Erfolgreich investieren in der Russischen Föderation

zuletzt aktualisiert am 17. Mai 2017

  

​​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Russland ein?

Nach 2 Rezessionsjahren deutet sich in Russland eine Trendwende an, nicht zuletzt aufgrund des wieder gestiegenen Ölpreises und der stabilisierten Währung. Die russische Wirtschaft wird aller Voraussicht nach im Jahr 2017 leicht wachsen. Die Prognosen reichen dabei von 0,5 bis 2 Prozent (Wirtschaftsministerium der Russischen Föderation). Die Inflationsrate fiel mit 5,4 Prozent im Jahr 2016 deutlich geringer aus als noch 2015 mit 12,9 Prozent. Indes erholt sich der Konsum aufgrund der niedrigen Kaufkraft der einheimischen Bevölkerung nur langsam. Trotz der Wachstumsprognose kann aber kaum von einem endgültigen „Überwinden der Talsohle” gesprochen werden. Die grundlegenden Probleme der russischen Wirtschaft, nämlich die starke Abhängigkeit vom Ölexport und das Ausbleiben von Strukturreformen, wurden noch nicht gelöst.
 

Wie würden Sie das Investitionsklima in der Russischen Föderation beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Durch die stetige Verbesserung der Investitionsbedingungen werden Investoren Anreize geboten. Dabei sind ausländische Investoren in Russland sehr willkommen, unterliegen seit der Einführung der Lokalisierungspolitik aber je nach Branche hohen Anforderungen. Das schwächt hingegen nicht das große Potenzial des Marktes. Allen voran in den Branchen Chemie, Landwirtschaft und Infrastruktur gibt es einen großen Modernisierungs­bedarf und somit Chancen für Investoren. Als Wachstumsbranchen für 2017 gelten die:
  • Maschinenbauindustrie,
  • Energiewirtschaft (große Investitionen geplant),
  • Chemieindustrie,
  • Landwirtschaft,
  • Textilindustrie und
  • Lebensmittelindustrie – insbesondere bei Milchprodukten (v.a. Käse).

Die weiterhin bestehenden geopolitischen Spannungen und Sanktionen sorgen indes für Unsicherheit.
 
Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Russland gegenüber?
Die Krise in Russland ist noch nicht überwunden. Herausforderungen bestehen weiterhin im Rahmen der Bürokratie und Korruption. Dazu kommt eine schwache Zuliefererindustrie. Deutsche Unternehmer müssen auf eine sanktionskonforme Unternehmensführung achten, wenn sie in Russland tätig sind oder Waren grenzüberschreitend anbieten. Betroffen sind Rüstungs- und Dual-Use Güter, Güter für die Erdölförderung und verbundene Dienstleistungen. Auch erschweren marktschützende Maßnahmen Russlands den Handel mit Lebensmitteln und die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen.
 

Welche Vorteile hat die Eurasische Wirtschaftsunion für die Russische Föderation?

Der größte Vorteil der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) für Russland ist der Abbau von Handels­hemmnissen. Auch deutsche Unternehmen schätzen laut  einer Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer v.a. den Wegfall von Zollgebühren und -kontrollen innerhalb der Union. Der einheitliche Zollkodex, der zum 1. Juli 2017 in Kraft treten soll, trägt zum Bürokratieabbau bei (z.B. Vorrang der elektronischen Zollerklärung). Mit der Aufwertung der EAWU zu einer Wirtschaftsunion, d.h. zu einem Wirtschaftsraum, in dem auch die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital sowie Dienstleistungen frei verkehren sollen, wird der Zugang zum russischen Markt für andere Mitgliedstaaten erheblich erleichtert. Auch die politische Bedeutung der EAWU, als „Gegengewicht zur EU”, ist nicht zu vernachlässigen: Putin zufolge soll sie einer der „Pole der modernen Welt” werden.
 

Wie wird sich Russland aus Ihrer Sicht weiterentwickeln?

Vieles hängt davon ab, ob und in welchem Umfang die dringend benötigten Wirtschaftsreformen umgesetzt werden. Ohne sie prognostiziert das Wirtschaftsministerium für 2018 bis 2020 ein BIP von lediglich 1,5 Prozent jährlich. Zur Stimulation des Wachstums ordnete Premierminister Medwedew im 1. Quartal 2017 allen wirtschaftsrelevanten Ministerien an, kurz- und langfristige Maßnahmenpläne zu entwickeln.

 
 

 Kulturelle Besonderheiten in der Russischen Föderation

 Kontakt

Dr. Andreas Knaul, LL.M., d.i.a.p. (E.N.A.)

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