USA wird im Wesentlichen durch SARS-COV-2 beeinflusst. Für die kommenden Monate wird ein deutlicher Rückgang des BIP erwartet, Goldman-Sachs erwartet für das 2. Quartal 2020 einen Einbruch von 34 Prozent.

Bis Mitte April haben 27 Mio. Menschen Arbeitslosenunterstützung beantragt und es wird eine Arbeits­losenquote von über 15 Prozent erwartet. Laut einer Studie der St. Louis Federal Reserve Bank gelten 67 Mio. Beschäf­tigungs­verhältnisse als gefährdet.

Die kurzfristige wirtschaftliche Lage wird sich daran messen, wie neben den USA die gesamte Welt mit der Pandemie und dem Gebot zu „physical distance” umgeht. In den USA ergibt sich aktuell ein uneinheitliches Bild der einzelnen Bundesstaaten zur Wiedereröffnung der Wirtschaft. Während viele Bundesstaaten weiterhin auf den Lockdown setzen, öffnen andere Bundesstaaten bereits wieder und lassen bestimmte Dienstleistung und Industrien anlaufen. Allerdings ist zu erwarten, dass eine vollständige Öffnung erst erfolgt, wenn eine Impfung von mind. 70 Prozent der Bevölkerung durchgeführt wurde.


Wie würden Sie das Investitionsklima in den USA beschreiben? Welche Branchen bergen grosses Potenzial?

Aufgrund der bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie werden sich langfristig Chancen für den Wirtschaftsstandort USA ergeben. Das gilt besonders für den solide geführten und langfristig ausgerichteten deutschen Mittelstand. Es ist zu erwarten, dass es aufgrund der Erfahrungen der Pandemie zu Rückverlagerungen der internationalen Supply-Chain in eine nationale Versorgung kommt, v.a. in den Bereichen der Medizintechnik und beim Bedarf des täglichen Lebens. Weiterhin ist zu erwarten, dass die Bedeutung des Online-Handels bzw. der Vertrieb von Produkten über Online-Plattformen noch weiter zunimmt und damit der Bedarf an innovativen logistischen Lösungen.

Von der aktuellen Situation sind besonders Unternehmen betroffen, die sich im Bereich der Luft- und Schifffahrt engagieren als auch die Öl- und Automobilindustrie über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Auswirkung sind auch in der Gastronomie und in der Sport- und Unterhaltungsbranche deutlich erkennbar. Langlebige Konsumgüter verzeichnen einen deutlichen Einbruch, im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus sind Auftrags­stornierungen und unbezahlten Rechnungen zu beobachten. In der Bauwirtschaft bricht bereits der Umfang der Gewerbeimmobilien und der gewerbliche Wohnungsbau ein und das abschmelzende Privatvermögen wird zu Projektaufgaben führen. In dem Bereich sind sicherlich staatliche Maßnahmen für Flughäfen, Bahnhöfe bzw. Gesundheitseinrichtungen zu erwarten.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in den USA gegenüber?

Aktuell sind die wesentlichen Hemmnisse für ein Engagement in den USA im Bereich der Reise­beschränkungen zu sehen. Sämtliche Beschränkungen gelten derzeit bis auf Widerruf, bereits bestehende VISA berechtigen nicht mehr zu einer Einreise in die USA und die Ausstellung von Green Cards sind bis mind. Ende Juni ausgesetzt. VISA-Anträge können weiterhin gestellt werden, allerdings sind die Konsulate für Nicht-Amerikanische-Staatsbürger geschlossen, sodass eine Bearbeitung nicht gewährleistet ist. In welcher Art und Weise nach dem Ende der vollständigen Reisebeschränkungen noch die Bedingung für eine 14-tägige Quarantäne in den USA bestehen bleiben, ist aktuell nicht absehbar.

Für bereits bestehende Niederlassungen in den USA gestaltet sich trotz der hohen Arbeitslosigkeit die Suche nach qualifizierten Fachkräften schwierig, da bestehende Arbeitsplätze durch die Mitarbeiter in den unsicheren Zeiten nicht aufgegeben werden. Planungsunsicherheit gibt es auch nach wie vor auf dem Gebiet der laufenden Verhandlungen im Handelsstreit zwischen der USA und der EU. Die angedrohten Strafzölle in der Automobil­industrie sind weiterhin nur aufgeschoben. Zusätzliche Strafzölle im Bereich der Aluminium- und Stahlderivate gelten seit Februar 2020 und weitere Optionen werden derzeit durch die amerikanische Regierung geprüft.


Wie beurteilen Sie die Zukunft der Automobilindustrie in den USA?

Aufgrund der aktuellen weltweiten Pandemie kommt es zu weitreichenden Auswirkungen auf die nordameri­kanische Automobilwirtschaft. Es ist davon auszugehen, dass der Bedarf an Neuzulassungen und Kraftfahrzeugen im PKW-Bereich in den kommenden Jahren nicht wieder das Niveau der Jahre 2018/2019 erreichen wird. Wesentlicher Grund ist v.a. das reduzierte Vermögen der amerikanischen Haushalte. Im Bereich der Elektro­mobilität und des autonomen Fahrens sind aber mittelfristig deutliche Investitionsimpulse zu erwarten. Es ist zu erkennen, dass es zu einer Wiederbelebung der Region Detroit durch die Automobilwirtschaft kommt.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht die USA weiterentwickeln?

Die US-Wirtschaft ist in den vergangenen zwei Jahren um weitere 2 Bio. US-Dollar gewachsen und stellt somit auch weiterhin – vor der EU – den größten zusammenhängenden Wirtschaftsraum dar. Das Verhältnis wird sich durch die Covid-19-Krise nicht ändern. Ein Stimulus-Programm für die amerikanische Wirtschaft ist bereits erlassen und weitere Ergänzungen sind schon im Gespräch. Für das Jahr 2020 wird, gegenüber dem Vorjahr, ein Rückgang der Wirtschaftsleistung erwartet. Das Niveau der Reduzierung ist in großem Maße abhängig zum einem vom Zeitpunkt des Endes des strengen Lock-Downs (der unterschiedlich in den Bundesstaaten gehandhabt wird) und zum anderen von der Entwicklung nach der Öffnung der Wirtschaft, d.h. in welcher Art und Weise und Geschwindigkeit es zur Erholung kommt. Die bereits gesetzten und künftigen Impulse der US-Regierung werden erheblich das Haushaltsdefizit steigern, allerdings im Gleichschritt mit allen wesentlichen Industrienationen weltweit. Im Zusammenhang mit der Auswirkung des Virus SARS-Cov-2 ist erkannt worden, dass die Abhängigkeit extremer internationaler Zulieferketten überdacht werden muss. Darum ist davon auszugehen, dass verschiedene Branchen deutliche Anstrengungen unternehmen werden, um wieder Produktion in den USA wettbewerbsfähig zu ermöglichen. Das vermehrte Insourcing von Lieferketten in die USA bietet jedoch wieder deutliche Chancen für deutsche Investoren an dem Wachstum teilzunehmen.

Für unsere deutschen Mandanten, mit Plänen einer Geschäftstätigkeit in den USA, sind die Engagements aktuell kritisch zu beleuchten und zu bewerten. Allerdings zeigt die Erfahrung aus der Vergangenheit, dass sich deutsche Unternehmen mit einer langfristigen Orientierung ihrer US-Investments attraktive Positionen erarbeiten konnten. Langfristig sind daher die wirtschaftlichen Bedingungen in den USA als der größte und sicherste Wirtschaftsraum weiterhin überproportional attraktiv – auch im Hinblick auf Diversifikation, Innovations- und Wachstumschancen. Die aktuelle Situation erfordert aber eine stetige Kalibrierung des Engagements. Insg. überwiegen allerdings die Chancen der amerikanischen Volkswirtschaft gegenüber den aktuellen Risiken deutlich.

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