Börsengang im Mittelstand: Herausforderungen eines IPO

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zuletzt aktualisiert am 4. September 2019 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 

Mittelständisch geprägte Weltmarktführer stehen in einem ständigen globalen Wettbewerb und müssen tagtäglich den Herausforderungen der zusammenwachsenden Weltwirtschaft begegnen. Auf diesem Spielfeld kennen sich die Unternehmen aus und verstehen es, Chancen zu ergreifen. Wenn es um die Finanzierung geht, vertrauen mittelständische Unternehmen jedoch meist auf bewährte Formen und stehen einem Initial Public Offering (IPO) skeptisch gegenüber. Dabei sollten sich gerade Unternehmen im Mittelstand häufiger fragen, ob die mit einem Börsengang verbundenen Herausforderungen unerwartet neue Chancen für eine erfolgreiche Zukunft bieten.
 

 

Chancen eines IPO im Mittelstand

In einem dynamischen und sich stetig wandelnden Umfeld stehen Unternehmen regelmäßig vor Finanzierungsentscheidungen. Gerade bei stark wachsenden, internationalen Unternehmen sind immer wieder Alternativen zur klassischen Bankenfinanzierung gefragt, um künftige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Auch Mittelständler sollten dabei eine Finanzierung über den Kapitalmarkt bei einem Börsengang in Betracht ziehen. Es bietet sich eine Reihe von Möglichkeiten für die, die den Schritt an die Börse wagen.

 

Die unmittelbarsten Chancen aus dem Börsengang sind die Stärkung der Eigenkapitalbasis und die Verbesserung der Kapitalstruktur. Eine gute Eigenkapitalbasis ist die Grundlage für künftiges Wachstum und nachhaltige Eigenständigkeit des Unternehmens. Zudem kann deren Verbesserung zu einem besseren Rating durch Kreditinstitute führen, was wiederum eine kostengünstigere Fremdkapitalbeschaffung ermöglichen kann. Neben den rein finanziellen bestehen auch zahlreiche nichtfinanzielle Chancen für börsennotierte Unternehmen: So nimmt die Sichtbarkeit des Unternehmens mit dem Listing spürbar zu. Dabei gilt das nicht nur für klassische Adressaten der Kapitalmarktberichterstattung wie Analysten und Inverstoren, sondern auch für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter.

 

Mit der Börsennotierung geht in den meisten Fällen eine Bilanzierung nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) einher. Sie ist gegenüber der Bilanzierung nach HGB stärker auf die Informationsbedürfnisse der aktuellen und künftigen Anteilseigner ausgerichtet und löst sich vom klassischen Gläubigerschutz des HGB. Durch die erhöhte Transparenz verbessert sich die internationale Vergleichbarkeit der Finanzberichterstattung – das erleichtert wiederum den Zugang zu neuen potenziellen Investoren, Kunden und Lieferanten und verbessert zudem die Chancen bei der Suche nach talentierten Mitarbeitern.

 

In Abhängigkeit des Börsensegments können auch HGB-Bilanzierer Aktien an der Börse platzieren und auf eine Umstellung der Rechnungslegung auf IFRS verzichten.

 

Beim Gang an die Börse haben Unternehmen die Möglichkeit sich für den EU-regulierten Markt oder den privatrechtlichen Freiverkehr zu entscheiden. Der regulierte Markt zeichnet sich durch strenge Transparenzanforderungen und hohe Börsennotierungskosten aus, die Emittenten profitieren aufgrund der hohen zu erfüllenden Anforderungen von der Seriosität des regulierten Verkehrs. Geringe Zulassungs- und Folgepflichten sowie niedrige Börsennotierungskosten sind charakteristisch für den Freiverkehr, der einen einfachen und kostengünstigen Weg an die Börse darstellt.

 

Herausforderungen eines IPO im Mittelstand

Der Gang an die Börse stellt Unternehmen jedoch auch vor neue Herausforderungen. Je nach zeitlichem Vorlauf des Börsengangs und in Abhängigkeit der bestehenden Reportingstrukturen können sie unterschiedlich groß ausfallen.

 

Aufgrund der größeren und anonymeren Anteilseignerstruktur geht der Börsengang mit erhöhten Transparenzanforderungen einher. Sie unterscheiden sich nach Art des Marktes (EU-regulierter Markt vs. Freiverkehr) und des Standards (General Standard vs. Prime Standard im regulierten Markt oder Scale vs. Quotation Board im Freiverkehr). Die erhöhten Ansprüche liegen zu Beginn in den Zulassungsanforderungen und anschließend in den Zulassungsfolgepflichten.

 

Für die Notierung am regulierten Markt ist die Bilanzierung nach IFRS Voraussetzung. Vor einer Emission der Aktien muss daher die Rechnungslegung von HGB auf IFRS umgestellt werden. Das kann weitreichende Auswirkungen auf die Prozesse und die IT-Landschaft haben. Daher empfiehlt es sich, die IFRS-Umstellung in einem angemessenen Zeitraum vor dem geplanten Börsengang durchzuführen, um die neuen Regelungsprozesse aufzubauen und die erhöhten Berichtsanforderungen nach IFRS zu meistern, bevor die weiteren Transparenzanforderungen der Börsennotierung hinzukommen.

 

Mit der Börsennotierung erweitert sich das Spektrum der Finanzberichterstattung in Form von verpflichtender (z.B. Quartalsmitteilungen, Halbjahresfinanzberichte, Ad-hoc-Mitteilungen) und freiwilliger Berichterstattung (z.B. Pressemitteilungen, Analystenveranstaltungen, Conference Calls und Nachhaltigkeitsberichterstattung). Zudem steigt die Häufigkeit der Veröffentlichungen. Schließlich kommt hinzu, dass der Zeitpunkt der verpflichtenden Berichterstattung näher an den jeweiligen Stichtag rückt und damit der Zeitraum für die Erstellung der entsprechenden Informationen verkürzt wird. Um die erweiterten Transparenzanforderungen zu erfüllen, müssen zunächst das notwendige Know-how aufgebaut und bestehende Abläufe erweitert werden. Gute sowie stabile Prozesse sind für eine erfolgreiche Kapitalmarktkommunikation von zentraler Bedeutung. Der Weg dorthin kann insbesondere für mittelständische Unternehmen eine Herausforderung sein – und sollte nicht unterschätzt werden.

 

Fazit

Der Gang an die Börse kann auch für mittelständische Unternehmen eine geeignete Finanzierungsform sein. Dabei ergeben sich für die Unternehmen Chancen, die über die reine Kapitalaufnahme hinausgehen und zu einer erfolgreichen Zukunft beitragen können. Insbesondere die verbesserte Sichtbarkeit der Unternehmen für Investoren, Analysten, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter ist hervorzuheben.

 

Um die vielversprechenden Perspektiven nutzen zu können, müssen sich mittelständische Unternehmen allerdings auch neuen Herausforderungen stellen. Mit einer guten Projektplanung auf Basis eines realistischen Zeitplans sowie dem Aufbau entsprechender Prozesse und Ressourcen lassen sie sich – für mittelständisch geprägte Weltmarktführer – erfolgreich meistern.

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