Jahresabschluss 2016: Erhebliche Risiken bei der Zuordnung von Kosten zu einer weißrussischen Betriebsstätte

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  • Ausländische Unternehmen, die über eine ständige Betriebs­stätte in Weißrussland tätig sind, haben die Möglichkeit, Kosten ihrer weißrussischen Betriebsstätte zuzuordnen und auf diese Weise legal Steuern zu sparen.
  • Damit eine ausländische Gesellschaft ihre im Ausland entstandenen Kosten in Weißrussland körperschaft­steuerrechtlich geltend machen kann, müssen die ausländischen Kosten zunächst durch einen Wirtschaftsprüfungsbericht bestätigt werden.
  • Wirtschaftsprüfungsberichte müssen gemeinsam mit der weißrussischen Körperschaft­steuererklärung für das Geschäftsjahr 2016 bis spätestens zum 20. März 2017 bei den weißrussischen Steuerbehörden eingereicht werden.

Die Einreichung der Jahresabschlüsse für 2016 naht. Verfügt eine ausländische Gesellschaft über eine weißrussische Betriebsstätte, gibt es die Möglichkeit, bestimmte Aufwendungen in Weißrussland körperschaftsteuerrechtlich geltend zu machen.
 

Hierzu ist es nötig, dass die Aufwendungen durch einen Wirtschafts­prüfer bestätigt werden. In Weißrussland gelten seit dem 1. Januar 2016 u.a. neue Regeln für die Aufstellung von Wirtschafts­prüfungs­berichten. Insbesondere ausländische Wirtschaftsprüfer sollten sich mit den Regelungen vertraut machen.
 

Werden Kosten fälschlicherweise in Weißrussland körperschaft­steuer­rechtlich geltend gemacht, kann das für Unternehmen zu Steuer­nachzahlungen und Sanktionen führen.
 

Um eine rechtzeitige Erfassung der ausländischen Kosten in der weißrussischen Körperschaftsteuererklärung gewährleisten zu können, sollten ausländische Unternehmen ihre Wirtschafts­prüfungs­berichte für das Geschäftsjahr 2016 möglichst noch im Januar 2017 ihren weißrussischen Betriebsstätten zum Abgleich zukommen lassen.
 

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Zuordenbare Kosten

Ist eine ausländische Gesellschaft in der Republik Weißrussland über eine ständige Betriebsstätte tätig, können folgende Kosten den körperschaftsteuerwirksamen Aufwendungen der Betriebsstätte der ausländischen Gesellschaft zugeordnet werden:

  1. Durch die ausländische Gesellschaft getragene Kosten, die in der Republik Weißrussland entstanden sind.
     
  2. Durch die ausländische Gesellschaft getragene Kosten, die außerhalb der Republik Weißrussland entstanden sind, die jedoch im unmittelbaren Zusammenhang mit der Tätigkeit der ständigen Betriebstätte in der Republik Weißrussland standen, einschließlich den  Konzernverwaltungskosten sowie Stammhausaufwendungen.

Schritt 1: Zuordnung der Kosten

Die ausländischen Kosten müssen durch einen Wirtschafts­prüfungs­bericht einer Wirtschafts­prüfungs­gesellschaft bzw. eines Wirtschaftsprüfers des ausländischen Staates, in dem die ausländische Gesellschaft ansässig ist, bestätigt werden.
 

Sind die Kosten der ausländischen Gesellschaft nur teilweise der weißrussischen Betriebsstätte zuzuordnen, muss im Wirtschafts­prüfungs­bericht angegeben werden, in welcher Höhe (Anteil, Prozent) die Kosten der Tätigkeit der ständigen Betriebsstätte zuzuordnen sind und auf welcher Grundlage die Zuordnung vorgenommen wurde – klassisches Beispiel hierfür sind Stammhausaufwendungen.
 

Die im Ausland entstandenen Kosten müssen gleichzeitig sowohl gemäß dem ausländischen als auch gemäß dem weißrussischen Steuerrecht steuerlich geltend gemacht werden können.
 

Ist demnach im ausländischen Staat die Erfassung einzelner Kostenarten (Kostenpositionen) für die Körperschafts­besteuerung verboten, dürfen die Kosten auch nicht im Wirtschafts­prüfungs­bericht erfasst werden. Er wäre Grundlage, um derartige Kosten der weißrussischen Betriebstätte zuzurechnen und sie in der Republik Weißrussland körperschaft­steuerrechtlich geltend zu machen. 
 

Schritt 2: Überprüfung der Zuordenbarkeit gemäß weißrussischem Recht 

Sind die Kosten nach dem jeweiligen ausländischen Recht zu Zwecken der Körperschaftsteuer und im Wirtschaftsprüfungsbericht erfasst worden, muss die weißrussische Buchhaltung im Anschluss die im ausländischen Wirtschaftsprüfungsbericht ausgewiesenen Kostenarten bzw. -positionen auf deren Übereinstimmung mit den weißrussischen Steuerregelungen hin prüfen. Beinhaltet der Wirtschaftsprüfungsbericht Kostenarten bzw. -positionen, die nach weißrussischem Steuerrecht nicht für die Körperschaftsbesteuerung berücksichtigt werden dürfen, dürfen die Kosten auch nicht zu Körperschaftsteuerzwecken der weißrussischen Betriebsstätte zugeordnet werden.  

 

Beispiel:

  • Taxi-Kosten können gemäß deutschem Recht bei der Körperschaftsbesteuerung berücksichtigt werden. Gemäß weißrussischem Steuerrecht sind solche Kosten jedoch nicht körperschaftsteuerwirksam. Diese Kostenposition würde im Regelfall wohl in den für die Körperschaftbesteuerung in Weißrussland nötigen Wirtschaftsprüfungsbericht mit aufgenommen werden.
  • Es empfiehlt sich jedoch, die Kostenposition „Taxifahrten” (auch wenn es das deutsche Steuerrecht erlauben würde) bereits im Vorhinein nicht in den Wirtschaftsprüfungsbericht aufzunehmen, da die weißrussische Buchhaltung (oder später die Steuerinspektion) diesen Betrag wieder aus den steuerwirksamen Kosten herausstreichen müsste.

Neue Formerfordernisse für Wirtschaftsprüfungsberichte

Seit dem 1. Januar 2016 gelten in Weißrussland neue Anforderungen an die Form von Wirtschaftsprüfungsberichten. Die Angaben zu ausländischen Kosten müssen:
  • Nicht nur in ausländischer Währung, sondern auch in weißrussischen Rubeln angegeben werden;
  • nach Kostenarten bzw. -positionen geordnet sein;
  • das Datum der steuerlichen Erfassung der Kosten gemäß dem ausländischem Recht enthalten.

 

Die Angabe der Kosten in weißrussischen Rubeln erfolgt gemäß dem Wechselkurs der Nationalbank der Republik Weißrussland am Tag der Kostenerfassung zum Zweck der Besteuerung im ausländischen Staat.
 

Ist im ausländischen Recht keine steuerliche Erfassung der Kosten vorgesehen, muss diese Information im Wirtschaftsprüfungsbericht mit Verweis auf die entsprechenden ausländischen Rechts­vorschriften angegeben werden. In diesem Fall erfolgt die Umrechnung der ausländischen Kosten gemäß dem Wechselkurs der weißrussischen Nationalbank am Tag der Kostenerfassung in der Buchhaltung der ausländischen Gesellschaft.

 

Hinweis:


Die Einreichung des ausländischen Wirtschaftsprüfungsberichts bei der weißrussischen Steuerbehörde muss gemeinsam mit der Einreichung der weißrussischen Körperschaftsteuererklärung der Betriebsstätte für das Geschäftsjahr 2016 bis zum 20. März 2017 erfolgen.     
 

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zuletzt aktualisiert am 16.01.2017

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