Erfolgreich investieren in den USA

zuletzt aktualisiert am 17. Juli 2019 | Lesedauer ca. 5 Minuten

 

​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in den USA ein?

Die derzeitige wirtschaftliche Lage beurteilen wir nach wie vor sehr positiv. Im Jahr 2017 verzeichneten die USA insgesamt ein BIP-Wachstum von 2,2 Prozent. Ökonomen der nationalen Behörden, internationalen Institutionen und der US-Finanzwirt­schaft prognostizierten für 2018 ein Wachstum von 2,9 Prozent, das noch bis Mitte 2019 anhalten soll. Eine jährlich durchgeführte Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handels­kammern, in der rund 1.900 Führungskräfte deutscher Firmen in den USA um ihre Meinung gebeten wurden, spiegelt eine ähnliche Einschätzung wieder. Nur 3 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem Rückgang der US-Wirtschaft. 9 Prozent erwarten einen Rückgang ihres eigenen Geschäfts; das ist jedoch der höchste Wert seit der Rezession 2008. Des Weiteren geben die US-Steuerreform, die Aussetzung der Schuldenobergrenze für den US-Bundeshaushalt 2018 und die Vorhaben im Präsidentenbudget 2019 der US-Wirtschaft einen zusätzlichen Wachstumsschub. Diese positive Stimmung bestätigt sich in gleicher Weise in Gesprächen mit unseren Mandanten in den USA.

Die USA sind nach wie vor das wichtigste Abnehmerland deutscher Waren und Güter. Im Jahr 2018 wurden Güter im Wert von 113,5 Mrd. Euro von Deutschland in die Vereinigten Staaten exportiert.


Wie würden Sie das Investitionsklima in den USA beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Aufgrund der wirtschaftsfreundlichen Reformen sehen wir auch weiterhin ein anhaltendes Investitions­interesse europäischer Unternehmen in den USA. Der Wirtschaftsstandort überzeugt nach wie vor mit vielen Vorteilen. Unsere Mandanten schätzen die Nähe zum Kunden, die Kundennachfrage und die Stabilität des Binnenmarktes. Der o.a. Umfrage zur Folge sind das die Hauptgründe, weswegen sich europäische Unternehmen für künftige Investitionen in den US-Markt entscheiden.

Des Weiteren plant 1 von 5 Firmen eine Diversifizierung ihres Geschäftes und M&A als strategische Maßnahmen in 2019. Das ist ein erneuter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren (8 Prozent in 2017 und 11 Prozent in 2018).

Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau bleiben die USA der wichtigste ausländische Markt. Die Investitionsbereitschaft wichtiger Kunden ist dank der guten wirtschaftlichen Lage im Jahr 2018 nach wie vor sehr hoch. Für deutsche Maschinenbauer stellen die USA einen großen Absatzmarkt mit potenten Kunden dar. In der Branche wird in absehbarer Zukunft keine Veränderung erwartet, insbesondere weil Maschinen­bau­produkte in der aktuellen Diskussion von US-Strafzöllen nicht betroffen sind. Die US-Industrie deckt ihren Bedarf an Maschinen zu 60 Prozent aus eigenen Ressourcen. Der Rest wird hauptsächlich aus China, Japan, Mexiko und Deutschland importiert. In den letzten 2 Jahren stiegen die US-Importe von Maschinen um 9,7 Prozent auf 226,2 Mrd. US-Dollar. In Deutschland stiegen die Lieferungen der Maschinenbauindustrie um 11,1 Prozent auf 20,5 Mrd. US-Dollar. Das bedeutet einen Lieferanteil von 11 Prozent. Deutsche Maschinenbauer sind besonders gefragt, wenn individuell angepasste und qualitativ hochwertige Lösungen benötigt werden.

Ein weiterer deutscher Vorzeige-Wirtschaftszweig bleibt nach wie vor die Automobil-Industrie. 2017 machten Autos und Fahrzeugteile rund ein Drittel aller deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten aus. Inwiefern sich die von der Trump-Regierung ins Gespräch gebrachten Sonderzölle i.H.v. bis zu 25 Prozent auf die deutsche Automobilindustrie auswirken werden, bleibt abzuwarten. Sollte die Regierung tatsächlich die Importzölle um 25 Prozent erhöhen, könnte das die deutschen Autoexporte empfindlich treffen. Laut dem Münchener Ifo-Institut würden sich die deutschen Auto-Exporte um 7,7 Prozent verringern, was einem tatsächlichen Wert von 18,4 Mrd. Euro entspricht. Langfristig könnten sie sich sogar fast halbieren. Bei Importzöllen von 15 bis 25 Prozent würden Zollkosten i.H.v. 3 bis 5 Mrd. Euro entstehen. Das wäre 10 Mal mehr als die rund 507 Mio. Euro, die 2017 bei deutschen Autoexporten anfielen. Wann allerdings eine Entscheidung seitens der Trump-Administration darüber getroffen wird, ist bisher noch unklar.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in den USA gegenüber?

Wie auch in den Vorjahren, ist es weiterhin eine große Herausforderung, qualifizierte Arbeitskräfte zu akquirieren. Der Fachkräftemangel bleibt eine Hauptsorge für 87 Prozent der befragten deutschen Unternehmen in den USA. Hinzu kommt erschwerend, dass nach dem Regierungswechsel größere Hürden genommen werden müssen, um ein Arbeitsvisum für Fachkräfte zu erhalten. In der Vergangenheit gaben 58 Prozent der befragten Unternehmen das Arbeitsvisum als eine Herausforderung an, 2018 haben 78 Prozent das als Schwierigkeit angesehen. Präsident Trump unterzeichnete 2017 ein Dekret, das die Ausstellung von Arbeitsvisa für hoch qualifizierte Ausländer erschweren soll. Gemäß seinem Wahlkampf­motto „America First” möchte er damit den Interessen von US-Arbeitnehmern absoluten Vorrang geben. Mit dem unterzeichneten Dekret fordert er mehrere Ministerien – darunter das Arbeits- und das Justizministerium – auf, die bisherige Vergabepraxis zu überprüfen. Aufgrund dieser Entwicklungen ist künftig mit zunehmenden Schwierigkeiten beim Erhalt von Arbeitsvisa für Fachkräfte zu rechnen.

Zusätzlich besteht ein großes Problem in der Planungssicherheit durch die laufenden Verhandlungen im Handelsstreit. Von den befragten deutschen Unternehmen wurden die Unsicherheiten in Bezug auf Handelsrichtlinien als Unabwägbarkeit genannt, 90 Prozent der deutschen Unternehmen nannten den Freihandel als entscheidenden Faktor für ihren wirtschaftlichen Erfolg.


Ein weiteres Hindernis sind die neu eingeführten Strafzölle der USA. 39 Prozent der deutschen Tochter­gesellschaften in den USA beziehen, laut der Umfrage, Produkte aus China. 83 Prozent davon berichten, dass sie von den USA auferlegten Zöllen negativ beeinflusst sind.


Wie beurteilen Sie die Zukunft der Automobilindustrie in den USA?

Die Gesamtzahl der produzierten und verkauften Kraftfahrzeuge macht deutlich, welchen Stellenwert die Automobilbranche in den USA einnimmt. Die Anzahl der in den USA produzierten Kraftfahrzeuge lag in den vergangenen Jahren bei 11,2 Mio. und somit weltweit nur hinter China (29 Mio.). Im Jahr 2018 wurden 17,22 Mio. Kraftfahrzeuge in den USA verkauft.

In einer jedoch insgesamt eher schrumpfenden Automobilindustrie stellen sich auch die USA auf einen Umschwung in der Branche ein. So haben führende amerikanische Autobauer diverse Maßnahmen ange­kündigt, ihre Investitionen in die Elektro- und Hybridflotte zu erhöhen. Die USA erfahren einen leichten Anstieg in der Nachfrage nach „Sustainable Mobility” (nachhaltiger Mobilität), jedoch müssen dabei die geografische Zusammensetzung und die demografische Entwicklung der USA berücksichtigt werden, die für die Bedürfnisse und Präferenzen der Verbraucher ausschlaggebend sind.

Obwohl die Gesamtzahl der Auslieferungen in die USA im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, stellen die USA für Deutschland – nach Daten des Statistischen Bundesamts – das mit Abstand wichtigste Abnehmerland für Kraftfahrzeuge dar. Die deutschen Auslieferungen von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen in die Vereinigten Staaten betrugen im vergangenen Jahr rund 28,4 Mrd. US-Dollar. Die deutsche Automobil- und -zuliefer­industrie haben in den vergangenen Jahren mit rund 300 Fabriken über 113.000 Arbeitsplätze in den USA geschaffen und sind nach wie vor der größte Autoexporteur aus den USA. Diese Zahlen machen deutlich, wie sehr die deutsche Automobilbranche in den Vereinigten Staaten verankert ist. Allerdings lässt sich bisher nicht vorhersagen, wie stark der Handelskonflikt die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA beeinflussen wird.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht die USA weiterentwickeln?

Die US-Wirtschaft hat beeindruckende Wachstumszahlen vorgewiesen. Im 2. Quartal 2018 ist das reale BIP sogar um 4 Prozent gestiegen – das ist die größte vierteljährliche Steigerung seit 2014.

Die stärksten Wachstumsimpulse kommen hierbei vom privaten Verbrauch, der von der guten Lage am Arbeitsmarkt profitiert. Da (noch) keine Trendwende am Arbeitsmarkt in Sicht ist, sollte sich der Aufschwung in diesem Jahr fortsetzen, sodass er im Juni 2019 mit einer Dauer von mehr als 120 Monaten einen neuen Rekordwert erreichen würde.

Dennoch erfolgen diese Fiskalimpulse der US-Regierung zu einer Zeit, in der ein solcher Schub ökonomisch nicht notwendigerweise angemessen ist. Die Folgen der fiskalischen Anreize könnten auf Kosten des künftigen Wachstums gehen. Während die Trump-Regierung derzeit ihre Steuersenkungsprogramme für Unternehmen und Bürger durchführt, könnte das ab 2020 ein erhebliches Defizit produzieren.


Für unsere deutschen Mandanten, mit Plänen einer Geschäftstätigkeit in den USA, weckt die US-Politik sicherlich Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit. Die Erfahrung im Hinblick auf den US-Markt zeigt aber, dass sich deutsche Unternehmen bei einem langfristigen US-Investment eher an den wirtschaftlichen als an den politischen Gegebenheiten orientieren und der US-Markt weiterhin sehr attraktiv ist.

 
 

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