Erfolgreich investieren in den USA

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zuletzt aktualisiert am 27. Juni 2022 | Lesedauer ca. 4 Minuten

 

 

​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in den USA ein?

Nachdem die Jahre 2019 und 2020 im Wesentlichen durch die Pandemie geprägt waren, hat sich im Jahr 2021 die Wirtschaft deutlich erholt und ein Wachstum von fast 6 Prozent erreicht. Im ersten Quartal 2022 sank, aufgrund stark ansteigender Kosten des Imports, das Bruttoinlandsprodukt um 1,4 Prozent. Der private Binnenkonsum und die Investitionen wuchsen weiterhin auch im 1. Quartal 2022.

Der Konjunkturaufschwung aus 2021 zeigte deutliche Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigten stiegt um 6,4 Millionen und die Erwerbslosenquote sank auf 3,9 Prozent, somit hat die Zahl der Erwerbstätigen fast das Vor-Pandemie-Niveau erreicht.

Die Inflation in den USA erreichte im März 2022 mit 8,5 Prozent den höchsten Stand seit 40 Jahren. Um der Inflation entgegenzuwirken, hat die amerikanische Notenbank FED bereits mehrere Zinsschritte vollzogen und weitere Zinserhöhungen bis zum Jahresende angekündigt. 

Gemäß des World Business Outlook von März/April 2022, einer Umfrage, die von dem weltweiten AHK Netzwerk unter deutschen Unternehmen und deren Niederlassungen im Ausland durchgeführt wurde, stechen Nordamerika und insbesondere die USA positiv heraus. 62 Prozent der deutschen Unternehmen in den USA schätzten ihre Situation besser ein, also noch vor einem Jahr und sogar 72 Prozent erwarten eine noch bessere Entwicklung in den kommenden 12 Monaten.

  

Wie würden Sie das Investitionsklima in den USA beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die im Rahmen der Pandemie eingeleiteten Maßnahmen zur Abfederung besonderer Härten für Privatpersonen und die steuerlichen Konjunkturpakte für Unternehmen wirken auch weiterhin und erzeugen kurz- und mittelfristig Chancen am Wirtschaftsstandort USA. Dies gilt besonders für den solide geführten, langfristig ausgerichteten und Eigenkapitalstark aufgestellten deutschen Mittelstand.

Die Konjunkturindikatoren deuten vor allen Dingen auf eine weiterhin stabil wachsende Konsumnachfrage und ein weiter positives Investitionsklima hin. Die Bedeutung des Online-Handels ist im Rahmen der Pandemie deutlich gestiegen und wird noch weiter zunehmen, so dass der Bedarf an innovativen logistischen Lösungen im Besonderen zu erwarten ist.

Schwerpunkte der industriellen Branchen sind in den Bereichen der erneuerbaren Energien, Technologien zum Schutz der Ressourcen, in der Entwicklung neuer Materialien aber auch im Bereich der alternativen Antriebe, des Leichtbaus und deren Einsatzgebiet im Fahrzeugbau und in der Luft- und Raumfahrttechnik zu erwarten.

Mit dem Amtsantritt der Regierung Biden Anfang 2021 wurde der Verbesserung der Infrastruktur und der Umweltschutz zur Staatsräson erklärt. D.h. die Arbeit des Kabinetts und daraus resultierende Entscheidungen ordnen sich unter. Damit entstehenden Förderung durch den Bund und Investitionen, die einen tiefgreifenden strukturellen Wandel auslösen, etwa in der Energiewirtschaft und im Fahrzeugbau. Durch das vorhandene Know-How deutscher Investoren in den genannten Branchen, bestehen hervorragende Aussichten an den sich entwickelnden Märkten zu partizipieren.

    

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in den USA gegenüber?

Die bisherigen pandemiebedingten Hindernisse im Rahmen der Einreise in die USA sind aufgehoben, doch sind weiterhin Einschränkungen in der Geschwindigkeit der Vergabe der Einreise- oder Arbeitserlaubnisse möglich.

Weiterhin bestehen weiterhin einige Handels- und Zollbeschränkungen, die durch Präsident Trump eingeführt worden sind. Erste Einigungen im Bereich der Stahl- und Aluminiumimporte könnten hier den Anfang machen. Erwartbar ist allerdings auch, dass der protektionistische Gedanke für die amerikanische Wirtschaft bestehen bleibt, welches zur Konsequenz hat, dass nur eine lokale Präsenz in den USA empfehlenswert ist, um den optimalen Marktzugang zu gewährleisten.

Daneben stellt die Suche nach qualifizierten Fach- und Führungskräften eine große Herausforderung dar. Nicht alle Arbeitnehmer kommen nach der Pandemie wieder in den Arbeitsmarkt zurück, auch unterschiedliche Homeoffice Modelle werden zu einem verstärkten Wettbewerb für Mitarbeiter führen.

  

Wie beurteilen Sie die Zukunft der Automobilindustrie in den USA?

Für das Jahr 2022 wird ein Absatz von 15,5 Millionen Einheiten erwartet, der damit nur noch leicht unter dem Vor-Pandemie Niveau liegen würde.

Wesentlich wird die strukturelle Veränderung in den USA mit der Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge sein. Vornehmlichen werden die Komponenten dazu bisher importiert. Präsident Biden plant hier die Neuausrichtung der Wirtschaft und die Schaffung von Millionen neuer Arbeitsplätze durch den Aufbau der entsprechenden Lieferketten in den USA. Einzelne Ergebnisse sind hier bereits erkennbar wie die Investition von 7 Mrd. USD von GM am Stammsitz in Detroit für den Aus- und Aufbau der Batteriezellen- und E-Truck-Produktion.

    

Wie wird sich aus Ihrer Sicht die USA weiterentwickeln?

Basierend auf den Konjunkturdaten, der aktuellen Preisentwicklung aber auch aufgrund der weiterhin stockenden Lieferketten, insbesondere aus China, sind eindeutige Szenarien schwer zu bestimmen. Die anhaltende Konsumnachfrage und die Investitionstätigkeiten der Industrie zeigen eine freundliche wirtschaftliche Entwicklung, die als Basis Szenario dienen kann.

 

Aufgrund der Anstrengungen der amerikanischen Regierung die Lieferketten wieder zu nationalisieren und diese wettbewerbsfähig zu gestalten, ergeben sich deutliche Potentiale für unsere deutschen Mandaten an dieser Lokalisierung partizipieren zu können. Die Nutzung dieser Möglichkeit im US-Binnenmarkt, ist nur durch einen Marktzugang mit lokaler Präsenz vor Ort realisierbar.

 

Aufgrund der aktuellen Inflation ist nicht damit zu rechnen, dass es zu einer Änderung in der Besteuerung von Unternehmen kommen wird. Allerdings werden sicherlich die Anstrengungen der amerikanischen Steuerbehörden im Bund und in den Staaten steigen, entsprechende Einkommensteuer und Umsatzsteuer von Unternehmen zu verlangen, die zwar keine lokale Präsenz in den USA betreiben, aber mit Handelspartnern in den USA zusammenarbeiten.

 

Die Erfahrung der Vergangenheit zeigt, dass sich deutsche Unternehmen mit einer nachhaltigen Orientierung ihrer US-Investments attraktive Positionen am Markt erarbeiten konnten/können. Langfristig bleiben die wirtschaftlichen Bedingungen in den USA als dem größten und sichersten Wirtschaftsraum unverhältnismäßig attraktiv, auch in Bezug auf Diversifizierung, Innovation und Wachstumschancen. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus der Pandemie und mit dem weiterhin noch eingeschränkten freien Handel erfordert das Engagement in den USA eine ständige Kalibrierung. Insgesamt allerdings überwiegen deutlich die Chancen der amerikanischen Volkswirtschaft gegenüber den aktuellen Risiken.

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