Überblick aktueller Standpunkte zum kostenlosen öffentlichen Nahverkehr

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​veröffentlicht am 30. Mai 2018

 

Zum kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird im Kontext der Luftreinhaltung nach wie vor kontrovers diskutiert. Sechs Streiflichter zeigen aktuelle Auffassungen und Vorhaben zum Thema.

 

Forscher der TU Dortmund haben im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass ein kostenloser ÖPNV kaum etwas zur Senkung von Emissionen und somit zum Klimawandel beitragen könnte. Es gäbe deutlich vielversprechendere Maßnahmen, die jedoch politisch schwieriger umzusetzen seien wie bspw. Tempolimits und höhere Kraftstoffpreise. Die Forschungseinrichtung simulierte das Verhalten unterschiedlicher Typen von Verkehrsteilnehmern. Die Verkehrsmittelwahl war dabei abhängig von Parametern wie bspw. Kosten, Komfort, Geschwindigkeit und aktuelle Verkehrslage.

 

In Köln ist man da offenbar anderer Meinung, denn die Stadt am Rhein bietet am 3. Juni erstmals einen Tag lang die kostenlose Nutzung von Bussen und Bahnen im Stadtgebiet an. Außerdem können Leihräder der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) 30 Minuten gratis genutzt werden. Mit der Maßnahme, die zu geschätzten 150.000 Euro Einbußen führen wird, möchten die KVB mehr Menschen für den Kölner ÖPNV gewinnen und somit auch zu einer besseren Luftqualität, dem Klimaschutz und der Stauvermeidung beitragen.

 

Derweil will Boris Palmer in Tübingen einen kostenlosen Busverkehr realisieren. Der Oberbürgermeister der Stadt ist der Auffassung, dass es die günstigste und einfachste Möglichkeit sei, um gegen Staus und schlechte Luftqualität anzukommen. Dafür wurde ein Antrag mit zwei Alternativmodellen vom Gemeinderat verabschiedet. Variante eins sieht eine komplett kostenlose ÖPNV-Nutzung vor, Variante zwei eine Halbierung der aktuellen Tarife in Kombination mit einer kostenlosen Nutzung am Wochenende sowie ab 19 Uhr an Werktagen. Der Finanzierungsaufwand wird auf jährlich 14,5 Millionen Euro geschätzt, wovon sich die Angebotsausweitung des lokalen Nahverkehrsanbieters auf rund 6,1 Millionen beziffert.

 

Eine weitere Variante hat sich die Stadt Augsburg auf die Fahne geschrieben. Dort möchte man ab Ende 2019 die kostenfreie Benutzung von Bussen und Straßenbahnen für Kurzstrecken anbieten. Finanziell wird mit Mindereinnahmen von rund einer halben Million Euro jährlich gerechnet. Das Vorhaben könnte vor allem für Gelegenheitsfahrer attraktiv sein, denen der Preis für die Kurzstrecke bislang zu teuer ist und die stattdessen mit dem eigenen Pkw in das Stadtzentrum fahren. Touristen könnten von dem Angebot ebenfalls profitieren. 

 

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hält es ebenfalls für sinnvoll, den ÖPNV phasenweise oder auch insgesamt günstiger anzubieten. Die Ministerin spricht sich darüber hinaus für eine Mobilitäts-App aus, um verschiedene Verkehrsmittel miteinander zu verknüpfen und die ÖPNV-Nutzung zu vereinfachen.

 

Andreas Knie, Gründer und Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ), sieht den kostenlosen Nahverkehr eher kritisch und verspricht sich davon wenig Wirkung. Der Sozialwissenschaftler und Verkehrsexperte ist der Meinung, dass der ÖPNV nicht wegen der hohen Preise, sondern wegen der komplizierten Tarif- und Ticketsysteme gemieden wird. Der Preis stelle maximal für zehn Prozent der potenziellen „Umsteiger” auf den ÖPNV ein Hemmnis dar.

 

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