Aktuelle Trends im M&A Markt

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veröffentlicht am 26. Juli 2022 | Lesedauer ca. 4 Minuten

 

Nach mehr als zwei Jahren, die von der Corona-Pandemie und den aktuellen politischen Entwicklungen geprägt waren und weiter sind, lohnt ein Blick auf die Auswirkungen, die diese am M&A Markt hinterlassen haben. Im Folgenden richten wir den Blick auf aktuelle Trends im M&A Markt, wie wir sie in unserer Beratungspraxis – sowie dem glücklicherweise wieder zunehmenden persönlichen Austausch mit Mandanten und Kollegen – als prägend erachten.


Legal Tech / Digitalisierung

Wie in allen anderen Wirtschaftsbereichen sind auch in der Arbeitswelt der M&A-Transaktionen digitale Tools angekommen. Die Geschwindigkeit der Digitalisierung in der Wirtschaft hat sich in den vergangenen zwei Jahr nochmals deutlich beschleunigt und schreitet unaufhaltsam voran. Das Aufkommen von digitalen Tools für sog. Dealsourcing, das den M&A-Prozess für Berater und Investoren vereinfacht, ist ein gutes Beispiel dafür. Dealsourcing bietet technologiebasierte M&A-Lösungen für Verkaufsberater und Käufer. Einerseits nutzen M&A-Berater dieses Instrument zur Identifizierung von Käufern und zur Marktansprache, andererseits erhalten Investoren Zugang zu einem umfassenden Dealflow an relevanten Projekten.
 

Solche datengesteuerten Ansätze können dabei helfen, herauszufinden, welche Käufer es auf dem Markt gibt und wer welche Strategie verfolgt, um so vor allem die Abbruchquote bei einem anfänglichen Interesse zu verringern. Auch sich stetig verbessernde Softwarelösungen für die Erstellung und das Auslesen von Verträgen im Rahmen von Due-Diligence-Prüfungen prägen die Arbeit in M&A-Transaktionen. Prüfungen können oftmals wesentlich schneller und mit teilweise besseren Ergebnissen durchgeführt werden, was wiederum Kosten spart.

 

Die Digitalisierung ist jedoch kein Selbstläufer. Um in diesem Bereich erfolgreich zu sein, sind zum einen hohe Investitionen erforderlich. Zum anderen ist ein Bewusstsein und die Bekenntnis zum Change Management von allen Beteiligten unumgängliche Voraussetzung, um sich den Herausforderungen, Chancen und Risiken der Digitalisierung erfolgreich zu stellen.


M&A Markt 2021 & 2022 – Branchen & künftige Entwicklungen

Das Jahr 2020 und die vorangegangenen Jahre zeigten eher in Richtung eines sich verstetigten Verkäufermarkts. Nach der anfangs durch die COVID-19 Pandemie bedingten Eintrübung kam es im Jahr 2021 zu einem von uns beobachteten deutlichen Anstieg der M&A-Transaktionen im deutschen aber auch internationalen M&A-Markt. Das zeigen auch die insgesamt 320 von Rödl & Partner begleiteten Transaktionen im Geschäftsjahr 2021. Damit wurde nicht nur die hohe Zahl der Transaktionen aus der Zeit vor der COVID-19 Pandemie fortgesetzt, sondern sogar das bisher erfolgreichste Jahr 2019 von Rödl & Partner – mit damals 313 Transaktionen – übertroffen. Das erste Quartal 2022 startete gut. Alle Marktteilnehmer waren auch für das Gesamtjahr 2022 sehr zuversichtlich. Befeuert wird dieser Trend einerseits durch mehr als 200.000 Unternehmen, die kurz- und mittelfristig Nachfolgethemen lösen müssen, und andererseits viele Investoren – sowohl strategische aber vor allem Private-Equity-Investoren – die über hohe Liquidität oder Kapitalzusagen verfügen.

 

Zum ersten Mal seit Jahren ist auch eine Verschiebung des Branchenfokus zu beobachten, auch wenn die unangefochtene Nummer 1 auch in 2021 die Unternehmen der klassischen Industriebranchen bleiben. Gewinner waren Unternehmen aus der Gesundheitsbranche, dem IT- und Softwaresegment, dem Bereich Energie sowie zahlreiche Dienstleistungsbereiche. Andererseits gehörten vor allem die Automobilzulieferer zu den Verlierern des Jahres 2021, was auf die ungünstigen Entwicklungen in diesem Sektor in Bezug auf anstehende Disruption und Lieferkettenprobleme zurückzuführen ist.

 

Regulatorische Eingriffe wirken sich auf Transaktionssicherheit aus 

Die COVID-19 Pandemie und der Ukraine-Krieg sind nicht die einzigen Ereignisse, die sich auf den M&A-Markt auswirken. Auch der Staat nimmt zunehmend Einfluss auf den Markt. So versucht er beispielsweise, den Verkauf und die Abwanderung von systemrelevantem Know-how durch regulatorische Maßnahmen zu unterbinden. In den letzten Jahren gab es einen klaren Trend zu mehr staatlicher Regulierung auf verschiedenen Ebenen. Dies ist auf die Abkehr von einer liberalen globalen Handelspolitik zurückzuführen.  

 

Die Außenwirtschaftsverordnung (AWV) dient der Vermeidung von Sicherheitsrisiken, die im Einzelfall bei der Übernahme deutscher Inlandsunternehmen durch ausländische Käufer entstehen können. Ende 2020 wurden die Regelungen der AWV massiv verschärft. Daher besteht eine branchenübergreifende Investitionsprüfung für den Erwerb deutscher Unternehmen durch Käufer aus Nicht-EU/EFTA-Staaten. Darüber hinaus existiert die sog. EU-Dual-Use-Verordnung, die in Deutschland und in allen anderen EU-Mitgliedstaaten unmittelbar anwendbares Recht ist. Weitere Verschärfungen sind nicht auszuschließen.

Folglich werden Transaktionen mit (EU-) ausländischen Investoren mit einem weiteren Unsicherheitsfaktor belastet.

 

Kaufpreisthemen

In den letzten Jahren herrschte ein Verkäufermarkt, die Unternehmensbewertungen und damit die Kaufpreise waren hoch und die Verkäufer hatten eine starke Verhandlungsposition, was sich auch in den Vertragsbedingungen widerspiegelte. Gründe hierfür waren die gleichzeitig gestiegene Liquidität im Markt und der immer stärker werdende Wettbewerb um Akquisitionsziele; die EBITDA-Multiplikatoren für europäische Mittelstandstransaktionen lagen 2021 sogar über dem bisherigen Durchschnitt.

Die Bewertungen werden angesichts der Konjunkturabschwächung, der Ungewissheit über den weiteren Kriegsverlauf, der steigenden Rohstoffpreise sowie der Lieferengpässe und Lieferkettenprobleme sinken. Zudem wird das steigende Zinsniveau Akquisitionsfinanzierungen erschweren.

 

Environmental- Social und Governance (ESG) bei Transaktionen

Die Bedeutung von ESG als Ausprägung und Konkretisierung der Compliance wird weiter zunehmen. Nachhaltigkeit ist keine Modeerscheinung mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für langfristigen Unternehmenserfolg. Es geht nicht nur um Reputation und immaterielle Werte, sondern auch um messbare materielle Erfolge, die sich in der Bilanz niederschlagen. Unternehmen, die ESG-Faktoren ignorieren, riskieren, Kunden zu vergraulen, von der Politik bestraft und von Investoren ignoriert zu werden. Das Thema Nachhaltigkeit wird daher in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Es geht hier um den Wert des Unternehmens, d.h. die Wertsteigerung und den erzielbaren Kaufpreis, den Zugang zu qualifiziertem Personal sowie die Marktposition und Wettbewerbsfähigkeit und den Zugang zum Finanzierungsmarkt. ESG wird daher künftig u.a. eine große Rolle bei der Auswahl der Targets, der Vorbereitung der Transaktionen und in der Due Diligence und Vertragsgestaltung spielen.

 

Fazit

Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass sog. Megatrends, wie z.B. die Digitalisierung oder die Disruption klassischer Geschäftsmodelle, auch die Entwicklung am M&A-Markt stark beeinflussen. Inwieweit dies fortschreitet, lässt sich angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen jedoch kaum vorhersagen.

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