Rechnungslegung nach IFRS: Auch eine Option für den Mittelstand?

zuletzt aktualisiert am 21. Februar 2018

Kapitalmarktorientierte Unternehmen sind verpflichtet, ihren Konzernabschluss nach den internatio­nalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) aufzustellen. Doch auch für kapitalmarktnahe oder international tätige Familienunternehmen kann sich eine freiwillige Anwendung der IFRS lohnen.


Über 10 Jahre nach dem Einzug der IFRS in die deutsche Bilanzierungspraxis bestehen bei nicht kapital­marktorientierten Unternehmen oft noch Vorbehalte gegen eine freiwillige – wenn auch befreiende – Anwendung der internationalen Rechnungslegungsstandards. Insbesondere der im Vergleich zum HGB erhöhte Umfang der Angaben sowie deren Komplexität und Änderungsdynamik halten derzeit noch viele Unternehmen von einer IFRS-Umstellung ab. Damit verbunden ist meist die Erwartung entsprechend hoher einmaliger und laufender Kosten.
 
Das eigentliche Ziel der IFRS, die Bereitstellung von entscheidungsnützlichen Informationen v.a. für Investoren und Gläubiger, besitzt bei inhabergeführten Unternehmen sicherlich einen etwas anderen Stellenwert als bei kapitalmarktorientierten Unternehmen. Nicht für alle Unternehmen macht somit ein Übergang von HGB auf IFRS Sinn. Dennoch kann es im Einzelfall gute Gründe geben.
 

IFRS als Spiegelbild zunehmend komplizierterer Transaktionen

Die Komplexität der IFRS steht in engem Zusammenhang mit immer komplizierteren Transaktionen auf den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten. So erfordern beispielsweise strukturierte Finanzprodukte detaillierte Angaben zu den Bewertungsannahmen. Dies wurde nicht zuletzt durch die letzte Finanzkrise verdeutlicht. Gleichfalls bedarf es auch bei Anwendung der handelsrechtlichen Vorschriften in zunehmen­dem Maße einer Gesetzesauslegung, um komplizierte Geschäftsvorfälle sachgerecht zu bilanzieren. Daher ist der gestiegene Bilanzierungsaufwand nicht nur ein Phänomen der internationalen Rechnungslegung, sondern betrifft (wenn auch in geringerem Ausmaß) alle Unternehmen.
 

Potenzielle Profiteure einer freiwilligen Anwendung

Vor allem für 2 Gruppen von Unternehmen bietet eine Umstellung des Rechnungswesens auf IFRS erfahrungsgemäß Vorteile.
 
Zum einen handelt es sich dabei um Unternehmen, die mittel- oder langfristig den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen wollen. Diese Gruppe kann durch eine frühzeitige Anwendung der IFRS bereits im Vorfeld wertvolle Erfahrungen sammeln, die im Hinblick auf eine später ohnehin verpflichtende Aufstellung eines IFRS-Konzernabschlusses zu deutlichen Zeit- und Kosteneinsparungen führen können. Darüber hinaus wurde in mehreren Studien nachgewiesen, dass die Rechnungslegung nach IFRS – trotz des oftmals propagierten information overload – einen positiven Effekt auf die Qualität der Abschlussinformationen hat. Investoren sind demnach in der Lage, einen besseren Einblick in die Situation des Unternehmens zu gewinnen, was ihr Risiko und damit verbunden die Kapitalkosten des Unternehmens reduzieren kann.
 
Zum anderen können auch Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit in hohem Maße international ausge­richtet ist, von einer freiwilligen Anwendung der IFRS profitieren. Vor dem Hintergrund des weltweit wachsenden Wettbewerbsdrucks auf den Beschaffungs-, Produktions- und Absatzmärkten ist es wichtig, über Zahlen und Informationen zu verfügen, die einen unmittelbaren Vergleich mit oftmals ausländischen Wettbewerbern ermöglichen. Aufgrund ihrer weltweiten Verbreitung können die IFRS ein Instrument zur Bereitstellung solch standardisierter Daten darstellen. Nicht umsonst steigt mit dem Internationalisierungs­grad der Unternehmen auch der Anteil an IFRS-Bilanzierern. Die IFRS-Zahlen können aber auch zur operativen und strategischen Steuerung von Unternehmensbereichen eingesetzt werden und unterstützen damit die Angleichung von internem und externem Rechungswesen. Schließlich können durch eine freiwillige IFRS-Anwendung insbesondere bei international tätigen Familienunternehmen sogar zusätzliche Kosten eingespart werden, indem die oftmals aufwendige Überleitung der nach lokalem Recht aufgestellten Einzelabschlüsse auf HGB durch eine Überleitung auf die international verbreiteten und weltweit aner­kannten IFRS ersetzt wird.
 
Ob der Nutzen einer freiwilligen IFRS-Bilanzierung deren Kosten und Nachteile überwiegt, ist vom jeweiligen Einzelfall abhängig. Als Unternehmen auf dem Sprung zum Kapitalmarkt oder mit stark internationaler Ausrichtung kann es aber Sinn machen, darüber nachzudenken.
 

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Christian Landgraf

Diplom-Kaufmann, Certified Public Accountant, Wirtschaftsprüfer

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